Die Kirche als Ort der Feier und der Gemeinschaft sieht sich in der heutigen Zeit vor einer schwierigen Aufgabe. Die multikulturelle Gesellschaft und die Religionslosigkeit der Menschen bilden die Grundlage des Pluralismus. Die religiösen Überzeugungen des Einzelnen und die Abwendung von der Kirche stellen ebenfalls wichtige Faktoren dar. Religion und vor allem die Liturgie stehen an einem Scheideweg. Besonders die Liturgie muss sich den neuen Begebenheiten in der gottesdienstlichen Praxis stellen und versuchen diesen gewachsen zu sein. Die Liturgie sollte sich gegenüber den anderen Religionen und Konfessionen behaupten und im Zuge dessen nicht ihre Identität verlieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Religiöser und ritueller Pluralismus
3. Multireligiöse und interreligiöse Feiern
4. Die Feier der Lebenswende
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, wie die Kirche und ihre Liturgie auf die Herausforderungen einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft reagieren können, ohne ihre eigene Identität zu verlieren. Dabei wird analysiert, inwiefern neue Formen der gottesdienstlichen Praxis, wie multireligiöse Feiern oder die "Feier der Lebenswende", als Brücke zu einer säkularisierten Bevölkerung fungieren können.
- Religiöser und ritueller Pluralismus in der modernen Gesellschaft
- Herausforderungen der Liturgie durch gesellschaftlichen Wandel
- Chancen und Grenzen multireligiöser sowie interreligiöser Feiern
- Die "Feier der Lebenswende" als praktisches Beispiel kirchlicher Öffnung
- Identitätserhalt der Kirche im interreligiösen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Feier der Lebenswende
Die Feier der Lebenswende entwickelte sich aus der Jugendweihe. Diese ist eine Tradition der DDR. Die Wurzeln der Feier der Lebenswende finden sich jedoch im kirchlichen Umfeld. 1787 wird versucht eine so genannte bürgerliche Konfirmation einzuführen.
In der Feier der Lebenswende feiern Schüler der 8. Klasse ihren Abschied von der Kindheit und den Übergang in das Jugendalter. Die Besonderheit an dieser Feierlichkeit ist, dass nur ungetaufte Jugendliche teilnehmen dürfen. Anfang des 20. Jahrhunderts finden darauf die ersten „proletarischen Jugendweihen“ statt. Im Nationalsozialismus werden die Feierlichkeiten übernommen und zu einer „Verpflichtungsfeier“ umfunktioniert. Zunächst soll die Feier nicht ein Gegenstück der Kommunion darstellen, aber im Laufe der wird die zunehmend gegen die kirchliche Feier gerichtet. In der DDR rief schließlich die SED zur Teilnahme an der Jugendweihe auf und sprach ihr explizit einen atheistischen Charakter zu. Die Jugendweihe galt als Initiation in den sozialistischen Staat und musste deshalb strikt von den Riten der Kirche getrennt werden.
Die Jugendweihe ist im Osten Deutschlandlands immer noch ein fester Bestandteil im Leben der Jugendlichen (Seit der Wende haben ca. 1 Million Jugendliche an der Jugendweihe teilgenommen.). Ihren idoktrinatorischen Charakter hat die Jugendweihe längst abgelegt und sie dient nun nur noch als gefeierter Übergang in das Jugendalter für Jugendliche. Mittlerweile weile gibt es sogar im Westen Deutschland Angebote an einer Jugendweihe teilzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die schwierige Aufgabe der Kirche, in einer multikulturellen und zunehmend religionslosen Gesellschaft ihre Identität in der Liturgie zu bewahren.
2. Religiöser und ritueller Pluralismus: Das Kapitel beschreibt, wie die Liturgie durch die Zunahme individueller Ritualkulturen und den Verlust traditioneller Bindungen an Relevanz verliert und sich auf einem Markt der Meinungen behaupten muss.
3. Multireligiöse und interreligiöse Feiern: Hier wird untersucht, unter welchen Bedingungen gemeinsame Feiern stattfinden können und warum die Kirche bei interreligiösen Anlässen zur Zurückhaltung mahnt, um die eigene Identität zu wahren.
4. Die Feier der Lebenswende: Das Kapitel erläutert die Genese der Feier aus der Tradition der Jugendweihe und zeigt auf, wie der Erfurter Dom diese Form nutzt, um Ungetaufte an das Christentum heranzuführen.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sich Kirche und Liturgie dem Pluralismus stellen müssen, um durch unterschwellig christliche Angebote in einer säkularen Gesellschaft neue Relevanz zu gewinnen.
Schlüsselwörter
Liturgie, Pluralismus, Kirche, Gottesdienst, Ritualkultur, Jugendweihe, Feier der Lebenswende, Christentum, Identität, Interreligiös, Multireligiös, Säkularisierung, Religionspädagogik, Tradition, Sinnstiftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen, die ein pluralistisches gesellschaftliches Umfeld für die christliche Liturgie mit sich bringt und wie die Kirche darauf reagieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem religiösen Pluralismus, der Entwicklung einer unabhängigen Ritualkultur sowie den Möglichkeiten und Grenzen interreligiöser Feierformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Kirche durch neue Feierformate eine Brücke zu kirchenfernen Menschen schlagen kann, ohne dabei ihre eigenen christlichen Werte aufzugeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theologische Analyse von aktuellen gesellschaftlichen Trends sowie eine Untersuchung praktischer kirchlicher Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Pluralismus und der modernen Ritualkultur sowie in die Vorstellung konkreter Beispiele wie multireligiöse Feiern und die Feier der Lebenswende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Liturgie, Pluralismus, Ritualkultur, Feier der Lebenswende, Identität und christliche Botschaft.
Warum wird in multireligiösen Feiern vom gemeinsamen Gebet abgeraten?
Da das Gebet ein spezifisches Reden zu Gott voraussetzt, das auf einer gemeinsamen Glaubenserfahrung basiert, würde ein gemeinsames Gebet innerhalb unterschiedlicher Religionen die Sinnhaftigkeit der Feier konterkarieren.
Wie unterscheidet sich die "Feier der Lebenswende" von der klassischen Jugendweihe?
Während die Jugendweihe historisch einen atheistischen Charakter hatte, wird die heutige Feier der Lebenswende im kirchlichen Kontext genutzt, um einen ersten Berührungspunkt zum christlichen Glauben zu schaffen.
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- Marcel Butkus (Author), 2009, Der Pluralismus aus der christlichen Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166526