In dieser Arbeit wird zunächst die schillernde Person Hippias in dem damaligen historischen Kontext vorgestellt werden. Darauf basierend soll die von ihm konzipierte Doxographie erläutert und deren Wirkung diskutiert werden. Die Sophistik als philosophische Strömung der Antike hatte zur damaligen Zeit und
auch in gewissem Maß heute noch einen eher schandvollen Ruf. Insbesondere die bitterbösen
Tadelungen Platons in einer Vielzahl seiner Dialoge lässt ein schlechtes Licht auf
die Vertreter der sophistischen Philosophie scheinen. Sokrates kritisiert dort häufig in
zynischer Art und Weise die Thesen der Wanderlehrer um Protagoras, Gorgias oder
Thrasymachos. Sie gelten für ihn als Sinnbild der Nichtwissenden, die mit ihrem selbstherrlichen
Auftreten in geschickter Manier die Wahrheit zu ihren Gunsten verdrehten.
Auch die Person, deren bedeutendstes Werk im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht,
wurde Zielobjekt der platonischen Kritik. Hippias aus Elea war in den Dialogen Hippias
Minor und Hippias Maior Hauptgesprächspartner von Sokrates. In beiden Werken
wird er als eitler Ehrenmann dargestellt, der von seinem Gegenüber schrittweise düpiert
wird. Die hohe Fachkompetenz, welche Hippias für sich in allen wichtigen Wissensgebieten
beansprucht hatte, wird dort auch als Diskussionsgegenstand aufgegriffen. Sie
bildet gleichsam die Grundlage für die Erstellung seines enzyklopädischen Werkes, die
eine geordnete und vergleichende Übersicht der philosophischen Ansichten älterer Denker
als hohes Ziel ausgibt. Diese philosophiegeschichtliche Leistung soll im Mittelpunkt
dieser Seminararbeit stehen. Zunächst soll die schillernde Person Hippias in dem damaligen
historischen Kontext vorgestellt werden. Darauf basierend soll die von ihm konzipierte
Doxographie erläutert und deren Wirkung und Bedeutung diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Person und Gesamtwerk des Hippias von Elea
3 Das doxographische Werk
3.1 Zweck und Aufbau der Doxographie
3.2 Der Inhalt der Synagogé
3.2.2 Der Eros
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Person Hippias von Elea und analysiert insbesondere sein doxographisches Hauptwerk, die Synagogé, um dessen Bedeutung für die Anfänge der griechischen Philosophiegeschichtsschreibung und den Einfluss auf nachfolgende Denker wie Platon und Aristoteles zu beleuchten.
- Biographische Einordnung des Sophisten Hippias von Elea im historischen Kontext.
- Analyse von Aufbau, Methode und Zielsetzung des doxographischen Werks Synagogé.
- Untersuchung der Rezeption und Nutzung der Hippias-Fragmente durch antike Philosophen.
- Rekonstruktion ausgewählter Lemmata (z. B. Wasser, Eros, Seinsprinzipien) aus dem Werk.
- Reflexion über die innovative Rolle von Hippias als Wegbereiter einer vergleichenden Philosophiegeschichte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Zweck und Aufbau der Doxographie
In dem laut PATZER (1986:15) einzig erhaltenen wörtlichen Zitat der Prosaschriften von Hippias heißt es wie folgt (Übersetzung aus SCHIRREN & ZINSMAIER 2003:225):
„Von diesem (was ich sagen will) ist das eine von Orpheus gesagt, das andere von Musaios, in knapper Form von dem einen hier, dem anderen da, von Hesiod und Homer, anderes von anderen Dichtern, in Prosa bei den Griechen und Barbaren; ich aber will allem diesem das Größte und Zusammengehörige vereinigen und diesen neuen und vielgestaltigen Text daraus machen.“
Überliefert wurden diese Worte von dem griechischen Theologen Klemens von Alexandria. Er nutzte dieses Zitat zur Untermauerung seiner Argumentation, dass die Griechen unermüdlich voneinander in der Philosophie und Geschichtswissenschaft plagiiert haben. Laut PATZER (1986:15) ist allerdings diese polemische Verwendung des Proömiums von Hippias irreführend. Vielmehr verfolgte der Sophist eine völlig gegensätzliche Absicht. Die Intention von Hippias bestand vor allem darin, ein enzyklopädisches Handbuch zu erstellen, welches das alte mit dem neuen Denken in Verbindung setzt. Dafür sollte zunächst eine chronologische Einsicht in die Lehrmeinungen älterer Denker gegeben werden. Das besondere Kennzeichen seiner Doxographie lag speziell in der zusätzlichen Berücksichtigung fremdsprachiger Werke neben den griechischen Schriften (WIMMER 1990:126). Hippias will hierbei aus der Komprimierung – unter Beachtung von Wichtigkeit und Verwandtschaft - eine neuartige und vielschichtige Schrift konstruieren. Im Aufbau der Synagogé spiegelt sich auch dieser Ansatz wider. Die elf Lemmata lauten wie folgt: „Das Wasser“, „Der Eros“, „Alles fließt“, „Das Eine“, „Am Anfang war alles zusammen“, „Es gibt keine Falschaussage“, „Denken ist Wahrnehmung“, „Erde und Wasser“, „Liebe und Streit“, „Die Einteilung der Seinsprinzipien“ und „Thargelia“. Sie wurden von PATZER (1986) - auch mit der Unterstützung durch die Arbeiten von SNELL (1944) und CLASSEN (1965) - hauptsächlich aus den Schriften Platons und Aristoteles’ rekonstruiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen und philosophischen Ruf des Hippias von Elea und stellt die Relevanz seines Werks für die Erforschung der Philosophiegeschichte heraus.
2 Person und Gesamtwerk des Hippias von Elea: Dieses Kapitel behandelt die biographischen Daten, das Wirken des Sophisten als Redner und sein breites Wissen in verschiedenen Fachgebieten.
3 Das doxographische Werk: Der Hauptteil untersucht detailliert die Synagogé, deren Intention und die Rekonstruktion der einzelnen Lemmata durch die Forschung.
3.1 Zweck und Aufbau der Doxographie: Hier wird die methodische Herangehensweise des Hippias bei der Zusammenstellung antiker Lehrmeinungen analysiert.
3.2 Der Inhalt der Synagogé: Dieses Kapitel bildet den Rahmen für die philologische Untersuchung der einzelnen Inhalte des Werks.
3.2.2 Der Eros: Das Kapitel widmet sich spezifisch der Rekonstruktion und Interpretation der doxographischen Erfassung des Eros-Begriffs bei Hippias.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung der Bedeutung von Hippias als Wegbereiter einer methodisch fundierten Philosophiegeschichtsschreibung.
Schlüsselwörter
Hippias von Elea, Sophistik, Synagogé, Doxographie, Philosophiegeschichte, Platon, Aristoteles, Antike, Wissensvermittlung, Philosophie, Lemmata, Vorsokratiker, Enzyklopädie, Wissensgeschichte, griechische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Sophisten Hippias von Elea und dessen Bedeutung für die Entwicklung der frühen griechischen Philosophiegeschichtsschreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die biographischen Hintergründe des Hippias, die Rekonstruktion seines doxographischen Hauptwerkes Synagogé und die kritische Auseinandersetzung mit dessen Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Leistungen von Hippias bei der systematischen Erfassung und vergleichenden Gegenüberstellung antiker Lehrmeinungen darzulegen und seinen Einfluss auf spätere Philosophen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philologisch-historische Analyse, die sich primär auf die Rekonstruktion von Fragmenten stützt, welche in den Schriften von Platon und Aristoteles überliefert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Person Hippias und eine tiefgehende Untersuchung der Synagogé, wobei verschiedene Lemmata wie das "Wasser" oder der "Eros" analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hippias von Elea, Sophistik, Synagogé, Doxographie, Philosophiegeschichte, Platon und Aristoteles.
Wie unterscheidet sich die Doxographie des Hippias von anderen antiken Werken?
Ein besonderes Merkmal ist die explizite Einbeziehung nicht-griechischer Quellen sowie der Versuch, eine chronologische und inhaltlich geordnete Übersicht über Lehrmeinungen verschiedener Epochen zu schaffen.
Inwieweit ist das Wissen über die Person Hippias durch die Antike verzerrt?
Die Arbeit weist darauf hin, dass viele biographische Angaben aus platonischen Dialogen stammen, die den Sophisten oft karikierend darstellen, weshalb diese mit Vorsicht zu genießen sind.
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- Stefan Witzmann (Author), 2006, Hippias und die Anfänge der griechischen Philosophiegeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166580