Bei der Beschäftigung mit deutscher Geschichte in sozialgeschichtlichem Kontext ist auffallend, wie sehr der Schwerpunkt auf das 3. Reich, die Zeit des Nationalsozialismus gelegt wird. Geht man jedoch weiter zurück in der Geschichte wird das Wissen spärlicher. Eckdaten zum ersten Weltkrieg oder einige politische Hintergründe sind präsent, aber das Wissen um soziale Gegebenheiten aus einer Zeit vor Mutterkreuz, Hitlerjugend oder Weimarer Republik ist zumindest im Vergleich eher gering. Ich denke hierbei auch an die Akzente, welche in regulärer Schulbildung von Belang waren. Es sind Bilder einer vorindustriellen Zeit in den Köpfen zu finden von der bäuerlichen Großfamilie oder einem Ständesystem mit Adel und Klerus. Nehme ich mich als Beispiel, so habe ich einen relativ klaren Wissensstand von politischen oder ökonomischen Umständen. Aber die sozialen Gegebenheiten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sind mir bis zu dem Besuch des Seminars, welches im Titel genannt wird, nicht in dem Umfang bewusst gewesen wie ich sie hier in dieser Arbeit bearbeiten möchte. Diese Zeitspanne, der Ausgang des 19. Jahrhunderts, als Keimzelle und Ursprung vieler moderner Bewegungen, Entwicklungen und Ideen ist somit Gegenstand dieser Arbeit.
Um ein umfassendes Bild zu erhalten werde ich zu Beginn versuchen die Umstände der soziokulturellen Entwicklung im deutschen Reich anzureißen. Ich will versuchen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu beleuchten und auf Wandlungen innerhalb der Gesellschaft einzugehen, um dann die soziale Schichtung darzustellen. Besonderes Interesse gilt im Folgenden der bildungsbürgerlichen Familie. Ich werde versuchen die bildungsbürgerliche Familie in Abgrenzung zum Bürgertum darzustellen und ihre Lebensweise am Beispiel Rudolf Ditzens, alias Hans Fallada (1941), kurz darstellen. Die Darstellung einzelner Begebenheiten aus der Biographie soll die Lebensgestaltung einer bildungsbürgerlichen Familie idealtypisch darstellen und plastisch machen, was diesen Familienverbund auszeichnet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Gesellschaft im Ausgang des 19. Jahrhunderts
- Soziale Schichtung
- Bürgerlichkeit und Bildungsbürgertum
- Vorüberlegungen zur Familie
- Die Familie - Schichtübergreifend
- Leitbild und Wirklichkeit
- Eine bildungsbürgerliche Familie
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, die soziale und kulturelle Entwicklung im Deutschen Reich im ausgehenden 19. Jahrhundert zu beleuchten, insbesondere im Hinblick auf die bildungsbürgerliche Familie. Die Arbeit untersucht die Umstände der soziokulturellen Entwicklung, die soziale Schichtung, das Bürgertum und das Bildungsbürgertum sowie die Lebensweise der bildungsbürgerlichen Familie.
- Soziokulturelle Entwicklung im Deutschen Reich im ausgehenden 19. Jahrhundert
- Soziale Schichtung und die Rolle der Familie
- Abgrenzung zwischen Bürgertum und Bildungsbürgertum
- Lebensweise der bildungsbürgerlichen Familie
- Das Bildungssystem und dessen Einfluss auf die Familie
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die Motivation für die Arbeit, die mangelnde Aufmerksamkeit für die soziale Geschichte vor der Zeit des Nationalsozialismus und den Fokus auf die bildungsbürgerliche Familie im ausgehenden 19. Jahrhundert.
- Kapitel 2: Die Gesellschaft im Ausgang des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beleuchtet die Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 und die darauf folgende Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Es analysiert die Auswirkungen des Deutsch-Französischen Krieges, die Entwicklung des nationalen Stolzes und die Veränderungen in den sozialen Strukturen.
- Kapitel 3: Soziale Schichtung: Dieses Kapitel untersucht die Entstehung neuer sozialer Strukturen im Kontext der Industrialisierung und des wachsenden Mittelstandes. Es beleuchtet den Einfluss von Bildung und Leistung auf den sozialen Status.
- Kapitel 4: Bürgerlichkeit und Bildungsbürgertum: Dieses Kapitel befasst sich mit der Definition und Abgrenzung von Bürgertum und Bildungsbürgertum. Es stellt den Einfluss des Bildungssystems auf die Entwicklung des Bildungsbürgertums dar.
- Kapitel 5: Vorüberlegungen zur Familie: Dieses Kapitel führt ein in die Thematik der Familie im Kontext der untersuchten Zeit und stellt die relevanten Aspekte für die Analyse vor.
- Kapitel 6: Die Familie - Schichtübergreifend: Dieses Kapitel analysiert die Familie in verschiedenen sozialen Schichten und deren Einfluss auf die Lebensweise und die Erziehung.
- Kapitel 7: Leitbild und Wirklichkeit: Dieses Kapitel untersucht die Ideale und die Realität der Familien im ausgehenden 19. Jahrhundert. Es vergleicht die gesellschaftlichen Erwartungen an die Familie mit der tatsächlichen Lebenswirklichkeit.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den folgenden Schlüsselbegriffen: Bildungsbürgertum, Bürgertum, Familie, Gesellschaft, Industrialisierung, Sozialgeschichte, Deutsches Reich, 19. Jahrhundert, Kulturkampf, Bildungssystem, soziale Schichtung, Lebensweise, Leitbild, Wirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was kennzeichnete die bildungsbürgerliche Familie im 19. Jahrhundert?
Die bildungsbürgerliche Familie definierte sich stark über Bildung, Leistung und einen spezifischen Lebensstil, der sie vom restlichen Bürgertum und dem Adel abgrenzte.
Wie war die soziale Schichtung im Deutschen Kaiserreich aufgebaut?
Neben Adel und Klerus entwickelten sich durch die Industrialisierung das Bürgertum (Besitz- und Bildungsbürgertum) sowie die Arbeiterschaft als prägende soziale Schichten.
Welche Rolle spielte die Erziehung in diesen Familien?
Erziehung war das zentrale Mittel zur Statussicherung. Ein hoher Stellenwert lag auf humanistischer Bildung und dem Besuch des Gymnasiums oder der Universität.
Wie unterschied sich das Leitbild der Familie von der Wirklichkeit?
Während das Leitbild Harmonie und moralische Strenge propagierte, war die Realität oft von patriarchalischen Strukturen und dem Druck zur gesellschaftlichen Repräsentation geprägt.
Wer war Rudolf Ditzen und warum wird er als Beispiel genutzt?
Rudolf Ditzen, bekannt als Hans Fallada, dient in der Arbeit als biografisches Beispiel, um die Lebensgestaltung und die Konflikte innerhalb einer bildungsbürgerlichen Familie plastisch darzustellen.
- Arbeit zitieren
- B.A. Maximilian Stangier (Autor:in), 2008, Die Familie im Ausgang des 19. Jahrhunderts – Bürgertum und Bildungsbürgertum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166607