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Emotionen im digitalen öffentlichen Raum

Bedrohung der Deliberation oder Ausdruck legitimer öffentlicher Auseinandersetzung?

Titel: Emotionen im digitalen öffentlichen Raum

Hausarbeit , 2025 , 22 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Johanna Blei (Autor:in)

Politik - Thema: Sozialpolitik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Emotionen im digitalen öffentlichen Raum. Politische Debatten finden heutzutage nicht nur direkt zwischen Menschen statt sondern auch in digitalen Öffentlichkeiten. Themen werden stärker emotionalisiert – kann es unter diesen Umständen noch zu zielführenden Debatten kommen, oder ist die verstärkte Emotionalisierung nicht sogar zwingend, um Interesse für politische Themen zu schaffen? Mit Hilfe der Ansätze von Chantal Mouffe und Jürgen Habermas soll das Thema diskutiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Theoretischer Hintergrund
    • 2.1 Definition „digitaler Kommunikationsraum“
    • 2.2 Deliberation
    • 2.3 Habermas
      • 2.3.1 Wesen digitaler Kommunikationsräume nach Habermas
    • 2.4 Mouffe
  • 3. Fallbeispiel: Die AfD im digitalen Raum
    • 3.1 Nutzung der digitalen Räume
    • 3.2 Strategien der Emotionalisierung
    • 3.3 Wirkung auf diskursive Qualität
  • 4. Diskussion der beiden Standpunkte
    • 4.1 Argument A: Die inhärenten Mechanismen digitaler Kommunikationsräume zwingen zu einem emotionalisierten Kommunikationsstil
    • 4.2 Argument B: Mehr Interaktion führt nicht direkt zu mehr Demokratie
    • 4.3 Argument C: Emotionen sind ein konstitutives Element politischer Kommunikation
  • 5. Fazit
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und den strategischen Einsatz von Emotionen in der politischen Kommunikation im digitalen öffentlichen Raum, insbesondere am Beispiel der Alternative für Deutschland (AfD). Sie analysiert die demokratietheoretischen Implikationen dieser Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Jürgen Habermas' Ideal der deliberativen Demokratie und Chantal Mouffes Konzept der agonistischen Demokratie, um zu klären, ob emotionalisierte Diskurse die demokratische Qualität untergraben oder legitime Ausdrucksformen politischer Auseinandersetzung sind.

  • Rolle von Emotionen in digitalen Kommunikationsräumen
  • Theorie der deliberativen Öffentlichkeit nach Jürgen Habermas
  • Konzept der agonistischen Demokratie von Chantal Mouffe
  • Analyse der digitalen Kommunikationsstrategien der AfD
  • Auswirkungen emotionalisierter Kommunikation auf die diskursive Qualität und politische Partizipation
  • Bezugnahme auf Modelle wie Kahnemans "System 1" und "System 2" Denken zur Erklärung affektiver Mobilisierung

Auszug aus dem Buch

4.1 Argument A: Die inhärenten Mechanismen digitaler Kommunikationsräume zwingen zu einem emotionalisierten Kommunikationsstil

Habermas Anspruch eines Deliberationsprozesses, welcher soweit er unter den Bedingungen des idealen Diskurses zu „garantiert vernünftigen Ergebnissen führt“ (Mouffe 2008: 91) prallt nicht nur an Mouffes Forderungen zur Legitimation von Gefühlen ab, sondern auch an der Kritik von Anhängern der Rational Choice Theorie. Diese argumentieren, dass Bürger oft der Wille fehle sich tief mit politischen Themen zu Beschäftigen und die Informationskosten zu hoch seien (vgl. Riescher et. Al.: 2020: 250). Folglich sind Menschen daran interessiert Informationskosten gering zu halten. Um die Rational Choice Theorie mit der digitalen Kommunikation der AfD zu verknüpfen, wird die Logik ihrer Kommunikation mit der Theorie von Daniel Kahnemann verknüpft: Kahnemann unterscheidet in Schnelles Denken, langsames Denken (2012) zwischen zwei Formen der Informationsverarbeitung: Dem schnellen, intuitiven „System 1" und dem langsamen reflektierten „System 2”. Kahnemann beschreibt, dass das System 1 des Denkens schnell, automatisch und stark von Eindrücken und Emotionen geprägt arbeitet (vgl. Kahnemann 2012: 41, 51). Es reagiert unmittelbar auf Reize, Bilder und Schlagworte und erzeugt Intuitionen sowie spontane Urteile, ohne dass eine bewusste Reflexion notwendig wäre. Genau diese Mechanismen werden in den digitalen Postings der AfD angesprochen: Stark emotionalisierte Schlagworte, zugespitzte Bilder oder einfache Gegensätze aktivieren unmittelbare Affekte wie Wut oder Angst. Eine Verarbeitung von Informationen mit dem System 1 denken geschehen mühelos und schnell (vgl. ebd.). Was dabei jedoch außen vor bleibt, sind die Leistungen des Systems 2 Denkens, das langsame und reflektierte Denken. Dieses erfordert Zeit, Aufmerksamkeit und die bewusste Abwägung von Argumenten (vgl. Kahnemann 2012: 59). Komplexe Zusammenhänge, differenzierte Analysen oder überprüfbare Fakten können in den affektiven Impulsen von System 1 kaum verarbeitet werden. Mit anderen Worten: Die Postings der AfD mobilisieren schnelle emotionale Reaktionen, blenden aber die Bedingungen aus, die für eine rationale deliberative Auseinandersetzung zentral wären. Postings der AfD sprechen häufig System 1 Denken an, Entscheidungen, welche im Kahnemann Modell mit System 1 getroffen werden, sind schnell und bequem, blenden aber die Positionen anderer, langfristige Konsequenzen oder zahlen und faktenbasierte Entscheidungen aus. Den Forderungen Habermas ist vor allem das System 2 Denken wünschenswert. Habermas selbst schreibt, dass er ein sinkendes Anspruchsniveau an Medien wahrnimmt und, dass sowohl die Aufnahmebereitschaft als auch die intellektuelle Verarbeitung von Nachrichten nachgelassen hat (vgl. Habermas 2022: 52). Zusätzlich zu dem veränderten Umgang mit Informationen kommt das Wesen digitaler Medien selbst. Denker wie Langdon Winner würden dem Mediensystem eine gewisse politische Inhärenz zusprechen. In seinem Essay „Do Artifacts have Politics?” (1980) weist Winner darauf hin, dass technische Systeme keine neutralen Instrumente sind, sondern inhärente politische Eigenschaften besitzen. Technologien „können bestimmte Formen menschlicher Aktivität erzwingen oder verhindern.” (Winner 1980: 122). Überträgt man diesen Gedanken auf digitale Kommunikationsräume, so wird deutlich, dass auch sie nicht neutral sind. Formate wie Posts, Reels oder Stories begünstigen kurze, pointierte und emotionale Botschaften, die sich rasch verbreiten lassen. Algorithmische Logiken verstärken Inhalte, die starke Reaktionen hervorrufen. Damit besitzen digitale Öffentlichkeiten eine inhärente Tendenz, affektive Kommunikation zu privilegieren. Aus dieser Perspektive wird verständlich, warum gerade rechtspopulistische Akteure mit zugespitzten emotionalen Beiträgen in sozialen Medien erfolgreich sind. Sie begünstigt auch das Fehlen von sogenannten Gate-Keepern in digitalen Kommunikationsräumen, die Begründung von Handlungen oder Politiken durch die Verstärkung von Emotionen, da der journalistische Neutralitätsanspruch nicht gilt (vgl. Thiel 2022: 47). Die Eigenschaften, die digitalen Kommunikationsräumen inhärent sind determinieren nicht das Handeln der Menschen, jedoch strukturieren sie es vor (vgl. Thiel 2022: 44). Eine weiterführende Perspektive ergibt sich, wenn man die inhärente Emotionalisierung digitaler Räume nicht als Gefährdung, sondern zugleich als Potenzial für agonistische Auseinandersetzungen betrachtet. Mouffe weist darauf hin, dass Konflikte unvermeidlich sind und Politik stets auf Macht- und Interessengegensätzen beruht (vgl. Mouffe 2005: 30). Digitale Plattformen können deshalb nicht allein als Ort deliberativer Verzerrung verstanden werden, sondern auch als Arenen, in denen politische Gegensätze sichtbar und lebendig gehalten werden. Entscheidend ist jedoch, ob diese Konflikte im Sinne eines agonistischen Modells geführt werden, also mit der Anerkennung des Gegners als legitimer Gegner, nicht als Feind. Während die AfD soziale Medien oft antagonistisch nutzt, um klare Feindbilder zu konstruieren, zeigen andere Beispiele wie zivilgesellschaftliche Kampagnen oder pluralistische Protestbewegungen, dass digitale Räume auch agonistische Auseinandersetzungen ermöglichen können (vgl. Frieß 2022: 90, Goode 2013: 113-120). Damit eröffnet sich eine Perspektive, in der digitale Kommunikationsräume nicht zwangsläufig deliberative Standards zerstören, sondern unter bestimmten Bedingungen agonistisch produktiv sein können. Aus diesem Blickwinkel sowie der Inhärenz digitaler Kommunikationsräume, der Menge an sekündlich neuen Informationen, dem sinkenden Anspruchsniveau und dem Wunsch nach geringen Informationskosten fast keine andere Möglichkeit als Emotionen mindestens als Ankerpunkt für Debatten und Themen ein Daseinsrecht einzuräumen.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1. Einleitung: Führt in das Thema emotionaler Kommunikation im digitalen Raum ein, stellt die theoretische Spannung zwischen Habermas und Mouffe vor und formuliert die Leitfrage anhand des Fallbeispiels der AfD.

Kapitel 2. Theoretischer Hintergrund: Definiert zentrale Begriffe wie „digitaler Kommunikationsraum“ und erläutert die Theorien von Jürgen Habermas zur deliberativen Öffentlichkeit und Chantal Mouffe zur agonistischen Demokratie.

Kapitel 3. Fallbeispiel: Die AfD im digitalen Raum: Analysiert die Nutzung digitaler Medien durch die AfD, ihre Strategien der Emotionalisierung und die Auswirkungen dieser Kommunikation auf die diskursive Qualität.

Kapitel 4. Diskussion der beiden Standpunkte: Diskutiert drei Argumente zur Rolle von Emotionen in digitalen Kommunikationsräumen, beleuchtet dabei die Perspektiven von Habermas und Mouffe sowie Aspekte wie die Rational Choice Theorie und Kahnemans Denksysteme.

Kapitel 5. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Unvermeidbarkeit von Emotionen in der Politik und fordert Wege zur Verbindung von deliberativen Standards und affektiver Mobilisierung.

Schlüsselwörter

Digitaler öffentlicher Raum, Emotionen, politische Kommunikation, Deliberation, Habermas, Mouffe, Agonistische Demokratie, AfD, Social Media, Polarisierung, Echokammern, Rational Choice Theorie, Kahneman, System 1 Denken, System 2 Denken.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rolle von Emotionen in der politischen Kommunikation im digitalen öffentlichen Raum und fragt, ob diese die deliberative Qualität bedrohen oder ein legitimer Ausdruck politischer Auseinandersetzung sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind Emotionen in digitalen Medien, deliberative und agonistische Demokratietheorie, die digitale Kommunikationsstrategie der AfD sowie die Auswirkungen von Emotionalisierung auf öffentliche Diskurse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die primäre Forschungsfrage lautet: „Untergraben emotionalisierte Diskurse die demokratische Qualität öffentlicher Deliberation im Sinne Habermas`- oder sind sie unvermeidliche und legitime Ausdrucksformen politischer Auseinandersetzung im Sinne Mouffes agonistischer Demokratie?“

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine theoriegeleitete Analyse, die auf den Konzepten von Jürgen Habermas und Chantal Mouffe basiert und durch ein Fallbeispiel der digitalen Kommunikation der AfD illustriert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil definiert theoretische Hintergründe, analysiert die Kommunikationsstrategien der AfD im digitalen Raum und diskutiert abschließend die gewonnenen Erkenntnisse anhand der beiden theoretischen Standpunkte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind: Digitaler öffentlicher Raum, Emotionen, politische Kommunikation, Deliberation, Habermas, Mouffe, Agonistische Demokratie, AfD, Social Media, Polarisierung.

Wie erklärt die Arbeit den Erfolg der AfD in digitalen Kommunikationsräumen?

Die AfD investiert stark in Online-Präsenz, hat das Potenzial sozialer Medien früh erkannt und nutzt populistisch-emotionale sowie polarisierende Kommunikationsstile, die durch Plattform-Algorithmen und rechte Influencer verstärkt werden.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung von Kahnemans "System 1" und "System 2" Denken in der Argumentation?

Die Arbeit nutzt Kahnemans Unterscheidung, um zu erklären, wie die AfD durch emotionalisierte Botschaften das schnelle, intuitive "System 1" Denken anspricht, während das langsamere, reflektierte "System 2" Denken, welches für eine rationale Deliberation notwendig wäre, vernachlässigt wird.

Welche Kritik äußert Chantal Mouffe am Ideal der deliberativen Demokratie nach Habermas?

Mouffe kritisiert, dass das deliberative Modell die Realität politischer Konflikte und Machtkämpfe ausblendet. Sie argumentiert, dass Konsens nicht Neutralität bedeutet, sondern ein Mechanismus der Exklusion sein kann und dass Emotionen unvermeidliche Bestandteile politischer Auseinandersetzung sind.

Was versteht Mouffe unter "Agonismus" und wie unterscheidet er sich von "Antagonismus"?

Agonismus beschreibt Beziehungen, in denen Konfliktparteien sich zwar bekämpfen, aber als legitime Gegner anerkennen und die demokratische Grundordnung respektieren. Antagonismus hingegen entsteht, wenn Gegner als Feinde betrachtet werden, deren Existenz die eigene Identität bedroht.

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Details

Titel
Emotionen im digitalen öffentlichen Raum
Untertitel
Bedrohung der Deliberation oder Ausdruck legitimer öffentlicher Auseinandersetzung?
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Technik und Digitalisierung
Note
2,0
Autor
Johanna Blei (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
22
Katalognummer
V1666302
ISBN (PDF)
9783389166406
ISBN (Buch)
9783389166413
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie Digitalisierung Deliberation Chantal Mouffe Jürgen Habermas Emotionen Kommunikation
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johanna Blei (Autor:in), 2025, Emotionen im digitalen öffentlichen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1666302
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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