Die Masterarbeit untersucht die Folgen des anhaltenden Fachkräftemangels in niedersächsischen Kindertagesstätten und analysiert dessen Auswirkungen auf pädagogische Qualität, Arbeitsbelastung und Professionalisierung. Auf Basis leitfadengestützter Expertinneninterviews werden Strategien zur Verbesserung der pädagogischen Arbeit entwickelt. Im Fokus steht die Frage, wie die Erzieherinnen-Ausbildung an beruflichen Schulen gestärkt werden kann, um Fachkräfte besser auf die Herausforderungen im Berufsfeld vorzubereiten. Die Arbeit liefert praxisnahe Handlungsperspektiven, die Theorie und schulische Ausbildungsrealität wirksam verknüpfen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Theoretischer Hintergrund
- 2.1 Fachkräftemangel in KiTas
- 2.2 wachsende Anforderungen an pädagogische Fachkräfte
- 2.3 Qualität und Professionalität in KiTas
- 2.4 Zufriedenheit pädagogischer Fachkräfte
- 2.5 die Erzieher*innenausbildung in Niedersachsen
- 3. Forschungsstand
- 3.1 Professionelles Handeln in KiTas (HiSKiTa-Studie)
- 3.2 Arbeitsplatz und Qualität in KiTas (AQUA-Studie)
- 3.3 pädagogische Qualität in KiTas
- 3.4 Aufgabenfelder pädagogischer Fachkräfte
- 4. Fragestellung
- 5. Methodisches Vorgehen
- 5.1 Sample
- 5.2 Methode zur Datenerhebung
- 5.3 Durchführung der Datenerhebung
- 5.4 Methode zur Datenauswertung
- 5.5 Durchführung der Datenauswertung
- 6. Ergebnisse
- 6.1 Auswirkungen von Personalmangel auf die pädagogische Arbeit in KiTas
- 6.2 Wahrnehmung und Priorisierung unterschiedlicher Aufgabenfelder
- 6.3 wachsende Anforderungen und Herausforderungen in KiTas
- 6.4 Strategien zur Stressbewältigung
- 6.5 Verständnis und Umsetzung von pädagogischer Qualität und Professionalität
- 6.6 Wohlbefinden und Zufriedenheit pädagogischer Fachkräfte
- 6.7 Erfahrungen mit der schulischen Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft
- 6.8 Anregungen und Wünsche für den Lernort Schule
- 6.8.1 Kooperation der Lernorte
- 6.8.2 weitere Anregungen und Wünsche
- 7. Zusammenfassung und Diskussion
- 8. Ausblick und Fazit
- Literaturverzeichnis
- Anhang
- Anhang 1: Informationsschreiben zum Interview
- Anhang 2: Einwilligungserklärung
- Anhang 3: Fragebogen zu personenbezogenen Daten
- Anhang 4: Interview-Leitfaden
- Anhang 5: Transkript I1 - Andreas
- Anhang 6: Transkript I2 - Bea
- Anhang 7: Transkript I3 - Clara
- Anhang 8: Transkript I4 - Daria
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht den anhaltenden Fachkräftemangel und die steigenden Anforderungen in Kindertagesstätten, um Strategien zur Qualitätsverbesserung in der pädagogischen Arbeit und Anregungen für die Erzieher*innen-Ausbildung zu entwickeln. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie berufsbildende Schulen zukünftige Fachkräfte besser auf die komplexen Herausforderungen des Berufsalltags vorbereiten und deren pädagogische Qualität sowie Professionalität fördern können.
- Analyse der Auswirkungen von Personalmangel und wachsenden Anforderungen in Kindertagesstätten.
- Untersuchung des Verständnisses und der Umsetzung pädagogischer Qualität und Professionalität bei Fachkräften.
- Erfassung von Stressbewältigungsstrategien und Faktoren, die das Wohlbefinden pädagogischer Fachkräfte beeinflussen.
- Evaluation der aktuellen Erzieher*innenausbildung hinsichtlich ihrer Praxisrelevanz und Vorbereitung auf berufliche Herausforderungen.
- Entwicklung konkreter Anregungen für die curriculare Gestaltung und die Kooperation zwischen Lernorten der Ausbildung.
- Forschung zur Stärkung personaler Kompetenzen wie Resilienz und Selbstständigkeit bei angehenden Fachkräften.
Auszug aus dem Buch
Fachkräftemangel und wachsende Anforderungen in Kindertagesstätten: Strategien zur Qualitätsverbesserung in der pädagogischen Arbeit und Anregungen für die Erzieher*innen-Ausbildung
Die Kindertagesstätten (KiTas) in Deutschland sind von einem massiven Personalmangel betroffen. Alleine in Niedersachsen erfüllen über die Hälfte der KiTas nicht den empfohlenen Personalschlüssel (vgl. Bock-Famulla/ Girndt/ Berg/ Vetter/ Kriechel 2023b: 22). Trotz des kontinuierlichen Ausbaus von Einrichtungen und damit einer Steigerung an verfügbaren KiTa-Plätzen steigt auch der Bedarf an KiTa-Betreuung immer weiter an. Während gleichzeitig immer mehr pädagogische Fachkräfte aus der Arbeitstätigkeit in den Ruhestand übergehen, kommen zu wenig neuausgebildete Fachkräfte nach. Folgen daraus sind nicht nur die unbesetzte Stellen und (Teil-)Schließungen von Gruppen oder ganzen Einrichtungen, sondern auch ein überarbeitetes und überfordertes Personal, das die Arbeit der fehlenden Kolleg*innen mit-übernehmen muss.
Neben den Herausforderungen, die sich aus der prekären Personalsituation in KiTas ergeben, darunter die Aufsicht der Kinder weit unter dem geforderten Personalschlüssel, das Koordinieren unterschiedlicher und vielfältiger sowohl pädagogischer als auch administrativer Aufgaben innerhalb der Betreuungszeit sowie der geringe Rückhalt durch ein lückenhaftes Kollegium, steigen zusätzlich die Erwartungen und Anforderungen an das pädagogische Personal. So werden neben den grundlegenden vielfältigen Tätigkeitsbereichen und Aufgabenfeldern zusätzliche Querschnittsaufgaben beschrieben, die von den Fachkräften in die pädagogische Praxis zu integrieren sind. Durch Entwicklungen wie dem KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz (KiQuTG) sollen die Inhalte der pädagogischen Arbeit in KiTas aufgewertet werden, sowie eine intensivere Umsetzung gesellschaftlich relevanter Themen erreicht werden. Dass die Einführung neuer Anforderungen und Themen für die pädagogischen Fachkräfte eine Umstellung bedingt, die zeitliche und personelle Ressourcen fordert, wird dabei oft außer Acht gelassen. Dabei ergeben sich jedoch für das Personal unter bereits erschwerten Bedingungen zusätzliche Anforderungen, die es zu bewältigen gilt. Zusätzlich ist die Veränderung der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zu beachten, auf welche die Fachkräfte in ihrer Arbeit eingehen müssen. Der Wandel in der Gesellschaft erfordert dabei beispielweise den Umgang mit zunehmender Diversität in den KiTas, die zunächst weitere Herausforderungen mit sich bringen, auf welche die Fachkräfte vorbereitet werden müssen. Es stellt sich unmittelbar die Frage, wie die umfassende Umsetzung aller relevanten Bereiche für die frühpädagogische Arbeit in gewünschter Qualität möglich ist und auf welche Art schnell und produktiv auf Änderungen in den Vorgaben durch das Personal eingegangen werden kann. Kann gute Bildung und Erziehung unter den gegebenen Voraussetzungen noch gelingen?
Zusätzlich zur beschriebenen Problematik zeigt die Forschung, dass die Zufriedenheit der in KiTas tätigen pädagogischen Fachkräfte weiter sinkt (vgl. Gambaro/ Spieß/ Westermaier 2021). Dieses negative Wohlbefinden äußert sich dabei zunehmend in Berufsabgängen oder Einrichtungswechseln. Darüber hinaus leidet die pädagogische Arbeit enorm unter den bestehenden Belastungen, die sich zudem auf die körperliche und psychische Gesundheit der Akteur*innen auswirkt. Das Resultat ist eine Negativspirale von Überforderung, Unzufriedenheit, Krankheitssymptomen und Personalausfällen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den massiven Personalmangel in Kindertagesstätten in Deutschland, insbesondere in Niedersachsen, sowie die steigenden Anforderungen an pädagogische Fachkräfte, die zu Überlastung und sinkender Zufriedenheit führen.
2. Theoretischer Hintergrund: Beleuchtet die theoretischen Grundlagen des Forschungsinteresses, die Personalsituation in KiTas, wachsende Anforderungen an Fachkräfte, Qualitätsansprüche und Professionalität sowie die Ausbildung von Erzieher*innen in Niedersachsen.
3. Forschungsstand: Stellt den aktuellen Forschungsstand zu professionellem Handeln, Arbeitsplatzqualität und pädagogischer Qualität in KiTas vor, identifiziert Forschungslücken und schafft einen Rahmen für die eigene Forschung.
4. Fragestellung: Leitet die zentralen Forschungsfragen zur Vorbereitung angehender Fachkräfte auf berufliche Herausforderungen und zur Rolle der berufsbildenden Schulen bei der Förderung pädagogischer Qualität ab.
5. Methodisches Vorgehen: Beschreibt den qualitativen Forschungsansatz mittels vier leitfadengestützter Expert*inneninterviews mit erfahrenen pädagogischen Fachkräften und die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse zur Auswertung der Daten.
6. Ergebnisse: Präsentiert die gewonnenen Erkenntnisse zu den Auswirkungen des Personalmangels, der Wahrnehmung von Aufgabenfeldern, wachsenden Anforderungen, Stressbewältigungsstrategien, dem Verständnis von Qualität und Professionalität sowie positiven und negativen Erfahrungen mit der Ausbildung.
7. Zusammenfassung und Diskussion: Fasst die Hauptergebnisse der Interviews zusammen, diskutiert diese im Kontext der Fachliteratur und unterstreicht die Notwendigkeit von Verbesserungen in der Ausbildung und im Arbeitsfeld.
8. Ausblick und Fazit: Bietet konkrete Anregungen für Fachschulen und Lehrkräfte zur Stärkung der Qualität und Professionalität in der Erzieher*innenausbildung und identifiziert weitere Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Fachkräftemangel, Kindertagesstätten, pädagogische Qualität, Erzieher*innenausbildung, berufliche Herausforderungen, Stressbewältigung, Professionalität, frühkindliche Bildung, Lernort Schule, Zusammenarbeit, Arbeitsbedingungen, Kompetenzentwicklung, Niedersachsen, Partizipation, Elternarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des Fachkräftemangels und den steigenden Anforderungen in Kindertagesstätten und sucht nach Strategien zur Verbesserung der pädagogischen Qualität und der Erzieher*innen-Ausbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen den Fachkräftemangel in KiTas, wachsende Anforderungen an pädagogische Fachkräfte, Qualität und Professionalität in KiTas, die Zufriedenheit der Fachkräfte und die Erzieher*innenausbildung in Niedersachsen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der pädagogischen Arbeit in KiTas und die Ermittlung von Anregungen für die Erzieher*innen-Ausbildung, basierend auf den Erfahrungen von Fachkräften. Die Forschungsfragen lauten: Inwiefern können Sozialassistent*innen und Erzieher*innen bereits in der Ausbildung auf berufliche Herausforderungen vorbereitet werden? Und was kann die berufsbildende Schule zur Förderung von Qualität und Professionalität beitragen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz verwendet, der auf vier leitfadengestützten Expert*inneninterviews mit erfahrenen pädagogischen Fachkräften basiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Ergebnisse der Interviews, darunter die Auswirkungen von Personalmangel, die Wahrnehmung und Priorisierung unterschiedlicher Aufgabenfelder, wachsende Anforderungen und Herausforderungen, Strategien zur Stressbewältigung, das Verständnis von pädagogischer Qualität und Professionalität sowie Erfahrungen mit der schulischen Ausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Fachkräftemangel, Kindertagesstätten, pädagogische Qualität, Erzieher*innenausbildung, berufliche Herausforderungen, Stressbewältigung und Professionalität.
Welche konkreten Strategien zur Stressbewältigung werden von pädagogischen Fachkräften angewendet?
Fachkräfte nutzen individuelle Strategien wie Meditation, Yoga, das Aufschreiben von Gedanken, die Trennung von Arbeits- und Privatleben, reizarme Freizeitgestaltung, Naturaufenthalte und Bewegung sowie teaminterne Unterstützung durch Austausch und gegenseitiges Vertrauen.
Welche Kritikpunkte gibt es an der aktuellen Erzieher*innenausbildung in Bezug auf die Praxisrelevanz?
Kritisiert wird eine unzureichende Vorbereitung auf reale Herausforderungen des Berufsalltags, insbesondere in Bezug auf Elternarbeit, Stressmanagement, rechtliche Grundlagen, Digitalisierung und den Umgang mit Personalmangel. Auch die mangelnde Kooperation zwischen Lernorten wird bemängelt.
Welche Rolle spielen Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung für das Wohlbefinden der Fachkräfte?
Teamzusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und regelmäßiger Austausch sind essenziell für die Bewältigung von Stresssituationen und stärken die Resilienz sowie das Wohlbefinden der Fachkräfte, was wiederum die Qualität der pädagogischen Arbeit positiv beeinflusst.
Welche Empfehlungen werden für die Kooperation zwischen Lernorten und die curriculare Gestaltung der Ausbildung gegeben?
Es wird eine intensivere Kooperation zwischen Schulen und KiTas gefordert, um die Ausbildung praxisnäher zu gestalten. Curricular sollen Themen wie Krisenmanagement, Stressbewältigung, rechtliche Grundlagen und ein erweitertes Rollenverständnis der Fachkraft stärker integriert werden, um Auszubildende umfassend vorzubereiten.
- Arbeit zitieren
- Luisa Wittenbrink (Autor:in), 2024, Fachkräftemangel und wachsende Anforderungen in Kindertagesstätten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1666798