Die Ehe im antiken Umfeld des entstehenden Christentums

Die Ehe in der jüdischen Gesellschaft


Hausarbeit, 2008

14 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Wesen der jüdischen Ehe
2.1 Der alttestamentarische Rahmen
2.2 Ehefähigkeit und Eheverbote
2.3 Eheanbahnung und Heirat

3. Rechte und Pflichten der Eheleute

4. Fazit

5. Literatur

1.Einleitung

Eines der ältesten kulturellen Überbringsel unserer Vorfahren ist die Ehe und der sich an ihrer gesellschaftlichen Ordnungsfunktion beschreibende Wandel der Familie in den unterschiedlichsten Volksgruppen.

Ist die Ehe heute durch eine Hinwendung zur romantischen Partner-Beziehung und einer Auflösung der Geschlechterrollen mit all ihren Folgen, wie Scheidungen, Ehelosigkeit und anderen Formen des Zusammenlebens gekennzeichnet, so war die christliche Ehe vor der Moderne einzigste Möglichkeit gesellschaftlich anerkannten Zusammenlebens. Einzig die Treue scheint einen christlichen Wert zu verkörpern, der sich über alle Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens hin, als erhaben erweisen konnte, wenn auch eine problematische Bedeutungsveränderung der Treue, von der strikten authoritären Auflage zum erstrebenswerten persönlichen Ziel, vollzogen wurde.

Es ist aber weniger die veränderte Sicht der Ehe, als die Auflösung der Geschlechterrollen, die uns heute erneut veranlasst ihre historischen Dokumente hervorzuholen, um sie im Licht neuer Studien der feministischen Theologie zu beleuchten. Besonders die christliche Ehe vor der Moderne, wird aus feministischer Sicht als Joch der Frau bezeichnet, es abzulegen war mit der ausdauernden Kritik an den Kirchenvätern verbunden, deren biblische Exegese die Rolle der Frau für lange Zeit einzementierten sollte.

Da sich das christliche Eheverständnis nicht völlig isoliert herausgebildet hat, müssen wir fragen welche Kulturen Einfluss auf die Entstehung der christlichen Ehe gehabt haben. Deshalb wird sich auch folgende Arbeit speziell mit den Charakteristika der Ehe im Judentum während der Zeitenwende beschäftigen, aus dessen Umfeld die christliche Jerusalemer Urgemeinde entwachsen war. Dabei dient der folgende Abschnitt zunächst einmal der grundlegenden Wesensbestimmung der jüdischen Ehe und deren konstituierenden Schritte, Ehevertrag (ketubba), Verlobung und Hochzeitszeremonie, während im dritten Abschnitt Ehefähigkeit und Verbote behandelt werden. Kern der Arbeit wird die Darstellung der Rechte und Pflichten der Ehemänner und Ehefrauen im vierten Abschnitt sein, welcher auch auf die die speziellen Regelungen der Ehescheidung eingehen wird.

2.Das Wesen der jüdischen Ehe

Um das Wesen der jüdischen Ehe erfassen zu können, bedarfs es des Studiums der das Judentum begründenen Schriften. Dahingehend bietet sich ebenso der Tanach (weitgehend übereinstimmend mit dem christlichen Ersten Testament) an, wie der babylonische Talmud, dessen Kernstück die Mischna und ihre Traktate Jewamot, Ketubot, Sota, Gittin, Kiddushin (Abk. Jew, Ket, Sota, Git, Kid) bilden, die Gott nach jüdischer Tradition Moses am Berg Sinai mündlich geoffenbart hat. Für diese Arbeit wesentlich ist die Mischna Seder Naschim über die Rechte der Frau und der Familie.

2.1 Der alttestamentarische Rahmen

Geradezu romantisch verklärend mutet die Erklärung des Rabbiner zum Bund der Ehe an, wenn er sich auf den Schöpfungsbericht in Gen. 2, 18-24 beruft und sagt: „Der Bund zweier Menschen durch die Ehe ist im Grunde genommen nichts weiter als das Wiederfinden und Wiederherstellen einer [ursprünglichen] Einheit.“[1]

Aus Gen. 2, 18-24 ergibt sich, dass Adam zuerst geschaffen wurde, und dann hat Gott aus seiner Rippe Eva geformt. Während die Reihenfolge für die christliche Exegese ein Beleg für die Niederrangigkeit der Frau bot, war dies im Judentum kein Anlass zu einer Wertung über die Geschlechter. „Die grundsätzliche Gleichwertigkeit von Mann und Frau stellen die Rabbinen nicht in Frage [...], sie betonen aber ihre funktionale Unterschiedlichkeit. So ist es ihr Anliegen, wie auch das der biblischen Autoren, späterer Gelehrter und Rabbiner, zu klaren Rollenzuschreibungen für Mann und Frau zu gelangen, die sich dann [...] im jüdischen Recht und in der jüdischen Lebensführung dokumentieren.“[2]

Weiter ergibt sich aus Gen. 2, 24 , dass es der Mann war, der seine Eltern verließ, um sich an seine Frau zu binden. Dies scheint gleichzeitig konstitutionierend für das ideale Modell einer monogamen jüdischen Lebensgemeinschaft, aber offenbar „kennt das Alte Testament kein eigenes Wort für unseren Begriff <<Ehe>>. Das heisst nicht, dass die Sache nicht da wäre.

[...] Heiraten und alles, was damit zusammenhängt, ist für den alttestamentlichen Menschen etwas Selbstverständliches. In diesem Sinn wird von Eheschluss, ehelichem Leben und Kindersegen gesprochen, dann aber auch von der Gefährdung durch Ehebruch und Ehescheidung.“[3]

Dass der monogame Modellcharakter der Ehe in einem noch viel bedeutungs- geschwängerterem allegorischen Zusammenhang gesehen werden muss, zeigt das Gleichnis des Propheten Hosea (Hos 1, 20 ff.), der den Gottesbund mit einer Ehe zwischen Jahwe und dem Volk Israel verglichen hat. Viele Propheten gebrauchten dieses Bild, so hat auch Jeremia vom gebrochenen Ehebund gesprochen, welcher dazu geführt hat, dass Gott sich vom Volk Israel geschieden hat.[4]

Das hört sich nun geradezu danach an, als herrschte eine starke Vorstellung von der monogamen Ehe im Judentum, doch das Gegenteil war de iure der Fall, denn die Polygamie des Mannes wurde nicht bestraft, weil sie erstens von den Rabbinern als Prellbock für die männliche Triebbefriedigung, zur Verhinderung der Unsittlichkeit, gesehen wurde und weil sie zweitens der strategischen Sicherung der Nachkommenschaft dient, die vorallem im gesamten altorientalischen Raum üblich war.[5], [6]

„Im Blick auf das Ganze scheint ein Moment in der israelitischen Ehe allein bestimmend zu sein: die Sicherung der Nachkommenschaft. Schon in Gen 1, 27 ff. wird der Segen Gottes in der Nachkommenschaft gesehen. Zweck der Ehe ist nicht diese als solche, sondern das Kind. [...] Wie sehr nun aber der Gedanke der Nachkommenssicherung in der alttestamentlichen Eheauffassung beherrschend war, zeigt die Einrichtung der Levirats- oder der Schwagerehe. Nach Dt 25, 5-10 (vgl. Gen 38, 8) ist der jüngere Bruder verpflichtet, die Witwe eines allenfalls älteren und kinderlos verstorbenen Bruders zu heiraten. [...] Neben diesem Hauptzweck der Ehe müssen alle anderen Werte verblassen. Wohl ist die israelitische Ehe

auch Lebens- und Arbeitsgemeinschaft der Ehepartner[, aber] man darf nicht vergessen, dass

Kinder [vor allem Jungen] zusätzliche Arbeitskraft bedeuten und darum auch von dieser Seite

her willkommen waren. Diese Ansicht der Dinge muss sich notwendigerweise auf die Stellung der Frau in der Ehe auswirken. Sie ist sicherlich die Mutter der Kinder und als solche geachtet. Aber im tiefsten Grund wird sie eben doch vor allem als Gebärerin geschätzt, als Produktionsmittel in der Hand des Mannes[, von welchem auch die Initiative zur Partnerwahl ausgeht (Gen. 2, 24)]. Das zeigt sich schon beim Eheschluss.“[3]

[...]


[1] Simon Philip De Vries: Jüdische Riten und Symbole; Wiesbaden 1984 (4), S. 206-207.

[2] Rachel Monika Herweg: Die jüdische Mutter. Das verborgene Matriarchat; Darmstadt 1994, S. 9.

[3] Heinrich Baltensweiler; Abhandlungen zur Theologie des Alten und neuen Testaments, Bd. 52: Die Ehe im NT; Stuttgart 1967, S. 24-27.

[4] Vgl. Heinrich Baltensweiler; Abhandlungen zur Theologie des Alten und neuen Testaments, Bd. 52: Die Ehe im NT; Stuttgart 1967, S. 32.

[5] Vgl. Georg Herlitz; Bruno Kirschner: Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens...; Berlin 1928.

[6] Vgl. Günther Mayer: Die jüdische Frau in der hellenistisch-römischen Antike; Stuttgart 1987, S. 57.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Ehe im antiken Umfeld des entstehenden Christentums
Untertitel
Die Ehe in der jüdischen Gesellschaft
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V166715
ISBN (eBook)
9783640828500
ISBN (Buch)
9783640828753
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umfeld, christentums, gesellschaft
Arbeit zitieren
Oliver Siegemund (Autor), 2008, Die Ehe im antiken Umfeld des entstehenden Christentums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166715

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