Ist Mancur Olsons „Logik des kollektiven Handelns“ hinreichend zur Erklärung des individuellen Engagements für den Umweltschutz?


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Umweltschutz – aktueller denn je!

2. Mancur Olsons Theorie des kollektiven Handelns
2.1. Der Rational Choice Ansatz
2.2. Gruppen und Organisationen
2.3. Das kollektive Gut

3. Anwendung von Olsons Theorie auf den Umweltschutz als kollektives Gut

4. Blindstellen in Olsons Logik bezüglich des Umweltschutzes

5. Zusammenfassung

1. Umweltschutz – aktueller denn je!

Auf dem letzten G8 Gipfel 2009 in Italien zeigte sich, dass das Thema Umweltschutz immer mehr an Relevanz gewinnt und zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen zwischen den Staats- und Regierungschefs dieser Welt mittlerweile geworden ist. Barack Obama hat, als erster US-Präsident, seine Unterstützung beim weltweiten Klimaschutz zugesagt[1]. Bisher waren Klimabündnisse immer an den USA gescheitert, z.B. das Kyoto-Protokoll von 1997 (Reduzierung des Treibhausgasausstoßes bis 2012 um 5,2 % im Vergleich zu 1990[2] ) wurde bis heute nicht von den USA ratifiziert[3]. Die globale Erwärmung, bedingt durch den Treibhausgaseffekt, lässt sich aber nicht mehr aufhalten und da das Problem weltweit vorkommt und diskutiert wird, müssen alle Länder zusammenarbeiten. Ein öffentliches Umweltbewusstsein, das übrigens vorwiegend in Demokratien da ist[4], hat seinen Ursprung in sozialen Bewegungen der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts (Waldsterben, Proteste gegen Atomenergie)[5].

Das kollektive Gut „Umweltschutz“ kann aber nur bereit gestellt werden, wenn alle Individuen zusammenarbeiten. Der homo oeconomicus, der sein Eigeninteresse planvoll unter Handlungsbeschränkungen verfolgt und über diese steuerbar ist[6], würde aber nach der Theorie des amerikanischen Ökonomen Mancur Olson (1932-1998) nicht ohne weiteres bei der Bereitstellung des öffentlichen Gutes Umweltschutz mitwirken, es sei denn, es gäbe selektive Anreize für ihn. Angewandt auf die Länder dieser Welt bedeutet das, dass sie ohne selektive Anreize, weder positive noch negative, sich nicht an der Bereitstellung des kollektiven Gutes „Umweltschutz“ beteiligen würden. Aber nicht nur Länder, sondern auch das Individuum ist gefragt, sich aktiv am Umweltschutz zu beteiligen. Es ist aber schwierig, das Individuum zu sensibilisieren, weil die Öffentlichkeit Themen wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaft, etc. vorrangig behandelt[7]. Obwohl Umwelt ein knappes Gut ist[8], wird mit ihr sehr sorglos umgegangen, da sie kostenlos zur Verfügung steht. Nach dem Motto: „Was nichts kostet, ist nichts“[9].

Aber wieso ist der Umweltschutz entgegen des Fehlens dieser ökonomischen Anreize erfolgreich? Wieso setzen sich rational handelnde Menschen für den Umweltschutz ein, obwohl ihnen davon kein wirtschaftlicher Vorteil entsteht? Zur Beantwortung dieser Fragen soll untersucht werden, ob die Theorie Mancur Olsons hier helfen kann.

Mancur Olsons „Logik des kollektiven Handelns“ basiert auf dem Rational Choice Ansatz, der zu Beginn dieser Arbeit erklärt werden soll. Des Weiteren werden die Gruppentheorie, Organisationen und das kollektive Gut erklärt. Im Hauptteil wird Umweltschutz als kollektives Gut erläutert, Olsons Theorie auf den Umweltschutz angewendet sowie Kritik an Olsons Theorie geübt. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, und es wird ein Ausblick gegeben.

2. Mancur Olsons Theorie des kollektiven Handelns

2.1. Der Rational Choice Ansatz

Die Rational Choice Theorie basiert auf dem Methodologischen Individualismus[10]. Das Akteursmodell ist hier der homo oeconomicus, der sich durch sein rationales und eigennütziges Handeln auszeichnet, stets nutzenmaximierend agiert, feststehende Präferenzen besitzt, seine Handlungsalternativen und – konsequenzen kennt, auf Restriktionen und Reaktionen anderer reagiert sowie vollständig informiert ist[11]. Bei der Entscheidungsfindung wird das Individuum sich nach seinen eigenen Wünschen und Interessen richten[12] und eine Kosten-Nutzen Kalkulation anstellen, sobald es mehr als zwei Alternativen gegenübersteht. Die Alternative, die für es den höchsten Nutzen im Vergleich zu den Kosten hat, wird gewählt[13]. Diese Kosten-Nutzenrechnung wird in einer Auszahlungsmatrix vollzogen. Die Handlungsalternativen des Akteurs sind entweder umweltgerechtes (umweltmoralisches) oder umweltschädigendes (umweltunmoralisches)Verhalten[14].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bewertung des umweltmoralischen Verhaltens unter verschiedenen Bedingungen[15]

Legende:

1 = diese Alternative hat den höchsten Nutzen im Vergleich zu den Kosten für den Akteur,

6 = die ungünstigste Alternative für den Akteur

Aus der Tabelle folgt, dass der Akteur den höchsten Nutzen im Vergleich zu den Kosten hat, wenn er sich nicht umweltmoralisch und eigennützig verhält, die Gruppe dies aber zu 100% tut. Am unvorteilhaftesten ist es für das Individuum, wenn es sich als Einziger umweltmoralisch verhält, und keiner der Gruppe es ihm gleich tut[16]. Die Kosten sind damit wesentlich höher als der Nutzen.

Das Individuum steht in allen Lebenssituationen immer mehreren Handlungsalternativen gegenüber. Wie bereits erwähnt, wägt es die Kosten dem Nutzen gegenüber ab. Es handelt rein rational und egoistisch, selten altruistisch[17], d.h. Hilfe um der Hilfe willen. Das Individuum hat nur Interesse an dem Wohl eines Anderen, wenn für es dabei ein Vorteil entsteht[18].

Aufgrund der Auszahlungsmatrix (Abb.1) ergibt sich folgende Entscheidungsregel, in Anlehnung an Hartmut Esser[19]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entscheidungsregel nach der Auszahlungsmatrix Abb. 1 (in Anlehnung an Esser, Soziologie, S. 98)

[...]


[1] vgl. Zeit Online: Pinzler, Petra: G8 Gipfel. Das Klimasignal von l'Aquila, 8.7.2009, http://www.zeit.de/online/2009/28/g-8-klima-einigung

[2] vgl. Oberthür, Sebastian/ Ott, Hermann E.: “Das Kyoto-Protokoll“. Internationale Klimapolitik für das 21. Jahrhundert, Opladen 2000,S. 189

[3] vgl. Ebd., S. 379

[4] vgl. Mussel, Gerhard / Pätzold, Jürgen: Umweltpolitik, Berlin 1996, S. 97

[5] vgl. Grettenberger, Dunja: Umweltschutz und Umweltbewusstsein. Ansatzpunkte einer effizienten Umweltpolitik, Berlin 1996, S. 103

[6] vgl. Nutzinger, Hans G. Hrsg.): Naturschutz, Ethik, Ökonomie. Theoretische Begründungen und praktische Konsequenzen, Marburg 1996, S. 182

[7] vgl. Grettenberger, Umweltschutz und Umweltbewusstsein, S. 49

[8] vgl. Mussel / Pätzold, Umweltpolitik, S. 11, 13

[9] vgl. Grettenberger, Umweltschutz und Umweltbewusstsein, S. 25

[10] vgl. Kunz, Volker: Rational Choice. Frankfurt am Main/New York 2004, S. 36

[11] vgl. Hanusch, Horst: Theorie des öffentlichen Gutes. Allokative und distributive Aspekte, Göttingen 1972, S. 28f., 34

[12] vgl. Kirsch, Guy: Neue politische Ökonomie (5. Auflage), Stuttgart 2004, S. 19

[13] vgl. Kirchgässner, Gebhard: Homo oeconomicus. Das ökonomische Modell individuellen Verhaltens und seine Anwendung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Tübingen 2000, S. 290

[14] vgl. Esser, Hartmut: Soziologie. Allgemeine Grundlagen, Frankfurt am Main 1996, S. 69

[15] vgl. Esser, Soziologie, S. 71

[16] vgl. Ebd., S. 69f.

[17] vgl. Ebd.

[18] vgl. Kirchgässner, Homo oeconomicus, S. 291

[19] vgl. Esser, Soziologie, S. 98

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ist Mancur Olsons „Logik des kollektiven Handelns“ hinreichend zur Erklärung des individuellen Engagements für den Umweltschutz?
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V166725
ISBN (eBook)
9783640829613
ISBN (Buch)
9783640829781
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mancur, olsons, handelns“, erklärung, engagements, umweltschutz
Arbeit zitieren
Haike Blinn (Autor), 2009, Ist Mancur Olsons „Logik des kollektiven Handelns“ hinreichend zur Erklärung des individuellen Engagements für den Umweltschutz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166725

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