Inwiefern lässt sich die Wahlbeteiligung mit der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs erklären?


Hausarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - „Geh' wahlen!"

2. Die ökonomische Theorie der Demokratie von Anthony Downs
2.1. Der Ursprung der Theorie von Downs
2.2. Der Begriff der Rationalität
2.3. Das Wählermodell
2.4. Die Rolle der politischen Parteien
2.5. Der Begriff der Ungewissheit

3. Nichtwählen ± die logische Konsequenz rationalen Handelns

4. Irrationales Handeln ± Nur eine der Erklärungslücken in Downs Theorie

5. Fazit: Trotz Blindstellen ist Downs immer noch aktuell!

1. Einleitung - „Geh' wahlen!"

Der Slogan ,,Geh wahlen" wird so oder so ähnlich anlässlich vieler Wahlen verwendet, um die Bürger zur Abgabe ihrer Wählerstimme zu motivieren. Zuletzt wurde er bei der Bundestagswahl 2009 medial inszeniert, indem Prominente zum Wählen aufgerufen haben1. Aber trotz dieser direkten Ansprache des deutschen Wählers, war die Wahlbeteiligung mit 77,2% so niedrig wie noch nie seit 19452. Glaubt man dem amerikanischen Wirtschafts- und Politikwissenschaftler Anthony Downs, so ist die Sachlage ganz klar: Warum sollte ein Einzelner zur Wahl gehen? Es bringt doch nur Kosten (z.B. Zeit, eventuelle Wahlkampfunterstützung) mit sich und die Stimme des Einzelnen trägt nicht dazu bei, dass sich das Wahlergebnis verändert. Jedoch gibt es aber immer noch Bürger, die zur Wahl gehen. Was treibt also diese an, sich trotz geringem Nutzen derart hohe Kosten aufzubürden?

Downs Theorie stellt einen Zusammenhang zwischen Parteienwettbewerb, Wahlen und Wählerpräferenzen dar. Sie orientiert sich dabei an der klassischen Marktanalyse, die den Tausch von Wählerstimmen gegen die Realisierung politischer Ziele vorsieht. Der begriff der Rationalität spielt in dieser Theorie eine entscheidende Rolle, da sich Parteien, Politiker und Wähler rational verhalten und danach handeln.

In dieser Untersuchung soll die Frage nach der Motivation des Wählers zum Abgeben bzw. Nichtabgeben seiner Stimme unter Berücksichtigung der Theorie von Downs kritisch beantwortet werden. Zunächst werden der Ursprung der Theorie von Downs, die Begriffe der Rationalität, der Ungewissheit und des Wahlparadoxons sowie die Rolle des Wählers und der Parteien erläutert werden, um dann die Diskussionsgrundlage für die anschließende Kritik an Downs Theorie zu schaffen.

2. Die ökonomische Theorie der Demokratie von Anthony Downs

2.1. Der Ursprung der Theorie von Downs

Downs Theorie basiert auf dem Grundgedanken des Rationalitätsprinzips. Das rationale Handeln des Individuums wurde bereits von Niccolò Macchiavelli (1469-1527) und Thomas Hobbes (1588-1679) beschrieben3. Hobbes beschreibt den Menschen als „Wolf4,der jederzeit bereit ist, in seinem Eigeninteresse andere Menschen zu schadigen (sog. „Eigennutzenaxiom")5. Dieses pessimistische Menschenbild ist auch die Grundlage von Downs Theorie. Daher beschaftigt sich Downs mit der Frage, wie eine politische Ordnung wie die der Demokratie aufrechterhalten werden kann, wenn jeder nur nach seinem eigenen Vorteil handelt. Damit ein Uberleben im „Krieg eines jeden gegenjeden"6 möglich ist, wurde der Staat als übergeordnete Instanz errichtet, um den Frieden zu erhalten. Dass dabei die Macht an ein politisches System abgegeben wird, erscheint nur dann rational, wenn der Einzelne davon Vorteile hat.

Für Downs ist sein rationaler Theoriebegriff wirtschaftswissenschaftlich geprägt7, da neben der Rationalität auch die Ökonomie eine Rolle in seiner Theorie spielt. Dieser rational- ökonomische Gedanke basiert auf Adam Smith (1723-1790), der annimmt, dass Individuen einen großen Anteil am Aufbau und Bestehen von Wohlstand haben, da sie von ihren eigenen Bedürfnissen angetrieben werden, um diese zu befriedigen (Individualismus)8. Diese Äunsichtbare Hand des Marktes³ beeinflusst das Allgemeinwohl, ohne dass sich der Einzelne dessen bewusst ist. Wenn nämlich jeder nach dem Maximum seines eigenen Wohlstandes (Nutzen, Gewinn) strebt, nimmt auch automatisch das Gemeinwohl zu9. Dieses rationale Handeln soll im Folgenden erläutert werden.

[...]


1 vgl. Geh wählen! 27Sep2009. http://www.ichgehe2009.de/ (aufgerufen am 19.03.2010)

2 vgl. Die Welt Online: Hollstein, M./Kuhn, P.: Wahlbeteiligung erreicht historischen Tiefstand, 27.09.2009, http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4648093/Wahlbeteiligung-erreicht-historischen-Tiefstand.html (aufgerufen am 19.03.2010)

3 vgl. Braun, Dietmar: Theorien rationalen Handelns in der Politikwissenschaft. Eine kritische Einführung. Opladen 1999, S. 18

4 vgl. Münkler, Herfried: Thomas Hobbes, Frankfurt am Main 1993, S. 80

5 vgl. König, Markus: Habitus und rational Choice. Ein Vergleich der Handlungsmodelle bei Gary S. Becker und Pierre Bourdieu. Wiesbaden 2003, S. 15

6 Hobbes, Thomas: Leviathan. Hamburg 1996, S. 108

7 vgl. Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien. Eine Einführung, Opladen 2000, S. 214

8 vgl. von Hayek, Friedrich A.: Grundsätze einer liberalen Gesellschaftsordnung. Aufsätze zur Politischen Philosophie und Theorie. Tübingen 2002, S. 6

9 vgl. Braun, Theorien rationalen Handelns in der Politikwissenschaft, S. 31

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Inwiefern lässt sich die Wahlbeteiligung mit der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs erklären?
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V166730
ISBN (eBook)
9783640832286
ISBN (Buch)
9783640832958
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, wahlbeteiligung, theorie, demokratie, anthony, downs
Arbeit zitieren
Haike Blinn (Autor), 2010, Inwiefern lässt sich die Wahlbeteiligung mit der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs erklären?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166730

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