Im Frankreich des 18 Jahrhunderts zurzeit des strengen Ancien Régimes war es für die Gesellschaft nicht Kritik an der herrschenden Gesellschaftsform zu äußern. Die drei Ständegesellschaft erlaubte es dem Adel seine Privilegien auf Kosten seiner Untertanen auszunutzen.
Der Autor Caron de Beaumarchais versucht dieser ungleichen Verteilung von Machtverhältnissen literarisch entgegenzuwirken und kritisiert mit seinem Theaterstück "Le Mariage ou La folle journée" den Machtmissbrauch des Adels. Mit den Mittel der italienischen Comédie dell' arte bringt er seine Komödie auf die Bühne der Comédie française und revolutioniert damit nicht nur die vorherrschende Darstellungsform des antiken Theaters auf der Bühne, sondern lässt auch die kommende Französische Revolution im Jahr 1789 in Frankreich anklingen. Diese Form der Gesellschaftskritik verpackt in einer Komödie ist bezeichneten für das Siècle de Lumières in Frankreich des 18.Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund wird in der Arbeit der Frage nachgegangen : Inwiefern prangert Beaumarchais in "Le Mariage de Figaro" die Ungerechtigkeiten und Privilegien des Adels an und stellt zugleich den Witz und die Intelligenz des Dieners Figaro als Mittel des Widerstands gegen den Machtmissbrauch des Grafen Almaviva heraus?
Im ersten Tiel liegt das Hauptaugenmerk auf der Kritik an den Adelsprivilegien, gefolgt von der Analyse der Figuren Suzanne und Figaro als Verkörperung bürgerlicher Intelligenz. Anschließend wird die Komödie als Mittel der gesellschaftlichen Kritik betrachtet, wobei insbesondere Sprachwitz, Ironie und Maskerade näher betrachtet werden.
Im Fazit werden die Ergebnisse der Analyse diskutiert, um die historische und gesellschaftsrelevante Funktion des Stücks kurz vor der Revolution in Frankreich zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Kritik an den Privilegien des Adels
- 2.1 Geburt als willkürliches Kriterium sozialer Macht
- 2.2 Der Comte als Symbol aristokratischen Machtmissbrauchs
- 2.3 Aufdeckung der aristokratischen Überheblichkeit
- 3. Figaro und Suzanne als Verkörperung bürgerlicher Intelligenz
- 3.1 Figaro als Sprachrohr der Vernunft und Aufklärung
- 3.2 Suzanne als Symbol für weibliche Selbstbestimmung und Tugend
- 3.3 Strategien der Unterwerfung und List Triumph des Geistes über die Macht
- 4. Die Komödie als Mittel der Kritik
- 4.1 Sprachwitz, Ironie und Doppeldeutigkeit als subversive Mittel
- 4.2 Spiel mit Identitäten und Maskerade
- 4.3 Das Theater als Spiegel der Gesellschaft
- 5. Fazit
- 6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Beaumarchais' "Le Mariage de Figaro" als ein Schlüsselwerk der Gesellschaftskritik im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Beaumarchais die Ungerechtigkeiten und Privilegien des Adels durch die Komödie anprangert und den Witz sowie die Intelligenz des Dieners Figaro als Mittel des Widerstands gegen den Machtmissbrauch des Grafen Almaviva hervorhebt.
- Kritik an den Privilegien des Adels, insbesondere dem Geburtsprivileg als willkürliches Kriterium sozialer Macht.
- Die Darstellung von Figaro und Suzanne als Verkörperungen bürgerlicher Intelligenz und Ideale der Aufklärung.
- Die Komödie als Medium der Gesellschaftskritik durch den Einsatz von Sprachwitz, Ironie und Maskerade.
- Das Theater als Spiegel der Gesellschaft im Zeitalter der Aufklärung und seine Rolle in der politischen Konfrontation.
- Strategien der Unterwerfung und List als Triumph des Geistes über die Macht der Aristokratie.
Auszug aus dem Buch
2.1 Geburt als willkürliches Kriterium sozialer Macht
In Figaros Monolog (Akt V, Szene 3) thematisiert Beaumarchais das Geburtsprivileg als zufälliges Kriterium für die gesellschaftliche Stellung und kontrastiert es mit individuellen Fähigkeiten. Figaro erscheint dabei als ein vielschichtiger Charakter, der zwischen cleverem Intriganten, verletztem Liebhaber und gespielt unterwürfigen Diener wechselt. Diese innere Vielseitigkeit zeigt, dass er über seine Identität und Handlungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung bewusst abwägt.9
Im Gegensatz zu Figaros Arbeitsleistung stütz sich die Überlegenheit des Comte Almaviva auf seine Geburt. Sein Geburtsprivileg bildet die Grundlage all seiner weiteren Vorrechte und legitimiert sein Selbstverständnis als Adliger. Figaro stellt dieses Privileg ironisch infrage. Er gesteht dem Grafen einen eigenen Verdienst zu und das ist die Mühe geboren zu werden.10 Damit macht Figaro deutlich, dass der Anspruch auf Macht nicht auf Leistung, sondern auf Zufall beruht.
Daher postuliert er : « Parce que vous êtes un grand seigneur, vous vous croyez un grand génie! [...] Qu'avez-vous fait pour tant de biens ? Vous vous êtes donné la peine de naître, et rien de plus [...] ».
An die Stelle der Geburt als ausschlaggebendes Kriterium für Machtpositionen treten mérite und esprit. Figaro plädiert damit für eine Gesellschaft, in der die Arbeitsamkeit und Tatkraft des Bürgertums den Zugang zu Privilegien bestimmen, im Gegensatz zur scheinbaren Untätigkeit und Müßigkeit der Aristokratie.11
Diese fortschrittliche Perspektive spiegelt sich auch in seinem Verhältnis zum Grafen wider. Obwohl Figaro Almaviva als Arbeitgeber respektiert, akzeptiert er dessen Herrschaftsanspruch nicht, der individuelle Interessen und Ziele ignoriert. Durch die Konfrontation mit dem Comte, wendet er seine Kritik sowohl gegen konkrete Adelsprivilegien als auch gegen die Machtlegitimierung durch Geburt insgesamt. In dieser Hinsicht wird deutlich, dass Figaro keine Abschaffung gesellschaftlicher Ungleichheiten fordert, sondern eine „Umverteilung von Privilegien zugunsten derjenigen, die sie aufgrund von Anstrengung und Talent verdienen“12.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in Beaumarchais' "Le Mariage de Figaro" ein, beschreibt dessen gesellschaftliche Tragweite im 18. Jahrhundert und stellt die Forschungsfrage nach der Kritik an Adelsprivilegien und Figaros Rolle als Widerstandsfigur vor.
2. Kritik an den Privilegien des Adels: Dieses Kapitel beleuchtet, wie das Stück die willkürlichen Adelsprivilegien, insbesondere die Geburt als Machtkriterium, und den Machtmissbrauch des Comte Almaviva kritisiert, um grundlegende gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen.
3. Figaro und Suzanne als Verkörperung bürgerlicher Intelligenz: Hier wird analysiert, wie Figaro und Suzanne als Repräsentanten der Aufklärung mit Witz, List und strategischem Handeln den Herrschaftsanspruch des Adels unterwandern und für bürgerliche Werte wie Vernunft und Selbstbestimmung stehen.
4. Die Komödie als Mittel der Kritik: Das Kapitel untersucht, wie Beaumarchais Sprachwitz, Ironie, Doppeldeutigkeit, Spiel mit Identitäten und Maskerade einsetzt, um die Machtverhältnisse humorvoll zu hinterfragen und das Theater als Spiegel der Gesellschaft zu nutzen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass "Le Mariage de Figaro" die Ungerechtigkeiten des Adels scharf attackiert, Figaro als moralisch und intellektuell überlegen darstellt und die Komödie als wirksames Instrument zur Aufdeckung sozialer und politischer Themen vor der Französischen Revolution diente.
6. Bibliografie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primär- und Sekundärliteratur auf, die der Arbeit zugrunde liegt.
Schlüsselwörter
Beaumarchais, Le Mariage de Figaro, Gesellschaftskritik, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Adelsprivilegien, Ständegesellschaft, Komödie, Figaro, Suzanne, Machtmissbrauch, Sprachwitz, Ironie, Maskerade, Französische Revolution
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
In dieser Arbeit geht es um die Analyse von Beaumarchais' Komödie "Le Mariage de Figaro" als ein Medium der Gesellschaftskritik im Frankreich des 18. Jahrhunderts, insbesondere im Hinblick auf die Kritik an Adelsprivilegien und den Widerstand des Bürgertums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Kritik an den Privilegien des Adels, die Darstellung bürgerlicher Intelligenz durch die Figuren Figaro und Suzanne, die Komödie als Mittel der Gesellschaftskritik mittels Sprachwitz und Maskerade sowie die Rolle des Theaters als Spiegel der Gesellschaft im Zeitalter der Aufklärung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, wie Beaumarchais in "Le Mariage de Figaro" die Ungerechtigkeiten und Privilegien des Adels anprangert und zugleich den Witz sowie die Intelligenz des Dieners Figaro als Mittel des Widerstands gegen den Machtmissbrauch des Grafen Almaviva herausstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine analytische Methode, um Beaumarchais' Stück im Kontext des französischen 18. Jahrhunderts zu interpretieren und dessen gesellschaftskritischen Gehalt sowie dramaturgische Elemente zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Kritik an den Adelsprivilegien, insbesondere dem willkürlichen Geburtsprivileg und dem Machtmissbrauch des Comte Almaviva, detailliert behandelt. Anschließend werden Figaro und Suzanne als Verkörperungen bürgerlicher Intelligenz analysiert und die Komödie als Mittel der Kritik durch Sprachwitz, Ironie und Maskerade untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Beaumarchais, Le Mariage de Figaro, Gesellschaftskritik, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Adelsprivilegien, Ständegesellschaft, Komödie, Figaro, Suzanne, Machtmissbrauch, Sprachwitz, Ironie, Maskerade und Französische Revolution charakterisiert.
Wie wird das Geburtsprivileg des Adels in der Arbeit kritisiert?
Das Geburtsprivileg wird als zufälliges Kriterium für gesellschaftliche Stellung thematisiert, das mit individuellen Fähigkeiten kontrastiert wird. Figaro stellt es ironisch infrage, indem er betont, dass der Anspruch auf Macht nicht auf Leistung, sondern auf Zufall beruht, und plädiert stattdessen für mérite und esprit als ausschlaggebende Kriterien.
Welche Rolle spielen Suzanne und Figaro im Kampf gegen die aristokratische Überheblichkeit?
Suzanne und Figaro repräsentieren bürgerliche Intelligenz und Tugend. Sie setzen diskrete Methoden wie Täuschung, intelligente Rhetorik, Maskerade und gemeinschaftliche Intrigen ein, um dem Machtmissbrauch und der Überheblichkeit des Grafen Almaviva entgegenzuwirken, da offener Widerstand in der gegebenen Gesellschaftsordnung nicht möglich ist.
Wie trägt der Einsatz von Maskerade und Rollentausch zur gesellschaftskritischen Funktion des Stücks bei?
Maskerade und Rollentausch erfüllen sowohl komödiantische Zwecke als auch die Funktion, Machtverhältnisse taktisch zu unterwandern. Sie schaffen einen "espace de jeu", in dem die Wahrnehmung von Geschlechterrollen und sozialen Hierarchien kurzfristig umgekehrt wird, und legen Schwachstellen der Macht auf humorvolle Weise offen.
Inwiefern antizipiert "Le Mariage de Figaro" die Französische Revolution?
Das Stück antizipiert die gesellschaftlichen Dynamiken der Französischen Revolution von 1789, indem es als Vehikel Kritik an Standesprivilegien übt und damit maßgeblich dazu beiträgt, gesellschaftliche Probleme zu artikulieren und ein Bewusstsein für die bevorstehende Revolution zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Natalie Paggel (Autor:in), 2025, Theater und Gesellschaftskritik. Beaumarchais' "Le Mariage de Figaro" im Kontext des französischen 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1667984