Erstellung eines individuellen Förderplans auf der Grundlage eines exemplarischen Sonderpädagogischen Gutachtens


Hausarbeit, 2010

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sonderpädagogisches Gutachten
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Grundlage und Kennzeichen
2.3 Förderdiagnostische Untersuchungsverfahren
2.4 Feststellung des Sonderpädagogischen Gutachtens

3. Förderplan
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Ziele und Inhalte
3.3 Förderplanung und Aufbau
3.4 Förderschwerpunkte

4. Förderplanentwicklung für ein Fallbeispiel
4.1 Sonderpädagogisches Gutachten als Grundlage
4.2 Vorstellung des individuellen Förderplans

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur – und Quellenverzeichnis

7. Anhang
7.1 Sonderpädagogisches Gutachten
7.2 Individueller Förderplan für das Fallbeispiel

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten ist die individuelle Förderung von Schülern in Deutschland zu einem besonderen bildungspolitischen Thema geworden. Gerade die internationalen Schulleistungsstudien wie TIMSS oder PISA haben einen kritischen Blick auf die deutsche Schulwirklichkeit gelenkt. In vielen anderen Staaten wird im Gegensatz zu Deutschland in kleineren Klassen unterrichtet, das gemeinsame Lernen über mindestens sechs Schuljahre geführt und für Schüler mit Lernschwierigkeiten stehen unterrichtsbegleitende Lerngelegenheiten zur Verfügung. Somit ergibt sich für das deutsche Bildungssystem die Frage, wie die sonderpädagogische Förderung von Schülern mit dem gemeinsamen Lernen in der Schule verknüpft werden kann. In diesem Zusammenhang muss ebenfalls über eine veränderte Ausbildung von Lehrkräften aller Schulformen bezüglich einer Diagnosekompetenz nachgedacht werden.

Das Thüringer Kultusministerium verweist in seiner Publikation „Fachliche Empfehlung zur Sonderpädagogischen Förderung in Thüringen“ auf die reformpädagogische Einsicht hin, dass die Schule den Bedürfnissen des Kindes entsprechen soll. Alle Schüler sind in diesen Grundkonsens einbezogen. Damit garantiert das Thüringer Schulgesetzt einen Rechtsanspruch auf sonderpädagogische Förderung. Durch die kooperative Zusammenarbeit von Sonderpädagogen, Lehrern und Eltern wird versucht, diesem Recht jedes Schülers nachzukommen.[1]

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel auf der Grundlage eines Sonderpädagogischen Gutachtens einen individuellen Förderplan zu erstellen. Das Gutachten entstammt einer Erfurter Grundschule.

2. Sonderpädagogisches Gutachten

2.1 Begriffsbestimmung

Die pädagogische Diagnostik ist als eine wissenschaftliche Erkenntnistätigkeit die Grundlage für ein sonderpädagogisches Gutachten. Um das Vorgehen und die Methoden der sonderpädagogischen Diagnostik gibt es vielfältige Ansätze und Streitpunkte, aber unbestritten ist, dass eine sorgfältige Diagnose für das pädagogische Handeln unverzichtbar ist.[2] Die professionelle Diagnostik hat sich der Aufgabe verpflichtet, den Menschen unter verschiedenen Fragestellungen möglichst realistisch zu erkennen.[3]

Jogschies bezeichnet im Werk „Handbuch Förderung“ die förderdiagnostische Begutachtung als eine einzelfallbezogene Erkennungsgewinnung mit Hilfe von verschiedenen Wissenschaften. Die Grundlage des Gutachtens bildet nach ihm der Mensch in seiner Entwicklung und in seiner Interaktion mit der Umwelt.[4]

Eine weitere Definition des Sonderpädagogischen Gutachtens wurde einer fachlichen Empfehlung des Thüringer Kultusministeriums entnommen und lässt sich der eher abstrakten Erklärung von Jogschies entgegensetzen.

„Das Sonderpädagogische Gutachten ist die Grundlage der sonderpädagogischen Förderung. Es dokumentiert den sonderpädagogischen Förderbedarf, leitet nachvollziehbar daraus den Förderschwerpunkt ab, beschreibt die nächsten Förderansätze und empfiehlt den Bildungsgang sowie einen konkreten Förderort.“[5]

Diese Definition soll im Folgenden als Grundlage für die weiterführende Arbeit dienen.

Das Sonderpädagogische Gutachten dient im Zweifelsfall auch dazu festzustellen, ob ein sonderpädagogischer Förderbedarf nicht oder nicht mehr vorliegt. Einmal vorgenommene Einschätzungen des Gutachtens müssen mindestens zweimal jährlich überprüft werden, da sie nicht entgültig sind. Der jeweilige Förderschwerpunkt, der zuvor diagnostiziert wurde, kann sich verändern oder verlagern, so dass die Gutachten regelmäßig fortgeschrieben werden müssen.

2.2 Grundlage und Kennzeichen

Die grundlegendste Weiterentwicklung in der Pädagogik ist der Paradigmenwechsel von der Sonderschulbedürftigkeit hin zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eines Kindes. In den Empfehlungen der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder von 1994 kommt diese Sichtweise zum Tragen, wonach jeder Schüler besonders gefördert werden soll, bei dem ein sonderpädagogischer Förderbedarf besteht.[6]

„Sonderpädagogischer Förderbedarf ist bei Kindern und Jugendlichen anzunehmen, die in ihren Bildungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten so beeinträchtigt sind, dass sie im Unterricht […] der allgemeinbildenden Schule ohne sonderpädagogische Unterstützung nicht hinreichend gefördert werden können.“[7]

Die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs erfolgt durch ein Sonderpädagogisches Gutachten.

Die Gutachtenerstellung besitzt dabei die Aufgabe, die Entscheidungsprozesse für den daraufhin zu erstellenden Förderplan zu optimieren. Die Entscheidungen des Gutachtens erstrecken sich dabei von der bestmöglichsten Förderung über den Förderort bis hin zur Schullaufbahnempfehlung. In diesem Zusammenhang ergibt sich ein deutlicher Mehraufwand für einen Schüler und diese Notwendigkeit zur sonderpädagogischen Förderung muss durch das Sonderpädagogische Gutachten legitimiert werden. Eine bereits oben angedeutete Begründung, dass der Lernende unter regulären schulischen Bedingungen nicht hinreichend gefördert werden kann, kann hierbei zur Wirkung kommen.[8]

Damit ein sonderpädagogisches Gutachten entscheidungsvorbereitend sein und die Begründung für eine Förderung liefern kann, muss es folgende Funktionen erfüllen. Es muss die Ursachen, Entstehung, Art und Form des sonderpädagogischen Förderbedarfs beschreiben. Zudem muss er einen Entscheidungsvorschlag über Umfang, Charakter und Ort der Förderung angeben. Somit wird durch das Gutachten der Vorschlag begründet und durch den Text der diagnostische Prozess dokumentiert.[9] Ebenfalls muss die Begutachtung inhaltliche, funktionale sowie methodische Gütemerkmale aufweisen, denn die Qualität des Gutachtens ergibt sich aus der Beschaffenheit des diagnostischen Prozesses sowie der Güte des Gutachtentextes.[10]

2.3 Förderdiagnostische Untersuchungsverfahren

Zur Erstellung eines Sonderpädagogischen Gutachtens liegt ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren zur Verfügung. In ihrer Gesamtheit stellen die Methoden einen verfügbaren Apparat dar, aus dem der Gutachter nach Bedarf, in Abhängigkeit von den individuellen Problemlagen des Kindes und seiner Hypothesenbildung, diagnostizieren kann. Dabei sollte der Einsatz der Verfahren nicht auf Quantität, sondern auf die Qualität gerichtet sein. Zu den wichtigsten Methoden einer multidimensionalen sonderpädagogischen Diagnostik zählen u.a. Beobachtungen, informelle Verfahren, Verhaltensbeobachtungen, Anamnese, diagnostisches Gespräch, soziografische Verfahren, Schulleistungstests, Persönlichkeitstests sowie medizinische Untersuchungen.[11]

Im Folgenden werden einige Verfahren beispielhaft vorgestellt, um einen kleinen Einblick zu geben, ohne dabei einen Anspruch auf Vorrangigkeit und Vollständigkeit zu erheben. Förderdiagnostische Beobachtung kann als gezielte Wahrnehmung verstanden werden, bei dem der Diagnostiker das Verhalten des Schülers beobachtet. Inneres Verhalten jedoch, wie Denken oder auch Gefühle, können mit Hilfe der Beobachtung nicht ermittelt werden. Die Befragung kann ebenfalls zur Diagnostik verwendet werden, wobei diese mündlich aber auch schriftlich erfolgen kann. Im Unterschied zur Beobachtung ist es hiermit möglich, zu subjektiven Sichtweisen und inneren Prozessen des Schülers vorzudringen und diese zu erfassen. Forschungsmethodisch sind beide Methoden erst dann nutzbar, wenn ein Protokoll vorliegt, auf dessen Grundlage das Verhalten interpretiert werden kann.[12] Leistungstests werden vor allem bei der Diagnostik von Verhaltensauffälligkeiten bedeutsam. Es lässt sich aus dem Ergebnis ableiten, ob die Auffälligkeiten mit der Intelligenz zusammenhängen und in welchen Leistungsbreichen der Schüler Kompetenzen aufweist. Auch hierbei ist die Dokumentation des Ablaufes des Tests wesentlich für die nachfolgende Diagnostik, da aus dem Verhalten des Kindes während der Durchführung wichtige Auskünfte entnommen werden können.[13]

Man kann aus der Vielfalt der möglichen Verfahren als Grundlage für sonderpädagogische Gutachten ableiten, dass der Diagnostiker eine sehr große Verantwortung besitzt, die sich auf die Entscheidung und die Auswahl für die Verfahren bezieht. Denn verengt der Gutachter die Problemstellungen oder herrscht ein Mangel an Überlegungen und Informationssammlungen zur Beschreibung des Gutachtens, so kann dies fatale Folgen für die weitere Entwicklung des Schülers bedeuten. Nur gezielte und begründete Maßnahmen führen letztlich zu nachhaltigem Erfolg für das zu fördernde Kind. Daher muss eine enge Zusammenarbeit mit allen beteiligten Personen, die dass Umfeld des Schülers darstellen wie Lehrkräfte, Eltern, außerschulische Einrichtungen und natürlich auch der Schüler selbst, für eine gelungene Diagnostik erfolgen.

2.4 Feststellung des Sonderpädagogischen Gutachtens

Die Feststellung des Sonderpädagogischen Gutachtens erfolgt auf der Grundlage der Ermittlung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs. Wird bei einem Schüler dieser Bedarf vermutet, dann richtet der Leiter der Schulaufsicht einen Antrag zur Durchführung einer Begutachtung an das staatliche Schulamt. Die Begutachtung verläuft dabei als ein Verwaltungsakt, der durch den Antrag der Schulaufsicht eingeleitet wird. Der Mobile Sonderpädagogische Dienst vereinbart darauf hin mit dem Leiter der Einrichtung des Schülers den Beginn und Ablauf des förderdiagnostischen Prozesses. Das staatliche Schulamt begleitet hierbei den diagnostischen Prozess und trifft eventuell Entscheidungen wie die Einbindung speziell ausgebildeter Mitarbeiter. Der Prozess des Gutachtens beinhaltet von Beginn an die Informationspflicht gegenüber den Eltern. Somit arbeiten während des gesamten diagnostischen Prozesses der Feststellung des Sonderpädagogischen Gutachtens Sonderpädagogen, pädagogische Fachkräfte, der Mobile Sonderpädagogische Dienst, die betreuenden Lehrer sowie die Eltern gemeinsam.[14]

Die Fragestellung, die der Gutachter beantworten soll, ist beim diagnostischen Prozess zweigeteilt. Zum einen soll untersucht werden, ob für den Schüler die Notwendigkeit für eine sonderpädagogische Förderung besteht und zum anderen soll festgestellt werden, an welchem Förderort die Förderung realisiert werden kann. Um die beantragte Diagnostik durchzuführen, untersucht der Gutachter die individuelle Disposition des Schülers, das unmittelbare schulische Umfeld und die Lernanforderungen. Zeitliche und schulorganisatorische Vorgaben für die Anfertigung des Gutachtens werden im Allgemeinen vorgegeben.[15]

Im Prozess der Begutachtung wird die Fragestellung in Hypothesen überführt. Diese Thesen werden daraufhin geprüft, um Erklärungen für die feststellbaren Besonderheiten im schulischen Lernen des Kindes zu finden. Durch die Arbeit mit den Annahmen sollen diejenigen Bedingungen herausgearbeitet werden, die sonderpädagogischer Beeinflussung zugänglich sind.[16] Um die Hypothesen überprüfen zu können, bedienen sich die an der Diagnostik beteiligten Personen der verschiedensten Verfahren, wie sie auszugsweise im Punkt 2.3 vorgestellt und erläutert wurden.

Für die Gliederung, die Form und dem damit verbundenen Prozess eines sonderpädagogischen Gutachtens gibt es verschiedene Vorschläge, die sich alle an der Struktur von wissenschaftlichen Berichten orientieren. Eine einheitliche Struktur ist allerdings für den Gutachter sowie für den Nutzer von Vorteil und sollte daher im Vorfeld festgelegt werden. Angelehnt an die Empfehlungen vom Thüringer Kultusministerium besteht ein Gutachten aus den folgenden Punkten: persönliche Daten, allgemeine Angaben zum förderdiagnostischen Prozess und zum Gutachten, bisherige Förderung und deren Ergebnisse, eingesetzte Verfahren, Ergebnisse der Förderdiagnose, Interpretation der Ergebnisse und Ableitung von Schlussfolgerungen, Unterschriften sowie Entscheidungen des Staatlichen Schulamtes.[17]

[...]


[1] Vgl.: Thüringer Kultusministerium (Hrsg.): Fachliche Empfehlungen zur Sonderpädagogischen Förderung in Thüringen, S. 4 (im Folgenden zitiert als: TKM)

[2] Vgl. Ingenkamp, K. / Lissmann, U.: Lehrbuch der Pädagogischen Diagnostik, S. 12f

[3] Vgl. Stein, R.: Grundwissen Verhaltensstörungen, S. 99 (im Folgenden zitiert als: Stein)

[4] Vgl. Jogschies, P.: Förderdiagnostische Erhebungsstrategien, Untersuchungsverfahren und Begutachtungen. In: Arnold, K. – H. / Graumann, O. / Rakhkochkine, A. (Hrsg.): Handbuch Förderung. Grundlagen, Bereiche und Methoden der individuellen Förderung von Schülern, S.126 (im Folgenden zitiert als: Jogschies.)

[5] Vgl.: TKM, S. 16

[6] Vgl. Mutzeck, W. (Hrsg.): Förderplanung. Grundlagen - Methoden – Alternativen, S. 11

[7] TKM, S. 6f

[8] Vgl. Jogschies, S. 129

[9] Vgl. Ebenda, S. 136

[10] Vgl. Ebenda, S. 140 - 142

[11] Vgl. Myschker, N.: Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfreiche Maßnahmen. S. 121

[12] Vgl. Jogschies, S. 132f

[13] Vgl. Stein, S. 108 - 112

[14] Vgl. TKM, S. 18f

[15] Vgl. Jogschies, S. 136

[16] Vgl. Ebenda, S. 137

[17] Vgl. TKM, S. 16f

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Details

Titel
Erstellung eines individuellen Förderplans auf der Grundlage eines exemplarischen Sonderpädagogischen Gutachtens
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V166802
ISBN (eBook)
9783640832385
ISBN (Buch)
9783640832118
Dateigröße
2949 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erstellung, förderplans, grundlage, sonderpädagogischen, gutachtens
Arbeit zitieren
Patrick Ziehm (Autor), 2010, Erstellung eines individuellen Förderplans auf der Grundlage eines exemplarischen Sonderpädagogischen Gutachtens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166802

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