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„Archipele“ des Ausnahmezustands

Konzentrationslager im Dritten Reich und der Gulag in der früheren Sowjetunion

Title: „Archipele“ des Ausnahmezustands

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 28 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Alona Gordeew (Author)

Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
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„Spaces of Exception“ oder auf deutsch „Ausnahmeräume“ rücken zunehmend in das Forschungsfeld der Geographie. In diesem Zusammenhang werden auf Konferenzen und in wissenschaftlichen Arbeiten solche Themen aus geographischer Sicht behandelt, die klassisch weniger der Geographie angehören als anderen wissenschaftlichen Disziplinen. So beschäftigen sich Geographen aktuell mit „Sonderräumen“ wie beispielsweise mit dem weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmtem Gaza-Krieg, mit dem Gefangenenlager Guantánamo Bay und mit diversen Flüchtlingslagern, die man auf der ganzen Welt antrifft. Die sicher am weitesten verbreitete Form dieser Ausnahmeräume bilden die verschiedenen Arten von Lagern. Heutzutage handelt es sich dabei hauptsächlich um Flüchtlingslager; in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts jedoch spielten vor allem die Konzentrationslager des Dritten Reichs und der Gulag der Sowjetunion eine große Rolle.
Diese zwei Lagersysteme gelten aufgrund ihrer Systematik und ihres großen Ausmaßes an Häftlingszahlen als die Prototypen des Lagerwesens und bilden damit eine einschneidende Rolle in der Entwicklung der Lager. Ihr gewonnenes „Fachwissen“ wird bis heute noch in Gefangenenlagern angewendet – oft unter einer vollkommen anderen Ideologie und Weltanschauung. So verwendeten bzw. verwenden Gefangenenlager aus der jüngeren Vergangenheit verschiedene Elemente und Bezeichnungen jener Lagersysteme und ziehen damit Nutzen aus dem Know-How der zwei großen Lagersysteme. Beispielsweise lassen sich die Verhörmethoden der CIA nachweislich auf Erkenntnisse aus nationalsozialistischen Menschenversuchen zurückverfolgen, welche bis in die heutige Gegenwart noch weiter perfektioniert wurden.
übernommen – insbesondere mit ihren deutschen Bezeichnungen. In einer ähnlichen Form hat der Gulag Spuren hinterlassen: Die Bezeichnung „Gulag“ wird synonym für Gefangenenlager in anderen Diktaturen – ja sogar für das von den demokratischen USA betriebene Gefangenenlager in Guantánamo Bay – verwendet, woran auch die hervorstechende Bedeutung des Gulagsystems deutlich zu erkennen ist.
Aufgrund der großen Bedeutung für spätere Lager sowie insgesamt in der Geschichte des Lagerwesens sollen in dieser Arbeit die zwei Prototypen des Lagers näher untersucht und hinsichtlich verschiedener Geographien analysiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Agambens Analyse der Ausnahmeräume und der Lager

3. Historische Vorläufer des KZs und des Gulag

4. Das Gulagsystem in der Sowjetunion

4.1 Die Entstehung und Entwicklung des sowjetischen Gulags

4.1.1 1918-1927

4.1.2 1928- 1960

4.2 Der Gulag als eigener Hierarchieraum

4.3 Der Gulag als „unsichtbarer“ Raum

4.4 Der Gulag als Raum mit eigenen Werten und seine Spielregeln

4.5 Stand der Forschung

5. Das System der Konzentrationslager im Dritten Reich

5.1 Die Entstehung und Entwicklung der deutschen Konzentrationslager

5.1.1 1933 -1935

5.1.2 1936-1938

5.1.3 1939-1941

5.1.4 1942-1945

5.2 Das nationalsozialistische Lager als eigener Hierarchieraum

5.3 Das nationalsozialitische Lager als „unsichtbarer“ Raum

5.4 Das NS-Lager als Raum mit eigenen Werten und seine Spielregeln

5.5 Der Stand der Forschung

6. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Gulag- und KZ-System

7. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die zwei Prototypen des Lagerwesens – den sowjetischen Gulag und die Konzentrationslager des Dritten Reichs – hinsichtlich ihrer Entstehung, Struktur und Wirkung. Das Ziel ist eine vergleichende Analyse der Lagergeographien und Machtmechanismen, ohne dabei die unterschiedlichen Ideologien und Regimes gleichzusetzen.

  • Theoretische Grundlagen von Ausnahmeräumen nach Agamben
  • Historische Entwicklung des Gulagsystems von 1918 bis 1960
  • Struktur und Funktionsweise des Konzentrationslagersystems im Nationalsozialismus
  • Die Rolle von Häftlingshierarchien und „unsichtbaren“ Räumen
  • Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Lagerwirklichkeit

Auszug aus dem Buch

4.2 Der Gulag als eigener Hierarchieraum

Oft stellt der Menschenverstand die Frage, wie es möglich ist, dass eine Minderheit von Wachleuten eine große Masse an Häftlingen kontrolliert und diese nicht die Macht übernimmt und damit ihre Unterjochung beendet. Die Beantwortung ergibt sich, wenn man die innere Machtstrukturierung der Lager betrachtet.

Bereits bei der Inbetriebnahme der Lager auf den Solowezki-Inseln 1923 strebte die OGPU eine kostengünstige Selbstverwaltung durch die Häftlinge an. So wurde der gesamte Verwaltungsapparat und das gesamte Wachpersonal aus Gefangenen zusammengestellt, vornehmlich aus Kriminellen, da diese in den ideologischen Vorstellungen der Bolschewiki als „sozialnah“, d.h. dem Proletariat nahe stehend, galten. Dieser Auffassung nach seien sie nur aufgrund der schädlichen Einflüsse des Kapitalismus – der Sozialismus war ja noch im Aufbau und noch nicht in die Realität umgesetzt worden – kriminell geworden. Später wollte man die Macht der Schwerkriminellen eingrenzen, die im Lagerjargon „Urki“ genannt wurden und ungefähr 15 Prozent der Häftlinge stellten, und setzte deswegen wieder Wachpersonal aus den Reihen der Geheimdienstangestellten ein. Trotzdem setzte mit der zunächst gewollten Herrschaft der Urki eine eigene Dynamik ein, so dass es hartgesottenen Schwerkriminellen trotz dieser Einschränkung gelang, erfolgreich ihren Machtanspruch zu verteidigen. Die Lagerleitung hatte längst ihren Einfluss verloren.

Die Urki entzogen sich der schweren Arbeit und besetzten die wichtigsten Stellen wie Brot- oder Kleiderverteiler, was ihnen Macht über die anderen Häftlinge verlieh. Ferner trugen sie Waffen und waren in rivalisierende Gruppierungen aufgeteilt, die sich nach einer harten Rangordnung strukturierten. Da sie in den meisten Fällen keine Aussicht darauf hatten, je das Lager zu verlassen, lebten sie sich dort regelrecht ein, besaßen Frauen und sehnten sich nicht nach der Freiheit, in der sie weniger gut zurecht kamen als im Lager.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Ausnahmeräume und Definition der Lager als Prototypen des modernen Lagerwesens.

2. Agambens Analyse der Ausnahmeräume und der Lager: Theoretische Betrachtung der juristisch-politischen Struktur von Lagern und des Konzepts des „nackten Lebens“.

3. Historische Vorläufer des KZs und des Gulag: Überblick über frühe Internierungsformen, wie in Kuba oder während des Burenkriegs, als historische Grundlagen.

4. Das Gulagsystem in der Sowjetunion: Detaillierte Analyse der Entstehung, der ökonomischen Einbindung und der internen Machtverhältnisse im sowjetischen Lagersystem.

5. Das System der Konzentrationslager im Dritten Reich: Untersuchung der nationalsozialistischen Lagerentwicklung von frühen Haftstätten bis zu den Vernichtungslagern sowie deren ideologische Ausrichtung.

6. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Gulag- und KZ-System: Synthese und komparative Betrachtung der beiden Systeme hinsichtlich ihrer Struktur und Wirkung auf die Häftlinge.

7. Literatur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Quellen und Literatur zur Thematik.

Schlüsselwörter

Lagerwesen, Gulag, Konzentrationslager, Ausnahmezustand, Giorgio Agamben, Sowjetunion, Nationalsozialismus, Zwangsarbeit, Hierarchieraum, Häftlingsselbstverwaltung, Biopolitik, Totalitarismus, Invisibility, Vernichtungslager, Lagergeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Lagerwesen des 20. Jahrhunderts mit einem Fokus auf die beiden Prototypen: den sowjetischen Gulag und die nationalsozialistischen Konzentrationslager.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historische Entstehung, die interne Machtstrukturierung, die Rolle der Lager in der jeweiligen Wirtschaftsordnung sowie das Spannungsfeld zwischen öffentlicher Wahrnehmung und der Realität in den Lagern.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine fundierte Gegenüberstellung der beiden Lagersysteme, um deren strukturelle Gemeinsamkeiten und ideologische Unterschiede aufzuzeigen, ohne dabei die historischen Geschehnisse zu verharmlosen oder gleichzusetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein theoretischer Rahmen nach Giorgio Agamben genutzt, kombiniert mit einer historischen Analyse der Entwicklung und Organisation der beiden Lagersysteme basierend auf einschlägiger Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Entwicklung, Hierarchiebildung („Lagerprominenz“ vs. einfache Häftlinge) und der Strategien zur Geheimhaltung („Invisibility“) in beiden Systemen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lagerwesen, Gulag, Konzentrationslager, Zwangsarbeit, Biopolitik, Häftlingsselbstverwaltung und Totalitarismus charakterisiert.

Wie unterschied sich die Funktion der Lager zwischen dem Gulag und dem nationalsozialistischen System?

Während im Gulag ökonomische Ausbeutung und Machterhaltung im Vordergrund standen, entwickelte sich im nationalsozialistischen System zusätzlich eine Vernichtungslogik, die in den speziell dafür eingerichteten Vernichtungslagern gipfelte.

Welche Rolle spielte die Häftlingsselbstverwaltung in den Lagern?

Sie diente primär der Kostenersparnis und der Verhinderung einer Solidarisierung unter den Häftlingen, führte aber in beiden Systemen zur Ausbildung von internen Machtstrukturen, in denen Funktionshäftlinge oft eine grausame Herrschaft über ihre Mithäftlinge ausübten.

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Details

Title
„Archipele“ des Ausnahmezustands
Subtitle
Konzentrationslager im Dritten Reich und der Gulag in der früheren Sowjetunion
College
University of Heidelberg  (Geographisches Institut)
Course
Räume im Ausnahmezustand
Grade
1,5
Author
Alona Gordeew (Author)
Publication Year
2010
Pages
28
Catalog Number
V166816
ISBN (eBook)
9783640829279
ISBN (Book)
9783640829071
Language
German
Tags
Agamben Spaces of Exception Ausnahmeräume Lagerwesen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alona Gordeew (Author), 2010, „Archipele“ des Ausnahmezustands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166816
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