In den letzten Jahrzehnten haben sich die Rahmenbedingungen des betrieblichen Wirt-schaftens, des Informationsbedürfnisses des Managements sowie die Anforderungen an das Rechnungswesen teilweise drastisch verändert.
Auf diese neuen Herausforderungen haben die betriebswirtschaftliche Forschung und die Praxis z.T. mit einer verstärkten Einbeziehung der Kostenwirkungen und Entschei-dungen im Unternehmen reagiert.
Während früher die Ist- oder Normalkostenrechnung lange Zeit völlig ausreichte um allen betrieblich gestellten Ansprüchen gerecht zu werden, machten es die zunehmende Vielseitigkeit und Verlagerung der Aufgabenschwerpunkte erforderlich, nach neuen Mitteln und Wegen zu suchen, um die Leistungsfähigkeit der Kostenrechnung zu stei-gern und Verfahren zu finden, um diesen erweiterten Anforderungen zu entsprechen.
Es wurde ein Kostenrechnungssystem benötigt, das es erlaubt, die explodierenden Ge-meinkosten des Unternehmens verursachungsgerechter zuzuordnen, als es mit her-kömmlichen Kosten- und Erlösrechnungsverfahren bisher möglich war.
Als Ergebnis dieser Bemühungen können die Methoden der Plankostenrechnung, De-ckungsbeitragsrechnung und Prozesskostenrechnung genannt werden.
Die Prozesskostenrechnung ist kein eigenes Kostenrechnungssystem, sondern dient der Planung, Steuerung und Verrechnung von Kosten der Unternehmensprozesse auf Voll-kostenbasis und soll in dieser Arbeit beschrieben werden und anhand eines Beispiels erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung der Prozesskostenrechnung
2.1. Zielsetzung der Prozesskostenrechnung
2.2. Anwendung der Prozesskostenrechnung
2.3. Komponenten der Prozesskostenrechnung
2.4. Einführung der Prozesskostenrechnung:
3. Prozesskostenrechnung am Beispiel der Car-Wash AG
4. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit erläutert die Grundlagen, Entstehung und praktische Anwendung der Prozesskostenrechnung. Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine prozessorientierte Sichtweise Gemeinkosten verursachungsgerechter auf Produkte oder Dienstleistungen verrechnet werden können, um so die Kalkulationsgenauigkeit und Kostentransparenz zu erhöhen.
- Historische Entwicklung der Prozesskostenrechnung (Activity Based Costing)
- Methodische Abgrenzung und Komponenten der Prozesskostenrechnung
- Eignungskriterien für Unternehmen zur Implementierung
- Praktische Fallstudie zur Auftragsabwicklung bei der Car-Wash AG
- Strategischer Nutzen und kritische Erfolgsfaktoren bei der Einführung
Auszug aus dem Buch
3. Prozesskostenrechnung am Beispiel der Car-Wash AG
Am konstruierten Beispiel der fiktiven Car-Wash AG soll hier ein Beispiel für die Anwendung der Prozesskostenrechnung beschrieben werden: Betrachtet werden soll hier die Zuschlagskalkulation für die Waschportalanlagen P1 für das In- und Ausland. Durch Reduzierung der Fertigungstiefe und Zukauf fertiger Systeme besteht die Materialstückliste nur aus wenigen Komponenten. Die Gemeinkosten werden stückzahlbezogen auf die fertigen Anlagen umgerechnet. Unterschiedliche Spezifikationen für Anlagen im In- und Ausland, sowie auch international unterschiedliche Ausführungen werden dabei nicht berücksichtigt. Während der europäische Markt großen Wert auf Qualität, Aussehen und Funktionalität legt, setzen amerikanische Firmen vorwiegend Waschportalanlagen mit erheblichem manuellem Anteil ein.
Daher unterscheiden sich bspw. die Materialkomponenten im Einkauf aufgrund unterschiedlicher Länderspezifikationen und der Vertrieb der Anlagen ist für den Export wegen längerer Lieferwege und –zeiten sowie unterschiedlicher Zollbestimmungen deutlich aufwändiger. Die Materialkosten sind in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken, während sich die Personalkosten und sonstige Aufwendungen jeweils annähernd verdoppelt haben. Diese Gemeinkosten unterschiedlicher Höhe können durch Anwendung der Prozesskostenrechnung verursachungsgerechter auf die fertigen Anlagen umgelegt werden, und führen zu einer detaillierteren Übersicht der tatsächlichen Herstellkosten der einzelnen Anlagen. Beispielhaft betrachtet werden sollen hier die Hauptprozesse Inlands- und Auslands-Auftragsabwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die veränderten Rahmenbedingungen im Rechnungswesen und die Notwendigkeit, Gemeinkosten verursachungsgerechter zuzuordnen.
2. Entstehung der Prozesskostenrechnung: Erläutert die historische Entwicklung vom Activity Based Costing aus den USA hin zur Prozesskostenrechnung im deutschsprachigen Raum und definiert deren Kernkomponenten sowie Anwendungsbereiche.
3. Prozesskostenrechnung am Beispiel der Car-Wash AG: Demonstriert anhand eines konkreten Fallbeispiels die Differenzierung bei der Auftragsabwicklung zwischen Inland und Ausland.
4. Fazit und Zusammenfassung: Bewertet die Prozesskostenrechnung als wertvolles Werkzeug zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit trotz des hohen Implementierungsaufwands.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Gemeinkosten, Kostenmanagement, Kostentreiber, Cost Driver, Prozessanalyse, Aktivitätsbasierte Kostenrechnung, Zuschlagskalkulation, Teilprozesse, Hauptprozesse, Leistungserstellung, Kostentransparenz, Unternehmensprozesse, Prozessorientierung, Wirtschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Beschreibung und Anwendung der Prozesskostenrechnung in Unternehmen, um die traditionelle Gemeinkostenverrechnung zu optimieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die historische Genese der Prozesskostenrechnung, die Identifikation von Prozessen, die Wahl von Kostentreibern und die praktische Übertragbarkeit auf Fallbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, wie durch Prozesskostenrechnung indirekte Bereiche transparenter gestaltet und Kosten verursachungsgerechter verrechnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Anwendung des Konzepts auf ein konstruiertes Fallbeispiel (Car-Wash AG), um die theoretischen Aspekte zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Prozesskostenrechnung (Zielsetzung, Komponenten, Einführung) und die praktische Anwendung auf die In- und Auslandsauftragsabwicklung eines fiktiven Unternehmens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Prozesskostenrechnung, Gemeinkosten, Kostentreiber, Prozessanalyse und Kostentransparenz.
Welche spezifische Herausforderung adressiert das Beispiel der Car-Wash AG?
Das Beispiel zeigt, dass standardisierte Zuschlagskalkulationen bei unterschiedlichen Anforderungen (Inland vs. Ausland, z.B. Zoll, Transport, Sprachaufwand) zu ungenauen Ergebnissen führen und die Prozesskostenrechnung hier mehr Transparenz bietet.
Welche Risiken bei der Einführung der Prozesskostenrechnung nennt der Autor?
Der Autor warnt vor einem zu hohen Zeit- und Ressourcenaufwand bei der Prozessanalyse sowie vor Widerständen in der Belegschaft, wenn die Leistung einzelner Mitarbeiter durch die Analyse messbar und kontrollierbar wird.
Wie unterscheidet sich die Prozesskostenrechnung laut Arbeit von der traditionellen Kostenrechnung?
Im Gegensatz zur traditionellen Stückzahl-basierten Verteilung von Gemeinkosten, fokussiert die Prozesskostenrechnung auf abgrenzbare Aktivitäten und deren verursachungsgerechte Verrechnung über Kostentreiber.
- Citation du texte
- Bernd Hildebrandt (Auteur), 2011, Prozesskostenrechnung - Beschreibung und Anwendung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166823