Genie und Wahnsinn am Beispiel von "A Beatutiful Mind"


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Genie in der deutschen Literatur der Vergangenheit

3. Das Genie John Nash, sein Wahnsinn und dessen Darstellung im Film
3.1 Das Genie John Nash
3.2 Der Wahnsinn John Nashs

4. Vergleich zum Buch

5. Fazit

6. Anhang

− Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon ein Sprichwort besagt: „Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander“. Aber der Genie-Gedanke entspringt nicht nur einem Sprichwort, sondern ist ein Topos, der sichüber die ganze Literaturgeschichte der Neuzeit erstreckt. Genies wie Mozart oder Goethe sind jedem bekannt, doch dass sie zu Lebzeiten nicht nur durch ihre Werke auffielen, sondern auch durch ihr bizarres Verhalten, ist eher unbekannt. Forschern zu Folge sind psychische Störungen immer eine Nebenwirkung außerordentlicher Kreativität. Ähnlich erging es auch dem genialen Mathematiker John Forbes Nash. Durch das Lösen komplizierter Prob- leme und seiner Neuentwicklung der Spieltheorie erreichte er Großes. Dennoch erkrankte er an paranoider Schizophrenie und hatte Wahnvorstellungen. Angeregt durch den Film „A Beautiful Mind“ von Ron Howard und auch der ihm zu Grunde liegenden Biografie „Ge- nie und Wahnsinn - Das Leben des genialen Mathematiker John Nash“ von Silvia Nasar möchte ich mich im Folgenden näher mit dem Phänomen des Genies und Wahnsinns an- hand dieses Films im Vergleich mit dem Buch beschäftigen. Der Film hat mich nach dem ersten Schauen schon außerhalb des Filmseminars zutiefst beeindruckt, wie Nash seine Krankheit durch seine eigene Genialität schlussendlichüberwindet und wie ergreifend Russell Crowe spielt. Ich war aber auch nach dem Lesen der Biografie ehrlichüberrascht, wie anders eigentlich das Leben John Nashs dargestellt wurde und was die Macher des Films alles zu Gunsten der Länge des Films weggelassen hatten. Deshalb habe ich mich auch für dieses Thema entschieden.

Wie stellt der Film Nash als Genie dar und wie seinen Wahnsinn? War dies auch in seinem realen Leben so? Es gibt ja einige Filme, die irgendwelche Forscher und Professoren in ir- gendwelche Forscherschubladen stecken, wie z. B. den Mahner mit dem Satz: „Ich habe Sie ja gewarnt“ oder den Reuigen mit dem Satz „ Oh mein Gott, was habe ich getan?“1 Bei John Nash in „A Beautiful Mind“ ist dies allerdings anders, wie folgende These zeigt:

„ Der an Schizophrenie leidende Nash wird nicht als verrückter Professor denunziert, son dern mit gr öß ter Empathie und Hollywood eigenem Pathos als Held inszeniert. “ 2 Deshalb will ich auf Grundlagen der Forschung zu diesem Thema herausfinden, wie Nash als Genie und Wahnsinniger im Film gezeigt wird.

2. Das Genie in der deutschen Literatur der Vergangenheit

Schon immer sprach man bei außergewöhnlich begabten Menschen von Genies. Das Wort Genie lässt sich auf zwei verschiedene Begriffe zurückführen: zum Einen „genius“, das aus dem Lateinischen stammt und soviel wie Erzeuger bedeutet; zum Anderen „ingenium“, was soviel heißt, wie natürliches, angeborenes Talent oder Begabung und stellt irrationales Vermögen dar. Weiterhin wird das Genie dadurch definiert, dass es nicht die rationale Me- thode ist, sondern Originalität und Ursprung, sowie die Entstehung des Neuen.3 Literatur- geschichtlich gesehen tauchte der Geniegedanke vorrangig in der Aufklärung auf. Diese Epoche stieg dann allmählich zu einer richtigen Geniezeit auf, was auch daran lag, dass die Dichtung einen höheren Stellenwert einzunehmen begann. Dies entwickelte sich auch des- halb, weil die höfische Dichtkunst an Bedeutung verlor und die Dichter zunehmend auto- nomer wurden, allen voran Lessing, der als einer der ersten versuchte, nur vom Dichten zu leben. Die Aufklärung war auch eine sich selbst thematisierende Epoche, benannt durch Kants Werk „Was ist Aufklärung?“, was bedeutete, dass man alle Autoritäten auf Grund der Vernunft kritisch hinterfragt. Kant grenzt das Genie, das eine unbewusst schaffende Natur ist, vom nichtgenialen Wissenschaftler ab, weil dieser methodisch-rational vorgeht. Außerdem ist das Werk eines Genies, im Gegensatz zum Schaffen des Wissenschaftlers, das man erlernen und nachahmen kann, nichtübertragbar oder nachzuahmen.

Die Menschen beginnen in dieser Zeit, politische Selbstbestimmung zu fordern, sowie To- leranz und Mündigkeit. England und Frankreich hatten auf deutsche Dichter einen unsag- bar großen Einfluss. So wurde beispielsweise Shakespeare als Genie bezeichnet und seine Schriften beeinflussten die deutsche Literatur maßgeblich. In der Aufklärung ist der Dich- ter kein gelehrter Vielwisser, sondern ein naturhaft Schaffender, derüber die Erhabenheitüber alles Einzelwissen, Gelehrtes und alle Geschicklichkeit verfügt, d.h. die Darstellung einer von vorherein vorhandenen Ganzheit.4 Doch vor Lessing beschäftigte sich auch schon Klopstock mit der Genie-Thematik. Er war der Ansicht, „ die Schaffensenergie des Genies lieg [ e ] nicht in der rationalen Sphäre, sondern in der irrationalen Sphäre. “ 5 D.h. natürlich, dass das Geniehafte schon da sein muss, damit der Dichter daraus schöpfen kann, es handelt sich dabei um etwas, das man nicht erlernen kann. Lessing definierte eine Generalregel, woran sich alle orientieren sollten, indem er versuchte, das Genie als Inbeg- riff des freien Schöpfertums und vom Prinzip der Nachahmung in Einklang zu bringen.

Später jedoch war das Geniehafte losgelöst vom Nachahmungsprinzip.6 Lessing wollte das Genie auch buchstäblich erziehen, d.h. ein Mensch muss lernen und erfahren, verarbeiten, wieder lernen und sich dieses merken, vergleichen, wissen und dann auch lehren, damit er zum Genie werden kann. Andererseits erwähnt er auch wieder in Zusammenhang mit Sha- kespeare, dass ein Genie nicht anerzogen werden kann, sondern durch ein anderes Genie angeregt, plötzlich selbst zum Genie wird. Es war also eine teilwiese etwas widersprüchli- che Definition, die Lessing vom Genie lieferte, da er auch später daran zweifelt, dass es ein echtes Genieüberhaupt existiert. Herder fordert danach, dass das Genie als Reaktion auf Gelehrsamkeit und kulturelle Reaktion zu verstehen ist, bzw. als Medium der Integration von Totalität und Individualität.7 Später schreibt Goethe in seinen Hymnenüber Genies, die sich ganz aus sich selbst heraus und aus eigener Kraft entfalten. Seine Hymnen werden auch als Höhepunkt der Geniezeit angesehen. Das Genie war für den Künstler das Wesen des Künstlertums, um das künstlerisch-geniale Selbstverständnis zu etablieren. Eine Wen- dung im Genie-Thema stellt Goethes Werther dar. Ging es vorher eher um eine ästhetische Definition des Genies, war das Genie nun plötzlich ein existentielles Problem. Die Ent- wicklung des Genies geht dahin, dass das Dichtertum des wirklich genialen Dichters, der von einer ursprünglichen Erfahrung geleitet wird, für ihn selbst schicksalhaft wird, sodass es seine Existenz bestimmt. Doch mit zunehmendem Alter wendet sich Goethe mehr und mehr gegen den Kult um das Genie. Er sagt dem autonomen Künstler und dem Eigenrecht der Kunst ab. Bei seinen früheren Genie-Dichtungen stand das „Ich“ und die Selbstdarstel- lung im Mittelpunkt. Nun nimmt gerade das „Nicht-Schöpferische“ eine zentrale Stellung ein.8

Hölderlin interessiert sich indes sehr für das sich legitimierende Genie. Aber auch er sieht das Genie als eine All-Natur an, aus welcher der Mensch dann all seine schöpferische Energie nimmt und auch alle anderen künstlerischen Ergüsse. Im Sturm und Drang waren die Dichter gegen Lehren und Lernen des Genies, d.h. ein Genie war gekennzeichnet durch seine eigene Schaffenskraft und die Autonomie der Kunst.

Für Kleist wird die Todverfallenheit des Menschen zum existentiellen Argument gegen Genie und Charisma.9

[...]


1 Vgl. Scholl, Georg: Zwischen Genie und Wahnsinn. Online verfügbar: http://www.humboldt- foundation.de/web/715697.html zuletzt aufgerufen: 17.02.09

2 Ebd.

3 Vgl. Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedanken der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750-1945, Band 1, S.36, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1985.

4 Vgl. ebd., S. 37

5 Ebd., S. 68

6 Vgl. ebd., S. 70

7 Vgl. ebd., S. 79

8 Vgl. ebd., S. 345f.

9 Vgl. ebd., S. 463

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Genie und Wahnsinn am Beispiel von "A Beatutiful Mind"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Filmanalyse
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V166888
ISBN (eBook)
9783640832507
ISBN (Buch)
9783640833122
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
genie, wahnsinn, beispiel, beatutiful, mind
Arbeit zitieren
Katja Sachs (Autor), 2009, Genie und Wahnsinn am Beispiel von "A Beatutiful Mind", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166888

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