Goethe: Iphigenie auf Tauris - Analyse des 1. Auftritts des 4. Aufzugs


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Analyse des ersten Auftritts des vierten Aufzugs

Kurze Inhaltsangabe der Szenen

Personeneinschätzung

Analyse des ersten Auftritts des vierten Aufzugs

Im Folgenden analysiere ich den ersten Auftritt des vierten Aufzugs, indem ich den Text knapp inhaltlich zusammenfasse und einordne, den Aufbau des Monologs darstelle, äußeres und inneres Geschehen voneinander abgrenze und Iphigenies Göttervorstellung erläutere. Zuletzt untersuche ich die Frage, inwieweit in dieser Szene von autonomen Handeln die Rede sein kann.

Im ersten Auftritt des vierten Aufzugs des Dramas ‚Iphigenie auf Tauris’ von Johann Wolfgang von Goethe hält Iphigenie einen Monolog. Er ist eine Art Lobpreisung, durch die ihre Göttervorstellung deutlich wird. Sie sagt, wenn die Götter einem Menschen Not, Leid oder Kummer berieten, dann sorgten sie auch gleichzeitig dafür, dass dieser geplagte Mensch einen Freund hat, der ihm hilft. Aus dem weiteren Verlauf des Monologs geht hervor, dass Iphigenie selbst dieser Mensch ist, in dessen Gemütszustand sich Glück und Freude mit Kummer und Sorge abwechseln. Und in Pylades sieht sie den helfenden Freund.

In ihrem Monolog lobt Iphigenie die Taten des Pylades und beschreibt dem Zuschauer, wie er ihr geholfen hat. Danach geht sie auf den Plan ein, mit dem die beiden Freunde den König Thoas überlisten wollen. Sie erklärt, dass Orest und Pylades gerade auf dem Weg zum versteckten Schiff mit den übrigen Gefährten sind und dass ihre Aufgabe ist, die vereinbarte Ausrede vorzutragen, mit der ihre Opferung hinausgeschoben werden soll.

Des Weiteren trägt Iphigenie ihre Sorgen und Gewissensbisse vor. Im Mittelpunkt steht hierbei die Lüge, zu der sie sich genötigt sieht. Am Ende des Monologs hört Iphigenie sich nähernde Schritte. Damit leitet Goethe zum zweiten Auftritt des vierten Aufzugs über, in dem Iphigenie nämlich ein Gespräch mit Arkas, dem Boten des Königs, führt.

Der Text ist hintern den Auftritt von Orest, Iphigenie und Pylades einzuordnen, in dem es um die Lösung Orests vom Fluch und seine Heilung vom Verfolgungswahn und der Lebensmüdigkeit geht. Nach dem Text folgt - wie eben erwähnt - der Dialog zwischen Iphigenie und Arkas, in dem das Mädchen den Boten anweist, dem König den Aufschub der Opferung mitzuteilen. In diesem Auftritt lügt Iphigenie, denn sie will ja nicht das Bild der Diana weihen, sondern es rauben und mit ihrem Bruder und dessen Freund nach Griechenland fliehen.

Der vierte Aufzug in diesem geschlossenen Drama mit Fünf-Akt-Struktur ist der Akt der fallenden Handlung. Er hat eine retardierende Funktion. Die Handlungsweise Iphigenies läuft auf die Lösung des Konflikts zu. Der Zuschauer weiß nur nicht, ob sie in einer Katastrophe endet oder nicht. Damit birgt der vierte Aufzug das Moment der letzten Spannung. Die Spannung beim Zuschauer kommt dadurch zustande, dass er nicht weiß, ob Iphigenie mit ihrer Lüge tatsächlich Erfolg haben wird, zumal sie selbst immer noch an der Richtigkeit dieser Vorgehensweise zweifelt.

Den Monolog von Iphigenie kann man in fünf Abschnitte aufteilen. Im ersten Abschnitt (Verse 1369 - 1381) lobpreist Iphigenies die Götter. Dieser Abschnitt besteht aus einem einzigen Finalsatz. Dadurch wird Iphigenies unerschütterliche Überzeugung von der dort benannten Eigenschaft der Götter unterstrichen. Außerdem stehen die Verse dieses Abschnitts ein Stücken eingerückt, so als ob sie ein feststehendes Gesetz wären, das Iphigenie hier zitiert.

Der zweite Abschnitt (Verse 1382 - 1394) ist eine Anrufug der Götter, dass sie Pylades Segen spenden sollen. „O segnet, Götter, unseren Pylades und was er immer unternehmen mag!“ (Verse 1382f). Wie in der Inhaltszusammenfassung schon erwähnt lobpreist Iphigenie hier ihren Freund Pylades. Sie vergleicht ihn mit dem „Arm des Jünglings in der Schlacht“ (Vers 1384) und mit dem „leuchtenden Aug’“ (Vers 1385 eines weisen Greises. Sie sagt, er bewahre die Ruhe und könne durch seine Gelassenheit dem Ratlosen Rat und Hilfe geben (Verse 1386 - 1389).

Im dritten Abschnitt (Verse 1395 - 1401) geht Iphigenie auf die weiteren Absichten des Planes ein. Hier gibt sie unter Anderem den wichtigen Hinweis, dass Pylades sich die Worte ausgedacht hat, die Thoas in die Irre führen wollen und die Iphigenie lügen lassen. „...und haben kluges Wort mir in den Mund gegeben, mich gelehrt, was ich dem

König antworte, wenn er sendet und das Opfer mir dringender gebietet.“ (Verse 1398 - 1401).

Im vierten Abschnitt (Verse 1401 - 1415) kommen Iphigenies Zweifel, Ängste und Befürchtungen zum Ausdruck. Es tauchen Worte wie „Ach!“ (Vers 1401), „Weh!“ (Vers 1404) und „O weh der Lüge!“ (Vers 1405) auf. Hier wird deutlich, dass Iphigenie bestrebt ist, das Ideal der schönen Seele, wie Schiller es formuliert hat, zu erreichen. In den folgenden Versen erkennt man Iphigenies Neigung zur Wahrheit: „O weh der Lüge! Sie befreit nicht, wie jedes andre wahrgesprochene Wort, die Brust; ...“ (Verse 1405ff). Der fünfte und letzte Abschnitt (Verse 1415 - 1420) stellt einen Übergang zur nächsten Szene dar. Iphigenie lauscht und hört den Boten herannahen und beschreibt, welches Gefühl sie dabei hat. „Es schlägt mein Herz, es trübt sich meine Seele,“ (Vers 1418). Das ist ein Hinweis auf die Geschehnisse des zweiten Auftritts.

Neben den inhaltlichen Aspekten, die in dieser Abfolge von Abschnitten zum Ausdruck kommen, komponiert Goethe hier einen Wechsel zwischen innerem und äußerem Geschehen. Zum inneren Geschehen gehören Gedanken, Gefühle und Vorstellungen Iphigenies. Diese kommen in dem ersten und vierten Abschnitt zum Ausdruck (Verse 1369 - 1381 und 1401 - 1415). Zum äußeren Geschehen gehören die Handlung, der Handlungsablauf und Tatsachen, von denen Iphigenie in ihrem Monolog berichtet. Dies geschieht in den Abschnitten zwei, drei und fünf (Verse 1382 - 1401 und 1415 - 1420). Dadurch entsteht ein Wechsel zwischen reflexiven und berichtenden Teilen.

Iphigenies Göttervorstellung ist nicht stringent und erfährt im Laufe der Ereignisse einige Ambivalenzen. Zunächst denkt sie, dass die Götter für alles verantwortlich seien. Sie könnten einen Menschen so beeinflussen, dass er verwirrt ist und keinen Ausweg findet, dass er Kummer und Verzweiflung erleidet, aber auch so, dass er Freude und Glück erfährt (Verse 1369ff). Iphigenie führt also den Ursprung jeder Gefühlsregung auf den Willen und die Macht der Götter zurück.

Iphigenie hält die Götter für weise Wesen, die allwissend sind, die die Geschehnisse auf der Erde gerecht beurteilen und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überblicken können. Das geht sehr deutlich aus folgendem Zitat hervor: „Du hast Wolken, gnädige Retterin, einzuhüllen unschuldig Verfolgte, und auf Winden dem ehrnen Geschick sie aus den Armen, über das Meer, über der Erde weiteste Strecken, und wohin es dir gut dünkt, zu tragen. Weise bist du und siehest das Künftige; nicht vorüber ist dir das Vergangene, ...“ (Verse 538 – 545).

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Goethe: Iphigenie auf Tauris - Analyse des 1. Auftritts des 4. Aufzugs
Hochschule
Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
8
Katalognummer
V166938
ISBN (eBook)
9783640835522
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Iphigenie, Tauris, Analyse, Interpretation, Thoas, Pylades, Göttervorstellung
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagogin Anna Bachem (Autor), 1999, Goethe: Iphigenie auf Tauris - Analyse des 1. Auftritts des 4. Aufzugs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166938

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