„You laugh now, but wait till you need tech support!“

Nerds und ihre Subkultur in zeitgenössischen Fernsehserien


Seminararbeit, 2010
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs „Nerd“

3. The Big Bang Theory - Nerdkultur in der Freizeitgestaltung
3.1 Allgemeines zur Serie
3.2 Freizeitgestaltung von Nerds
3.3 Bezug zur Realität und Rezeption

4. The IT Crowd - Nerdkultur am Arbeitsplatz
4.1 Allgemeines zur Serie
4.2 Arbeitsalltag von Nerds
4.3 Bezug zur Realität und Rezeption

5. South Park- Make Love not Warcraft - Gefahren der Nerdkultur
5.1 Allgemeines zur Serie, zur Folge und zu World of Warcraft
5.2 Gefahren der Nerdkultur
5.3 Bezug zur Realität und Rezeption

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

„You laugh now, but wait till you need tech support!“ – Nerds und ihre Subkultur in zeitgenössischen Fernsehserien

1. Einleitung

Mit der immer weiteren Verbreitung des Internet ist die Subkultur der sogenannten Nerds in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Aktuelle Modedesigner orientieren sich an Nerdklischees und statten ihre Models mit überdimensionalen Hornbrillen und ähnlichen Kleidungsstücken aus.[1] Während Nerds früher als gesellschaftliche Randgruppe galten, ist es mittlerweile beinahe schon ein Trend geworden, sich selbst als Nerd zu bezeichnen.[2] Dieser Gesinnungswandel ist in erster Linie ein Produkt unseres hoch technisierten Zeitalters, in dem man ohne grundsätzliche Computerkenntnisse die Anforderungen des täglichen Lebens nur noch mit Mühe bewältigen kann und in dem die Naturwissenschaften eine immer größere Rolle spielen.

Dieser Unterschied wird, wie alle gesellschaftlichen Wandlungen, auch im Fernsehen reflektiert. In den Serien, und besonders in den Sitcoms und Kinderserien der 80er und 90er Jahre wurden Nerds meist als Randfiguren, als „comic relief“, dargestellt. Sie waren selten Sympathieträger und noch seltener Hauptfiguren. Meist handelte es sich um übertriebene, karikaturhafte Figuren wie zum Beispiel Steve Urkel aus Alle unter einem Dach. Es wurde über die Nerds gelacht, nicht mit ihnen.

In letzter Zeit hingegen hat sich dies gewandelt. In Serien wie Freaks and Geeks (in Deutschland unter dem Titel Voll daneben, voll im Leben ausgestrahlt) sind Nerds die Hauptcharaktere und auch Identifikationsfiguren für den Zuschauer.[3] Eine der beliebtesten Figuren der Serie Heroes war der Nerd und Comic-Fan Hiro Nakamura. Die MTV-Zeichentrickserie Daria war eine der wenigen Sendungen, die einen weiblichen Nerd zur Hauptfigur machte. Auch in Sendungen, in denen dies nicht das primäre Thema ist, werden des Öfteren Themen aus der Nerdkultur behandelt. Mittlerweile hat sich also die Präsenz von Nerdkultur und Nerds im Fernsehen deutlich gewandelt, insbesondere, da in einer pluralistischen und technologieorientierten Zeit die Abgrenzung zwischen Nerd- und Mainstreamkultur immer schwerer wird.

Diese Arbeit will exemplarisch drei Beispiele der Darstellung von Nerds und Nerdkultur im zeitgenössischen Fernsehen untersuchen, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Subkultur repräsentieren: Freizeitgestaltung, Arbeitswelt und mögliche Gefahren. Zunächst wird die Bedeutung des Begriffs „Nerd“ geklärt. Im Anschluss wird die erste Staffel der US-amerikanischen Sitcom The Big Bang Theory (insgesamt 16 Folgen) in Hinblick auf die Freizeitgestaltung von Nerds untersucht. Aus dieser stammt auch das Zitat im Titel dieser Arbeit. In Bezug auf die Arbeitswelt werden die ersten beiden Staffeln der britischen Sitcom The IT Crowd behandelt (insgesamt 12 Folgen). Die eventuellen Gefahren der Nerdkultur schließlich werden anhand der Folge Make Love, Not Warcraft der US-amerikanischen Animationsserie South Park erläutert.

In jedem der Kapitel wird zunächst Allgemeines zur jeweiligen Serie gesagt, danach wird der Aspekt behandelt, unter dem sie jeweils untersucht wird, und schließlich wird angesprochen, inwiefern sich die Darstellung in der Serie mit der Realität decken könnte. Der letzte Punkt wird selbstverständlich bei allen drei Serien nur kurz angerissen und insbesondere in Bezug auf die Rezeption der Serie innerhalb der Subkultur betrachtet. Um eine umfassendere Darstellung der Realität der Nerdsubkultur zu bieten, wäre eine sozialwissenschaftliche Untersuchung nötig, die den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde. Die Arbeit endet mit einem kurzen Fazit und einem Ausblick auf weitere Facetten des Themas, die noch zu untersuchen sind.

2. Definition des Begriffs „Nerd“

Doch was ist ein Nerd überhaupt? Der Begriff ist nicht klar zu definieren. Jeder stellt sich etwas anderes darunter vor, alleine, weil es zudem in der amerikanischen, und mittlerweile auch zunehmend in der deutschen Umgangssprache auch noch ähnliche Begriffe wie „Geek“ oder „Dork“ gibt, die nicht klar abgegrenzt werden können. Deshalb soll hier nicht versucht werden, eine allgemeingültige Definition zu finden, sondern es sollen verschiedene Definitionen aus unterschiedlichen Quellen aufgezeigt werden, um sich dem Begriff anzunähern und gleichzeitig deutlich zu machen, dass es schwer ist, festzustellen, was ein Nerd eigentlich ist.

Der Begriff kam in den USA zunächst Anfang der 1950er Jahre auf.[4] Wann genau er in die deutsche Sprache übergegangen ist, ist unklar- eine der frühesten Quellen, die ausfindig gemacht werden konnten, ist ein Artikel aus der Zeitschrift Focus, der aus dem Jahr 2000 stammt.[5]

Die Online-Ausgabe des Duden Wörterbuchs des Szenesprachen schreibt:

Der Nerd ist ein Soziotypus der Informationsgesellschaft. Er verfügt über herausragende Videospiel- und Computerkenntnisse und verbringt seine Freizeit vor dem Bildschirm. Durch die soziale Isolation, die der beste Freund Computer mit sich bringt, und das spezielle unvermittelbare Wissen ist der Nerd für das Klischee des einsamen, unverstandenen Außenseiters prädestiniert.[6]

Umfassender ist die Definition aus einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung:

der Begriff des Nerds [...] umfasst [...] im Grunde alle, die sich in irgendeinem Feld enzyklopädisches Wissen und/oder singuläre, dem normalen Verstand nicht mehr zugängliche Expertise erworben haben – selbstverständlich auf Kosten von etwas, was man früher einmal “normales Sozialleben“ nannte.[7]

Ein anderer Artikel, ebenfalls aus der Süddeutschen Zeitung, fasst das Ganze so zusammen:

Neben den bekannten und vorhandenen Stereotypen zeichnen den Nerd vor allem drei Eigenschaften aus: soziale Vernetzung per Mausklick, Ironie und Intelligenz. [...] Nerds gelten als hässlich und kontaktscheu, aber auch als intelligent und mächtig.[8]

Die letzte Definition, die hier aufgeführt werden soll, stammt aus dem Online-Magazin Kulturbande:

Intelligent und motiviert, soviel Wissen wie möglich in sich aufzusaugen, [...] spezialisiert [der Nerd] sein Wissen und seinen Humor gerne auf vorwiegend pop-kulturelle Sparten wie Science Fiction, Comics, Musik, Computerprogrammierung [...] und katapultiert sich damit so manches Mal in die soziale Nische, da sein Insiderhumor und -Wissen eine normale soziale Interaktion erschwert und ihn ungelenk und seltsam erscheinen lässt.[9]

Zusammenfassend könnte man sagen, dass ein Nerd sich durch überdurchschnittliche Intelligenz, meist gekoppelt mit Expertenwissen auf einem (oft naturwissenschaftlichen oder technischen) Gebiet auszeichnet, dies jedoch durch unterdurchschnittliche soziale Fähigkeiten und ein wenig ansprechendes Äußeres kompensiert. Als stereotype Interessen eines Nerds werden zudem oft Science Fiction und Fantasy, Comics, Computerspiele etc. genannt. Während Außenstehende den Begriff „Nerd“ meist eher abwertend verwenden, wird er innerhalb der Nerd-Subkultur als Kompliment verstanden.

3. The Big Bang Theory - Nerdkultur in der Freizeitgestaltung

3.1 Allgemeines zur Serie

Die US-amerikanische Sitcom The Big Bang Theory wurde von Chuck Lorre und Bill Prady entwickelt und wird seit 2007, mittlerweile in der dritten Staffel, auf dem US-Fernsehsender CBS ausgestrahlt. In Deutschland läuft sie seit 2009 bei Pro Sieben.

Hauptfiguren der Serie sind die vier jungen Physiker Sheldon, Leonard, Howard und Rajesh, die miteinander befreundet sind und auch gemeinsam am California Institute of Technology forschen. In die Nachbarwohnung von Sheldon und Leonard zieht eines Tages Penny ein, eine junge, attraktive Kellnerin und erfolglose Schauspielerin. Im Laufe der Serie freunden sich Penny und die Wissenschaftler immer mehr an, obwohl sie völlig gegensätzlich sind.

Grundthema der Serie, und Quelle eines großen Teils der Gags, ist der Kontrast zwischen den intelligenten, aber völlig weltfremden und sozial inkompetenten Forschern, und der Kellnerin, die durchschnittlich intelligent ist, kaum naturwissenschaftliche Bildung hat, aber im Gegensatz zu den Physikern über gesunden Menschenverstand und Sozialkompetenz verfügt. So ergibt sich der Humor, wie fast immer in Sitcoms,[10] aus der Störung des normalen Alltags- zwei Welten prallen aufeinander, so dass beide Seiten gezwungen werden, sich mit einer völlig anderen Lebensweise und Weltsicht auseinander zu setzen. Dass sich die beiden Seiten im Laufe der Staffel immer mehr anfreunden, gibt der Serie einen optimistischen Unterton- trotz aller Missverständnisse können also Nerds und „normale Menschen“ zueinander finden.

3.2 Freizeitgestaltung von Nerds

Zwar sind die vier männlichen Hauptcharaktere auch Arbeitskollegen, ein Großteil der Handlung befasst sich aber mit der Freizeitgestaltung. Deshalb ist dies der Aspekt, auf den die Serie hier untersucht werden soll.

Im Allgemeinen vermischen sich bei den Hauptfiguren Beruf und Freizeit. Wissenschaftliche Arbeit und private Interessen werden des Öfteren vermischt- ein wiederkehrendes Element sind Diskussionen, in denen Physik und Filme, Comics etc. aufeinander bezogen werden. So wird zum Beispiel darüber diskutiert, inwiefern die Superman -Filme physikalisch akkurat sein könnten.

[...]


[1] Freitag, Charlotte: Nerd-Look: Geschmackssache. Fachidiot goes Fashion, unter: http://www.fem.com/fashion/nerd-look-geschmackssache-fachidiot-goes-fashion-1397.html [gesehen 15.3.2010]

[2] Williams, Ian R.: Twilight of the dorks, unter: http://www.salon.com/technology/feature/2003/10/29/dork/index.html [gesehen: 17.3.2010]

[3] Reinhardt, Gunther: Die können auch anders, unter: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stuttgarter_nachrichten.html/id/2bc83748-b7b7-4c7a-8d3c-0101ddf88534 [gesehen: 15.3.2010]

[4] Harper, Douglas: Nerd, unter: http://www.etymonline.com/index.php?term=nerd [gesehen: 13.3.2010]

[5] Nitschke, Bernd: Nerd statt Niete: ein „Duden“ für die Fremdsprache Szene-Deutsch, unter: http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-nerd-statt-niete-ein-duden-fuer-die-fremdsprache-szene-deutsch_aid_183609.html [gesehen: 16.3.2010]

[6] Wippermann, Peter: Nerd, unter: http://www.duden-suche.de/suche/artikel.php?shortname=szeneduden&artikel_id=455 [gesehen: 13.3.2010]

[7] Kniebe, Tobias: Fünfzig Zeilen- Nerd, unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31117 [gesehen: 13.3.2010]

[8] Bönisch, Julia: Computerfreak. Nerd- das unbekannte Wesen, unter: http://www.sueddeutsche.de/computer/6/425763/text/ [gesehen: 14.3.2010]

[9] Koch, Juliane: I heart Nerds, unter: http://www.kulturbande.de/content/view/344/78/ [gesehen: 15.3.2010]

[10] Knop, Karin: Comedy in Serie. Medienwissenschaftliche Perspektiven auf ein TV-Format. Bielefeld 2007, S. 87

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
„You laugh now, but wait till you need tech support!“
Untertitel
Nerds und ihre Subkultur in zeitgenössischen Fernsehserien
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V166961
ISBN (eBook)
9783640833856
ISBN (Buch)
9783640833955
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nerds, subkultur, fernsehserien
Arbeit zitieren
Charlotte Meyn (Autor), 2010, „You laugh now, but wait till you need tech support!“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166961

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