Welchen Einfluß können emotionale und kognitive Variablen auf FDI-Entscheidungen der EntscheidungsträgerInnen in MNC’s haben?


Essay, 2007

9 Seiten, Note: "-"


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vorherrschende Gründe für FDIs

2. Einfluß erlernter Verhaltensweisen- das „domestic mindset“

3. Emotionen als Entscheidungsfaktor

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen dieses kleinen work assignments werde ich eine Auswahl an Theorien der aktuellen Managementliteratur zur Thematik des Einflusses von Emotionen und kognitiven Prägungen (im speziellen des „domestic mindset“) auf FDI-Entscheidungen der TMT’s (hier und im folgenden abgekürzt für: Top Management-Teams) untersuchen. Obwohl es mir wichtig erscheint, Entscheidungen auf ein klassisch-rationales Fundament zu stellen, ist doch schlüssig anzunehmen, daß die ursprüngliche Motivation, zu investieren, sehr oft (auch) von subjektiven Faktoren angetrieben wird, die man ebenfalls in ein ganzheitliches Modell der Erklärung von FDI-Investitionen integrieren sollte.

Ich untersuche dies anhand zweier Studien von US- bzw. Dänischen Unternehmen, die zuvor nicht maßgeblich im Ausland investiert hatten,[1] und rolle die Thematik dermassen auf, indem ich zeige, daß solche „soft factors“ durchaus tragende Faktoren für FDI-Entscheidungen sein können, indem sie entweder a priori über das „domestic mindset“, d.h. das vom jeweiligen Management auf den Heimatmärkten erworbene Wissen und Einstellungen (Nadkarni/Perez), sowie sowohl vor als auch während der Entscheidung über emotionale Bindungen an das jeweilige Land (van de Laar/de Neubourg) wirken. Meine Frage wird anhand des in der VU verwendeten Buches (Klärung der Grundbegriffe, vorherrschende Gründe für FDI’s) bzw. der erwähnten wissenschaftlichen Artikel aufgerollt und untersucht.

1. Vorherrschende Gründe für FDIs

Ich verwende für diese Arbeit die Definition von FDI’s im Sinne von fortgeschrittenen Formen wie Licensing, JV’s und Tochtergesellschaften (unter der Prämisse der Ausübung eines gewissen Einflusses auf die Geschäftstätigkeit des ausländischen Unternehmens)[2]. Die in der Literatur gebräuchlichsten Gründe für FDI-Entscheidungen von MNC’s sind laut Fuchs/Apfelthaler die Erschließung und Sicherung neuer Märkte, Kostenfaktoren oder steuerliche Gründe, d.h. rein auf die Weiterentwicklung oder Sicherung von Märkten konzentriert (und im Sinne einer rationalen, individuellen Nutzenmaximierung des Unternehmens verstanden).[3] Obwohl eine ganzheitliche, wohlüberlegte Entscheidung ohne Zweifel auf einem oder mehreren dieser Gründe basieren sollte, gilt es dennoch zu hinterfragen, ob die a priori bestehende Präferenz für bestimmte Märkte rein nur auf rationalen Faktoren basiert und in welchem Maße Voreinstellungen und kognitive Anfangsausstattungen der TMT’s (sei es rein emotionaler Natur oder im Sinne des „domestic mindset“) diese beeinflussen und beschleunigen können. Es gilt disbezüglich also immer auch, Emotionen und Hintergrund der EntscheidungsträgerInnen zu hinterfragen.

Ein aktuelles Beispiel in der Debatte um FDI-Investitionen zeigt, daß man sich der Wichtigkeit von subjektiven Faktoren bei einer FDI-Entscheidung durchaus bewußt ist. In der Diskussion darüber, wie man die in Japan relativ geringe Höhe getätigter FDI-Investitionen erhöhen könne, nennt der Report des US Chamber of Commerce als ersten Grund, man müsse „unterstützenden mindset und Einstellungen“ zu FDI’s generieren“.[4]

2. Einfluß erlernter Verhaltensweisen- das „domestic mindset“

Was versteht man in der (von mir verwendeten) aktuellen Literatur nun unter einem „domestic mindset“ und welchen Einfluß kann dies auf die Entscheidung über FDI-Investitionen haben?

Laut Nadkarni/Perez versteht man unter einem „domestic mindset“ die Wissensstrukturen des Topmanagements vor dem Beginn internationaler Geschäftstätigkeit, basierend auf den zuvor auf dem heimischen Markt Gelernten und Erfahrenen (dies inkludiert neben faktisch gelerntem auch emotionale Faktoren wie Einstellungen und Präferenzen).[5] Wie bekannt ist, definieren Vahlne/Johanson ein Muster der Entwicklung von Internationalisierung, beginnend mit Exporten bis hin zu Tochterunternehmen in anderen Ländern. Dies wird, wie wir gelernt haben, immer umstrittener- gibt es doch auch sogenannte direct oder short routes, z.B. eine Aufnahme internationaler Geschäftstätigkeit, die bereits mit Joint Ventures beginnt. Die Argumentation, wieso es so große Unterschiede im Verhalten von MNC’s bezüglich FDI’s gibt, wird im Text anhand dreier Faktoren aufgerollt: zum ersten anhand der ressourcenbasierten Theorie, zweitens anhand der Theorie der Wettbewerbsinteraktion (competitive action theory), und schließlich anhand des Prozessmodells der Internationalisation.[6] Höhe und Vielfalt an firmeneigenen Ressourcen treiben demnach Firmen an, einerseits erst als global player aufzutreten (Ausbau von Reputation, Technologien, Größe), andererseits, diese Faktoren durch geeignete Wahl der Eintrittsform auf internationalen Märkten zu schützen (eigenen Niederlassungen werden z.B. Licensing gegenüber bevorzugt), während die auf dem Heimatmarkt erlebte Wettbewerbsvielfalt (Preiskämpfe, Produkteinführungen, etc.) Firmen befähigt, sich auch im internationalen Markt durch erlerntes, komplexeres Wettbewerbsverhalten stärker durchzusetzen. Hier kommt zusätzlich der neu eingeführte Begriff des „domestic mindset“ ins Spiel.[7] Das „domestic mindset“ beeinflußt zukünftige Strategien durch Auswahl, Diagnose und Alternativenwahl, die alle entsprechend dem zuvor erlernten Verhalten und Strategien gefiltert werden. Ressourcenvielfalt beeinflusst das „domestic mindset“ insofern, als daß es dieses durch Konfrontation mit vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Umweltstimuli lernen lässt- ebenso stimuliert Wettbewerbsvielfalt die Kenntnis und das Erlernen von Wettbewerbstrategien, was beim zukünftigen Eintritt in neue Märkte die Navigation erleichtern kann. Die Verbindung zwischen Ressourcenvielfalt und Wettbewerbsvielfalt kann zu einem komplexeren „domestic mindset“ führen, und einem daraus resultierenden früheren internationalen Markteintritt, bzw. überhaupt erst dem Willen zum „going global“.[8]

[...]


[1] Vgl. Van de Laar, M. & de Neubourg, C. (2006), S.9 und Nadkarni, S. & Perez, P. (2007), S. 165

[2] Vgl. Fuchs, M. & Apfelthaler, G., (2002), S. 20f.

[3] Fuchs, M. & Apfelthaler, G., (2002), S.27

[4] http://usjbc.org/FDIpressannouncement9-05.pdf

[5] Nadkarni, S. & Perez, P. (2007), S. 160

[6] Nadkarni, S. & Perez, P. (2007), S.161

[7] Vgl. Nadkarni, S. & Perez, P. (2007), S. 163 f.

[8] Nadkarni, S. & Perez, P. (2007), S. 165

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Welchen Einfluß können emotionale und kognitive Variablen auf FDI-Entscheidungen der EntscheidungsträgerInnen in MNC’s haben?
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Internationales Management)
Veranstaltung
Globalisation and Strategies of Internationalisation
Note
"-"
Autor
Jahr
2007
Seiten
9
Katalognummer
V166971
ISBN (eBook)
9783640837175
ISBN (Buch)
9783640837489
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
FDI, MNU, Wirtschaftspsychologie
Arbeit zitieren
Mag. Alexandra Nima (Autor), 2007, Welchen Einfluß können emotionale und kognitive Variablen auf FDI-Entscheidungen der EntscheidungsträgerInnen in MNC’s haben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166971

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