Die Debatte um Ethik in der Wirtschaft ist lang. Einer der Begriffe, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist der der Corporate Social Responsibility. CSR als Konzept kennt man in den USA seit Mitte der 60er Jahre, erst in den letzten 10 Jahren aber hat die Thematik auch international und in Österreich stark an Popularität gewonnen. Wie der Begriff zu definieren ist, bleibt jedoch
weitgehend umstritten.
Arbeitsplatz- CSR in der Definition des Grünbuchs (wie er im Rahmen dieser Arbeit definiert wird) beschreibt dabei den inneren Bereich von CSR, jenen also, der den eigentlichen Kern eines Unternehmens, nämlich die Mitarbeiter, berührt. Diese gelten (unter dem sehr technischen Terminus „Humankapital“) mittlerweile als wesentliche Komponente nachhaltig erfolgreichen Wirtschaftens.
CSR war dabei in (empirischer) Forschung und Praxis jedoch lange eher Thema von multinationalen Unternehmen (MNU) denn von kleinen und
mittelständischen Unternehmen (KMU). Die EU-Kommission hat KMU hier im Zuge des politischen Diskurses um CSR und Nachhaltigkeit im Rahmen der Lissabon Strategie (Anm. der Autorin: zur Förderung des nachhaltigen, wirtschaftlichen Wachstums in der EU) besondere Aufmerksamkeit gewidmet – liegt hier doch ein (bekanntermaßen) großes Treiberpotential für Innovationen und innovative Konzepte brach.
Kleine und mittelständische Unternehmen weisen jedoch eine Reihe von
Spezifika (wie u.a. Ressourcenmangel und stärkeren Fokus auf ihre Mitarbeiter) auf, anhand derer davon auszugehen ist, dass sich hier ein Konzept wie CSR anders gestalten mag als beispielsweise in Großunternehmen. Die wissenschaftliche Literatur stellt dazu fest, dass die Bereiche der Einführung sowie des Prozesses der Implementierung von CSR allgemein noch (zu) wenig erforscht sind.
CSR gilt dabei in der Forschung als ein neues Managementkonzept, das in seiner Form als Arbeitsplatz-CSR neue Wege beschreibt, mit der Ressource Mensch im Unternehmen umzugehen. Es hinterfragt bzw. verändert gängige Praktiken und Umgangsformen, und führt dadurch zu institutionellem und organisationalem Wandel. Neue Organisations-theorien haben dabei die Aufgabe, „das Entstehen, Bestehen und Funktionieren von Organisationen zu erklären“, und bieten damit eine gute Basis für Untersuchungen im diesem Kontext.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Herleitung
1.2. Fragestellung
1.3. Aufbau und Vorgehensweise
2. CSR und Arbeitsplatz-CSR: Abgrenzungen und Definitionen
2.1. Abgrenzungen und Definitionen im Umfeld von CSR
2.2. CSR und Arbeitsplatz-CSR
2.3. Arbeitsplatz-CSR
3. (Arbeitsplatz)-CSR in KMU: Diskurs, Spezifika und Status Quo
3.1. Der EU-weite, politische Diskurs zu CSR (in KMU)
3.2. Der nationale, politische Diskurs zu CSR (in KMU)
3.3. Spezifika von (Arbeitsplatz-)CSR in KMU
3.4. Status Quo von (Arbeitsplatz-)CSR in Österreich und der Steiermark
3.4.1. Allgemeine Fakten zu CSR in KMU
3.4.2. Bekanntheit von CSR in KMU
3.4.3. Bereiche von CSR-Aktivität in KMU
3.4.4. Initiation, Verantwortlichkeiten und Durchführung von CSR
3.4.5. Umsetzungsschwierigkeiten von Arbeitsplatz-CSR in KMU
3.4.6. Motivationen für die Einführung von CSR-Maßnahmen
3.4.7. Hindernisse für die Einführung von CSR-Maßnahmen
3.4.8. Druck auf KMU zur Implementierung von CSR-Maßnahmen
3.4.9. Zukunft von (Arbeitsplatz-)CSR
4. Theoretischer Rahmen: Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus
4.1. Neue Managementkonzepte und der Neoinstitutionalismus
4.2. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus als Variante des Neoinstitutionalismus
4.2.1. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Blickwinkel und Varianten
4.2.2. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Institutionalisierung
4.2.3. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Legitimität, organisationale Felder und Isomorphie
4.2.4. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Entkopplung
4.2.5. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Phasenmodell institutionellen Wandels
4.2.6. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Deinstitutionalisierung
4.2.7. Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Akteure
4.3. Kritische Betrachtung neoinstitutionalistischer Theorien
4.4. Hypothesen
5. Empirischer Teil: Fallstudie bei der Firma weltweitwandern
5.1. Methodik und Forschungsdesign
5.2. Auswahl der Fallstudie
5.3. Daten und Unterlagen zur Firma
5.4. Beobachtung der Autorin
5.5. Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
5.5.1. Dimension Einführung
5.5.2. Dimension Implementierung
5.5.3. Dimension Zukunftsperspektiven
Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einführungs-, Umsetzungs- und Entwicklungsprozess von Arbeitsplatz-CSR in steirischen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) am Beispiel einer Fallstudie, wobei der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus als theoretisches Fundament dient, um Praktiken und institutionellen Wandel innerhalb der Organisation zu erklären.
- Analyse der Implementierung von Arbeitsplatz-CSR in KMU
- Untersuchung von Legitimationsprozessen in Organisationen
- Vergleich von Theorie und gelebter Praxis
- Rolle des Managements und der Mitarbeiter als Akteure
- Einfluss externer Faktoren wie der Wirtschaftskrise
Auszug aus dem Buch
3.3. Spezifika von (Arbeitsplatz-)CSR in KMU
Was ist nun so besonders an (CSR in) KMU? Die einschlägigen, qualitativen Definitionen von KMU betonen vor allem die informellen Abläufe und die engen Kontakte mit Mitarbeitern und anderen Stakeholdergruppen (d.h. Kunden, Lieferanten, etc.) in KMU, den großen Einfluss des Eigentümer-Unternehmers auf die Abläufe im Unternehmen (meist im Zusammenhang mit einem patriarchalen Führungsstil), die Bedeutung von Improvisation und Intuition, die Abhängigkeit von geeignetem Personal, den Mangel an (zeitlichen, finanziellen und personellen) Ressourcen, den geringen Formalisierungsgrad der Organisation, sowie die schnelle Reaktionsfähigkeit und damit (potentielle) Innovationskraft von KMU.
Anhand dieser oberflächlichen Charakterisierung mag jedoch bereits auffallen, wieso CSR am Arbeitsplatz gerade für KMU ein Thema sein kann: KMU haben ganz klar den Humanfaktor als Kern ihres Geschäfts- was sich laut Jamali et al. auf die Art und Weise auswirkt, wie sie CSR betreiben. Aufgrund der persönlichen Beziehungen zum Umfeld, der Notwendigkeit des Aufbaus einer license to operate gerade hier und der „Abhängigkeit“ von einem qualifizierten Mitarbeiterstamm kann es für sie ein kritischer Faktor sein, die Ressource Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern. Tatsächlich scheinen nach Jamali et al. der Bereich des internen CSR und die damit verbundene Thematik der Mitarbeiterzufriedenheit äußerst wichtig für KMU zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Herleitung des Themas Corporate Social Responsibility, Definition der Forschungsfragen und Vorstellung des Aufbaus der Arbeit.
2. CSR und Arbeitsplatz-CSR: Abgrenzungen und Definitionen: Begriffliche Einordnung von CSR, Nachhaltigkeit, Unternehmensethik und Corporate Citizenship sowie spezifische Definition von Arbeitsplatz-CSR.
3. (Arbeitsplatz)-CSR in KMU: Diskurs, Spezifika und Status Quo: Analyse der politischen CSR-Debatte und Darstellung der Besonderheiten sowie des aktuellen Status Quo von CSR in österreichischen KMU.
4. Theoretischer Rahmen: Der organisationssoziologische Neoinstitutionalismus: Einführung in die neoinstitutionalistische Theorie, Erläuterung zentraler Konzepte wie Legitimität und Entkopplung sowie Ableitung der Forschungshypothesen.
5. Empirischer Teil: Fallstudie bei der Firma weltweitwandern: Durchführung der qualitativen Fallstudie, Analyse der Experteninterviews und Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Einführung, Umsetzung und Zukunftsperspektiven.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, Arbeitsplatz-CSR, KMU, Neoinstitutionalismus, Organisationssoziologie, Legitimität, Institutionalisierung, Unternehmensethik, Personalmanagement, Fallstudie, Organisationswandel, Mitarbeiterpartizipation, Wirtschaftspsychologie, Unternehmenskultur, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und Umsetzung von Corporate Social Responsibility (CSR) am Arbeitsplatz in steirischen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) und beleuchtet diese anhand einer Fallstudie.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretische Abgrenzung von CSR-Begriffen, die organisationstheoretische Fundierung durch den Neoinstitutionalismus sowie die praktische Untersuchung von Umsetzungsprozessen in KMU.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Abbild des Umsetzungsprozesses von Arbeitsplatz-CSR in einem KMU zu erstellen und die dort vorgefundene Praxis mit neoinstitutionalistischen Theorien abzugleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Forschungsstrategie verfolgt, konkret die Methode der themenzentrierten, halbstrukturierten Experteninterviews, ausgewertet mittels Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des organisationssoziologischen Neoinstitutionalismus und einen empirischen Teil, der die Fallstudie "weltweitwandern" analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind CSR, KMU, Neoinstitutionalismus, Legitimität, Arbeitsplatz-CSR, Unternehmensethik und organisatorischer Wandel.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei der Umsetzung?
Die Mitarbeiter agieren bei dem untersuchten Unternehmen als Mitentscheider und Treiber des CSR-Konzepts, wobei ihre Beteiligung stark durch das partizipative Unternehmensklima gefördert wird.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf CSR-Maßnahmen aus?
Entgegen der Befürchtung eines Rückbaus wurden die CSR-Maßnahmen als essentieller Teil der Unternehmenskultur beibehalten, wobei die Krise eher zu einem gezielteren und durchdachteren Vorgehen bei Investitionen führte.
- Quote paper
- Mag. Alexandra Nima (Author), 2010, Arbeitsplatz-CSR in steirischen kleinen und mittelständischen Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166976