William Shakespeare: Hamlet. Prinz von Dänemark. Eine Tragödie: Eine Rezension


Essay, 2008
7 Seiten, Note: 1

Leseprobe

William Shakespeare: Hamlet. Prinz von Dänemark. Eine Tragödie.

Von Natalie Romanov

Ob nun der Ausspruch „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ [S.54/39] oder das Sprichwort „Etwas ist faul im Staate Dänemark“ [S.24/34f] die Tragödie „Hamlet, Prinz von Dänemark“ berühmt gemacht hat, William Shakespeares Renaissance-Drama ist und bleibt, neben „Romeo und Julia“, das meistaufgeführte Werk der Theatergeschichte. Es gibt mehr als 20 Kinofilme mit dem Titel „Hamlet“, 50 Filme, die den Hamlet-Stoff behandeln oder den Namen im Titel haben und unzählige Aufführungen, die den düsteren Prinzen mit seiner „gewohnten Tracht von ernsten Schwarz“ [S.13/2f] und seinem „stürmischen Geseufz beklemmten Odems“ [S.13/3f] auf die Bühne treten lassen:

Denn der Grübler und Skeptiker, der von der „hohen Schul’ in Wittenberg“ [S.13/38f] nach Helsingör zurückgekehrt ist, zweifelt daran, dass sein Vater durch einen einfachen Schlangenbiss gestorben ist, und ist tief entsetzt von seiner Mutter, die nur zwei Monate nach dem Ableben ihres Ehemanns sich dessen Bruder Claudius hingegeben hat. „O Himmel! Würd’ ein Tier, das nicht Vernunft hat, doch länger trauern“ [S.14/35-36ff], meint Hamlet und lehnt auch den Auftrag zur Rache nicht ab, als ihn eines Nachts der Geist seines Vaters besucht und ihm von Claudius, der „Schlang’, die deines Vaters Leben stach“ [S.26/11f], erzählt. Um den Täter überführen zu können, versteckt sich Hamlet hinter der Maske eines Wahnsinnigen und ersticht sogar, in der Annahme es sei Claudius, den Vater seiner Geliebten Ophelia, die daraufhin Selbstmord begeht. In der Finalszene kommt es zu einem Turnier zwischen dem racheerfüllten Bruder Ophelias und Hamlet, die schließlich damit endet, dass die gesamte königliche Familie stirbt.

Im Grunde ist es aber genau dieses Massaker, das den Leser am meisten beeindruckt: Geht vorerst die Handlung nur ganz langsam vonstatten und wird man, als Leser, von den scheinbar endlosen inneren Monologen Hamlets gequält, so kommt der Schluss schnell und ruckartig und kaum ist man sich bewusst, dass der Held tot ist, schon ist das Buch zu Ende. Ein recht eigenartiger Aufbau, der aber doch Zusammenhänge mit dem eigentlichen Leben aufweist: Zweifeln wir nicht auch bevor wir etwas tun? Befindet sich jeder Mensch sofort in der Lage einen verhassten Menschen zu töten? Die Antwort auf diese Frage gibt Shakespeare mithilfe der Hauptfigur Hamlet: Als der Geist seines Vaters ihn besucht, so ist er sehr spontan mit seiner Antwort „Eil, ihn zu melden: daß ich auf Schwingen, rasch wie Andacht und des Liebenden Gedanken, zur Rache stürmen mag“ [S.25-26/1-2ff], was sich allerdings im Dritten Aufzug bereits ändert. Von allen Seiten eingekreist und nicht sicher, ob er überhaupt „Grund und Willen und Kraft und Mittel“ [S.87/17-18f] hat einen Mord zu begehen, verfällt er, wie alle gebildeten Intellektuellen, in eine philosophische Meditation, die er einsam vor dem Publikum mit dem Satz „Sein oder Nichtsein“ [S.54/39f] beginnt. In diesem Monolog wird Hamlets Charakter sehr deutlich: Er leidet nicht an Melancholie, womit er heutzutage häufig in Verbindung gebracht wird, und ist auch kein Wahnsinniger, denn seine Überlegungen und Erkenntnisse sind rein humanistischer Natur. Er sieht, dass die „Zeit aus den Fugen ist“ [S.30/21f] und erkennt sogar, am Rande des Selbstmordes, dass Verrat und Verbrechen keine zufälligen Einzelerscheinungen sind, sondern das gesamte Hofleben in Helsingör prägen. „Des Mächt’gen Druck, des Stolzen Misshandlungen, verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub“ [S.55/15-16f]- bei solchen Erkenntnissen könnte einem das „unentdeckte Land“ [S.55/23f], sprich der Tod, wirklich sympathisch erscheinen. Und erst recht einem Menschen wie Hamlet! Nicht nur, dass es ihm an Entschlossenheit und Tatkraft fehlt, was er im Dritten Aufzug mit den Worten „Jetzt könnt’ ich’s tun, bequem; er ist im Beten, jetzt will ich’s tun- und so geht er gen Himmel, und so bin ich gerächt?“ [S.72-73/1-2f] unter Beweis stellt; er ist den mörderischen Intrigen seines Onkels Claudius weitaus unterlegen.

Denn letzterer, den man sich, im Gegensatz zur schmächtigen und blassen Gestalt Hamlets, als einen sehr üppigen Intriganten vorstellen kann, scheut sich nicht davor seinem eigenen Bruder Gift in die Ohren zu gießen, um König von Dänemark zu werden. Und, bei dem geringsten Verdacht Hamlet könne irgendwas wissen, reagiert er wie ein Politiker, der darauf aus ist seine Position beizubehalten „Ich mag ihn nicht, auch steht’s um uns nicht sicher, wenn frei sein Wahnsinn schwärmt“ [S.70/36-37f] Er weiß sehr wohl, dass das, was er getan hat von Gott nicht gebilligt werden kann, ist aber gleichzeitig Shakespeares Darstellung des bösen Menschen, der nach Macht strebt und der die Welt als eine Landschaft „verderbter Ströme“ sieht, wo „eine vergold’te Hand der Missetat das Recht wegstoßen“ und „das Gesetz mit einem schnöden Preis erkaufen kann“ [S.72/24-27f] Wohlgemerkt, Hamlet würde diese Aussage nur bestätigen, würde aber darin versagen diese „verderbten Ströme“ zu nutzen und von ihnen, wie Claudius, zu profitieren. „KÖNIG: Mir bleibt ja stets noch alles, was mich zum Mord getrieben: meine Krone, mein eigner Ehrgeiz, meine Königin.“ [S.72/20-22f] Die Königin Gertrude, die ihm, nach allen Traditionen der damaligen Zeit, gehorcht und gemeinsam mit Ophelia die Aufgabe eines Katalysators im Stück übernimmt.

[...]

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Details

Titel
William Shakespeare: Hamlet. Prinz von Dänemark. Eine Tragödie: Eine Rezension
Hochschule
BG/BRG Perchtoldsdorf
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V166983
ISBN (eBook)
9783640831876
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
william, shakespeare, hamlet, prinz, dänemark, eine, tragödie, rezension
Arbeit zitieren
Bsc Natalie Romanov (Autor), 2008, William Shakespeare: Hamlet. Prinz von Dänemark. Eine Tragödie: Eine Rezension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166983

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