Braucht die Kommunikationswissenschaft Systemtheorie?

Wie trägt das AGIL-Schema zum Verständnis des Sozialsystems Gesellschaft bei?


Hausarbeit, 2010
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das AGIL-Schema
2.1 Die Grundstruktur der Viergliederung
2.2 Die Funktionen der Subsysteme des allgemeinen Handlungssystems

3. Das Vier-Funktionen-Paradigma in der Gesellschaft
3.1 Definition des Gesellschaftsbegriffes
3.2 Ökonomie und Politik
3.3 Gesellschaftliche Gemeinschaft und Treuhandsystem
3.4 Die Interaktionsmedien der Subsysteme

4. Kritik

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Talcott Parsons gilt als Begründer der Systemtheorie, beziehungsweise des Struktur-Funktionalismus, welches eine spezielle Form der Systemtheorie ist. Die Systemtheorie ist gekennzeichnet durch die Vorstellung, dass Systeme aus einzelnen Elementen bestehen und sich durch eine sie umgebende Umwelt abgrenzen und austauschen. Es geht um die Differenz von System und Umwelt.

Das allgemeine Handlungssystem bildet den Kern dieser Theorie. (Vgl. Esser 2001: 65)

Im Verlauf dieser Arbeit wird auf die Frage eingegangen, inwieweit das AGIL-Schema[1] zum Verständnis des Sozialsystems Gesellschaft beiträgt. Agil bedeutet in diesem Zusammenhang allerdings nicht lebhaft. Dennoch ist es interessant, dass das Wort „agil“ vom lateinischen Verb „agere“ abstammt, was so viel wie „handeln“ bedeutet.

Talcott Parsons erweiterte das von Robert Bales[2] in Kleingruppen konstruierte AGIL-Schema in den 50er Jahren. Es interessierten ihn die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit sich aufeinanderbezogene Handlungen als selbstständiges System zu einer Umwelt abgrenzen können. (Vgl. Schneider 2002: 144)

Vergleichbar mit den Prozessen eines Organismus, bei dem Stoffwechsel-funktionen, Austausch von Nährstoffen und diverse Mechanismen der Selbst-regulation ein große Rolle spielen, ist es auch in einer Gesellschaft nötig, Prozesse gezielt zu koordinieren, zu verknüpfen und aufrecht zu erhalten. Hierbei sollen Anpassung (adaption), Zielerreichung (goal attainment), Integration (integration) und Strukturerhaltung (latent pattern maintenance) als zentrale Dimensionen des AGIL-Schemas die Abläufe sichern und steuern. (Vgl. ebd.)

Parsons betrachtet die vier Funktionen als universale Bezugsprobleme, die zur Lösung eines jeden Systems erfüllt werden müssen, damit der Fortbestand der Austauschprozesse des Systems sichergestellt ist. (Vgl. ebd.:146)

Er bevorzugt im Gegensatz zu Robert Bales die deduktive Vorgehensweise bei der Konstruktion des AGIL-Schemas. Handlungssysteme müssen also sowohl ihr äußeres Verhältnis zur Umwelt, als auch das Verhältnis zu sich selbst so gestalten, dass eine Reproduktion des Systems gewährleistet ist. (Vgl. Schimank 2007: 86)

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Betrachtung des allgemeinen Handlungssystems und des Gesellschaftssystems mit seinen Subsystemen Politik, Wirtschaft, gesellschaftliche Gemeinschaft und des Treuhandsystems.

2. Das AGIL-Schema

2.1 Die Grundstruktur der Viergliederung

In Handlungssystemen gibt es eine Differenz zwischen Innen- und Außenbezug sowie Zukunfts- und Gegenwartsbezug. Diese Differenzen bilden die vier grundlegenden Funktionen und somit den Aufbau des AGIL-Schemas. (Vgl. Schimank 2007: 86)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schimank 2007: 87

- adaption: Anpassung eines Handlungssystems an seine Umwelt mit Außen- und Zukunftsbezug
- goal attainment: Anpassung eines Handlungssystems zur Zielverfolgung- und erreichung im Außen- und Gegenwartsbezug.
- integration: Abstimmung der internen Strukturen und Prozesse eines Handlungssystems in der Innen- und Gegenwartsperspektive damit es in der Umwelt Ziele verfolgen und erreichen kann.
- latent pattern maintenance: Der Innen- und Zukunftsbezug eines Handlungssystems zur permanenten Gewährleistung seiner inneren Ordnung durch latente Ausbildung von Ordnungsmustern. (Vgl. ebd.: 87)

Talcott Parsons ist der Meinung, dass man in jedem Handlungssystem vier Subsysteme unterscheiden kann, die sich auf eine der vier Funktionen beziehen.

2.2 Die Funktionen der Subsysteme des allgemeinen Handlungssystems

In den 70er Jahren ergänzte Parsons die Besetzung der Anpassungsfunktion mit der des Verhaltensystems. Bis dato gab es lediglich das kulturelle System, das soziale System und das Persönlichkeitssystem. Somit ergibt sich folgende Zuordnung:

- Strukturerhaltung – kulturelles System
- Zielerreichung – Persönlichkeitssystem
- Integration – soziales System
- Anpassung – Verhaltenssystem

Die Funktion Anpassung (adaption) wird im Handlungssystem von den Verhaltensorganismen der einbezogenen Handelnden erfüllt. Sie sind es, die für das Handlungssystem den Bezug zur biologischen und physikalischen Umwelt des Handelns herstellen. Deren Konstituenten sind körperliche Bedürfnisse und Triebe, sowie Fähigkeiten zur Wahrnehmung und Gestaltung der Umwelt. Voraussetzungen für eine dauerhafte Reproduktion sind somit der Einsatz und der Erhalt der angeborenen und erlernten körperlichen Fähigkeiten in Bezug auf soziales Handeln. (Vgl. ebd.: 88)

Laut Opielka stammt die Funktion der Anpassung aus der Biologie und kennzeichnet eine Schnittstelle zwischen System und Umwelt. Sie beinhaltet sowohl passive als auch aktive Kompetenzen zur Nutzung in der Umwelt auffindbarer Ressourcen, damit ein System funktioniert. (Vgl. Opielka 2006: 272)

Die Zielerreichung (goal attainment) als weitere Funktion wird dem Persönlich-keitssystem der involvierten Handelnden zugeordnet. Dieses System möchte motivationale Antriebe befriedigen, um eine anhaltende Reproduktion von Handlungssystemen sicher zu stellen. (Vgl. Schimank 2007: 88)

[...]


[1] Die Bezeichnung AGIL ist auf die Anfangsbuchstaben der Benennung der Funktionen zurückzuführen: adaption; goal-attainment; integration; latent pattern-maintenance. (Schneider 2002: 147)

[2] Robert Bales war ein amerikanischer Sozialpsychologe und Professor an der Harvard-Univerität. (Wikipedia)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Braucht die Kommunikationswissenschaft Systemtheorie?
Untertitel
Wie trägt das AGIL-Schema zum Verständnis des Sozialsystems Gesellschaft bei?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Kommunikationswissenschaften)
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V166988
ISBN (eBook)
9783640831753
ISBN (Buch)
9783640831739
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
braucht, kommunikationswissenschaft, systemtheorie, agil-schema, verständnis, sozialsystems, gesellschaft
Arbeit zitieren
Jennifer Hansen (Autor), 2010, Braucht die Kommunikationswissenschaft Systemtheorie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166988

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