Die Geschichte der Illustrierten Bunte, Quick, Stern und Revue von 1948 bis 1970


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

38 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was sind Illustrierte?
1. Versuch einer Definition
2. Allgemeine Gestaltungsmerkmale

III. Rückblick auf die Geschichte Illustrierten
1. Vom 19.Jahrhundert bis zur Besatzungszeit
1. 1. Die Anfänge der illustrierten Presse
1.2. Die Illustrierten in der Weimarer Republik
1.3. Presse und Illustrierte im Dritten Reich
2. Die Presse in der Besatzungszeit
2.1. Allgemeine Entwicklungen
2.2. Das Erscheinen der Illustrierten
2.3. Die Gründung der Illustrierten Das Ufer

IV. Die Entwicklung der Illustrierten 1948-1970
1. Die Etablierungsphase der Illustrierten (1948- 1957)
1.1. Allgemeine Entwicklungen
1.2. Die Illustrierten und ihre Auflagen
1.3. Das Ufer wird zur Bunten Illustrierten
1.4. Die Illustrierten in der öffentliche Kritik
2. Die Wachstumsphase der Illustrierten (1957- 1970)
2.1. Allgemeine Entwicklungen
2.2. Konzentrationsbewegungen in der Presse
2.3. Die Illustrierten und ihre Auflagen
2.4. Die Entwicklung der Bunten
2.5. Versuche zur Selbstkontrolle der Illustrierten

V. Zusammenfassung

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Alle Zeitschriften, auch die unpolitischen, sind Instrumente der sozialen Integration. Sie verbinden Menschen miteinander. Sie schaffen dem, der etwas zu sagen hat, eine Plattform, die weitreichender ist als ein Rednerpult. Sie sind mitbestimmend für das geistige und politische Klima der Nation. Sie sind so bunt und vielfältig wie das Leben selbst. Edelstes und Gemeinstes finden wir im Blätterwald. Zum Guten und zum Bösen kann das, was da gedruckt in die Welt hinauszieht, die Menschen führen oder verführen.“[1]

Dieses Zitat von Kluthe aus dem Jahr 1969 weist zum einen auf die soziale Bedeutung der Zeitschriften hin, welche sie durch ihre Entwicklung zum Massenmedium erhalten haben, und zum anderen auf ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Demnach bietet jede Art von Zeitschrift eine Plattform für die massenmediale Kommunikation, die dem einzelnen die Möglichkeit bietet, sich in einer modernen und demokratischen Gesellschaft zu äußern oder auch zu informieren. Diese Aufklärungs- und Informationsfunktion der Medien ist im Rahmen des gesellschaftlichen Kommunikationsprozesses für das Individuum notwendig, um sich in dem komplexen Geflecht unserer technologischen Gesellschaft zurecht zufinden.[2] Die in der Geschichte Deutschlands erstmalige verfassungsrechtliche Sanktionierung und Institutionalisierung der Presseorgane im Rahmen des Artikels 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik von 1948 trägt diesem Umstand Rechnung und erhebt das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit in den Rang eines Menschenrechts.[3] Dabei mag die weitreichende Umgestaltung des Pressewesens im Dritten Reich als warnendes Beispiel in guter Erinnerung geblieben sein, als die Presse keine selbständige, politische Kraft mehr darstellte, sondern als Instrument der Propaganda, der Beeinflussung und Erziehung des Volkes im Sinne des Nationalsozialismus und zur publizistischen Vorbereitung außenpolitischer Erfolge benutzt worden ist.

Dennoch erfüllen die Zeitschriften neben ihrer öffentlichen Aufgabe auch die Funktion, dem Leser Unterhaltung zu bieten. Dass dieses Angebot geschätzt und genutzt wird, zeigt die Vielfalt der Wochenzeitschriften, die auch im internationalen Vergleich gut abschneidet.[4] 1994 erschienen in der Bundesrepublik insgesamt 554 Publikumszeitschriften, die eine Gesamtauflage von 125,9 Millionen Exemplaren auf sich vereinigten, während die verkaufte Auflage der Tagezeitungen bei 30,5 Millionen lag. Von dieser Gesamtauflage der Zeitschriften entfielen nahezu fünfzig Prozent auf die großen Verlage Bauer, Burda und Gruner + Jahr, die zusammen 69 der 554 Titel herausgaben.[5]

Wie man an diesen Zahlen erkennen kann, übernehmen drei Verlage im Bereich der Publikumszeitschriften eine tragende Rolle. Gemeinsam ist ihnen die Gründung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und die Tatsache, dass sie die Grundpfeiler ihres wirtschaftlichen Erfolges unter anderem mit der Herausgabe erster illustrierter Zeitschriften in der Nachkriegszeit gelegt haben.

Aus diesem Grund möchte ich in der folgenden Untersuchung die Entwicklung der vier Illustrierten Bunte, Revue, stern und Quick von 1948 bis 1970 nachzeichnen. Dabei werde ich nach dem Versuch einer Definition, einen Rückblick auf die Anfänge der illustrierten Zeitschriften bis zum Ende des Dritten Reiches vornehmen, um daraufhin die Neuanfänge der illustrierten Presse während der Besatzungszeit kurz zu beleuchten. Die anschließende Analyse der Entwicklungsgeschichte der Illustrierten von 1948 bis 1970 habe ich in zwei Phasen unterteilt. Ein erster Teil umfasst die Etablierungsphase[6], deren Anfangs- und Endpunkte vom Ende der unmittelbaren Nachkriegszeit 1948 einerseits und dem Beginn der Konzentrationsbewegungen auf dem Zeitschriftenmarkt 1957 andererseits gekennzeichnet ist. Der zweite Teil beschreibt die Wachstumsphase[7] der illustrierten Zeitschriften zwischen 1957 und 1970 im Rahmen der allgemeinen Pressekonzentration. In beiden Teilen möchte ich zunächst auf generell relevante gesellschaftliche, als auch medienspezifische Entwicklungen eingehen, um im folgenden Veränderungen der Auflagenhöhen und thematischer Strukturen auf den Grund zu gehen. Einen Schwerpunkt soll dabei die Untersuchung der Geschichte der Bunten bilden, an welcher einzelne Gesichtspunkte der Entwicklungsgeschichte der Illustrierten noch einmal exemplarisch herausgearbeitet werden.

II. Was sind Illustrierte?

1. Versuch einer Definition

Die vielfältigen und sehr unterschiedlichen Ansätze[8], das Presseerzeugnis Zeitschrift näher zu beschreiben, zeugen zum einen von einer Unsicherheit in der Bestimmung des Phänomens, zum anderen aber auch von dessen typologischer Fülle. Als wichtigste Erkenntnis ist dabei festzuhalten, dass die Zeitschrift „einer funktionalen, strukturellen, thematischen oder gesellschaftlichen Begrenzung“[9] gegenüber der Zeitung unterliegt. Walter Hagemann schlägt in diesem Zusammenhang vor, zwei Definitionen vorzunehmen und den allgemeinen Begriff der Zeitschrift ihrer Leserschaft nach Publikumszeitschriften und Fachzeitschriften zu trennen.[10] Folgt man hier Lehmann, so handelt es sich bei Publikumszeitschriften um

„die auflagenstarken Zeitschriften, deren Inhalt thematisch gar nicht oder doch nur so weit eingeschränkt ist, daß er auch von Nicht- Fachleuten und Außenstehenden noch verstanden werden kann, (...)die sich an ein durch Beruf, Stand oder Mitgliedschaft prinzipiell nicht begrenztes, sondern an ein möglichst breites Publikum wenden, (...) die sich weniger der Bildung und der Unterrichtung, dafür mehr der Beschäftigung ohne Nutzenserwägung, der Zerstreuung und der Unterhaltung widmen.“[11]

Diese hier beschriebene Menge der sogenannten Publikumszeitschriften stellt jedoch keine mit sich in wesentlichen Teilen identische Gruppe dar, sondern zeichnet sich vielmehr durch Heterogenität aus. Aus diesem Grund unterscheidet die IVV noch einmal vier Untergruppen, die Illustrierten-, Unterhaltungs-, Familien- Film- und Rundfunkzeitschriften, die Frauen-, Mode- und Gesellschaftszeitschriften, die kulturell, politischen, weltanschaulichen, konfessionellen Zeitschriften, sowie Jugendzeitschriften und die Sport-, Bade-, Reise- und Freizeitzeitschriften.[12]

Weitere bestimmende Merkmale der illustrierten Zeitschriften sind nach Lehmann

„eine wöchentlich erscheinende Veröffentlichung, deren Nachrichtenteil aus einer größeren Anzahl von Bildern mit kurzen Erläuterungen besteht, die über Neuigkeiten der letzten Zeit berichten. Neben dieser aktuellen Bildberichterstattung stehen Feuilleton, Artikelserie und Fortsetzungsroman, die ihrerseits vielfach wieder durch Abbildungen lebendig gestaltet werden. Auch Humor in Wort und Bild (...) sowie Rätsel gehören zum Inhalt der Illustrierten.“[13]

Zusammenfassend lässt sich zunächst feststellen, dass es sich bei Illustrierten um periodisch, in den häufigsten Fällen wöchentlich, erscheinende Publikumszeitschriften handelt, welche sich an ein breites Publikum wenden, um diesem vornehmlich zur Zerstreuung zu dienen. Die Themenauswahl scheint nicht eingeschränkt, erfolgt jedoch nach den Aspekten der Universalität und Aktualität. Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht das Medium Bild.

2. Allgemeine Gestaltungsmerkmale

Illustrierte sind, wie bereits das Wort[14] andeutet, Bilderblätter. Dementsprechend ist das Hauptgestaltungsmerkmal der illustrierten Zeitschrift die Illustration als Mittel zur Veranschaulichung publizistischer Aussagen im Text.[15] Eine Illustration kann dabei zum Beispiel eine Zeichnung, Graphik, ein Photo, eine Photomontage oder eine Bildreproduktion sein und erläuternden, ergänzenden, schmückenden oder instruierenden Charakter haben.[16] Mit der Erfindung der Kamera gelangte das Foto in die verschiedensten Presseerzeugnisse, auch in die Tageszeitung. Somit ist der Bildjournalismus kein spezifisches Merkmal der Illustrierten, sondern vielmehr, wie Hermann Boventer zum Ausdruck bringt, „ein durchgehender Grundzug unseres ´optischen` Zeitalters heute“[17].

Neben dem Bild ist ein weiteres, wichtiges Gestaltungsprinzip die Aktualität, worauf der häufig anzutreffende Untertitel Die Aktuelle oder aktuelle hinweist[18]. Obwohl Tagesneuigkeiten als bekannt vorausgesetzt werden, da die wöchentlich erscheinenden Zeitschriften mit dem Informationsvorsprung der täglichen erscheinenden Zeitungen niemals konkurrieren können, entwickeln sie vielfach die Ambition, nicht nur sachlich, sondern auch zeitlich dem Anspruch der Aktualität zu genügen[19], dem bei der Auswahl aller anderen Gestaltungselemente Rechnung zu tragen ist. Sowohl die Themen der Berichterstattung, als auch die Fotos zeichnen sich des weiteren durch den Identifikationswert[20], den sie für potentielle Leser besitzen, aus. Damit ein Thema also zum Berichtsegenstand einer illustrierten Zeitschrift wird, muss es zum einen fotografierbar und aktuell sein, zum anderen aber auch eine angemessene Projektionsfläche für die Werte, Wünsche und Vorstellungen des Lesers bieten.[21]

Trotz dieser vornehmlichen Universalität der Thematik zeichnen sich die Aktuellen Illustrierten[22] durch eine überwiegende Anzahl von Berichten über menschliche Probleme, Schicksale und Prominente aus. Politische Themen sind dabei nicht ausgeschlossen, um die richtige Kombination der Themen, die „bunte Mischung“ aus „Kuriositäten und Sensationen aus aller Welt“[23] zu gewährleisten.

Da die Aufmachung die Publikumswirksamkeit und somit die Kaufbereitschaft bestimmt, sollen optisch gut aufbereitete, plakative und farbige Titelseiten helfen, den wöchentlichen Kampf am Kiosk zu gewinnen. Meist werden Illustrierte auf hochwertigem Papier und in bester Druckqualität hergestellt, wobei der Textteil teilweise und der Anzeigenteil überwiegend farbig gedruckt ist.

Gemessen an den Auflagenzahlen zählen Anfang der siebziger Jahre (und einige auch bis heute) zu den klassischen Illustrierten nach einer Reihe von Einstellungen, Fusionen und Verkäufen seit den 50er Jahren die vier allgemein-unterhaltenden, wöchentlich erscheinenden Titel Bunte, Quick, Neue Revue und stern.

III. Rückblick auf die Geschichte Illustrierten

1. Vom 19.Jahrhundert bis zur Besatzungszeit

1. 1. Die Anfänge der illustrierten Presse

Im 19. Jahrhundert kann man in der illustrierten Presse zwei Gattungen ausmachen: Das Familienblatt und die Illustrierte. Als erste Vertreterin der modernen Illustrierten gilt die Leipziger Illustrirte Zeitung, die 1843 gegründet wurde[24]. Sie wies bereits die Charakteristika der modernen Illustrierten auf und hob sich deutlich von den bis dahin dominierenden Familienzeitschriften wie Die Gartenlaube, Zu Hause oder Daheim (1864, Velhagen und Klasing) ab. Während das Familienblatt neben Unterhaltung der Belehrung und Aufklärung der Familie diente, strebte die Illustrierte Unterhaltung und aktuelle Nachrichtenvermittlung in Anlehnung an die Tagespresse auf dem Weg der Bildreportage an. Optisch unterschieden sie sich im Format, da die Illustrierten vornehmlich im Folio- und die Familienzeitungen überwiegend im Quartformat erschienen.[25]

1.2. Die Illustrierten in der Weimarer Republik

Die Blütezeit der Illustrierten beginnt jedoch nach dem 1.Weltkrieg. Ab Mitte der zwanziger Jahre folgten auch die Tageszeitungen dem gestiegenen Bedürfnis nach visueller Anschauung und gingen dazu über, regelmäßig Fotos zu publizieren. Zusätzlich boten sie ihren Lesern illustrierte Wochenbeilagen[26], die den klassischen Illustrierten in der Aufmachung ähnelten. Waren es zunächst die auflagenstarken Großstadttitel wie das Berliner Tageblatt, das den Weltspiegel herausbrachte, so brachten zunehmend auch kleine und mittlere Zeitungen bebilderte Beilagen heraus, so dass 1925 ca. 2000 deutsche Tageszeitungen wöchentliche Beilagen herausbrachten.[27] Bei den kleineren Zeitungen wurden diese Beilagen aus technischen wie wirtschaftlichen Gründen verlagsextern hergestellt, so dass die politische Richtung der jeweiligen Zeitung keinen Einfluss auf die illustrierten Beilagen nehmen konnte. Die Unterhaltungsfunktion stand hier an erster Stelle.

Durch die stärkere Verbreitung der Wochenbeilagen veränderten die Illustrierten in Folge langsam ihre Funktion. Inhaltlich waren die bürgerlichen Illustrierten geprägt von einem großen Interesse an technischen Neuerungen, einem ausgeprägten Unterhaltungsbedürfnis, dem Interesse an Berichten aus fremden Ländern und einem Bedürfnis nach Sensation und Erotik.[28] Die Berichterstattung kreiste viel um das Leben der oberen Schichten: Es gab Berichte über die ehemals Herrschenden als Fortsetzung der Hofberichterstattung der Kaiserzeit, daneben wurde über die Stars aus Sport, Film und Unterhaltung berichtet. Der Unterhaltungsaspekt wurde durch den Fortsetzungsroman sowie die Rätsel- und Humor-Ecke ergänzt. Für die aktuelle, soziale und politische Berichterstattung blieb nur wenig Platz.

Trendsetter dieser neuen Berichterstattung in der Weimarer Zeit war die Berliner Illustrirte Zeitung, die vom 14.Dezember 1891 bis zum 3.April 1945 in Berlin bei Hepner & Co (ab 1984 bei Ullstein) einmal wöchentlich erschien. In der Gestaltung wurde besonders die aktuelle Berichterstattung betont, wobei familienblatt-typische Elemente vermieden wurden. Bei der Berliner Illustrirten Zeitung handelte es sich um die erste deutsche Illustrierte mit Millionenauflage, welche ihren Höhepunkt 1930 mit einer Auflage von 1.850.000 erreichte. Kennzeichnend für die Berliner Illustrirte Zeitung war, dass sie sich jede Woche neu im Markt, d.h. über Abonnements oder im Straßenverkauf, verkaufen musste. Daraus ergibt sich, dass Form und Inhalt in erster Linie von ihrem Warencharakter, ihrer Eigenschaft als Werbeträger und als Unterhaltungsmedium bestimmt wurde. Der Gebrauchswert, den eine Zeitschrift als Informationsmedium und Orientierungshilfe hat, steigerte sich, je präziser sie auf ihre Zielgruppe zugeschnitten war.[29]

1.3. Presse und Illustrierte im Dritten Reich

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das gesamte Pressewesen im Sinne der allgemeinen Gleichschaltung umstrukturiert. Verschiedene, in den Jahren 1933 bis 1936 erlassene Gesetze und Anordnungen[30] schrieben den Zeitschriften und Zeitungen nicht nur eine „Einheitslinie für wirtschaftliche, kulturelle und politische Darstellung“[31] vor, sondern regelten auch das Verhältnis von Anzeigenteil zum redaktionellen Teil.[32] Diese und weitere einschneidende Maßnahmen[33] führten im Zuge der Weltwirtschaftskrise zu einen Rückgang der Zeitschriftentitel und damit auch der Illustrierten. So wurden 1934 für das gesamte Reichsgebiet elf Illustrierte mit in einer Gesamtauflage von zirka 4,3 Millionen gezählt. 1939 erschienen zwölf Titel mit einer Gesamtauflage von rund 6,3 Millionen. In Folge von drei Stillegungsaktionen ging die Zahl der deutschen Zeitschriften in den Kriegsjahren zwischen 1939 und 1945 von 4789 auf 458 zurück.[34] Die Papierzuteilungen während des Krieges erschwerte die Situation der Zeitschriften zusätzlich,[35] so dass man im Oktober 1944 nur noch sieben Illustriertentitel zählte, von denen jedoch faktisch nur zwei eigenständig existierten, das Illustrierte Blatt und die Berliner Illustrierte Zeitung, da die übrigen Illustrierten redaktionell mit der Berliner Illustrierten Zeitung verbunden waren.[36] Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und der kurzen Zeit des totalen Presseverbotes durch die Alliierten gab es 1947 in den vier Besatzungszonen bereits zwölf Illustriertentitel.

2. Die Presse in der Besatzungszeit

2.1. Allgemeine Entwicklungen

Entsprechend der Richtlinien des Manual for the Control of German Information Services vom 12.Mai 1945[37] stellten alle deutschen Medien mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands für einen unbestimmten Zeitraum ihr Erscheinen ein und wurden von alliierten Medien ersetzt.[38] Die sogenannten Heeresgruppenzeitungen entstanden zunächst in der ABZ. Später beteiligten sich aber auch Franzosen und Briten an diesem überparteilich konzipierte Unternehmen[39], während die SBZ einen Sonderweg einschlug. Dort nahmen Kader ihre Arbeit auf, die bereits ab 1943 von deutschen Exilkommunisten eine journalistische Ausbildung erhalten hatten.[40] Eine Deutsche Volkszeitung sollte zunächst dreimal wöchentlich, später täglich, die Aufgabe der demokratischen Erziehung übernehmen.[41] Die Amerikaner stellten bis November 1945 die Heeresgruppenzeitungen ihres Gebietes ein, um deutsche Lizenzzeitungen zuzulassen. So zeitlich und sachlich unterschiedlich die Pressepolitik der Zonen bis zur Lizenzpresse geführt worden ist, gestaltete sich auch die Lizenzphase. Als erste Zeitung der westlichen Alliierten wurde die Frankfurter Rundschau in der ABZ zugelassen, die am 1. August 1945 erschien. Bereits am 15. Mai war in Berlin die Tägliche Rundschau von den Sowjets ins Leben gerufen worden. Am 26. September folgen die Nouvelles de France, während in der BBZ Die Welt erst ab dem 2.April 1946 erscheinen durfte.[42] Bis zum Ende der Lizenzzeit wurden 56 Zeitungen an 45 Orten herausgegeben mit einer Gesamtauflage von 6,43 Millionen Exemplaren.[43]

„Die Lizenzpresse sollte, anders als die Heeresgruppenzeitungen, die deutsche Zivilbevölkerung von ihrer ´augenblicklich ungesunden Geisteshaltung`, der ratlosen Apathie und Renitenz gegen das Eingeständnis der Schuld an Krieg und Nazi-Verbrechen, abbringen.[44]

Inhaltlich bildeten also Entnazifizierung und Re-Education den Schwerpunkt der Pressepolitik, wobei die einzelnen Medien sowohl Objekt als auch Mittel des Demokratisierungsbestrebens der Besatzungsmächte waren.

[...]


[1] Kluthe, H.A.: Die Zeitschrift im öffentlichen Leben. In: Dovifat, Emil (Hg.): Handbuch der Publizistik. Bd.3: Praktische Publizistik. 2. Teil. Berlin 1969. S.421-426. Hier S. 422.

[2] Vgl. dazu Schelsky, Helmut: Auf der Suche nach Wirklichkeit. Düsseldorf/ Köln 1965. S.315.

[3] Artikel 5 „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus den allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“ Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit München (Hg): Verfassung des Freistaates Bayern. Grundgesetz der Bundesrepublik. Augsburg 1993. S.113.

[4] Vgl. dazu Schulz, Rüdiger: Nutzung von Zeitungen und Zeitschriften. In: Wilke, Jürgen (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999. S. 401-425. Hier S.422.

[5] Vgl. dazu den Anhang in Wilke, Jürgen (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999. S. 778 und 792.

[6] Vgl. dazu Hilgenstock, Sabine: Die Geschichte der BUNTEN (1948-1988). Die Entwicklung einer illustrierten Wochenzeitschrift mit einer Chronik dieser Zeitschriftengattung. Europäische Hochschulschriften. Bd. 33. Frankfurt a.M. 1993. S.14f.

[7] Vgl. dazu ebenda.

[8] Vgl. zur Übersicht des Begriffs „Zeitschrift“ Kieslich, Günther: Begriff. . In: Dovifat, Emil (Hg.): Handbuch der Publizistik. Bd.3: Praktische Publizistik. 2. Teil. Berlin 1969. S.370-383.

[9] Ebenda. S.376.

[10] Vgl. dazu Hagemann, Walter: Zeitung oder Zeitschrift? Zur Begriffsbestimmung der periodischen Presse. In: Stamm, Willy (Hg.): Leitfaden für Presse und Werbung 1951. Essen 1951. S.15f.

[11] Zit. nach Noelle- Neumann, Elisabeth: Das Fischer Lexikon: Publizistik. Frankfurt a.M. 1971. S. 234.

[12] Vgl. ebenda.

[13] Lehmann, Ernst- Herbert: Illustrierte. In: Heide, Walter (Hg.): Handbuch der Zeitungswissenschaft. Bd.I. Leipzig 1940. Sp.1775-1797. Sp.1775.

[14] lat.: illustrare meint beleuchten, erhellen, aber auch ans Licht bringen, offenbaren.

[15] Koszyk, Kurt: Wörterbuch zur Publizistik. München 1976. S. 136.

[16] Vgl. dazu Meyers Enzyklopädisches Lexikon. 9.Aufl. Bd. 12. Mannheim 1974. S. 470.

[17] Boventer, Hermann: Die Illustrierten. In: Dovifat, Emil (Hg.): Handbuch der Publizistik. Bd.3: Praktische Publizistik. 2. Teil. Berlin 1969. S.536-446. Hier S.537.

[18] Vgl. dazu Holzer, Horst: Illustrierte und Gesellschaft. Zum politischen Gehalt von „Quick“, „Revue“ und „Stern“. Freiburg i.Br. 1967. S.28ff.

[19] Vgl. dazu ebenda.

[20] Boventer. S.539.

[21] Ebenda. S.538.

[22] Zit. nach Noelle- Neumann. S. 234

[23] Boventer. S.539.

[24] Sie bestand vom 1.Juli 1843 bis 1943 und wurde von Johann Jakob Weber verlegt. 1925 konnte eine Auflage von 35.000 Exemplaren verzeichnet werden.

[25] Vgl. dazu Hilgenstock. S.33f.

[26] Vgl. Macias, José: Die Entwicklung des Photojournalismus. München, 1990. S. 6

[27] Vgl. Marckwardt, Wilhelm: Die Illustrierten der Weimarer Zeit. Publizistische Funktion, ökonomische Entwicklung und inhaltliche Tendenzen (unter Einschluss einer Bibliographie dieses Pressetypus 1918 - 1932). München 1982. S.100f. und S.127f.

[28] Marckwardt setzt die hier aufgezählten inhaltlichen Vorlieben in Zusammenhang mit der Erfahrung der Isolation als Auswirkung von Krieg und Inflation und einem Nachholbedürfnis an Sinnlichkeit und Unterhaltung durch die Kriegsjahre. Vgl. dazu Marckwardt. S.102 ff. Zur Ästhetisierung der Technik vgl. auch Werneburg, Brigitte: Foto-Journalismus in der Weimarer Republik. In: Fotogeschichte. 13. Jg. (1984). S.27-40. Hier S 29f.

[29] Vgl. dazu Kerbs, Diethart: Die illustrierte Presse am Ende der Weimarer Republik. In: Kerbs, Diethart, Stahr, Henrick (Hg.): Berlin 1932: Das letzte Jahr der ersten deutschen Republik. 1992. S.73f.

[30] Das Reichskammerkulturgesetz vom 22.September 1933, das Reichsschriftleitergesetz vom 4.Oktober 1933, sowie der Erlass zur Gründungssperre für Zeitschriften vom 13.Dezember 1933 und die Anordnung des Präsidenten der Reichspressekammer zur Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitschriftenverlagswesens vom 30.April 1936. Vgl. dazu Haacke, Wilmont: Die Zeitschrift- Schrift der Zeit. Essen 1961. S.279. und Kirchner, Hans-Martin: Geschichte der Zeitschrift: Von 1900 bis zur Gegenwart. In: Dovifat, Emil (Hg.): Handbuch der Publizistik. Bd.3: Praktische Publizistik. 2. Teil. Berlin 1969. S.408-420. Hier S.417.

[31] Ebenda.

[32] Vgl. dazu ebenda.

[33] So z.B. das Verbot der privaten Förderung der Zeitungen und Zeitschriften durch Vereine oder Stiftungen. Vgl. dazu ebenda.

[34] Vgl. dazu Haacke. S.79.

[35] Vgl. dazu Kirchner. S.417.

[36] Vgl. dazu Hilgenstock. S.35.

[37] Dieser von den vier Siegermächten beschlossene Leitfaden bezog sich auf das Gesetz Nr.191 vom 24. November 1944 und koordinierte die Medienkontrolle der Alliierten im Nachkriegsdeutschland. Vgl. dazu Koszyk, Kurt: Presse unter alliierter Besatzung. In: Wilke, Jürgen (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999. S.31-58. Hier S.32.

[38] Vgl. dazu ebenda. S.36.

[39] Deutsche wurden in allen Fällen an der Redaktionsarbeit beteiligt, um geschultes Personal für die geplante Lizenzpresse zu haben. Vgl. dazu ebenda. S.37.

[40] Vgl. dazu ebenda. S.34.

[41] Vgl. dazu ebenda. S.35.

[42] Vgl. dazu ebenda. S.39.

[43] Vgl. dazu ebenda. S.41.

[44] Ebenda. S.41.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Illustrierten Bunte, Quick, Stern und Revue von 1948 bis 1970
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Zeitschriften 1950-1970
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
38
Katalognummer
V16699
ISBN (eBook)
9783638214612
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Illustrierten, Bunte, Quick, Stern, Revue, Zeitschriften
Arbeit zitieren
Nina Neitzert (Autor), 2003, Die Geschichte der Illustrierten Bunte, Quick, Stern und Revue von 1948 bis 1970, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16699

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Geschichte der Illustrierten Bunte, Quick, Stern und Revue von 1948 bis 1970



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden