Schon aus der Fragestellung ergibt sich, dass im Rahmen einer Hausarbeit dieses Thema nur einer aller ersten Betrachtung unterzogen werden kann. Dies soll hier in zwei Schritten geschehen. Zunächst sollen in einem ersten Teil die Grundzüge der Entwicklung der Ordnungspolizei in der Weimarer Republik und im Dritten Reich skizziert werden. Bei Letzterem steht dann die Frage der Beteiligung der Ordnungspolizei an der Vernichtung der Juden im Vordergrund, die schließlich anhand des Hamburger Reserve-Bataillons 101 etwas konkretisiert werden soll.
In einem zweiten Teil wird dann anhand von einigen Faktoren der Frage nach Kontinuitäten und Brüchen etwas genauer nachzugehen sein. In wie weit lassen sich Anhand dieser Faktoren Entwicklungslinien aus der Weimarer Republik über die Ordnungspolizei des frühen Dritten Reiches bis hin zu den Polizeibataillonen aufzeigen? Die Beantwortung dieser Frage kann einen Hinweiß darauf geben, ob die Polizeibataillone wirklich Polizeiverbände auch in einem enger historischen Sinne waren oder nicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gründzüge der Polizeientwicklung
2.1 Polizei in der Weimarer Republik
2.2 Die Entwicklung der Ordnungspolizei in den ersten Jahren des Nationalsozialismus.
2.3 Vorbereitung auf den Krieg
2.4 Beteiligung der Ordnungspolizei an der Vernichtung der Juden
2.5 Das Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101
3 Kontinuitäten und Brüche
3.1 Personelle Kontinuität
3.2 Institutionelle Kontinuität
3.3 Militarismus
3.4 Modernisierung und Professionalisierung
4 Zusammenfassung:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus einer polizeihistorischen Perspektive, inwieweit die an der Judenvernichtung beteiligten Polizeibataillone tatsächlich als Polizeiverbände zu betrachten sind oder ob sie ihre historische Identität durch die Eingliederung in den NS-Terrorapparat verloren haben.
- Analyse der Entwicklung der Ordnungspolizei von der Weimarer Republik bis zum Dritten Reich.
- Untersuchung der personellen und institutionellen Kontinuitäten innerhalb der Polizei.
- Evaluation des Einflusses von Militarismus und Modernisierung auf das polizeiliche Handeln.
- Konkrete Fallstudie zum Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101 und dessen Beteiligung an Massenverbrechen.
- Kritische Reflexion über den Status der Polizeibataillone als "Polizei" im engeren Sinne.
Auszug aus dem Buch
2.5 Das Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101
Das Hamburger Polizeibataillon 101 gehörte zu den ersten Verbänden, die unmittelbar nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen im September 1939 den Truppen folgten33. Dieser erste Einsatz diente vornehmlich der Sicherung des rückwärtigen Bereiches der Front, man nahm polnische Soldaten gefangen und bewachte Gefangenenlager. Im Dezember 1939 kehrte das Bataillon nach Hamburg zurück und verlor einen Teil seiner Mannschaft, der mit Reservisten ersetzt wurde. Ab Mai 1940 wurde das Bataillon in den sog. angegliederten Ostgebieten eingesetzt, war an Umsiedlungsaktionen beteiligt und erlebte seine ersten gewaltvollen Aktionen. Ab November 1940 übernahm das Bataillon die Bewachung des Ghettos Lodz und kehrte schließlich im Mai 1941 nach Hamburg zurück. Dort erfuhr es eine komplette Umstrukturierung. Alle Mannschaftsteile, die schon vor dem Krieg rekrutiert worden waren und die nicht mindestens den Rang eines Unteroffiziers bekleideten, wurden auf andere Verbände verteilt. Die Lücken wurden wiederum mit extra dafür eingezogenen Reservisten aufgefüllt, so dass aus dem Polizeibataillon ein Reserve-Polizeibataillon geworden war.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage, ob Polizeibataillone im historischen Kontext noch als Polizei oder vielmehr als Soldaten eines Vernichtungskrieges zu betrachten sind.
2 Gründzüge der Polizeientwicklung: Das Kapitel zeichnet die Transformation der Polizeistrukturen von der Weimarer Zeit über die ersten NS-Jahre bis hin zur direkten Beteiligung am Holocaust nach.
3 Kontinuitäten und Brüche: Hier werden die Faktoren Personalstruktur, Institution, Militarismus und Professionalisierung analysiert, um das Ausmaß an Kontinuität und systembedingten Brüchen aufzuzeigen.
4 Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung kommt zu dem Ergebnis, dass die Polizeibataillone weitgehend ihre polizeiliche Identität verloren hatten und als militarisierte Verbände eines Vernichtungsapparates agierten.
Schlüsselwörter
Ordnungspolizei, Polizeibataillon, Reserve-Polizeibataillon 101, Holocaust, Judenvernichtung, Nationalsozialismus, Weimarer Republik, Militarismus, Professionalisierung, Verreichlichung, Heinrich Himmler, Vernichtungskrieg, Täterforschung, Endlösung, Polizeigeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Identität der Polizeibataillone im Dritten Reich, insbesondere deren Rolle bei der Judenvernichtung im Osten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die personelle und institutionelle Entwicklung der Polizei, die Auswirkungen von Militarismus auf den Polizeidienst sowie die Transformation der Polizei unter dem NS-Regime.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Polizeibataillone trotz ihrer Bezeichnung noch als Polizei im traditionellen Sinne anzusehen sind oder ob sie ihre Funktion als Schutzorgan verloren haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf dem Vergleich von Strukturen der Weimarer Polizei mit jenen des Dritten Reiches basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Polizeientwicklung, die Involvierung in den Holocaust und spezifische Kontinuitäts- oder Bruchlinien hinsichtlich Personal, Institution und Selbstverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Polizeibataillone, Holocaust, Militarismus, Ordnungspolizei und den Übergang von der Weimarer Polizei zur NS-Polizei charakterisiert.
Warum ist die Rolle des Hamburger Reserve-Polizeibataillons 101 so bedeutend?
Das Bataillon 101 dient als prominente Fallstudie, da es aufgrund wissenschaftlicher Studien detailliert dokumentiert ist und den Prozess der Radikalisierung vom regulären Polizeidienst zur aktiven Teilnahme an Massenmorden exemplarisch verdeutlicht.
Wie beeinflusste der "militärische Geist" die Polizeiarbeit im Nationalsozialismus?
Der Militarismus förderte den blinden Gehorsam und die Ausrichtung auf Befehle statt auf Gesetze, was es den Beamten erleichterte, in den besetzten Gebieten verbrecherische Befehle ohne Hinterfragung auszuführen.
- Quote paper
- Jost Wagner (Author), 2000, ´Polizei´ - Bataillone?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1669