In der antiken Naturphilosophie wird die Welt „entgöttert“ und Naturphänomene anhand von Beobachtungen und theoretischen Annahmen erklärt.
Schon vor Platon (428 – 348 v. Chr.) und Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) haben sich Philosophen wie Demokrit, Anaxagoras, Pythagoras und Thales – um nur einige der so genannten Vorsokratiker (ca. 600 – 400 v. Chr.) zu nennen – Fragen über die Beschaffenheit der Natur, der Seele und deren Zusammenwirken gestellt. Sie versuchten mit unterschiedlichen Methoden, einerseits durch Beobachtungen, andererseits durch antike Experimente und Theorien, herauszufinden, wie die Bestandteile der Natur geformt sind und in welcher Art und Weise diese einzelnen Bausteine aufeinander wirken.
Erst Platon entwickelt eine allumfassende Theorie der Welt und deren Schöpfung, die in seinem Dialog „Timaios“ als Schöpfungsgeschichte dargestellt wird. In dieser teleologischen Theorie verknüpft er die Kosmologie mit seiner Ideenlehre und sucht eine transzendentale Ursache für die Entstehung des Kosmos, der durch den Demiurgen – der letzten Ursache als ethisches Element – geschaffen worden ist.
Auch Aristoteles – ein Schüler Platons – entwickelt eine teleologische Theorie, die universell die Natur und deren Ziel erklären soll. In seiner Schrift mit dem Titel „Metaphysik“ , besonders im Buch XII, wird als logische Konsequenz aller Bewegungen und Entwicklungsprozesse der unbewegten Beweger als immanente Ursache bestimmt, auf die er bereits in seinem Werk „Physik“ , in dem er die belebte Natur beschreibt, deutlich hinweist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das platonische Konzept
3. Der Demiurg
4. Das aristotelische Konzept
5. Der unbewegte Beweger
6. Die wesentlichen Merkmale der Konzepte im Vergleich
7. Die Finalursachen im Vergleich
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Platons Demiurg und Aristoteles' unbewegter Beweger eher der Naturphilosophie oder der Theologie zuzuordnen sind, indem sie deren Rolle bei der Entstehung und Ordnung des Kosmos vergleicht.
- Vergleich der platonischen Ideenlehre und Schöpfungstheorie
- Analyse der aristotelischen Prinzipienlehre und Kausalität
- Gegenüberstellung des Demiurgen und des unbewegten Bewegers
- Untersuchung der teleologischen und naturphilosophischen Aspekte
Auszug aus dem Buch
3. Der Demiurg
Die Ursache des platonischen Konzeptes des Kosmos ist der Demiurg – der Baumeister der Welt –, der, ebenso wie die Materie aus der er die Natur formt, bereits vorhanden und ewig ist. Platon begründet die Existenz des Demiurgen mit der Notwendigkeit, dass „alles Werden [...] auch notwendigerweise aus irgendeiner Ursache“ entsteht. Betrachtet man sein gesamtes Werk, so ist es unumgänglich, dass die Finalursache eine Art Schöpfergott sein muss, der die „Idee des Guten“ verkörpert und durch den die Ideen mit der Welt verknüpft werden, da diese nach dem Abbild der Ideen erschaffen wird.
Platons Naturphilosophie dient dem Zweck, die Idee des Guten – in Form eines Schöpfers – als ethisches Argument in seinem Gesamtwerk zu etablieren. „Der Demiurg in seiner denkend-gestaltenden Aktivität kann aber auch als das höchste – „das beste“ – unter den intelligiblen Seienden aufgefasst werden: als die Idee des Guten, die als Ursache des intelligiblen Seins selbst anzusehen ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die antike Naturphilosophie und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich Platon und Aristoteles.
2. Das platonische Konzept: Erläuterung der Verbindung von Naturphilosophie, Ideenlehre und Schöpfung bei Platon.
3. Der Demiurg: Untersuchung des Demiurgen als transzendentale Ursache und Schöpfergestalt im platonischen Kosmos.
4. Das aristotelische Konzept: Beschreibung des aristotelischen Weltmodells und der vier Prinzipien der Bewegung.
5. Der unbewegte Beweger: Analyse des unbewegten Bewegers als immanente, körperlose Wirkursache bei Aristoteles.
6. Die wesentlichen Merkmale der Konzepte im Vergleich: Gegenüberstellung der methodischen und inhaltlichen Ansätze der beiden Philosophen.
7. Die Finalursachen im Vergleich: Direkter Vergleich der Rolle Gottes als Finalursache bei Platon und Aristoteles.
8. Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Frage nach der theologischen oder naturphilosophischen Einordnung der Konzepte.
Schlüsselwörter
Platon, Aristoteles, Demiurg, Unbewegter Beweger, Naturphilosophie, Theologie, Ideenlehre, Kosmos, Teleologie, Kausalität, Schöpfung, Materie, Vernunft, Weltseele, Finale Ursache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die kosmologischen Modelle von Platon und Aristoteles, um zu bestimmen, ob diese eher naturphilosophisch oder theologisch motiviert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle des Demiurgen bei Platon, der unbewegte Beweger bei Aristoteles sowie deren jeweiliges Verständnis von Schöpfung, Ordnung und Ursache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, ob die Theorien der Autoren als theologische Modelle oder als wissenschaftliche Ansätze der antiken Naturphilosophie zu werten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen komparativen Vergleich, der Textstellen aus den Hauptwerken „Timaios“ (Platon) sowie „Physik“ und „Metaphysik“ (Aristoteles) analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der platonischen und aristotelischen Konzepte und deren vergleichende Analyse hinsichtlich ihrer methodischen Vorgehensweise und Finalursachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Demiurg, Unbewegter Beweger, Naturphilosophie, Theologie, Teleologie und Kausalität definiert.
Inwieweit unterscheiden sich die Gottesvorstellungen bei Platon und Aristoteles?
Während der Demiurg bei Platon als gestaltender, vernunftbegabter Schöpfer aktiv in die Welt eingreift, existiert der unbewegte Beweger bei Aristoteles als reines, sich selbst denkendes Prinzip außerhalb des materiellen Kosmos.
Zu welchem Ergebnis kommt die Autorin im Fazit?
Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass Platons Konzept als Theologie zu deuten ist, während Aristoteles' Ansatz eine klare Einordnung in die naturphilosophische Tradition ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Rita Hering (Autor:in), 2010, Sind Platons „Demiurg“ und der „Unbewegte Beweger“ des Aristoteles antike Modelle der Naturphilosophie oder der Theologie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167001