Entstehung und Zusammenhänge zwischen Alkoholabhängigkeit und einer posttraumatischen Belastungsstörung


Hausarbeit, 2011
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Trauma und PTBS
2.1 Definition Trauma
2.2 Arten von Traumata
2.3 Definition Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
2.4 Risikofaktoren für die Entwicklung einer PTBS
2.4.1 Demografische Variablen
2.4.2 Prätraumatische Variablen
2.4.3 Peritraumatische Variablen
2.6 Das Trias-Modell zur Entstehung der Drogenabhängigkeit
2.7 Mögliche kausale Zusammenhänge zwischen Sucht und Trauma

3. Bewältigungsformen von PTBS im Kontext einer komplexen Personen-Umwelt-Beziehung
3.1 Posttraumatische Attributionen und Kognitionen
3.2 Dimensionen der Bewältigung
3.3 Soziale Unterstützung

4. Entstehung einer Alkoholabhängigkeit aufgrund einer PTBS
4.1 Hypothese der Selbstmedikamention
4.2 Teufelskreismodell der Sucht

5. Folgen für die Behandlung der Sucht

6. Eigene kritische Analyse

Literaturliste

Anhang A: Trias-Mode

Anhang B: Teufelskreismode

1. Einleitung

Aufgrund mehrerer Studien lassen sich Zusammenhänge zwischen Traumatisierungen und Substanzabhängigkeit belegen. In der folgenden Ausarbeitung werden wir uns mit der Thematik auseinandersetzen, worin diese Zusammenhänge bestehen, wie diese sich äußern und gegenseitig beeinflussen. Um eine weitreichende Vertiefung in diese Thematik gewährleisten zu können, werden wir uns nur auf eine Folge einer Traumatisierung, die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), beschränken. Zudem werden wir uns aus den zuvor genannten Gründen, auf den Alkoholismus konzentrieren, da Alkoholismus generell die häufigste Prävalenz für Missbrauch und Abhängigkeit darstellt.

In dem Großteil der von uns verwendeten Literatur, die wir zur Ausarbeitung unserer Thematik verwenden werden, wird zumeist die allumfassende Bezeichnung „Substanzabhängigkeit“ verwendet. Im Folgenden werden wir ebenfalls den Begriff „Substanz“ einsetzen, welcher immer auch den Alkohol einschließt.

Um den Einstieg in diese komplexe Thematik zu erleichtern, werden wir uns zu Beginn umfassend mit der Definition und den damit zusammenhängenden Auswirkungen eines traumatischen Ereignisses befassen. Ebenfalls werden wir auf die Arten eines Traumas eingehen, da diese auf die PTBS-Symptome Einfluss nehmen und somit die individuelle Personen-Umwelt-Bewältigung beeinflussen. Desweiteren werden wir sowohl auf die Risikofaktoren für die Entstehung einer PTBS, als auch einer Alkoholabhängigkeit eingehen, denn diese spielen eine entscheidende Rolle, inwieweit das Individuum mit seinen Schutzfaktoren auf diese Risikofaktoren einwirken kann.

Um dieses multifaktorielle Geschehen in Verbindung zu bringen, werden wir das Trias-Modell zur Entstehung der Drogenabhängigkeit anführen und erläutern.

Darauf folgen zwei Hypothesen, die Kunzke (2008) als mögliche kausale Zusammenhänge zwischen Sucht und Trauma anführt. Diese Hypothesen dienen uns zur Verdeutlichung des wechselseitigen Verhältnisses von Person, Umwelt und Droge.

Um zu veranschaulichen, dass nicht jedes traumatische Ereignis und die daraus entstandene PTBS zu einer Alkoholabhängigkeit führt, werden wir die individuellen Bewältigungsformen einer komplexen Personen-Umwelt-Beziehung darlegen.

Abschließend werden wir die Entstehungszusammenhänge von Alkoholkonsum aufgrund einer PTBS anhand der Selbstmedikamentionshypotese sowie die daraus entstehende Abhängigkeit mittels des Teufelskreismodels von Küfner (1981) beschreiben.

2. Trauma und PTBS

2.1 Definition Trauma

Der Begriff Trauma oder Traumatisierung wird in der integrativen Traumatherapie definiert als eine extreme Stimulierungssituation, entweder außergewöhnlich kurz oder sequentiell verlängert, die für den Organismus beziehungsweise das „personale System“, die Persönlichkeit, enorm existenzbedrohende, ohnmächtig machende, überwältigende und überbelastende Wirkung hat (Hyperstress), das zu bleibenden strukturellen Schäden führen kann. Dies können massive Über- oder Unterstimulationen sein, wie Unfälle, Krankheiten, Überfälle, akute Deprivation oder extreme Isolation. Traumatisierungen sind nicht nur psychische, sondern auch körperliche Prozesse, deren Folgen allumfassend sind.[1]

2.2 Arten von Traumata

Man unterscheidet hierbei drei Arten von Trauma:

1) Ursachen

a) Naturkatastrophen
b) Unfälle etc. durch technisches Versagen
c) Von Menschen zugefügte Schädigungen

2) Modi des Traumas

a) viktimisierendes Trauma

z.B. Gewalt in lebensbedrohlichem Ausmaß

b) deprivatives Trauma

deprivative Lebenserfahrungen in den ersten zehn Lebensjahren

c) partizipatives Trauma

das Beobachten oder das unmittelbare Beteiligtsein an den verschiedenen Formen von Traumatisierungen

d) kollektives Trauma

Extremerfahrungen bei Gruppenentführungen, partizipative Gewalterfahrungen bei Folter, Kriegserfahrungen

3) sekundäres Trauma

Psychische Belastungen als Helfer von Traumatisierten

4) Typen von Traumatisierungen

a) singuläre Traumata

Einmalig auftretende Extremerfahrungen

b) prolongierte oder persistierende Traumata

Extremerfahrungen die über längere Zeiträume und mit andauernder Wirkung stattfinden

c) Serielle Traumata

Menschen sind über eine sehr lange Dauer oder über die Lebensspanne von mehreren unterschiedlichen Formen von Traumatisierungen ausgesetzt[2]

2.3 Definition Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Die Posttraumatische Belastungsstörung ist nach dem Diagnosesystem der WHO definiert. Sie gilt als die einzige Störung, die auf ein traumatisches Erlebnis folgen kann und von einer gewissen Dauerhaftigkeit gekennzeichnet ist. Im Folgenden werden die diagnostischen Kriterien des ICD-10, F43.1 dargestellt:

A Kurz- oder lang anhaltendes Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, das bei nahezu jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde.
B Andauernde Erinnerungen oder Wiederbeleben des Erfahrenen in Form von Nachhallerinnerungen, lebendigen Erinnerungen, wiederkehrenden Träumen, innere Bedrängnis in ähnlichen oder in Zusammenhang stehenden Situationen.
C Ähnliche oder in Zusammenhang mit der Belastung stehende Umstände werden tatsächlich oder möglichst vermieden. Dieses Vermeidungsverhalten bestand nicht vor dem belastenden Erlebnis.
D Entweder 1. oder 2.

1. Wichtige Aspekte der Belastung können teilweise oder vollständig nicht erinnert werden.

2. Anhaltende Symptome psychischer Sensitivität oder Erregung mit zwei oder mehr der folgenden Merkmale:

a) Ein oder Durchschlafstörungen,
b) Reizbarkeit oder Wutausbrüche,
c) Konzentrationsschwierigkeiten,
d) Hyperviglianz (Übermäßige Wachsamkeit),
e) Erhöhte Schreckhaftigkeit

E Die Kriterien B, C, D treten innerhalb von sechs Monaten nach dem belastenden Ereignis oder nach Ende einer Belastungsperiode auf.[3]

2.4 Risikofaktoren für die Entwicklung einer PTBS

Der Umgang und die Verarbeitung mit einem traumatischen Ereignis sind von Mensch zu Mensch variabel. Aufgrund dessen geht man in der Traumaforschung davon aus, dass die Reaktion auf ein Trauma und die spätere Genesung von mehreren Variablen beeinflusst wird. Diese so genannten Risikofaktoren unterteilt Resick (2003) in basale, demografische Variablen sowie prätraumatische und peritraumatische Einflüsse, die jeweils Wirkung auf das Individuum zeigen. Risikofaktoren werden beschrieben, als einen korrelativen Zusammenhang zweier Erscheinungen. Dieses Konzept zeigt also, dass eine eindeutige Erklärung für das Entstehen einer Krankheit durch einzelne Faktoren nicht möglich ist.

2.4.1 Demografische Variablen

1) Das Alter

Anhand mehrerer durchgeführter Studien stellte man fest, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Alter und der Intensität der Trauma-Symptoma nicht eindeutig belegt werden kann. Jedoch wurden häufig ein mittleres bis altes Lebensalter als Indikator dafür festgestellt, um keine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln bzw. schwächere Symptome aufzuweisen.

2) Ethnische Herkunft und Geschlecht

Hier konnten keine Untersuchungen belegen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen beiden Faktoren und der Entstehung einer PTBS gibt.

2.4.2 Prätraumatische Variablen

1) Familiäre Umgebung

Mehrere Studien belegen, dass die familiäre Umgebung die Trauma-Reaktion eines Menschen beeinflusst. Eine Studie von Breslau stellte heraus, dass Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörungen 3-mal häufiger als Kind der Wahrscheinlichkeit folgender Faktoren ausgesetzt waren, Armut der Eltern, familiären psychischen Störungen, Trennung der Eltern, Kindesmissbrauch und Drogen- und Alkoholmissbrauch. Derartige Kindheitserlebnisse, sowie mangelnde oder negative Vorbilder, können die Fähigkeit beeinträchtigen im späteren Leben mit Belastungen umzugehen und somit das Risiko an einer PTBS zu erkranken, erhöhen.

2) Lebensereignisse

Nicht nur Kindheitstrauma stellen belastende Situationen dar, sondern auch Scheidung, Tod eines nahe stehenden Menschen oder Arbeitslosigkeit. Diese Erfahrungen haben kumulative Auswirkungen, die dann zu Risikofaktoren werden können. Hierbei stellte man fest, dass geringe belastende Erfahrungen widerstandsfähiger machen, zu große Belastungen hingegen wirken einer effektiven Belastungsstrategie eher entgegen.

3) Frühere Traumata

In dieser Untersuchung mit Vergewaltigungsopfern stellte man fest, dass Frauen ohne frühere Viktimisierung nach einiger Zeit eine Abnahme der PTB-Symptomatik zeigten. Hier hingegen zeigten Frauen mit vorherigen traumatischen Erfahrungen eine Zunahme der PTB-Sympotmatik.

4) Früheres psychologisches Funktionieren

Aus einer Studie mit Vergewaltigungsopfern von Jacob und West geht hervor, dass Opfer, die Erfahrungen mit Psychopharmakaabusus, Alkoholmissbrauch und Suizidversuchen gemacht hatten angaben, die Vergewaltigung wesentlich schlechter zu verarbeiten. Hierbei kam man zu dem Ergebnis, dass Erfahrungen mit Drogen und Alkohol die Gefahr erhöhen, ein traumatisches Ereignis zu erleben und somit eine Posttraumatische Belastungsstörung zu begünstigen.

Siehe hierzu weiter 2.7

2.4.3 Peritraumatische Variablen

Unter peritraumatischen Variablen versteht man Faktoren, die während eines traumatischen Ereignisses auftraten und die unmittelbare Reaktion und die Gesundung beeinflussen.

1) Art des Traumas

Eine weitere Untersuchung belegt, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung am häufigsten aus einem von Menschen zugefügtem Schaden resultiert.

2) Ausmaß der Traumaexposition

Es erwies sich als signifikant, welches Ausmaß ein traumatisierendes Ereignis hat. Gab es nur eindimensionale Faktoren, wie Verletzungen oder mehrdimensionale, wie lebensbedrohliche Situationen und finanzieller Verlust zusammen.

3) Bekanntschaftsgrad mit dem Täter

Untersuchungen zufolge ist es unbedeutend, ob zwischen Täter und Opfer eine Bekanntschaft bestand, die Traumatisierung weißt keine Unterschiede auf.

4) Einschätzung der Sicherheit

Menschen, die sich vor einem traumatisierenden Erlebnis in Sicherheit fühlen, so eine Studie, zeigen ein höheres Risiko an einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken.

5) Selbstaufgabe

Die beschreibt einen Zustand, indem sich das Opfer selbst aufgegeben hat, aufgrund eines absoluten Ohnmachtsgefühls. Untersuchungen belegen, dass die Selbstaufgabe einen kausalen Zusammenhang hat mit der Wahrscheinlichkeit an einer PTBS zu erkranken.

6) Peritraumatische Dissoziation

Hiermit ist das Erleben von Unwirklichkeit während eines traumatischen Vorfalls gemeint (Verlust des Zeitgefühls, Blackout, Amnesie). Sie wird als natürliche biologische Reaktion verstanden, von der einige Menschen mehr und andere weniger besitzen. Wiedererwartend wurde festgestellt, dass Dissoziation während des Vorfalls auch mit einem stärkeren Ausmaß späterer PTBS zusammenhängt.

7) Andere Peritraumatische Verhaltensweisen und Emotionen

Was Verhaltensweisen anbelangt, verhindert aktiver Widerstand die Wahrscheinlichkeit an einer PTBS zu erkranken.[4]

2.5 Risikofaktoren für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit

1) Biologische Faktoren

Mehrere Familien-, Zwillings-, und Adoptionsstudien zeigen auf, dass genetische Faktoren mit größter Wahrscheinlichkeit eine wichtige Rolle spielen, wenn es um den gestörten Missbrauch von Substanzen geht. Als nahe liegende Erscheinung wurde hier auch die Wechselwirkung zwischen genetischer Disposition, also dem Genotyp und Umweltfaktoren festgestellt.

2) Psychische Risikofaktoren

Hier wurden über diverse Studien nicht nur psychopatologische Faktoren, sondern, über diese klassischen Ansätze hinaus, auch mangelnde Bewältigung von Lebenssituationen, wie unzureichende Stressbewältigung, erforscht.

- Psychopatologische Faktoren

Es wurden übereinstimmende Resultate festgestellt, bei dem Versuch einen korrelativen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstörungen und Substanzmissbrauch zu erforschen.

- Emotionale Aspekte mangelnder Lebensbewältigung

Substanzmissbrauch wird aufgrund von Angst oder anderer Formen psychischer Belastung als Selbstmedikation bei emotionalem Stress gesehen.

3) Familiäre Risikofaktoren

Diese lassen sich folgendermaßen kategorisieren

- Familiengeschichte

Kinder von Eltern, bei denen insbesondere der Vater exzessiv Alkohol konsumierte sind einem signifikant höheren Risiko ausgesetzt, selbst, verstärkt zu Alkohol zu greifen. Sowohl Vererbung als auch Lernerfahrung tragen dazu bei. Jugendliche, deren Eltern oder Geschwister häufig antisoziales Verhalten zeigen, unterliegen ebenfalls einem erhöhten Risiko Substanzmissbrauch zu begehen.

[...]


[1] Vgl. Schay/ Liefke, 2009, S. 52

[2] Vgl. Schay/ Liefke (2009) S. 53, 54

[3] Vgl. Schay/ Liefke (2009) S. 57, 58

[4] Vgl. Resick (2003) S. 109-130

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Entstehung und Zusammenhänge zwischen Alkoholabhängigkeit und einer posttraumatischen Belastungsstörung
Hochschule
Hochschule RheinMain
Veranstaltung
Sucht
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V167032
ISBN (eBook)
9783640870448
ISBN (Buch)
9783640870806
Dateigröße
1236 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sucht, PTBS, posttraumatische Belastungsstörung, Trauma, Risikofaktoren, demokrafische Variablen, prätraumatisch, peritraumatisch, Trias-Modell, Bewältigungsformen, Personen-Umwelt-Beziehung, Alkohol, Abhängigkeit, Alkoholabhängigkeit, Attributionen, Kognitionen, Selbstmedikamention, Teufelskreismodell
Arbeit zitieren
Claudia Remmel (Autor), 2011, Entstehung und Zusammenhänge zwischen Alkoholabhängigkeit und einer posttraumatischen Belastungsstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167032

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