Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie


Hausarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Anthropologie, Menschenbild und Wissenschaft

3. Die Humanistische Psychologie als „Dritte Kraft“

4. Psychoanalyse und Menschenbild

5. Behaviorismus und Menschenbild

6. Philosophisches Fundament der Humanistischen Psychologie

7. Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie
7.1 Ganzheitlichkeit
7.2 Sozialität
7.3 Der Mensch als bewusst lebendes Wesen
7.4 Entscheidungsfähigkeit
7.5 Intentionalität
7.6 Selbstaktualisierungstendenz

8. Schlussbetrachtung und Kritik

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Die zentrale Frage die geklärt werden soll lautet: „Was ist das Besondere am Menschenbild der Humanistischen Psychologie, als Teildisziplin der Psychologie?“ Diese Fragestellung impliziert drei Dimensionen, die untersucht werden sollen. Zum einen soll geklärt werden, in welchem Verhältnis die Humanistische Psychologie im Speziellen und Wissenschaft im Allgemeinen und eine bestimmte anthropologische Vorstellung, welche sich im Menschenbild manifestiert, stehen. Zweitens sollen die Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie herausgearbeitet werden und drittens soll das „Besondere“ des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie verdeutlicht werden, indem es in Kontext zu anthropologischen Vorstellungen psychologischer Nachbardisziplinen, nämlich der Psychoanalyse und des Behaviorismus gesetzt wird.

Zwar werden in dieser Arbeit auch inhaltliche Methoden und Therapieformen der Humanistischen Psychologie angesprochen, jedoch hat diese Arbeit nicht den Anspruch diese vollständig zu analysieren.

Die vorwiegend verwendete Methode die in dieser Arbeit verwendet wird, ist die hermeneutische Betrachtung. So soll das Menschenbild der Humanistischen Psychologie im Entstehungskontext seiner Zeit analysiert werden. Aus diesem Grunde ergibt sich auch, wie bereits angesprochen, die Notwendigkeit, die Humanistische Psychologie und deren Menschenbild nicht isoliert, sondern im Verhältnis zu den anthropologischen Vorstellungen der Psychoanalyse und des Behaviorismus zu betrachten.

2. Anthropologie, Menschenbild und Wissenschaft

Bevor die eigentliche Auseinandersetzung über das anthropologische Verständnis der Humanistischen Psychologie geführt werden soll, müssen zwei wichtige Schlüsselbegriff dieser Arbeit, nämlich die Begriffe „Anthropologie“ und „Menschenbild“ und deren Bedeutung für die Theoriebildung, nicht nur für die Humanistischen Psychologie, geklärt werden.

Aus etymologischer Sicht, ist der Begriff „Anthropologie“ eine Komposition der (alt)griechischen Wörter anthropos (Mensch) und logos (Lehre). Anthropologie kann also mit „Lehre vom Menschen“ übersetzt werden.

Ulfig unterscheidet dabei zwischen naturwissenschaftlich-medizinischer/ biologischer, theologischer, soziologischer und philosophischer Anthropologie. Die philosophische Anthropologie nimmt dabei eine zentrale Stellung ein da sie, wie Hamann bemerkt „die Erkenntnisse der Einzel- oder Regionalwissenschaften (Regionalanthropologien) zu einem größeren Ganzen, also zu einer Theorie des Menschseins, zusammenführt“1.

Die zentrale Aufgabe der philosophischen Anthropologie formulierte erstmals Emanuel Kant, indem er fragte „Was ist der Mensch?“2 Die Anthropologie untersucht also das spezifisch menschliche am Menschen.

„Was macht den Menschen zum Menschen? Was unterscheidet ihn vom übrigen Seienden)? Was ist seine Stellung in der gesamten Wirklichkeit und seine Beziehung zur Welt?“3

Aus dieser Definition wird der Zusammenhang zwischen dem Begriff der „Anthropologie“ und dem des „Menschenbildes“ ersichtlich. Muss „Anthropologie“ in erster Linie als eine Wissenschaft, in der sich verschiedene Überlegungen, Überzeugungen und Theorien versammeln, verstanden werden, ist das „Menschenbild“ dessen Destillat - Das „Menschenbild“ welches ein Mensch in sich trägt, ist ein Spiegelbild eines gewissen theoretischen anthropologischen Verständnisses und bestimmt sein Denken und Handeln in seiner Umwelt.4 Wie stellt sich nun jedoch der Zusammenhang zwischen der wissenschaftlichen Theoriebildung und dem Menschenbild dar? Oder anders gefragt: „Warum lohnt es, sich mit dem anthropologischem Verständnis einer wissenschaftlichen Theorie (etwa dem der Humanistischen Psychologie) auseinanderzusetzen?“ Die Frage impliziert bereits die Antwort. Jede Theorie, gerade jede geisteswissenschaftliche, die den Menschen als zu untersuchendes Subjekt objektiviert, fußt auf einem bestimmten Bild vom Menschen. Das Menschenbild einer wissenschaftlichen Theorie ist das Fundament, auf dessen es gebaut ist und hat so unmittelbare Konsequenzen für die Aussagen einer Theorie.

Besonders klar ersichtlich wird dies etwa im politikwissenschaftlichen Bereich. So fundiert Thomas Hobbes‘ Verteidigung des monarchischen Absolutismus, welche er in seinem Hauptwerk Leviathan darlegt, auf seinem Menschenbild, wonach der Mensch von Furcht und Angst getrieben ist. Der Satz, „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“5 ist Hobbes zentrale anthropologische Aussage und hat zur Folge, dass konsequenterweise diese Wolfsnatur nur durch den allmächtigen, absolutistisch geprägten Staat gezähmt werden kann, wobei Hobbes die Fähigkeit der Staatenbildung des Menschen wiederum auf dessen Vernunftfähigkeit zurückführt.6

Dass Hobbes ein besonders negatives Bild vom Menschen entwirft, ist als Folge des 30-jährigen Krieges (1618-48) und seiner persönlichen Erfahrung des brutalen englischen Bürgerkriegs (1642-49), nicht weiter verwunderlich7 - Ein weiteres Kennzeichen anthropologischer Anschauungen: Ihre zeitgeschichtliche Kontextgebundenheit.

Dass der spezielle Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Menschenbild in der Psychologie in besonderer Weise gilt, ist einsichtig, ist deren wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand doch der Mensch selber.

„Psychologie“ bedeutet übersetzt „Seelenlehre“. Sie untersucht die Teile, Funktionen und Vermögen der menschlichen Seele.8 Ihre frühen Ursprünge hat die Psychologie (damals noch als Teil der Philosophie) bereits bei Platon und Aristoteles. Als eigenständige wissenschaftliche Disziplin wurde sie jedoch erst im 19. Jahrhundert durch Johann Friedrich Herbart und Wilhelm Wundt begründet.

3. Die Humanistische Psychologie als „Dritte Kraft“

Anders als die übrigen Wissenschaftsstränge innerhalb der Psychologie, ist die Humanistische Psychologie nicht Produkt eines langjährigen Theoriebildungsprozesses, in der sie zu einer eigenen innerdisziplinären Wissenschaftsrichtung herangewachsen ist, sondern wurde 1961, durch Gründung der Association for Humanistic Psychology (AHP) quasi aus dem Boden gestampft.9 Gründer der AHP waren Abraham Maslow, Carl Rogers, Charlotte Buhler und Andere.10 Diese Entwicklung lässt sich nur historisch erklären.

Die Humanistische Psychologie muss als eine Bewegung innerhalb der Psychologie angesehen werden, welche sich als Gegen- wenn nicht gar als Protestbewegung zu den damals herrschenden psychologischen Wissenschaftsrichtungen, der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie (Behaviorismus) verstand und welche sich durch die Gründung der AHP institutionalisierte.11

Die Humanistische Psychologie begreift sich in ihrem eigenen Verständnis, innerhalb der Psychologie, als „Dritte Kraft“, neben der Psychoanalyse und dem Behaviorismus.12 Dabei grenzt sich die Humanistische Psychologie besonders in ihrem Menschenbild von den beiden anderen Richtungen ab. Wer das Menschenbild der Humanistischen Psychologie verstehen will, muss sich also zuerst mit der Psychoanalyse, dem Behaviorismus und deren anthropologischen Verständnissen auseinandersetzen.

4. Psychoanalyse und Menschenbild

Wer über die Psychoanalyse sprechen will, kommt um den Namen Sigmund Freud nicht herum. Er gilt als der Gründervater der Psychoanalyse, die sich hauptsächlich aus seinem Drei-Phasen-Modell und dem Entwicklungsmodel der Psyche zusammensetzt. Freud ging davon aus, dass die menschliche Psyche nicht ein ganzheitliches Gebilde ist, sondern sich in drei verschiedenen Spähern aufteilt. Schon vor der Geburt voll ausgebildet ist die Sphäre, die Freud das „ES“ nennt.13 Das ES ist nach Freud „der dunkle, unzulängliche Teil unserer Persönlichkeit. […] Von den Trieben her erfüllt es sich mit Energie, aber es hat keine Organisation, bringt keinen Gesamtwillen auf, nur das Bestreben, den Triebbedürfnissen unter Einhaltung des Lustprinzips Befriedigung zu verschaffen. “14 Menschliches Handeln erfolgt also laut Freud alleine zum Ziel der Triebbefriedigung. Als die zwei Grundtriebe des Menschen macht Freud den Eros (Libido) und den Destruktionstrieb (Thanatos) aus.15 Dem triebhaften ES setzt Freud ein Regulativ gegenüber: Das Über-Ich. Das Über-Ich kann als das Gewissen des Menschen verstanden werden. Weiter unterscheidet sich diese seelische Sphäre vom ES dadurch, dass es nicht pränatal angeboren ist, sondern sich im Laufe der menschlichen Entwicklung und erst nach Abschluss der „phallischen Phase“ und Durchlaufen des Ödipus-Komplexes (etwa im Alter von 6-7 Jahren) voll herausbildet.16 Bemerkenswert ist, dass Freuds Menschenbild im Zuge der Analyse des Ödipuskomplexes sich aufteilt und er scharf zwischen männlichen und weiblichen Menschenbild abgrenzt, wobei er die Frau aufgrund ihrer Penislosigkeit als „Mangelwesen“ beschreibt.17 Schließlich vervollständigt Freud sein Drei-Instanzen-Modell durch das ICH, als dritte psychische Instanz. Das ICH, welches dem Menschen am geläufigsten ist, da er es durch seine Reflexionsfähigkeit erfassen kann und von welchem er annimmt, dass es seine eigentliche Persönlichkeit sei, ist laut Freud lediglich die verstandgesteuerte Moderationsinstanz zwischen dem ES und dem Über-Ich. Es gleicht zwischen dem nach dem Lustprinzip arbeitenden ES und dem moralischen Über-Ich aus und verleiht der menschlichen Psyche der Person somit ihre Stabilität.18

Wichtig zum Verständnis Freuds Menschenbild, ist dessen Lehre vom Unbewussten. Freud definiert das Unbewusste als „einen psychischen Vorgang, dessen Existenz wir annehmen müssen, etwa weil wir ihn aus seinen Wirkungen erschließen, von dem wir aber nichts wissen.“19 Unbewusst arbeiten in der menschlichen Seele vor allem das ES und das Über-Ich. Auch Teile des ICH können (latent) unbewusst arbeiten.20 Aus dieser Betrachtung der Komponenten der Psychoanalyse kristallisiert sich ein Menschenbild heraus, dass hier pointiert dargestellt werden kann: Triebfeder des menschlichen Handelns sind seine Triebe. Ein freier Wille des Menschen und jegliche Autonomie werden somit negiert. Der Mensch ist nicht „Herr in seinem eigenen Haus“21, wie Freud es ausdrückt. Daraus ergibt sich ein deterministisches anthropologisches Verständnis. Der Mensch ist nicht in der Lage, seine Situation zu gestalten. Das bewusste ICH ist Diener seiner „drei Zwingherren“,

[...]


1 Hamann, B. (1998 3): Pädagogische Anthropologie, Klinkhardt Verlag, Bad Heilbrunn, S. 11

2 Vgl. Ulfig, A. (1993 1): Lexikon der philosophischen Begriffe, S. 32

3 Ebd.

4 Sicher ist das Menschenbild, welches ein Mensch in sich trägt auch und vor allem Produkt seiner persönlichen Erfahrungen. Aber diese Erfahrungen geschehen in einer gesellschaftlichen Umwelt welche durch herrschende anthropologische Ideen geprägt ist. Marxisten würden diesen Punkt sicherlich bestreiten, da nach deren Auffassung nicht die Theorie/das Bewusstsein das Sein, sondern das Sein das Bewusstsein bestimmt.

5 ebd., S.80

6 Vgl. Münkler, H. (2001): Thomas Hobbes, Campus Verlag, Münster, S. 80ff

7 Vgl. Gelfert, H.D. (1999): Kleine Kulturgeschichte Großbritanniens. Von Stonehenge bis zum Millennium Dome, C.H. Beck, München, S. 124

8 Vgl. Varnhorn, B. (2006): Bertelsmann- das neue Universallexikon, Wissenmedia Verlag, Gütersloh, S. 768

9 Vgl. Website GFK-Institut, Die Perspektive der Humanistischen Psychologie

10 Vgl. Website Association for Humanistic Psychologie, About AHP- Mission and History

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Website Ibso, Humanistische Psychologie

13 Vgl. Freud, S. (1998): Neue Folge der Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer Verlag, Frankfurt, S.60 ff

14 Freud, S. (1998): Neue Folge der Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse, S.75

15 Vgl. Freud, S. (1994): Abriss der Psychoanalyse, Fischer Verlag, Frankfurt, S. 45

16 Ebd., S. 48. ff

17 Vgl. Rohde-Dachser, C. (1996b): Unbewusste Phantasien und Mythenbildung in psychoanalytischen Theorien über die Differenz der Geschlechter, in: Dies./Mitscherlich, Margarete (Hg.): Psychoanalytische Diskurse über die Weiblichkeit von Freud bis heute (115-142), Verlag Internationale Psychologie, Stuttgart, S. 117f

18 Vgl. Freud, S. (1998): Neue Folge der Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse, S.60ff

19 Ebd. S. 72.

20 Vgl. ebd., S.72f

21 Charlier, S. (2001): Grundlagen der Psychologie, Soziologie und Pädagogik, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, S. 52

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Pädagogik)
Veranstaltung
Pädagogische Anthropologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V167049
ISBN (eBook)
9783640832729
ISBN (Buch)
9783640833047
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschenbild, humanistischen, psychologie
Arbeit zitieren
Christoph Dressler (Autor), 2009, Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167049

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden