Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Die zentrale Frage die geklärt werden soll lautet: „Was ist das Besondere am Menschenbild der Humanistischen Psychologie, als Teildisziplin der Psychologie?“ Diese Fragestellung impliziert drei Dimensionen, die untersucht werden sollen. Zum einen soll geklärt werden, in welchem Verhältnis die Humanistische Psychologie im Speziellen und Wissenschaft im Allgemeinen und eine bestimmte anthropologische Vorstellung, welche sich im Menschenbild manifestiert, stehen. Zweitens sollen die Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie herausgearbeitet werden und drittens soll das „Besondere“ des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie verdeutlicht werden, indem es in Kontext zu anthropologischen Vorstellungen psychologischer Nachbardisziplinen, nämlich der Psychoanalyse und des Behaviorismus gesetzt wird.
Zwar werden in dieser Arbeit auch inhaltliche Methoden und Therapieformen der Humanistischen Psychologie angesprochen, jedoch hat diese Arbeit nicht den Anspruch diese vollständig zu analysieren.
Die vorwiegend verwendete Methode die in dieser Arbeit verwendet wird, ist die hermeneutische Betrachtung. So soll das Menschenbild der Humanistischen Psychologie im Entstehungskontext seiner Zeit analysiert werden. Aus diesem Grunde ergibt sich auch, wie bereits angesprochen, die Notwendigkeit, die Humanistische Psychologie und deren Menschenbild nicht isoliert, sondern im Verhältnis zu den anthropologischen Vorstellungen der Psychoanalyse und des Behaviorismus zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anthropologie, Menschenbild und Wissenschaft
3. Die Humanistische Psychologie als „Dritte Kraft“
4. Psychoanalyse und Menschenbild
5. Behaviorismus und Menschenbild
6. Philosophisches Fundament der Humanistischen Psychologie
7. Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie
7.1 Ganzheitlichkeit
7.2 Sozialität
7.3 Der Mensch als bewusst lebendes Wesen
7.4 Entscheidungsfähigkeit
7.5 Intentionalität
7.6 Selbstaktualisierungstendenz
8. Schlussbetrachtung und Kritik
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, das spezifische Menschenbild der Humanistischen Psychologie zu definieren, indem sie es von den anthropologischen Ansätzen der Psychoanalyse und des Behaviorismus abgrenzt und zentrale humanistische Konzepte wie Ganzheitlichkeit und Selbstaktualisierung herausarbeitet.
- Vergleich anthropologischer Grundlagen in der Psychologie
- Die Humanistische Psychologie als "Dritte Kraft"
- Kernkonzepte: Ganzheitlichkeit, Sozialität und Intentionalität
- Die Rolle der Selbstaktualisierungstendenz
- Pädagogische Implikationen und Kritik
Auszug aus dem Buch
7.1 Ganzheitlichkeit
Die Auffassung von der Ganzheitlichkeit des Menschen ist grundlegend für die Humanistische Psychologie. „Ganzheitlichkeit“ bedeutet, dass der Mensch „mehr ist als die Summe seiner Teile“. Dies bedeutet zum Einen, dass eine Trennung zwischen Geist, Vernunft und Gefühlen unzulässig ist, zum Anderen, dass der Mensch nicht aus seinen Einzelteilen konstruiert und verstanden werden kann.
Hans Ernst veranschaulicht diese These in seiner Betrachtung über das ganzheitliche Wirken des Menschen im humanistischen Menschenbild folgendermaßen: Er schildert, dass ein Verlust eines Körperteils, etwa der rechten Hand, nicht nur den betroffenen Teil betrifft, sondern den ganzen Menschen berührt. Der ganze Körper und Geist reagieren auf die Veränderung denn, „da es sich um ein immer als Ganzes funktionierendes System handelt, so muss ein Reiz überall Veränderungen erzeugen“.
Die Überzeugung der Ganzheitlichkeit des Menschen entspringt der Kritik am Behaviorismus, der versucht den Menschen zu analysieren, also in Reiz-Reaktions-Muster zu zerlegen. Die Humanistische Psychologie legt dar, dass „Denkprozesse nicht einfach Reaktionen auf Sinnesreize sind, sondern spontane- vielleicht [...] kreative Prozesse sein können“.
Diese Erkenntnis hat somit unmittelbare Konsequenz für die Forschungsarbeit und die Therapie des Menschen in der Humanistischen Psychologie. Statt sturem Empirismus rückt das Konzept der „teilnehmenden Erfahrung“ in den Vordergrund, welches versucht, den Menschen als Ganzes zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Besonderheit des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie und legt die hermeneutische Methode zur Untersuchung fest.
2. Anthropologie, Menschenbild und Wissenschaft: Es werden die Grundbegriffe Anthropologie und Menschenbild definiert sowie deren Bedeutung für wissenschaftliche Theoriebildungen erläutert.
3. Die Humanistische Psychologie als „Dritte Kraft“: Die Entstehung der Humanistischen Psychologie als Gegenbewegung zu Psychoanalyse und Behaviorismus wird historisch eingeordnet.
4. Psychoanalyse und Menschenbild: Das deterministische Menschenbild Freuds, geprägt durch Triebe und das Drei-Instanzen-Modell, wird analysiert.
5. Behaviorismus und Menschenbild: Es wird die mechanistische Sichtweise des Behaviorismus beschrieben, die den Menschen als „Blackbox“ betrachtet und nur beobachtbares Verhalten untersucht.
6. Philosophisches Fundament der Humanistischen Psychologie: Die Verankerung der Humanistischen Psychologie in der Philosophie des Humanismus und des Existenzialismus wird dargestellt.
7. Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie: Die zentralen anthropologischen Konzepte der humanistischen Psychologie werden detailliert aufgeführt.
8. Schlussbetrachtung und Kritik: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion der Leitgedanken sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit der Einseitigkeit und ökologischen Begrenztheit der humanistischen Sichtweise.
Schlüsselwörter
Humanistische Psychologie, Menschenbild, Anthropologie, Ganzheitlichkeit, Psychoanalyse, Behaviorismus, Selbstaktualisierungstendenz, Existenzialismus, Intentionalität, Hermeneutik, Determinismus, Pädagogik, Personenzentrierter Ansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das spezifische Menschenbild der Humanistischen Psychologie und stellt es in den Kontext anderer psychologischer Strömungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zur Psychoanalyse und zum Behaviorismus, die philosophischen Grundlagen (Humanismus, Existenzialismus) sowie die Kernelemente des humanistischen Menschenbildes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Besondere am Menschenbild der Humanistischen Psychologie als Teildisziplin der Psychologie herauszuarbeiten und zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die vorwiegend verwendete Methode ist die hermeneutische Betrachtung, um das Menschenbild in seinem Entstehungskontext zu verstehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Anthropologie, die Entstehung der Humanistischen Psychologie, die Kontrastierung zu Nachbardisziplinen sowie die sechs Kern-Elemente des Menschenbildes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Humanistische Psychologie, Ganzheitlichkeit, Selbstaktualisierung, Determinismus sowie die methodische Gegenüberstellung zu Freud und dem Behaviorismus.
Wie unterscheidet sich das Menschenbild der Humanistischen Psychologie von dem Freuds?
Während Freud den Menschen durch Triebe und das Unbewusste determiniert sieht, betont die Humanistische Psychologie die Entscheidungsfreiheit, Intentionalität und die aktive Gestaltungsmöglichkeit des Menschen.
Welche Bedeutung hat die Selbstaktualisierungstendenz für die Pädagogik?
Sie dient als Anknüpfungspunkt für die Pädagogik, da sie das Streben des Menschen nach Wachstum und Entfaltung anerkennt und somit die intrinsische Motivation des Zöglings stärkt.
Wird das Modell von Maslow als mechanisch betrachtet?
Nein, der Autor betont, dass Maslows Bedürfnispyramide keineswegs mechanisch verstanden werden darf, sondern lediglich eine allgemeine Orientierung bietet.
- Arbeit zitieren
- Christoph Dressler (Autor:in), 2009, Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167049