Durch die vielen gewalttätigen Vorfälle der letzten Jahre in der Öffentlichkeit, wie zu Beispiel den brutalen Angriff auf einen 50-jährigen Mann an einer Münchener S-Bahn Station mit tödlichen Folgen, wird in Deutschland aktuell ausgiebig die Frage diskutiert, warum Jugendliche immer gewalttätiger werden.
Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Mann noch in der S-Bahn versucht, eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen zu schlichten. Daraufhin schlugen die Jugendlichen brutal auf den Mann ein. Dieser starb noch am selben Abend an seinen schweren Kopfverletzungen.
Die Medien reagieren auf solche Vorfälle immer sehr schnell mit verschiedenen Begründungen und Ursachen und stilisieren den Skandal in der Öffentlichkeit hoch.
Doch hinter den ganzen gewalttätigen Angriffen und Ausbrüchen der Jugendlichen stecken immer tiefere Ursachen als nur ein Faktor. Auf den folgenden Seiten werden Jugendkriminalität und ihre Ursachen sowie Bekämpfungsmaßnahmen und Lösungsvorschläge erläutert. Anhand verschiedener Statistiken lässt sich die Entwicklung der Jugendkriminalität aufzeigen. Es wird deutlich, wie viele Ursachen wirklich hinter Jugendkriminalität stecken und was Jugendliche zu solchen Taten bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
2.1. Was versteht man unter dem Begriff Jugendkriminalität?
2.2. Wann ist ein Kind oder Jugendlicher strafbar?
Jugendstrafrecht
2.2.1. § 19 StGB: Schuldunfähigkeit des Kindes
2.2.2. § 3 JGG: Verantwortlichkeit (Jugendliche)
2.2.3. § 105 JGG: Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende
3. Ursachen für Jugendkriminalität/Jugendgewalt
3.1. Warum werden Jugendliche kriminell
3.2. Anlagefaktoren
3.3. Das Elternhaus
4. Entwicklung der Jugendkriminalität/Ausmaß der Jugendkriminalität
5. Formen der Gewalt
6. Vergleich bei Mädchen und Jungen
7. „Ausländerkriminalität“
8. Bewältigung von Jugendgewalt
8.1. Gesetzliche Strafmaßnahmen
8.2. Lösungsvorschläge
8.2.1.Pädagogische Maßnahmen
8.2.2. Präventive und Korrektive Maßnahmen
8.2.3. Pädagogische Maßnahmen in der Schule
8.2.4.Die Kinder und Jugendhilfe
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, Erscheinungsformen und Bewältigungsstrategien von Jugendkriminalität und Jugendgewalt in Deutschland, wobei der Fokus auf einem differenzierten Blick jenseits rein statistischer Daten liegt.
- Rechtliche Grundlagen der Strafmündigkeit bei Jugendlichen und Heranwachsenden.
- Soziologische Erklärungsansätze, insbesondere die Anomietheorie und familiäre Einflüsse.
- Differenzanalyse zwischen männlichen und weiblichen Tätern sowie die Rolle des Migrationshintergrunds.
- Präventionsmöglichkeiten im pädagogischen Kontext, insbesondere in Schulen und der Kinder- und Jugendhilfe.
Auszug aus dem Buch
3.1. Warum werden Jugendliche kriminell
Die Tatsache, warum Jugendliche kriminell werden können, hat viele verschiedene Ursachen und ist daher nicht nur durch einen einzelnen Grund zu erklären. Eine Erklärung für die Jugendkriminalität ist die Anomietheorie von Emil Durkheim.6
Unter Anomie wird im Allgemeinen ein Zustand von Gesetzlosigkeit, Regellosigkeit, mangelnder sozialer Ordnung und des Zusammenbruchs kultureller Ordnung bzw. mangelhafter gesellschaftlicher Integration verstanden.
In seinem Werk „La division du travail“ (1893) setzt sich Durkheim erstmalig mit dem Phänomen der Anomie als einem Zustand der sozialen Desintegration in einer zunehmend arbeitsteiligen Gesellschaft auseinander. Darüber hinaus untersucht er die Ursachen des Selbstmordes als eine Form abweichenden Verhaltens, die gegen soziale Normen verstößt, in seiner klassischen Studie „Der Suizid“ aus dem Jahre 1897, die von verschiedenen Autoren als „Urtext“ der Anomietheorie bezeichnet wird.7 Er hat dabei eingehend das Verhältnis zwischen dem Menschen und seinen Bedürfnissen und Zielen diskutiert, die in stabilen Verhältnissen durch Normen und Regeln begrenzt sind. Er betont, dass erst dann, wenn die sozialen Regeln keine Beachtung mehr finden (wenn die kollektive Ordnung zerstört oder zerrissen wird) „werden menschliche Triebe übermächtig und laufen in Zustände der Anomie“ (Durkheim).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Aktualität des Themas Jugendgewalt und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Definition: Klärung der rechtlichen Begriffe wie Strafmündigkeit, Jugendstrafrecht und die Einordnung von Heranwachsenden.
3. Ursachen für Jugendkriminalität/Jugendgewalt: Analyse theoretischer Ansätze (Anomietheorie) sowie biologischer und familiärer Einflussfaktoren auf delinquentes Verhalten.
4. Entwicklung der Jugendkriminalität/Ausmaß der Jugendkriminalität: Darstellung der Kriminalitätswirklichkeit anhand der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) und Diskussion der Dunkelfeldproblematik.
5. Formen der Gewalt: Differenzierung zwischen personeller (physischer/psychischer) und struktureller Gewalt.
6. Vergleich bei Mädchen und Jungen: Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede im Kriminalitätsverhalten und in den Sozialisationsbedingungen.
7. „Ausländerkriminalität“: Kritische Auseinandersetzung mit der Kriminalität von Migranten im Kontext sozialer Benachteiligung und Integration.
8. Bewältigung von Jugendgewalt: Vorstellung rechtlicher Strafmaßnahmen sowie pädagogischer und präventiver Lösungsansätze in Schule und Jugendhilfe.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung von Jugendkriminalität und Plädoyer für einen gezielten Umgang mit dem Phänomen.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Jugendgewalt, Anomietheorie, Jugendstrafrecht, Sozialisation, Familie, Prävention, Schulaggression, Migrationshintergrund, Polizeiliche Kriminalitätsstatistik, Erziehungsmaßnahmen, Straffälligkeit, Delinquenz, Jugendhilfe, Gewaltprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Phänomen der Jugendkriminalität und Jugendgewalt, wobei die Ursachen sowie mögliche Gegenmaßnahmen kritisch beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtliche Einordnung von jungen Straftätern, die soziologischen Hintergründe, geschlechtsspezifische Unterschiede sowie präventive Ansätze in Schule und Jugendhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für die Entstehung von Jugendkriminalität zu entwickeln und aufzuzeigen, dass es keine einfache Ursache gibt, sondern ein komplexes Netz aus Faktoren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender kriminologischer Studien, soziologischer Theorien und statistischer Auswertungen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsmodelle, die Analyse der statistischen Entwicklung, geschlechtsspezifische Vergleiche, die Migrationsproblematik und verschiedene Strategien zur Bewältigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendgewalt, Prävention, Anomie, Sozialisation und Jugendstrafrecht definiert.
Wie unterscheidet sich die Situation zwischen Jungen und Mädchen laut der Arbeit?
Jugendgewalt wird als primär männliches Problem dargestellt, wobei jedoch eine Zunahme der Gewaltbereitschaft bei jungen Mädchen festgestellt wird, die oft andere, eher psychische Formen annimmt.
Welche Rolle spielt das Elternhaus bei der Entstehung von Gewalt?
Das Elternhaus ist ein zentraler Risikofaktor; familiäre Desintegration, Gewalt-Kreislauf-Erfahrungen und mangelnde emotionale Unterstützung werden als wesentliche Auslöser für Gewaltkarrieren identifiziert.
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- Gesine Timmer (Author), 2010, Bekämpfung von Jugendkriminalität und Jugendgewalt. Ursachen und Lösungsvorschläge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167055