Das "Gellhäuser Deutsch"

Beispielhafter Entwurf einer empirischen Untersuchung im Bereich deutscher Regionalsprachen


Seminararbeit, 2009
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Festlegung des Untersuchungsgegenstands und Fragestellung

2. Hypothesenbildung

3. Planung
3.1. Festlegen des Erhebungsinstruments
3.2. Auswahl von Informanten
3.3. Festlegung der Untersuchungsregion

4. Fragebogen für die Untersuchung des „Gellhäuser Deutsch“

5. Erläuterungen zum Fragebogen

Literatur

1. Festlegung des Untersuchungsgegenstands und Fragestellung

Die zu untersuchende Regionalsprache soll das „Gellhäuser Deutsch“ sein, welches in der Stadt Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis in Hessen seinen Ursprung hat.

Die Untersuchung soll die Frage klären, ob die von Adolf Seibig aufgestellten besonderen Merkmale (vgl. Seibig 1977: S. 5-8; S. 540) dieses Dialektes 32 Jahre nach ihrer schriftlichen Fixierung noch immer im Raum Gelnhausen und in der Kernstadt zu erkennen sind, oder ob sich die Sprecher mittlerweile mehr dem Mittelhessischen oder dem Standarddeutschen bedienen.

Ebenfalls werden die Dialektkompetenzen in Bezug auf die Herkunft, bzw. die soziale Schicht der Informanten erfasst und verglichen.

Die Merkmale nach Seibig sind:

- das auslautende kurze „a“ vor allem nach stimmhaften und stimmlosen alveolaren Plosiven, aber auch als generelle Ersetzung für ein auslautendes „–er“.
- das „a“ als Ersatz für „ihr“, „dir“, „mir“ und „wir“.
- das „a“ als Ersatz für die Diminutivendung „-chen“, sowie der Endung „-ern“,
- der Zuschreibung eines unterschiedlichen Genus bei bestimmten Wörtern im Vergleich zu der Standardsprache.

(Beispiele und untersuchte Merkmale s. Fragebogen (S. 5-6))

2. Hypothesenbildung

Bei dieser empirischen Untersuchung wird davon ausgegangen, dass sich die dialektalen Merkmale des „Gellhäuser Deutsch“ in ihrer Gänze nicht mehr auffinden lassen. Da jedoch Informanten aus verschiedenen Generationen befragt werden, ist die Hypothese aufzustellen, dass ältere Befragte, wie beispielsweise aus der Nachkriegsgeneration, durchaus noch dialektale Merkmale aufweisen. Wegen des „sozialen Inputs“ (Schmidt/Herrgen 2009: 9) und der aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen bedingten Mobilität ist eine Angleichung an Dialekte mit größerer Ausdehnung, wie dem Frankfurter Hessisch oder dem Mittelhessischen, zu vermuten, welche nicht zuletzt dem „Bemühen [um] interaktive und soziale Akzeptanz“ (Schmidt/Herrgen 2009: 10) zuzuschreiben ist.

Weiterhin ist die Vermutung aufzustellen, dass es einen Zusammenhang zwischen dialektalen Merkmalen und sozialem Stand gibt (vgl. Fallstudie bei Schmidt/Herrgen 2009: 19-28) Bei Informanten, die aus einer akademischen Familie stammen, müsste erfahrungsgemäß eine größere Anzahl an Personen mit der hochdeutschen Standardsprache aufgewachsen sein. Daher sollte zu erkennen sein, dass diese eine geringe dialektale Färbung aufweisen, hingegen beispielsweise Informanten aus einem Elternhaus mit einem handwerklichem Hintergrund im Umkehrschluss eine größere Dialektkompetenz besitzen.

Ebenso wird die Hypothese aufgestellt, dass man eine klare Abnahme der Dialektkompetenz zwischen den einzelnen Generationen ausmachen kann. Da in der Untersuchung Kinder wie auch ältere Menschen befragt werden, können so mindestens drei Generationen verglichen werden. Es wird die Vermutung aufgestellt, dass im direkten Vergleich eine immer weiter abnehmende dialektale Färbung und Dialektkompetenz zu beobachten und deutlich zu erkennen ist.

3. Planung

3.1. Festlegen des Erhebungsinstruments

Diese Untersuchung bedarf Tonaufnahmen der Sprecher, daher wird mit einem digitalen Aufnahmegerät gearbeitet, sodass die erhobenen Daten zur Aufbereitung mithilfe von Programmen zur Audioaufbereitung, wie Audition, WaveLab, Audacity oder Praat, ausgewertet werden können.

3.2. Auswahl von Informanten

Es soll bei der empirischen Untersuchung eine möglichst große Anzahl an Informanten unterschiedlichster Generationen und sozialer Schichten befragt werden. Die erste Gruppe besteht aus älteren Informanten des „Geschichtsvereins Gelnhausen e.V.“, die sich auch für die Erhaltung des Dialekts einsetzen.

Eine weitere Informantengruppe soll der „Gelnhäuser Fußballclub 1903 e.V.“ sein, da in Sportvereinen bekanntlich Repräsentanten aus vielen sozialen Schichten vertreten sind und man dadurch möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dialektaler Färbung und sozialem Stand ausmachen kann.

Um in diesem Fall auch Kinder und Jugendliche in der empirischen Untersuchung zu berücksichtigen, sollen ebenso mehrere Jugendgruppen der Evangelischen Kirchengemeinde Gelnhausen befragt werden. Auch hier sind erfahrungsgemäß viele unterschiedliche soziale Schichten vertreten.

3.3. Festlegung der Untersuchungsregion

Da das „Gellhäuser Deutsch“ zu untersuchen ist, beschränkt sich die Untersuchungsregion auf die Kernstadt (ohne besondere Berücksichtigung bzw. Differenzierung der sechs Stadtteile) der Barbarossastadt Gelnhausen am östlichen Rand des Main-Kinzig-Kreises in Hessen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das "Gellhäuser Deutsch"
Untertitel
Beispielhafter Entwurf einer empirischen Untersuchung im Bereich deutscher Regionalsprachen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas)
Veranstaltung
Variationslinguistische Forschungsmethoden
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V167082
ISBN (eBook)
9783640835058
ISBN (Buch)
9783640834815
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gellhäuser Deutsch, Dialektforschung, Regionalsprache, Variationslinguistik, Fragebogen, Forschungsentwurf, Gelnhausen, Deutscher Sprachatlas, Wenkersätze, Regionalsprachenforschung, Dialektkompetenz
Arbeit zitieren
Carlos Steinebach (Autor), 2009, Das "Gellhäuser Deutsch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167082

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