„Integration ist eine Schlüsselaufgabe unserer Zeit, die auch durch den demo-graphischen Wandel immer mehr an Bedeutung gewinnt.“ (ANGELA MER-KEL)
Mit diesem Zitat nimmt Angela Merkel Bezug auf die aktuelle Situation des Zusammenlebens von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in der Bundesrepublik Deutschland. Jeder fünfte Einwohner hat bereits einen Migra-tionshintergrund. Bei den unter 25-Jährigen sogar jede/r Vierte. Grund für eine weiter steigende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund ist besonders das Phänomen der Globalisierung. In Zeiten der Öffnung der Staatsgrenzen innerhalb der Europäischen Union leben immer mehr Menschen unterschied-lichster Herkunft zusammen.
Folgende Frage stellt sich nun in der vorliegenden Arbeit: Was und wie kann der Sport zu der oben genannten Schlüsselaufgabe der Integration beitragen? Die Meinung des DOSB-Präsidenten ist eindeutig:
„Sport ist nicht Mittel zur Integration, Sport ist Integration“ (DOSB-Präsident THOMAS BACH)
Diese Aussage orientiert sich an der insgesamt breiten Vorstellung seitens der Literatur, dass dem Sport ein großes Integrationspotenzial zugesprochen wird. Trotzdem fällt bei einem kurzen Überblick über diese Thematik direkt auf, dass sie nicht so simpel wie im obigen Zitat betrachtet werden kann, sondern ein hohes Maß an Sensibilität erfordert. Zahlreiche Grenzen und Probleme liegen der Integration durch den Sport zugrunde. So wird es im Laufe der Arbeit für mich interessant sein, die Chancen mit Berücksichtigung der Probleme explizi-ter herauszustellen.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist ausschließlich die Rede von „Integration“. Was hat dies nun mit dem oben genannten Thema „interkulturelles Lernen“ zu tun?
Diese beiden Begriffe liegen nah beieinander. Ein Ziel des interkulturellen Lernens ist nämlich die Unterstützung einer sozialen Integration.
Hier soll schließlich der Fokus auf ein interkulturelles Lernen innerhalb der Schule mit besonderem Blick auf den Sportunterricht gelegt werden. Nicht nur deshalb, weil jede/r Vierte der unter 25-Jährigen einen Migrationshintergrund hat, sondern auch, weil die Institution Schule einen geeigneten Rahmen für ein interkulturelles Lernen darstellt. In der Schule treffen Kinder verschiedenster Herkunft aufeinander und treiben im Rahmen der Schulpflicht gemeinsam Sport. Schulpflicht soll hier betont werden, da in einer Freiwilligenorganisation sicherlich durch eine geringere Teilnahme interkulturelles Lernen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesellschaftliche Entwicklung als Herausforderung für die Pädagogik
3. Die Lage der Migranten im deutschen Bildungssystem
4. Interkulturelles Lernen: Eine Einführung
4.1 Interkulturelle Pädagogik und interkulturelle Erziehung
4.1.1 Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik
4.1.2 Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz „Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule“ vom 25.10.1996
4.1.3 Begriffserklärung „interkulturelle Pädagogik“ und „interkulturelle Erziehung“
4.2 Interkulturelles Lernen
4.2.1 Voraussetzungen interkulturellen Lernens
4.3 Stufen interkulturellen Lernens
4.4 Konzeptionelle Schwerpunkte interkultureller Erziehung
4.5 Ebenen interkultureller Erziehung in der Schule
4.6 Methodische Zugänge zu einem interkulturellen Lernen
5. Interkulturelles Lernen im und durch Sport
5.1 Integration durch Sport
5.2 Ausgangslage einer interkulturellen Erziehung im Sportunterricht
5.3 Konzepte interkulturellen Lernens in der Sportpädagogik
5.4 Chancen für interkulturelles Lernen im und durch Sport
5.5 Grenzen und Probleme eines interkulturellen Lernens im Sportunterricht
5.6 Entwicklung eines didaktischen Konzepts interkultureller Erziehung im Sportunterricht
5.6.1 Inhalte/Methoden für ein didaktisches Konzept interkulturellen Lernens im Sportunterricht
5.7 Ideenbörse für die Gestaltung ein interkulturelles Lernens im Sportunterricht
5.8 Bezug zum Lehrplan
5.9 Zwischenfazit
6. Das Projekt „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“
6.1 Baustein 1 - Mädchenfußball-AG
6.2 Baustein 2 – Mädchenfußballturniere
6.3 Baustein 3 - Fußballassistentinnenausbildung
6.4 Baustein 4 – Fußball-Camps
6.5 Zwischenfazit
7. Zusammenfassung/Fazit/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, welchen Beitrag der Sport zur gesellschaftlichen Integration leistet und wie interkulturelles Lernen im Sportunterricht systematisch gefördert werden kann. Dabei wird analysiert, wie Sportlehrkräfte durch gezielte methodische Ansätze interkulturelle Kompetenzen vermitteln und zur Bewältigung von kulturellen Differenzen und Fremdheitserfahrungen beitragen können.
- Integration als zentrale Herausforderung in der Migrationsgesellschaft
- Die Rolle des Sportunterrichts als Raum für interkulturelle Begegnungen
- Methoden und Konzepte zur Förderung interkulturellen Lernens im Sport
- Praxisbeispiel: Soziale Integration von Mädchen durch Fußball
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Voraussetzungen interkulturellen Lernens
Verschiedene Faktoren sind für einen Erfolg interkulturellen Lernens wichtig. Zum einen hat es natürlich eine besondere Bedeutung, wenn der Lehrkörper den Schülerinnen und Schülern mit eigener interkultureller Kompetenz lehrt, woran sich die Lernenden orientieren können. Außerdem „sollte er Anstöße geben zur Metakommunikation“. Hierfür muss er sensibel sein für Gruppenprozesse und über bestimmte methodische Fähigkeiten verfügen. Beispielsweise können hier Rollenspiele behilflich sein, für ein subjektives Wahrnehmen und für die Gruppendynamik ein Einfühlungsvermögen zu entwickeln, bestehende Differenzen zum Thema zu machen und alternative Verhaltensweisen einzuüben. Für die angesprochene Metakommunikation sind jedoch eine Vertrauensbasis und eine Lernatmosphäre ohne Angstgefühle Voraussetzung. Einrichtungen im Unterricht, wie z. B. ein Kreisgespräch, sollten bestehen, um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, über sich und ihre Beziehungen untereinander zu reden.
Somit ist bereits die wichtigste Voraussetzung interkulturellen Lernens angesprochen: das Sozialklima. Wenn in einer Klasse ein hoher Konkurrenz- und Leistungsdruck herrscht, tragen die besten Methoden des Lehrkörpers keine Frucht. Anonyme Lehrer-Schüler-Beziehungen sind nicht förderlich. Den Lernenden sollte zu jeder Zeit, auch außerhalb des Unterrichts, die Möglichkeit gegeben sein, der Lehrperson Fragen zu stellen. Die Lehrer/innen sollten ihre Entscheidungen bei Unverständnis der Schülerinnen und Schüler begründen, diese rechtfertigen und sie sogar teilweise in die Entscheidungen mit einbeziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Rolle des Sports als Integrationsmedium und führt in die Problematik sowie die Relevanz interkulturellen Lernens ein.
2. Gesellschaftliche Entwicklung als Herausforderung für die Pädagogik: Dieses Kapitel erläutert den demografischen Wandel durch Migration und definiert zentrale Begriffe der Migrationsdebatte.
3. Die Lage der Migranten im deutschen Bildungssystem: Hier werden die Bildungschancen von Menschen mit Migrationshintergrund analysiert und Mängel im Schulsystem aufgezeigt.
4. Interkulturelles Lernen: Eine Einführung: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der interkulturellen Pädagogik und des interkulturellen Lernens dar.
5. Interkulturelles Lernen im und durch Sport: Im Mittelpunkt stehen die spezifischen Chancen und Probleme, die der Sportunterricht für interkulturelle Lernprozesse bietet.
6. Das Projekt „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“: Es wird ein konkretes Praxisbeispiel vorgestellt, das die Integration von Mädchen durch Fußball-AGs und Vereine fördert.
7. Zusammenfassung/Fazit/Ausblick: Die wesentlichen Ergebnisse werden reflektiert und zukünftige Anforderungen an die pädagogische Praxis abgeleitet.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Integration, Sportunterricht, Soziales Lernen, Migration, interkulturelle Kompetenz, Schulsport, Integrationspotenzial, Mädchenfußball, Fremdheitserfahrungen, Didaktik, Bildungsbenachteiligung, Schulsozialarbeit, Konfliktfähigkeit, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Beitrag des Sports zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und beleuchtet Möglichkeiten, interkulturelles Lernen im Schulsport zu implementieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der interkulturellen Erziehung, die Chancen und Grenzen des Sportunterrichts bei der Integration sowie die praktische Umsetzung durch Projekte wie den Mädchenfußball.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu ergründen, inwieweit der Sport als interkulturelles Bildungsmedium genutzt werden kann, um soziale Integration erfolgreich zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte und Forschungsergebnisse zur interkulturellen Pädagogik und Sportdidaktik, ergänzt durch die Analyse von Praxisbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Theorie des interkulturellen Lernens im Sport, der kritischen Auseinandersetzung mit sportdidaktischen Ansätzen und der Vorstellung eines konkreten Integrationsprojekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interkulturelle Pädagogik, Integration, Sportunterricht, Soziales Lernen und interkulturelle Kompetenz bestimmt.
Inwiefern beeinflusst der Begriff der körperlichen Fremdheit die Argumentation?
Das Konzept der körperlichen Fremdheit von Bröskamp dient als wichtige kritische Gegenposition, die aufzeigt, dass Sport aufgrund unterschiedlicher Körperverständnisse auch Konflikte produzieren kann.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Mädchenfußballs?
Das Projekt „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“ wird als sehr gelungener Ansatz bewertet, um durch außerschulische Vernetzung Barrieren zwischen Schule, Verein und Elternhaus abzubauen.
Welche Bedeutung kommt der Reflexion im Sportunterricht zu?
Die Reflexion ist laut Autor essenziell, da interkulturelles Lernen nicht automatisch durch Bewegung geschieht, sondern durch kognitive Aufarbeitung erst nachhaltig erfahrbar gemacht werden muss.
- Quote paper
- Tobias Rohe (Author), 2010, Chancen von interkulturellem Lernen im Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167135