Schulmediation - Definition, Ablauf und Ziele


Seminararbeit, 2009

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung Mediation / Schulmediation

3. Entwicklung von Mediation

4. Konfliktmöglichkeiten für die Schulmediation

5. Ablauf einer Mediation und ihre Ziele

6. Praxisbeispiele

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mir ist bewusst, dass es viele Konflikte in der Schule gibt, die entweder nicht gelöst werden können oder wollen. Auch die körperliche Gewalt und andere Probleme in den Schulen sind nicht mehr zu übersehen. Sie nehmen sogar stetig zu, wie es regelmäßig den unterschiedlichsten Medien zu entnehmen ist. Der Alltag wird dadurch gestört und macht deutlich, dass Schwierigkeiten nicht beiseite geschoben werden dürfen, sondern gelöst und aus der Welt geschafft werden sollten. Ich habe bereits weitere Methoden der Konfliktlösung kennen gelernt, z.B. das Streitschlichterprogramm und habe festgestellt, dass ich für mich persönlich noch nicht die optimale Methode gefunden habe. Für mich ist es sehr interessant eine neue Methode der Konfliktlösung kennen zu lernen und habe mich darum im Rahmen des Seminares „Mediation als Chance zur Konfliktbewältigung im Lebensraum Schule“ für das sinngleiche Thema „Mediation als Konfliktlösungsmöglichkeit“ entschieden, da es in meinem Interesse liegt, einen allgemeinen und umfangreichen Überblick über das Thema zu erhalten.

Im ersten Kapitel meiner Hausarbeit werde ich den Begriff der Mediation definieren und ihren Unterschied zur Schulmediation deutlich machen. Danach werde ich die Entwicklung der Mediation beschreiben. Des Weiteren werde ich die verschiedensten Möglichkeiten von Konflikten in der Schule zusammenfassen und erläutern. Im Anschluss daran möchte ich den Ablauf einer möglichen Mediation skizzieren, um dann im weiteren Verlauf meiner Hausarbeit Praxisbeispiele einzubringen. Zum Schluss möchte ich mich dann einem ausführlichen und persönlichen Fazit widmen.

2. Begriffserklärung Mediation / Schulmediation

Mediation ist ein Begriff, der aus dem Lateinischen stammt und beschreibt den gewaltfreien Konfliktlösungsprozess. Dabei wird mit Hilfe einer weiteren Person, die beiden Parteien neutral gegenüber steht, versucht, mit dem Ziel einer „win-win Lösung“ eine Vereinbarung zu treffen. Der Mediator gibt dabei keine Lösungsvorschläge, sondern unterstützt die beiden Parteien in der Lösungsfindung. (vgl. Bundesverband Mediation e.V.) Dies bedeutet, dass eine Lösung des Konfliktes angestrebt wird, von der beide Parteien profitieren können und keiner als `Verlierer` den Prozess beendet.

Wichtig für einen positiven Verlauf der Mediation ist ein strukturierter Ablauf. Für den reibungslosen Ablauf und die Einhaltung der Gesprächsregeln ist der Mediator zuständig. Währenddessen müssen die Interessen und Bedürfnisse beider Parteien (Medianten) berücksichtigt werden. Voraussetzung für eine Mediation ist es, dass sich beide Medianten freiwillig für diese Methode der Streitschlichtung entscheiden. (vgl.wikipedia)

In der Schulmediation sind die Mediatoren Schüler, Lehrer oder weitere Personen, die eine solche Ausbildung absolviert haben. Hier werden sie jedoch meist als `Streitschlichter` oder `Konfliktlotsen` genannt. (vgl., Walker, 2001, S.16) Anders als bei einer üblichen Mediation unter Wirtschaftsparteien, Nachbarn oder in der Politik, spielt in der Schulmediation der Aspekt der Erziehung eine wichtige Rolle. Nicht nur der Konflikt ist somit relevant, (vgl. Wegweiser-Mediation.de) sondern auch zu erfahren, dass ein Konflikt gewaltfrei gelöst werden und erleichternd sein kann. In ihrem sozialen Umfeld und in der Familie bleiben ihnen diese Erfahrungen aufgrund des Zeitmangels und der Berufstätigkeit der Eltern oft verborgen. Es wird als pädagogisches Ziel bezeichnet, selbständig die Lösung eines Konfliktes zu erarbeiten. (vgl. Haack-Wegner, Schrör, 2005, S.17) Mediation kann zwischen den unterschiedlichsten Parteien, die in einer Schule zu finden sind, stattfinden. Vor allem bei Problemen unter Schülern, zwischen Schülern und Lehrern und zwischen Kleingruppen, wie zum Beispiel Cliquen, ist Mediation möglich. Doch auch zwischen Lehrern, Lehrern und Schulleitung, sowie Lehrern und Eltern kann Mediation als Konfliktlösungsmöglichkeit angewendet werden. Hierzu werden Mediatoren von außen herangeholt. (vgl. Bundesverband Mediation e.V. (BM), S.2)

Eine außergerichtliche Konfliktlösung, also eine Mediation hat viele Vorteile für die Beteiligten. Sie können viele Umstände der Mediation, zum Beispiel den Mediator, den Zeitpunkt und ihren Ausgang selber bestimmen. Die Konfliktparteien können selber beeinflussen, inwiefern ihre eigenen Wünsche und Interessen Berücksichtigung finden und in welcher Form die persönliche Beziehung zum Konfliktgegner bestehen bleiben oder neu gestaltet werden sollen. Der größte Vorteil gegenüber einem gerichtlichen Verfahren ist die Zeit- und Kostenersparnis, wobei die Erfolgschancen der Mediation zusätzlich noch sehr hoch sind.

Dadurch, dass die Konflikte durch eine Mediation nicht öffentlich ausgetragen werden, kann für wichtige Firmen und Instanzen eine Veröffentlichung in der Presse und Rufschädigung vermieden werden. Sollte es dennoch zu keiner Einigung kommen, steht den Parteien noch die Möglichkeit offen, sich gerichtlich zu einigen. (vgl. JuraWiki.de)

3. Entwicklung von Mediation

Mediation ist keine Erfindung der heutigen modernen Gesellschaft. Sie ist eine Form der Konfliktbewältigung seit über 2000 Jahren. Da es früher keine Gerichte, aber dennoch Regeln gab holten bereits in der frühen Antike unterschiedliche Städte, zum Beispiel Athen, Hilfen aus den Nachbarstädten, um Konflikte zu lösen. Auch in Afrika werden seit sehr langer Zeit Konflikte mit der Unterstützung einer dritten neutralen Person gelöst.

Vor allem in China hat sich seit sehr langer Zeit das Mediationsverfahren etabliert. Sie achten stets darauf, dass Konflikte nicht öffentlich gemacht und in einem kleinen Rahmen ausgetragen werden. Eine öffentliche Austragung spricht in dieser Kultur für eine geringe Bildung und stellt für jeden Beteiligten eine Demütigung dar. Weiter ist den Chinesen wichtiger keinen Freund zu verlieren als einen Streit zu gewinnen. Sie wollen erreichen, dass neben den rechtlichen Aspekten eher persönliche und ökonomische Aspekte in der Streitschlichtung Berücksichtigung finden. Dadurch entlasten sie die Justiz zu einem sehr hohen Prozentsatz.

Die Mediation, wie oben beschrieben, stammt aus den USA. Hier waren es jedoch die chinesischen Einwanderer, die zu Anfang die Mediation in das Land `importierten` und Zentren für Mediation eröffneten. (vgl. Metzner &Striepling, S. 1-2)

Erst 1964 wurde der CRS (Community Relations Service) gegründet. Das Justizministerium sah darin die Aufgabe der Unterstützung in der Konfliktbewältigung durch Mediation. Im Laufe der Zeit gab es in den USA einen „Mediationsboom“ (Schweizerischer Verband für Berufsberatung SVB), der zum Beispiel in Atlanta und Los Angeles zum Rollen kam. Hier standen vor allem Nachbarschaftskonflikte im Mittelpunkt dieses Konfliktlösungsprozesses. Durch die daraus resultierenden Erfolge, erweiterte sich die Mediation auf weitere Konfliktbereiche aus, zum Beispiel auf das Scheidungsrecht und den Bereich der Schule. Als dann 1977 ein Gericht in Los Angeles die außergerichtliche Klärung des Konfliktes durch Mediation anerkannte, wurden diverse Techniken des Mediationsverfahrens entwickelt und dann verbreitete sich dieses Verfahren weiter aus. Erst gelang es in die Schweiz und daraufhin nach Frankreich. (vgl. Schweizerischer Verband für Berufsberatung SVB) Erst seit den 70er Jahren nimmt die Mediation auch in Deutschlag Einzug. Immer häufiger wird sie seitdem als Form der Konfliktlösung eingesetzt, zum Beispiel in Familien- und Scheidungsfällen und verzeichnet viele Erfolge. In den letzten Jahren nehmen sich immer mehr Bereiche des Lebens, neben Wirtschaft und Politik auch der Schulbereich dieser Methode an. Viele Projekte werden gestartet, um die Mediation als Konfliktlösungsmöglichkeit in den Schulalltag zu integrieren. Viele weitere Projekte wurden gegründet, die dieses Verfahren weiter etablieren. Sogar große Firmen haben die Vorteile der Mediation erkannt und einen festen Platz in ihrem Arbeitsalltag erhalten. Ein Beispiel dafür ist die Firma Motorola. (vgl. Metzner &Striepling, S. 1-2)

4. Konfliktmöglichkeiten für die Schulmediation

Der Schulalltag wird bestimmt von immer wiederkehrenden Konflikten unter den Schülern, aber auch zwischen Schülern und Lehrern, sowie unter den Lehrern. Diese `Streitigkeiten` stören erheblich den Ablauf des Unterrichtes.

Die Konflikte, die in einer Schule vorzufinden sind, haben unterschiedlichste Formen und Ausmaße. Die folgenden Beispiele sind im zweiten Teil aus eigener Erfahrung oder eigenen Gedanken entstanden.

1. Beleidigungen (z.B. der Optik, der Familie oder im Bereich der Sexualität)
2. sexuelle Belästigung
3. persönliche Übergriffe (z.B. Wegnahme von Eigentum)
4. Schadenfreude (z.B. bei Fehlern oder Missgeschicken)
5. Eingriff in die Privatsphäre
6. Verbreitung von Gerüchten
7. ungerechte Behandlung von Lehrern, z.B. Machtkonflikt (vgl. Walker, 2001, S.9-12)
8. besetzte Spielgeräte in der Pause
9. Leistungsdruck/ Konkurrenz
10. schlechter, langweiliger Unterricht
11. Einsamkeit/ Ausgrenzung
12. Verbote während des Unterrichts, z.B. nichts essen oder trinken dürfen, sowie Verbot eines Toilettenganges
13. Müdigkeit (schnelle Reizbarkeit)
14. zu viele Hausaufgaben, zu wenig Freizeit
15. `Zwang` zum Stillsitzen
16. Probleme von zu Hause, die in der Schule ausgetragen werden
17. körperliche Gewalt unter Schülern und von Schülern gegen Lehrer

Vor allem letzteres scheint mir wichtig für den heutigen Schulalltag zu sein. Immer mehr Gewalt herrscht unter den Jugendlichen, besonders aggressive und brutale Gewalt. Immer öfter werden auch Lehrer zur Zielscheibe von solchen `Attacken`. Dies macht nochmals deutlich, wie wichtig Konfliktlösungsverfahren sind, um friedlich miteinander umgehen zu können.

Unter den Lehrkräften sind oft die unausgesprochenen, verdeckten Konflikte ausschlaggebend für eine grundlegende negative Atmosphäre im Kollegium. Grundsätzlich bemerkt dabei jeder, dass etwas nicht in Ordnung ist, doch niemand traut sich dies offen anzusprechen, um den Konflikt und die negative Stimmung auszuräumen.

Die Ursachen all der Konflikte unter Jugendlichen liegen nach Meinung der Forscher bei dem übermäßigen Medienkonsum in der heutigen Zeit. Immer weniger Kinder und Jugendliche verbringen ihre Freizeit an der frischen Luft und bewegen sich, dagegen findet ein großer Teil ihre Beschäftigung vor dem PC oder Spielkonsolen etc. Außerdem sind die soziale Herkunft, das Lebensumfeld, wie Familie und Freunde, sowie die viel zu kleinen Räumlichkeiten der Schulen mit ihren überfüllten Klassen Auslöser für Konflikte. (vgl. ebd., 10-11)

Prinzipiell ist jedoch jede der aufgeführten Konfliktmöglichkeiten durch bestimmte Streitschlichtungsverfahren lösbar.

Der Mediation sind aber auch Grenzen gesetzt. Nicht alle Konflikte lassen sich anhand dieser Methode friedlich lösen.

Um im Allgemeinen Konflikte klären und lösen zu können ist es wichtig, empathiefähig zu sein. Konfliktpartner sollten die Fähigkeit besitzen sich in die Situation des Gegners hineinzuversetzen und sich in sie hineinzufühlen, um auch ihre Sichtweise zu verstehen. Doch nicht jeder Mensch hat diese Kompetenzen, die für den Erfolg einer Mediation grundsätzlich notwendig sind.

Am Ende der Mediation werden Abmachungen getroffen, an die sich die Beteiligten halten müssen. Gibt es hier einen Regelbruch, dann war diese Methode der Konfliktlösung erfolglos. Die bedeutet, dass alle abgesprochenen Entscheidungen eingehalten werden müssen, um das Vertrauen des Gegners nicht zu missbrauchen. Dann kann die Mediation als erfolgreich bezeichnet werden.

Ein negatives Ende einer Mediation kann ebenfalls negative Auswirkungen auf viele Prozesse des täglichen Schulalltages haben. Betroffene Schüler müssen sich aufgrund der räumlichen Situation täglich über den Weg laufen. Dies stellt für viele Beteiligte eine hohe psychische Belastung dar. Sie stehen immer im Blickkontakt mit ihrem Konfliktgegner. Sie fühlen sich dabei möglicherweise beschämt oder sind ängstlich. (vgl. Haack-Wegner, Schrör, 2005, S. 18ff)

Viele Menschen haben aber auch eine mangelnde Konfliktfähigkeit /-kompetenz. Für diese Personen ist es schwer mit Konflikten umzugehen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Meist entziehen sie sich entsprechender Situationen. Andere wiederum verharmlosen die vorhandenen Konflikte und zeigen kein Unrechtsbewusstsein. Sie fühlen sich für Konflikte und ihre Ursachen meist nicht verantwortlich und glauben dass sie unschuldig und an der Sache unbeteiligt sind. (vgl. Walker, 2001, S. 12)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Schulmediation - Definition, Ablauf und Ziele
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V167136
ISBN (eBook)
9783640835584
ISBN (Buch)
9783640835829
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulmediation, Chancen und Grenzen, Streitschlichtung, Mediation
Arbeit zitieren
Tobias Rohe (Autor), 2009, Schulmediation - Definition, Ablauf und Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167136

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schulmediation - Definition, Ablauf und Ziele



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden