Der Zusammenhang zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation spielte bis zu den 80er Jahren praktisch keine Rolle. Im Laufe der 90er Jahre erschienen zahlreiche Publikationen zur theoretischen Analyse und zur empirischen Belegbarkeit eines bestehenden Zusammenhangs zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation bzw. zur Widerlegung desselben.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit einer Notenbank und ihren Auswirkungen auf die Inflation im Hinblick auf die aktuelle Literatur zur Theorie und Empirie zu untersuchen.
Die Arbeit ist dabei wie folgt aufgebaut:
Gegenstand des zweiten Kapitels ist die theoretische Betrachtung einer Wirtschaft, in der die Regierung versucht, ihre eigenen konjunkturpolitischen Interessen zu Lasten einer höheren Inflationsrate zu verfolgen. Neben der modelltheoretischen Betrachtung sollen dabei in der Literatur herausgearbeitete Hypothesen zur Lösung dieses Problems analysiert werden.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der empirischen Belegbarkeit der im zweiten Kapitel dargestellten theoretischen Betrachtungen. Dabei werden im Anschluss an die Begriffsbestimmung zur Zentralbankunabhängigkeit die gängigsten Indizes zur Zentralbankunabhängigkeit beispielhaft dargestellt. Im Anschluss daran werden die in der Literatur herausgearbeiteten Zusammenhänge zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation herausgearbeitet und analysiert.
Im vierten Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Betrachtung
2.1. Überraschungsinflation als Mittel der Geldpolitik
2.2. Das Zeitinkonsistenzproblem
2.3. Ansätze zur Lösung des Zeitinkonsistenzproblems
3. Empirische Betrachtung
3.1. Kriterien der Unabhängigkeit
3.2. Indizes zur Messung der Zentralbankunabhängigkeit
3.2.1. Indizes mit rechtlichen Quantifizierungskriterien
3.2.2. Indizes mit verhaltensbezogenen Quantifizierungskriterien
3.3. Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Unabhängigkeit und Inflation
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den theoretischen und empirischen Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit einer Zentralbank und der Inflationsrate. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob eine höhere Zentralbankunabhängigkeit tatsächlich zwangsläufig zu einer geringeren Inflationsrate führt oder ob dieser Zusammenhang durch andere Faktoren beeinflusst wird.
- Theoretische Grundlagen des Zeitinkonsistenzproblems der Geldpolitik
- Modellansätze zur Steigerung der geldpolitischen Glaubwürdigkeit
- Methodik zur Messung der Zentralbankunabhängigkeit (CUK- und GMT-Index)
- Empirische Evidenz und Kontroverse der Unabhängigkeits-These
- Einfluss von Strukturmerkmalen auf die Inflationsperformance
Auszug aus dem Buch
2.2. Das Zeitinkonsistenzproblem
Mittels der Geldpolitik ist eine Zentralbank (d.h. für den Fall einer abhängigen Zentralbank die Politiker einer Regierung) in der Lage, schnell d.h. mit geringer Verzögerung auf makroökonomische Schocks zu reagieren sowie diese absichtlich herbeizuführen. Hierdurch gewinnt die Geldpolitik als konjunkturpolitisches Mittel an Bedeutung, konfrontiert sie aber andererseits mit dem sogenannten Problem der Zeitinkonsistenz.
Nach Kydland und Prescott sowie Barro und Gordon versteht man unter dem Zeitinkonsistenzproblem den Umstand, dass es für eine Regierung unter bestimmten Voraussetzungen reizvoll sein kann, das Ziel einer längerfristigen Preisstabilisierung und damit einer niedrigen Inflationsrate zugunsten einer kurzfristigen konjunkturpolitischen Maßnahme zurückzustellen.
Grundlage des Zeitinkonsistenzproblems ist eine Ökonomie, in der die Wirtschaftsobjekte zwar rationale Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung der Inflation bilden, sie ihre Verträge (z.B. Tarifverträge, Immobilienfinanzierungen) aber nur nominal und für eine gewisse Dauer abschließen. In diesen Fällen ist es für die Geldpolitik möglich, nach Vertragsschluss die realen Preise zu verändern. So führt eine expansive Geldpolitik bzw. unerwartete Inflation, infolge der Orientierung der Arbeitsnachfrage der Unternehmen am Reallohn, zu einer erhöhten Arbeitsnachfrage und damit zu einem höheren realen Sozialprodukt, also einem für die Regierung günstigen Zustand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein und stellt das Ziel der Arbeit sowie den strukturellen Aufbau zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation dar.
2. Theoretische Betrachtung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Überraschungsinflation, das Zeitinkonsistenzproblem sowie verschiedene Lösungsansätze zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik analysiert.
3. Empirische Betrachtung: Dieses Kapitel widmet sich den Kriterien und Indizes zur Messung der Unabhängigkeit sowie der empirischen Untersuchung der Korrelation zwischen Zentralbankautonomie und Inflationsraten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine eindeutige empirische Kausalität aufgrund methodischer Unterschiede und der Komplexität der Einflussfaktoren nicht abschließend belegt werden kann.
Schlüsselwörter
Zentralbankunabhängigkeit, Inflation, Geldpolitik, Zeitinkonsistenzproblem, Barro-Gordon-Modell, Preisstabilität, Inflations-Bias, Cukierman-Index, GMT-Index, Glaubwürdigkeit, Konjunkturpolitik, rationale Erwartungen, empirische Korrelation, geldpolitische Instrumente
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der institutionellen Unabhängigkeit von Zentralbanken und der Höhe der Inflationsrate in einer Volkswirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die theoretische Spieltheorie der Geldpolitik, die Quantifizierung der Zentralbankunabhängigkeit sowie die empirische Überprüfung der Wirksamkeit unabhängiger Notenbanken bei der Inflationsbekämpfung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die Unabhängigkeit einer Zentralbank ein notwendiges und ausreichendes Instrument zur Sicherung einer niedrigen Inflationsrate darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Modelle und vergleicht verschiedene empirische Studien sowie Indizes zur Unabhängigkeitsmessung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung des Zeitinkonsistenzproblems und eine empirische Betrachtung, in der verschiedene Messindizes (wie der CUK- oder GMT-Index) vorgestellt und diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentralbankunabhängigkeit, Inflation, Zeitinkonsistenz, Geldpolitik, Glaubwürdigkeit und Preisstabilität.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen rechtlichen und verhaltensbezogenen Indizes eine Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass rein rechtliche Definitionen oft nicht ausreichen, da das tatsächliche Verhalten (z.B. häufige Wechsel der Notenbankführung) einen entscheidenden Einfluss auf die Glaubwürdigkeit und damit die Inflationserwartungen hat.
Welches Fazit zieht der Autor zur "Free-Lunch"-These?
Der Autor stellt fest, dass die These, wonach eine unabhängige Zentralbank eine Inflationssenkung ohne Kosten ermöglicht, empirisch stark umstritten ist und von der Wahl der untersuchten Variablen und Nationen abhängt.
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- Patrick Kassing (Author), 2007, Zentralbankunabhängigkeit und Inflation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167148