Über siebzehn Jahre lang stand Walter Buch an der Spitze der Parteigerichtsbarkeit der NSDAP, die ein parteiinternes Mittel zur Disziplinierung und Überwachung der Millionen Parteimitglieder war. Buch leistete damit einen Beitrag, Hitler die uneingeschränkte Macht innerhalb der Partei zu sichern und zu erhalten. Als oberstem Richter der Partei oblag es Walter Buch, innerhalb der Partei seine Auffassung von Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen. Er handelte dabei nach der Maxime: „Recht ist in der Bewegung, was der Bewegung recht ist, was ihr dient“. „Vor allen anderen Parteigenossen hat also der Parteirichter zu erkennen, was der Bewegung recht und dienlich ist, und was ihr schadet. Alles, was der Bewegung dient, ist zu fördern, was ihr abträglich ist, muss beseitigt werden“. „Die Bewegung“ war für Buch die Person Adolf Hitler. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen waren Buch und dessen Parteigericht der verlängerte Arm Hitlers. Entscheidungen wurden unabhängig von der tatsächlichen Sachlage nahezu ausschließlich nach Nützlichkeitsgesichtspunkten in seinem Sinne gefällt. Die vorliegende Arbeit widmet sich vornehmlich der Person Walter Buch und seinen politischen sowie weltanschaulichen Überzeugungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangslage
2. Die Lebens- und Geisteswelt Walter Buchs
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Walter Buch, der als Oberster Parteirichter der NSDAP maßgeblich die Parteigerichtsbarkeit prägte. Ziel ist es, seine Rolle als Instrument der NS-Führung sowie sein ideologisches Selbstverständnis im historischen Kontext zu analysieren.
- Biografische Entwicklung und Politisierung von Walter Buch
- Die Rolle und Funktion der Parteigerichtsbarkeit (USchlA/OPG) in der NSDAP
- Buchs ideologische Weltanschauung, insbesondere sein Antisemitismus
- Die Unterordnung der Justiz unter das "Führerprinzip" und politische Nützlichkeitserwägungen
- Der "Fall Wagner" als Wendepunkt und Zäsur in der Machtstellung des Parteigerichts
Auszug aus dem Buch
Die Lebens- und Geisteswelt Walter Buchs
Obwohl er von Hitler bereits im November 1927 auf einer Tagung der Gauleiter in Weimar als neuer 1. Vorsitzender des Reichs-USchlA vorgestellt, wurde Walter Buch offiziell von Hitler durch Verfügung am 1. Januar 1928 zum „Obersten Richter der Partei“ ernannt. Walter Buch wurde am 24. Oktober 1883 in Bruchsal / Baden als Sohn eines Senatspräsidenten am badischen Oberlandesgericht geboren. Nach dem Abitur trat er als Fahnenjunker in ein badisches Infanterieregiment ein. 1904 wurde er zu Leutnant, 1913 zum Oberleutnant befördert. Er diente im ersten Weltkrieg als Regimentsadjutant. Nach dem Ende des Weltkriegs 1918 verließ er als Major und Bataillonskommandeur die Armee. Als Grund für seinen Abschied gab er später an, er habe nicht „unter Eberts Flagge“ dienen wollen. Bald nach seinem Ausscheiden aus der Armee trat er dem nationalistischen und antisemitischen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund bei.
Buch war ein überzeugter Antisemit, was schließlich mit ein Grund dafür war, dass er, als eigentlich Konservativer, zur damals revolutionären NSDAP fand. Buch schrieb später:„Der Nationalsozialist hat erkannt: Der Jude ist kein Mensch. Er ist eine Fäulniserscheinung. Wie sich der Spaltpilz erst im faulenden Holz einnistet und sein Gewebe zerstört, so konnte sich der Jude erst im deutschen Volk einschleichen und Unheil anrichten, als es geschwächt ... innerlich zu faulen begann ...“. Der Untergang des deutschen Kaiserreiches war nach Buchs Überzeugung ebenfalls das Werk des Judentums, da „der Jude im Zweiten Reich seine Zeit gekommen wähnte und mit seinem Geschrei: „Hie Bürger -hie Proletarier“ den deutschen Menschen zu seinem Sklaven machen zu können glaubte“, und „Der Deutsche merkte nicht, wie ... vor allem das Eindringen jüdischen Blutes in seinen Körper sein Mark langsam und stetig aushöhlten, wie schließlich sein ganzes Wesen von diesem Fremden überwuchert und bis in den Kern angefressen wurde, bis der Stamm der deutschen Eiche, die die ganze Welt beschattet hatte, im November des Verrats morsch zusammenbrach ...
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangslage: Dieses Kapitel führt in die Gründung des Untersuchungs- und Schlichtungsausschusses (USchlA) ein und skizziert die zentrale Bedeutung der Parteigerichtsbarkeit für die Disziplinierung der NSDAP-Mitglieder.
2. Die Lebens- und Geisteswelt Walter Buchs: Hier wird der biographische Hintergrund des NS-Parteirichters beleuchtet, wobei ein besonderer Fokus auf seiner militärischen Prägung und seinem tief verwurzelten Antisemitismus liegt.
3. Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert, wie Walter Buch als Instrument der Parteiführung die Rechtsprechung der NSDAP von einer rechtsstaatlichen zu einer rein zweckorientierten, am "Führerwillen" ausgerichteten Instanz wandelte.
Schlüsselwörter
Walter Buch, NSDAP, Parteigerichtsbarkeit, USchlA, Oberstes Parteigericht, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Führerprinzip, Rechtswillkür, Josef Wagner, Rechtsprechung, NS-Justiz, Parteidisziplin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Walter Buch als Oberster Parteirichter der NSDAP und analysiert seine Rolle bei der Ausrichtung der Parteigerichtsbarkeit auf die Ziele Adolf Hitlers.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Im Zentrum stehen die ideologische Radikalisierung Buchs, seine militärische Sozialisation und die praktische Anwendung von Parteigerichtsbarkeit als Disziplinierungsinstrument innerhalb der NSDAP.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Buch durch seine Tätigkeit als Parteirichter zur Etablierung des NS-Systems und zur Ausschaltung rechtsstaatlicher Prinzipien innerhalb der Bewegung beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historisch-biographische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen wie Dienstzeugnissen, Briefwechseln und zeitgenössischen Dokumenten aus dem Bundesarchiv basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Aufstieg Buchs, seiner Rolle in der SA, der ideologischen Begründung der Parteigerichtsbarkeit und der Zäsur durch den "Fall Wagner".
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Parteigerichtsbarkeit, NS-Parteirichter, Antisemitismus, Führerprinzip und Rechtsbeugung beschreiben.
Welche Rolle spielte der "Fall Wagner" für Walter Buch?
Der Fall Wagner markierte einen Wendepunkt, da Buchs Parteigericht hier erstmals formaljuristisch gegen den expliziten Wunsch Hitlers entschied, was Buchs Machtstellung massiv untergrub.
Wie stand Walter Buch zu den Rechtsnormen der Weimarer Republik?
Buch lehnte den dort vorherrschenden Gesetzespositivismus strikt ab und sah darin eine Form der "Rechtsnot", da er Recht ausschließlich als Instrument zur Durchsetzung des "Volkswohls" bzw. des "Führerwillens" begriff.
Wie endete die Laufbahn von Walter Buch?
Nachdem er im NS-Regime politisch entmachtet wurde, verurteilte man ihn nach dem Krieg als Hauptschuldigen, woraufhin er 1949 Suizid beging.
- Citation du texte
- Nils Block (Auteur), 2011, Der NS-Parteirichter Walter Buch - Leben und Werk im Lichte seiner Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167151