Die Arbeit behandelt die komplexe Thematik des legalen Alkohol- Konsums in Deutschland aus verschiedenen Perspektiven und Disziplinen. Alkohol ist mit Abstand die verbreiteste und beliebste psychotrope Substanz in Deutschland und in anderen westlichen Ländern. Welche Gefahren und unterschiedlichen Widersprüche auf gesellschaftlicher, politischer, indivudeller Ebene daraus resultieren, wird genauer untersucht und überblicksartig dargestellt. Fokus der Arbeit liegt in den Widersprüchen und Graubereichen, die aus dem heutigen Umgang mit dieser Droge entspringen. Ebenfalls werden gesundheitliche Auswirkungen ("Puplic- Health") auf individueller sowie auf gesellschaftlicher Ebene dargestellt. Darüber hinaus wird auf die neurobiologische Physiologie der Drogen und auf die Funktion von "körpereigenen Drogen" eingegangen und mit der o.g. Fragestellung verknüpft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Methode und Ziele
1.1.1 Definition Drogenmissbrauch/Abhängigkeit nach ICD 10
1.1. 2 Empfehlungen zum Alkoholkonsum
1.1.3 Sicht eines Alkoholtherapeuten
1.1.4 Diagnose „Alkoholismus“ in einer Trinkerkultur
1.2 Zur Historie des Alkohols
1.2.1 Alkohol − Krisen im Zuge „des Fortschritts“
1.2.2 Alkoholabhängigkeit − ein Problem der Moderne?
1.2.3 Alkoholkulturen im Vergleich
1.3 Erklärungsansätze für Suchtverhalten und Drogenkonsum
1.3.1 Neurobiologische Grundlagen der Drogensucht
1.3.2 Neurophysiologische Wirkung des Alkohols im Gehirn
1.3.3 Entstehungsprozess von Entzugssymptomen und Toleranzentwicklung
2 Deutschland − eine gestörte Alkoholkultur und ihre Früchte
2.1 Klassifikationen der Drogen im politischen und sozialen Kontext
2.1.1 Folgen einer ambivalenten Drogenklassifikation
2.1.2 Co-Faktoren, die eine ambivalente Drogenklassifikation begünstigen
2.2 Alkoholexzesse ohne Altersgrenzen
2.2.1 Alkoholexzesse als gesamtgesellschaftliches Problem
2.2.2 Motive und Ursachen für Alkoholexzesse Jugendlicher
2.2.3 Rauschtrinken unter Jugendlichen − ein soziologisches Phänomen
2.3 Modifizierte Präventionsmaßnahmen
2.3.1 Prävention in Zusammenarbeit mit der Alkoholindustrie
2.3.2 Ambivalente Verstrickung zwischen Regierung und Alkoholwirtschaft
2.3.3 Beurteilung der Präventionsmaßnahmen im politischen und sozialen Kontext
3 Interpretation eines volksumfassenden Alkoholkonsums/ -missbrauchs
3.1 Neurobiologische Perspektive
3.1.1 Funktion „körpereigener Drogen“ vs. Funktion „exogener Drogen“
3.1.2 Psychologische Perspektive
3.1.3 Soziologische Perspektive
3.2 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Widersprüche im Umgang mit Alkohol als anerkannte Volksdroge in Deutschland. Das Ziel ist es, die Auswirkungen eines weit verbreiteten Alkoholkonsums und -missbrauchs auf gesellschaftlicher, politischer und neurobiologischer Ebene zu interpretieren und dabei kritisch zu hinterfragen, warum Alkohol im Gegensatz zu anderen Drogen als „normaler“ Bestandteil des Lebens angesehen wird.
- Analyse der historischen Entwicklung und kulturellen Verankerung des Alkoholkonsums.
- Untersuchung der neurobiologischen Mechanismen von Sucht und Toleranzentwicklung.
- Kritische Bewertung der Drogenklassifikation und der politischen Doppelmoral.
- Beleuchtung von Alkoholexzessen bei Jugendlichen und Erwachsenen als gesamtgesellschaftliches Problem.
- Evaluierung der aktuellen Präventionsmaßnahmen und ihrer Wirksamkeit in einem paradoxen Umfeld.
Auszug aus dem Buch
1.1.4 Diagnose „Alkoholismus“ in einer Trinkerkultur
Sobald eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert und nach den in Deutschland anerkannten ICD-10-Schlüsseln kodiert wird, gilt dies seit 1968 in Deutschland als eine Krankheit (Alkoholismus), die durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähig ist. Dies sollte einerseits die Behandlung für Alkoholiker erleichtern sowie die Reintegration in ein und Rehabilitation der Alkoholiker für ein „normales“ Leben ermöglichen und andererseits Vorurteile wie „Alkoholiker sind willensschwache Menschen“ abbauen (vgl. Rosta 2008: 52).
Dennoch änderte die juristische Auslegung, Alkoholismus als eine fremd gesteuerte Krankheit zu definieren, die einen Menschen unwillkürlich treffen kann und ihm die Willensfreiheit raubt, nicht viel daran, dass unter vielen Ärzten Alkoholpatienten bis heute noch zu den unbeliebtesten Patienten zählen. Dies liegt nicht allein daran, dass viele durch aggressives und unbeherrschtes Verhalten unangenehm auffallen und 6 % der Patienten vorzeitig aus der Therapie wegen Disziplinierungsproblemen entlassen werden müssen, sondern auch daran, dass sie die Krankheit als unnötig und vermeidbar bzw. als selbstverschuldet ansehen (vgl. Meyer 2008: 10). Auch sehen viele andere Menschen in der Gesellschaft die Krankheit Alkoholismus nicht als fremd gesteuert, sondern als selbstverschuldet an (vgl. Treeck 2004: 588). Dieses Denken äußert sich u.a. auch in der hohen Zahl unbehandelter Alkoholiker (man geht dabei von 90−99 % Prozent aus), die bis jetzt eine vielversprechende stationäre Langzeittherapie vermieden haben, u.a. aus Angst vor „Ablehnung“ oder „Entwertung“ (vgl. Lippert 2008: 3).
Hier spielt die Frage, ob Alkoholabstinenz sich als Norm in Deutschland etablieren soll oder nicht, eine ausschlaggebende Rolle. Einmal weil das Bewusstsein für die Gefahr der Droge Alkohol in der Bevölkerung anders wahrgenommen wird, wenn Alkoholabstinenz als normal gilt. Zweitens kann einzig und allein ein Alkoholabstinenzler das Risiko einer Alkoholabhängigkeit völlig bewusst ausschließen, während bei vielen „moderaten“ Alkoholtrinkern die Diagnose F10 schon eher zufällig oder fremd gesteuert erscheinen mag denn als selbst verschuldet, da schließlich nicht jeder alkoholkonsumierende Mensch zum Alkoholiker wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die gesellschaftliche und politische Problematik von Alkohol als akzeptierte Volksdroge ein und definiert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
1.1 Methode und Ziele: Hier wird der methodische Ansatz der qualitativen Literaturanalyse dargelegt und die Zielsetzung der Arbeit sowie die Definitionen der Suchtthematik nach ICD-10 präzisiert.
1.2 Zur Historie des Alkohols: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Werdegang des Alkoholkonsums von der Antike bis zu den Krisen der Moderne.
1.3 Erklärungsansätze für Suchtverhalten und Drogenkonsum: Das Kapitel widmet sich den neurobiologischen Grundlagen und Suchtprozessen, insbesondere der Wirkungsweise von Alkohol im Gehirn.
2 Deutschland − eine gestörte Alkoholkultur und ihre Früchte: Eine kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung und der politischen Klassifizierung von Alkohol im Vergleich zu illegalen Drogen.
2.1 Klassifikationen der Drogen im politischen und sozialen Kontext: Analyse der ambivalenten Drogenpolitik und der damit verbundenen gesellschaftlichen Wahrnehmung von Gefährlichkeit.
2.2 Alkoholexzesse ohne Altersgrenzen: Untersuchung von Koma-Trinken als phänomenologisches Problem, das alle Altersklassen und nicht nur Jugendliche betrifft.
2.3 Modifizierte Präventionsmaßnahmen: Bewertung bestehender Präventionsansätze und der Einflussnahme durch die Alkoholindustrie.
3 Interpretation eines volksumfassenden Alkoholkonsums/ -missbrauchs: Zusammenfassende Interpretation der Auswirkungen auf biologischer, psychologischer und soziologischer Ebene.
3.1 Neurobiologische Perspektive: Vertiefende Betrachtung der körpereigenen und exogenen Drogenwirkungen auf das Belohnungssystem des Gehirns.
3.2 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Suchtproblematik und Ausblick auf notwendige gesellschaftliche Veränderungen.
Schlüsselwörter
Alkohol, Suchtprävention, Drogenkonsum, Alkoholismus, Volksdroge, Neurobiologie, Suchtgedächtnis, Trinkkultur, Alkoholindustrie, Präventionsmaßnahmen, Komabesäufnis, Risiko, Abstinenz, Gesellschaft, Jugendliche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen und politischen Widersprüche im Umgang mit der legalen Volksdroge Alkohol in Deutschland und untersucht die Auswirkungen auf die Gesundheit und das Suchtverhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung, neurobiologische Suchtmechanismen, die gesellschaftliche Wahrnehmung (gestörte Trinkkultur) und eine kritische Auseinandersetzung mit Präventionsprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem verharmlosten Bild des Alkoholkonsums und seinen tatsächlichen negativen Folgen für die Gesellschaft und das Individuum aufzuzeigen und zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Literaturanalyse und einer umfassenden Überblicksdarstellung vorhandener empirischer Daten zu verschiedenen Aspekten der Alkoholproblematik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die neurobiologischen Grundlagen von Sucht, die historische Genese der Alkoholkultur, die politische Ambivalenz der Drogenklassifikation sowie spezifische Phänomene wie das Rauschtrinken bei Jugendlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Alkohol, Suchtprävention, Drogenkonsum, Alkoholismus, Volksdroge, neurobiologische Mechanismen, Trinkkultur und gesellschaftliche Verantwortung.
Warum wird Alkohol als „Volksdroge“ bezeichnet?
Aufgrund seiner weiten Verbreitung, tiefen historischen Verwurzelung und der gesellschaftlichen Akzeptanz trotz massiver gesundheitlicher Schäden nimmt Alkohol eine Sonderstellung ein, die ihn von illegalen Drogen unterscheidet.
Welche Rolle spielt die Alkoholindustrie bei Präventionsmaßnahmen?
Die Alkoholindustrie versucht durch eigene „Social-Aspects-Organisations“ die Präventionsarbeit mitzubestimmen, wobei der Fokus auf verhaltensorientierter Prävention liegt, um eine gesetzliche Reduktion des Konsums zu verhindern.
- Quote paper
- Steffen Schulze (Author), 2010, Alkohol, eine anerkannte Volksdroge und ihre Widersprüche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167158