[...] Im Folgenden soll dargelegt werden, wie die „Verfassung des Deutschen Reiches“ von 1849 zu Stande kam, inwiefern sie von liberalen Ideen beeinflusst wurde und welchen Einfluss sie auf spätere deutsche Verfassungen hatte.
Inhaltsverzeichnis
I. Liberale als Vermittler zwischen konservativer Obrigkeit und revolutionärem Volk
II. Die Geschichte der Paulskirchenverfassung
1. Forderungen der Liberalen im Vorfeld der Märzrevolution
2. Initiative des Bundestags in Frankfurt am Main zur Reform des Deutschen Bundes
3. Konkurrenz zwischen Revolution und Reform auf dem Weg zur Verfassung gebenden deutschen Nationalversammlung
4. Wahl und Zusammensetzung der Nationalversammlung
5. Einsetzung des Reichsverwesers als provisorische, zentrale Reichsgewalt
6. Die langwierige Debatte über die Grundrechte und ihre Ergebnisse
7. Wanken der Leitidee des Nationalstaats angesichts der Diskussion über die Staatsgrenzen
8. Der Kampf um das Wahlrecht
9. Machtgleichgewicht und Zentralisierung – Grundsätze der Verfassung von 1849
10. Ursachen für das Scheitern der Revolution und der Verfassung
III. Die historische Bedeutung der Paulskirchenverfassung
1. Die Verfassung der Deutschen Union 1850 – Paulskirchenverfassung und politische Realität
2. Die Verfassungen des Norddeutschen Bundes und des Kaiserreichs unter Bismarck’scher Prägung
3. Die Verfassung der Weimarer Republik – Die Mittlerin zwischen der Paulskirchenverfassung und dem Grundgesetz
4. Das Grundgesetz – Liberale Grundsätze bilden das Fundament der modernen Gesellschaftsordnung
IV. Die Paulskirchenverfassung als Grundlage moderner deutscher Verfassungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des deutschen Liberalismus während der Revolution von 1848/49 und analysiert die Entstehung sowie die historische Bedeutung der „Verfassung des Deutschen Reiches“. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, inwiefern die liberalen Ideen jener Zeit die Verfassungsgebung beeinflussten und welche langfristigen Auswirkungen dieses Werk auf die späteren deutschen Verfassungen, insbesondere das Grundgesetz, hatte.
- Entwicklung und Forderungen des politischen Liberalismus vor 1848
- Prozess der Verfassungsgebung in der Frankfurter Nationalversammlung
- Ursachen für das Scheitern der Revolution und der Paulskirchenverfassung
- Vergleichende Analyse: Paulskirchenverfassung, Weimarer Reichsverfassung und Grundgesetz
Auszug aus dem Buch
6. Die langwierige Debatte über die Grundrechte und ihre Ergebnisse
Das Parlament entschied, mit den Beratungen über die Grundrechte des deutschen Volkes zu beginnen und stufte damit das Ziel der Freiheit höher ein als das der Einheit. Gleichzeitig ließ es sich dadurch auf langwierige Debatten ein, und verlor so Zeit, in der die alten Mächte wieder erstarken konnten. Allerdings waren die Grundrechte die Hauptforderung der revolutionären Massen. Wenn man sie auf der Tagesordnung nicht an erste Stelle gesetzt hätte, wäre womöglich eine weitere Revolutionswelle über Deutschland herein gebrochen und gerade diese galt es zu verhindern. Vom 26. Mai bis zum 27. Dezember 1848 beriet der 30köpfige Verfassungsausschuss der Nationalversammlung über die Grundrechte, wobei diese über den bloßen Schutz des Individuums gegenüber anderen und gegenüber dem Staat hinaus gingen.
Man diskutierte auch über wirtschaftliche, soziale, kirchen- und schulrechtliche Gewährleistungen, und gerade über diese Belange bestand die größte Uneinigkeit. Letztlich blieben aber gerade die sozialen Grundrechte außen vor, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie „in den Augen der Liberalen die Freiheit beeinträchtigt“ und nicht etwa gefördert hätten. Offensichtlich befürchteten die Liberalen, dass die verarmten Massen in der Gewährung dieser Grundrechte einen Anspruch auf einen gewissen Wohlstand sehen würden, und dass sie notfalls gewaltsam versuchen würden, die dafür notwendigen finanziellen Mittel auf irgendeinem Weg dem vermögenden Bürgertum zu entziehen. Die letztendlich angenommenen Grundrechte waren vor allem traditionelle, wie sie bereits in den Verfassungen der Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreichs verankert waren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Liberale als Vermittler zwischen konservativer Obrigkeit und revolutionärem Volk: Einleitende Analyse der sozialen und politischen Spannungen im 19. Jahrhundert und der Rolle des Liberalismus als vermittelnde Kraft zwischen altem Adel und revolutionärem Bürgertum.
II. Die Geschichte der Paulskirchenverfassung: Detaillierte Darstellung des verfassungsgebenden Prozesses in der Frankfurter Nationalversammlung, von den ersten Forderungen über die Debatten zur Staatsform bis hin zum Scheitern der Revolution.
III. Die historische Bedeutung der Paulskirchenverfassung: Untersuchung der Nachwirkung der Paulskirchenverfassung auf spätere deutsche Staatsverfassungen, insbesondere im Hinblick auf das Kaisertum, die Weimarer Republik und das Grundgesetz.
IV. Die Paulskirchenverfassung als Grundlage moderner deutscher Verfassungen: Fazit zur bleibenden Bedeutung liberaler Ideale und der Vorarbeit des „Professorenparlaments“ für die heutige moderne Demokratie.
Schlüsselwörter
Liberalismus, Revolution 1848/49, Paulskirchenverfassung, Nationalversammlung, Grundrechte, Reichsverfassung, Verfassungsgeschichte, Parlamentarismus, konstitutionelle Monarchie, Grundgesetz, Weimarer Republik, Volkssouveränität, Einheitsstaat, Gewaltenteilung, Rechtsstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entstehung und Bedeutung der Verfassung der Frankfurter Nationalversammlung von 1849 und deren Einfluss auf den deutschen Konstitutionalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der politische Liberalismus des 19. Jahrhunderts, der Verlauf der Revolution von 1848/49 und die vergleichende Analyse historischer deutscher Verfassungsentwürfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie liberale Ideen aus der Paulskirche als Grundlage für spätere moderne deutsche Verfassungen, insbesondere das Grundgesetz, dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung relevanter Fachliteratur zur deutschen Verfassungsgeschichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Entstehungsprozesses der Paulskirchenverfassung sowie eine Untersuchung ihrer historischen Wirkung auf die politische Entwicklung Deutschlands bis 1949.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Paulskirchenverfassung, Liberalismus, Revolution 1848, Grundrechte und moderne Verfassungsentwicklung geprägt.
Warum wird das Parlament der Paulskirche oft als „Professorenparlament“ bezeichnet?
Die Bezeichnung rührt von der hohen Anzahl akademisch gebildeter Abgeordneter her, was zwar zu langwierigen Debatten führte, aber eine fundierte inhaltliche Arbeit ermöglichte.
Inwiefern beeinflusste die Paulskirchenverfassung das Grundgesetz?
Das Grundgesetz übernahm inhaltlich wichtige Elemente der Paulskirchenverfassung und der Weimarer Verfassung, wobei insbesondere der Schutz der Grundrechte nach den Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus in den Vordergrund rückte.
- Quote paper
- Tina Puscher (Author), 2000, Der politische Liberalismus in der Revolution von 1848/49 – Geschichte und historische Bedeutung der „Verfassung des Deutschen Reiches“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167181