Analyse, Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze zu Claude Monets "Le Déjeuner sur l´herbe"


Hausarbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rahmengeschichte zu Le Déjeuner sur l´herbe

3 Bildbeschreibung
3.1 Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe
3.2 Le Déjeuner sur l´herbe

4 Figurenanalyse
4.1 Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe
4.2 Le Déjeuner sur l´herbe

5 Technik und Licht

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

9 Abbildungsteil

1 Einleitung

„Ich kann an nichts anderes mehr denken als an das Bild, und wenn es mißlingt, werde ich wahrscheinlich verrückt“1

Diese Worte schrieb Monet seinem Freund Frédéric Bazille während der Ar- beit an den Studien zu seinem Gemälde Le Déjeuner sur l´herbe. Es war eines der Frühwerke im Œuvre Monets, das für dessen persönliche Entwicklung bedeutsam wie auch in seiner Entstehung und Technik äußerst innovativ war. Le Déjeuner sur l´herbe, zu Deutsch Das Frühstück im Grünen, sollte als erstes lebensgroßes Freilichtgemälde dem jungen Monet zum Rang eines all- gemein angesehenen Malers verhelfen, weshalb er ein derart einfaches, kommerzielles und publikumsfreundliches Motiv wählte: Eine Picknickszene im Wald. Er war regelrecht gebannt von dem Gedanken, ein Monumental- werk der Pleinairmalerei zu erschaffen. Doch seine Befürchtung trat ein und Probleme verschiedener Art bedingten, dass das Bild nicht rechtzeitig voll- endet, niemals öffentlich präsentiert wurde und heute nur noch in Fragmen- ten erhalten ist.

Aus diesem Grund stützt sich die Arbeit nicht allein auf das Hauptwerk, son- dern ebenfalls auf die Gesamtstudie Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe. Es soll im ersten Teil anhand verschiedener Forschermeinungen die Entstehung von Le Déjeuner sur l´herbe geschildert und die konkreten Probleme umrissen werden, die zum Scheitern des Projektes beitrugen. Die anschließende Bild- beschreibung erfolgt ohne zu Hilfename von wissenschaftlicher Literatur und betrachtet zunächst Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe, anhand welcher die signifikanten Veränderungen zum Hauptwerk dargelegt werden. Im letzten Schritt erfolgt eine genauere Analyse der beiden Werkversionen auf die zu Grunde liegenden Modelle sowie die Technik und damit verbundene Licht- wirkung. Die Dissertation von Beatrix Ahrens, die sich mit der Déjeuner- Malerei zur Zeit des Französischen Impressionismus und so unter anderem mit Monets Le Déjeuner sur l´herbe beschäftigt, dient hierfür als Grundlage.

2 Die Rahmengeschichte zu Le Déjeuner sur l´herbe

Nachdem Claude Monet im Jahre 1865 erstmals zwei Seestücke im Pariser Salon des Refusés ausstellen durfte und mit diesen beim Kunstpublikum auf unerwartet positive Resonanz stieß, nahm er sich vor, für das Folgejahr ein monumentales Werk zu erschaffen, das seine Reputation als Künstler erheb- lich steigern sollte. Den Anstoß für das geplante Gemälde gaben ihm nicht zuletzt die Bildwände seines Freundes und Künstlerkollegen Gustave Cour- bet, dessen Gruppenbilder von übergroßem Format als Orientierungswert für Le Déjeuner sur l´herbe dienten. Monets Werk sollte rund viereinhalb Me- ter in der Höhe und sechs Meter in der Länge messen, was annähernd den Maßen von Courbets Gruppengemälde L´Atelier entsprach.2

Die direkte Vorlage für Le Déjeuner sur l´herbe war jedoch das gleichnamige Gemälde Edouard Manets, das gerade zwei Jahre zuvor im Salon erschienen und als „skandalumwitterte ttraktion“3 heftig aber begeistert diskutiert worden war. An diesen Erfolg wollte Monet anknüpfen, gleichwohl dass den beiden Werken lediglich die Thematik der Picknickszenerie im Wald gemein sein sollte. Von Manets Orientierung an den alten Meistern (Raffael und Gior- gione), der akademiegerechten Malweise und den erotischen, anzüglichen und ironischen Anspielungen distanzierte sich Monet deutlich. Vielmehr war ihm daran gelegen, ein Flaggwerk der Freilichtmalerei von bisher nie dage- wesener Größe zu schaffen: eine reine Hommage an die Landschaft von Chailly-en-Bière als Mahlzeitendarstelllung im Freien, die zugleich den Zeit- geist der damaligen Pariser Gesellschaft widerspiegelte. Das Picknick war eine beliebte Freizeitgestaltung der Städter im 18. Jahrhundert. Monet selbst verbrachte die Ostertage 1863 gemeinsam mit den Künstlerkollegen Sisley, Bazille und Renoir im Wald von Fontainebleau und kehrte in den Monaten zwischen April und September 1865 dorthin zurück, um in eben diese Land- schaft die Picknickszene von Le Déjeuner sur l´herbe einzubetten.

Aufgrund der monumentalen Größe des geplanten Werks war es ihm jedoch unmöglich, die knapp 28 Quadratmeter große Leinwand auf die Waldlichtung zu transportieren und das Gemälde entsprechend en plein air zu gestalten. So musste sich Monet auf die Fertigung der Skizzen vor Ort beschränken, zu denen ihm Frédéric Bazille (Abb. 6) Modell stand.4

Doch die Vollendung der Studien verzögerte sich in Folge diverser gesundheitlicher und finanzieller Probleme Monets sowie der auseinandertriftenden Freundschaft zwischen ihm und Bazille.5 Schon nach wenigen Tagen im Wald von Fontainebleau erlitt Monet eine Beinverletzung.6

Schlechtes Wetter und die zwischenzeitliche Rückkehr Bazilles nach Paris erschwerten das Unterfangen zusätzlich.7

Nachdem Monet schließlich den ganzen Sommer im Freien verbracht und in Form dutzender fragmentarischer Skizzen, von denen heute nur noch wenige erhalten sind, die Waldlichtung von Fontainebleau (z.B. Le Pavé de Chailly, Abb. 4) sowie Einzelfiguren und Kombinationen (z.B. Les promeneurs, Abb. 5) studiert hatte, fertigte er einen farblich und kompositorisch vollständig aus- gearbeiteten Entwurf des geplanten Gesamtwerkes an, der heute im Pusch- kin-Museum in Moskau aufbewahrt ist. Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe (Abb. 3) misst 1,3 mal 1,81 Meter und soll im Folgenden aus Gründen der Vollständigkeit im Fokus der Betrachtung stehen, da verlorengegangene Elemente des Hauptwerks durch diese Studie erschließbar sind.8

Dass von Le Déjeuner sur l´herbe nur noch Fragmente bestehen, begründet sich durch die temporären, künstlerischen und finanziellen Probleme Mo- nets. Nachdem er mit großem zeitlichen Verzug, sämtliche Studien vervoll- ständigt hatte, widmete sich Monet gegen Oktober 1865 deren Übertragung auf die Großleinwand. Auch dies gestaltete sich schwieriger als vermutet, da sich seine, auf die kleineren Studien erfolgreich angewandte Maltechnik, auf das große Format nicht übertragen ließ.9

Kritik des Freundes Courbet, der als Vertreter der akademisch-naturgetreuen Malerei unter anderem die Skizzenhaftigkeit und technische Vielfalt von Le Déjeuner sur l´herbe bemängelte, entmutigten Monet zusätzlich bei der Arbeit an seinem Werk. 10

Der schlussendlich ausschlaggebende Faktor, der zum Versäumen des Salon- abgabetermins im März 1866 führte, war die Kündigung des gemeinsamen Ateliers von Monet und Bazille in der Rue de Furstenburg am 15. Januar des Abgabejahres. Aufgrund mangelnder Liquidität musste das Studio geräumt werden. Monets Einzug in die neue Werkstätte in der Rue Pigalle erfolgte erst einige Wochen später, in welchen ihm die Arbeit an Le Déjeuner sur l´herbe nicht möglich war. Das Projekt misslang und Le Déjeuner sur l´herbe konnte nicht rechtzeitig zur Salonausstellung fertiggestellt werden.11

Als Monet einige Zeit später, angesichts der monetären Notlage auch sein Haus verpfänden musste, ließ er das womöglich noch immer unvollständige Werk zusammengerollt im Keller zurück. Wegen der feuchten Kälte schim- melte das Leinen. Mit der späteren Auslösung der Immobilie, gelangte auch das mittlerweile stark lädierte Gemälde zurück in Monets Besitz, das jedoch auf Grund der Fäulnisschäden bis auf den heutigen Bestand beschnitten wer- den musste.12

Das knapp zweieinhalb mal zweieinhalb Meter große Mittelfragment (Abb. 2), das bis zu Monets Tod Teil dessen Atelierbestands war, das erhaltene Seitenstück (Abb. 1) und ein vermisstes drittes Fragment blieben von Le Déjeuner sur l´herbe übrig. Daher wird im folgenden Kapitel zunächst die vollständige Ölstudie Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe bezüglich der Farbgestaltung, Anordnung und besonderer Details näher betrachtet, um anschließend Rückschlüsse auf das Hauptwerk ziehen zu können.

3 Bildbeschreibung

3.1 Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe

Etude pour Le Déjeuner sur l´herbe zeigt eine zwölfköpfige Gruppe zu sieben Männern und fünf Frauen in zeitgenössischer Pariser Kleidung. Als Kulisse für die vormittägliche Picknickszene wählte Monet einen Hain im Wald von Fontainebleau, wo durch die umstehenden Buchen und Birken ein kontrast- reiches Lichtspiel auf den Körpern der Figuranten, auf dem Waldboden und dem ausgebreitetem Laken entsteht. Die Picknickenden lassen sich dabei, anhand ihrer Kommunikation unter- und der räumlichen Nähe zueinander in Gruppen einteilen: Die drei links Stehenden, die vier Personen hinter dem Speisenstillleben und die Fünfergruppe, die sich um die Birke sammelt.

Zu ersterer gehören die zwei Damen und der bärtige Herr im schwarzen An- zug, mit Zylinder und Spazierstock, welcher sich der Frau vor ihm zuwendet. Diese wiederum trägt ein weißes Kleid mit dazu passendem Hut. Ihr Gesicht ist im verschwindenden Profil zu sehen. Die Zweiergruppe ist beinah iden- tisch mit dem spazierenden Paar in Les promeneurs (Abb. 5) und damit laut Monets Titelzusatz, als Bazille und Camille (Abb. 7) zu identifizieren. Ange- sichts der lokalen Zusammengehörigkeit und der gleichgerichteten Bewe- gung nach hinten, gehört auch die, dem Betrachter abgewandte Frau im gel- ben, gerafften Kleid zu der Dreiergruppe. Auffällig an diesen Figuren sind die unklaren Übergänge der verschatteten Körperzonen, der Köpfe sowie des hinteren Arms des Herren in das Blatt- und Buschwerk des Waldes. Monet entfernt sich hier also zu Gunsten der Lichtwirkung von klaren Körpersilhou- etten.

Auch bei der zweiten Figurengruppe spielt die Beleuchtung eine entschei- dende Rolle. Es handelt sich um je zwei Männer und Frauen, die sich beinah dreieckskompositorisch auf bzw. hinter dem Picknicktuch platziert haben. Dabei blickt der links sitzende Herr mit angewinkeltem Bein als Einziger der zwölf Anwesenden zum Betrachter und nimmt damit, trotzdem er zu etwa einem Viertel vom Reifrock der Dame in Gelb verdeckt ist, eine präsente Rolle im Werk ein.

[...]


1 Gordon und Forge 1985, S. 23.

2 Vgl. Gordon und Forge 1985, S. 22.

3 L´Atelier, 1855, Öl auf Leinwand, 3,61 x 5,89 m, Paris, Musée du Louvre Ebd., S. 22.

4 Vgl. Wildenstein 1999, S. 58 f.

5 Bazille fühlte sich in dieser Zeit stark zu Renoir hingezogen und betrachtete die Zeit und Modellarbeit mit Monet zunehmend als Pflicht und Belastung. Erst auf einen verzweifel- ten Brief vom 16. August 1856 hin, kehrte er nach Chailly zurück um ihn bei der Fertig- stellung der Studien zu unterstützen.

6 Vgl. Dennler 2004, S. 692. Monet wurde von einem Bronzediskus verletzt, während er beistehende Kinder vor dem Wurfgerät spielender Passanden zu schützen versuchte. Bazille - seiner Zeit Medizinstu- dent - pflegte den Freund, der Heilungsprozess aber dauerte mehrerer Wochen.

7 Vgl. Wildenstein 1999, S. 59.

8 Vgl. Ahrens 2006, S. 116.

9 Vgl. Gordon und Forge 1985. S. 25 f.

10 Vgl. Seitz 1990. S. 72.

11 Vgl. Wildenstein 2003, S. 60 f. An dessen Stelle reichte Monet das, in angeblich nur vier Tagen gemalte, lebensgroße Ganzkörperportrait Camilles La Femme á la robe verte, 1866, Öl auf Leinwand, 1,51 x 2,31 m, Bremen, Kunsthalle ein.

12 Es ist anzumerken, dass das Mittelfragment später von unbekannter Hand und aus nicht geklärten Gründen nochmals um einige Zentimeter beschnitten wurde. In diesem Zu- stand ist es heute vorzufinden.

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Details

Titel
Analyse, Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze zu Claude Monets "Le Déjeuner sur l´herbe"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V167206
ISBN (eBook)
9783640836284
ISBN (Buch)
9783640836406
Dateigröße
1772 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse des Werks bzgl. Farbe, Licht, Figuren, usw., Entstehungsgeschichte, Interpretationsansätze
Schlagworte
Kunst, Kunstgeschichte, Claude Monet, Impressionismus, Klassische Moderne
Arbeit zitieren
Laura Näder (Autor), 2010, Analyse, Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze zu Claude Monets "Le Déjeuner sur l´herbe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167206

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