Die Übersetzung von literarischen Texten im Allgemeinen ist in der Literaturwissenschaft generell ein sehr umstrittenes Thema. Wozu dienen eigentlich Übersetzungen von literarischen Texten? Um die Texte jedem nahe zu bringen, vor allem den Lesern, die nicht der jeweiligen Sprache mächtig sind, werden diese in die Sprache des Lesers übersetzt. Jedoch ist die übersetzte Literatur nicht mit dem Original, das der Übersetzung zugrunde liegt, gleichzusetzen, da es oft durch sprachliche Hürden fast unmöglich ist das Original akkurat in der Übersetzung widerzugeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.2 Sind Gedichte übersetzbar?
1.2 Das Jiddische im Gegensatz zum Deutschen
2. Kontrastive Gedichtanalyse von „Di Wig“ und „Die Wiege“
2.1 Formale Analyse
2.2 Semantische und syntaktische Analyse
2.3 Interpretation
3. Versuch einer neuen Übersetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problematik der Übersetzung lyrischer Texte am Beispiel des jiddischen Gedichts „Di Wig“ von Lejb Kwitko und dessen deutscher Übertragung „Die Wiege“ von Hermann Hakel. Das primäre Ziel ist es, durch eine kontrastive Analyse die formalen, semantischen und syntaktischen Unterschiede zu beleuchten, um die grundsätzliche Übersetzbarkeit von Lyrik zu hinterfragen.
- Kontrastive Analyse der formalen Struktur und des Metrums
- Untersuchung semantischer Nuancen und Wortbedeutungen
- Vergleich der interkulturellen und sprachlichen Übertragbarkeit
- Interpretation der inhaltlichen Wirkungsweise beider Versionen
- Eigene Nachdichtung des Originals als praktischer Übersetzungsversuch
Auszug aus dem Buch
2.1 Formale Analyse
Wenn man nun beide Gedichte hinsichtlich der Formalität betrachtet, so sieht man schon auf den ersten Blick, dass sich beide Versionen des Gedichts von der äußeren Erscheinung her unterscheiden. Optisch sieht die Übersetzung schon geordneter aus als das Original. Dies liegt wohlmöglich an der unterschiedlichen Anzahl und Länge der Strophen.
„Di Wig“ besteht aus 14 Versen, die fünf Strophen bilden. Die erste und dritte Strophe bestehen aus je vier Versen, die zweite, vierte und fünfte Strophe aus jeweils zwei Versen. Von der Art und Anzahl der Verse ausgehend, könnte man sagen, dass es sich um ein Sonett handelt - jedoch eher um ein relativ frei gestaltetes Sonett. Hakel andererseits, gelingt es mit seiner Arbeit den angedeuteten „Sonettcharakter“ des Originals noch weiter auszuführen. Er orientiert sich am italienischen Sonett. Es besteht ebenfalls aus 14 Versen, die zusammen vier Strophen ergeben: zwei Quartette und zwei Terzette.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die allgemeine Problematik und die theoretischen Herausforderungen bei der Übersetzung von Lyrik zwischen zwei Sprachen.
1.2 Sind Gedichte übersetzbar?: Dieses Unterkapitel erörtert die Hürden der Metrik und Klanggestaltung, die eine exakte Übertragung lyrischer Texte extrem erschweren.
1.2 Das Jiddische im Gegensatz zum Deutschen: Hier werden die sprachlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Jiddischen zum Deutschen analysiert, um die Voraussetzungen für eine Übersetzung zu bewerten.
2. Kontrastive Gedichtanalyse von „Di Wig“ und „Die Wiege“: Dieses Kapitel bildet das Zentrum der Untersuchung, in dem beide Gedichte in formaler, inhaltlicher und sprachlicher Hinsicht gegenübergestellt werden.
2.1 Formale Analyse: Die formale Analyse konzentriert sich auf Strophenaufbau, Metrik und Reimschemata der beiden Fassungen.
2.2 Semantische und syntaktische Analyse: Dieser Abschnitt untersucht die sprachlichen Mittel und die Problematik der Übertragung spezifischer jiddischer Begriffe in den deutschen Kontext.
2.3 Interpretation: Hier wird der inhaltliche Kern der Gedichte interpretiert, wobei die unterschiedliche Wirkung der Motive wie Freiheit, Schutz und Krieg herausgearbeitet wird.
3. Versuch einer neuen Übersetzung: Der Autor präsentiert einen eigenen Übersetzungsversuch, der versucht, sowohl die formale Strenge als auch den inhaltlichen Ausdruck des Originals zu bewahren.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Gedichte aufgrund der Untrennbarkeit von Form und Inhalt eigentlich nicht übersetzbar sind, sondern nur nachgedichtet werden können.
Schlüsselwörter
Jiddisch, deutsche Lyrik, Lejb Kwitko, Hermann Hakel, Di Wig, Die Wiege, Übersetzbarkeit, Gedichtanalyse, Nachdichtung, Kontrastive Linguistik, Metrik, Reimschema, Interpretation, Übersetzungstheorie, Sprachvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schwierigkeit, ein jiddisches Gedicht ins Deutsche zu übersetzen, wobei die untrennbare Verbindung von Form und Inhalt im Fokus steht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die formale Analyse von Lyrik, kontrastive Sprachbetrachtung zwischen Jiddisch und Deutsch sowie die theoretische Debatte über die Übersetzbarkeit literarischer Texte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Ist Lyrik übersetzbar?“, wobei anhand der beiden Textfassungen aufgezeigt werden soll, ob eine äquivalente Wiedergabe überhaupt möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der kontrastiven Gedichtanalyse, ergänzt durch eine eigene Übersetzungsarbeit zur praktischen Erprobung der theoretischen Thesen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgen eine detaillierte formale und semantische Gegenüberstellung der beiden Gedichtversionen sowie eine Interpretation ihrer inhaltlichen Aussagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Übersetzbarkeit“, „Lyrik“, „Kontrastive Analyse“, „Nachdichtung“ und den Vergleich zwischen Jiddisch und Deutsch charakterisiert.
Warum wird das Gedicht „Di Wig“ als Beispiel gewählt?
„Di Wig“ von Lejb Kwitko dient als anschauliches Beispiel, da es trotz der Verwandtschaft zwischen Jiddisch und Deutsch erhebliche Herausforderungen in der formalen und inhaltlichen Wiedergabe durch den Übersetzer Hermann Hakel aufwirft.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Fazit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine reine „Übersetzung“ eines Gedichtes unmöglich ist, da Form und Inhalt untrennbar verschweißt sind; stattdessen entsteht bei jedem Versuch lediglich eine „Nachdichtung“.
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- Sven Rudolph (Author), 2011, Ist Lyrik übersetzbar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167238