Die Kommerzialisierung des Berufsfußballs in Deutschland ist in den ver-gangenen Jahren weit fortgeschritten. Die Sender ARD, DSF und ZDF ha-ben sich die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga für den Bereich des frei empfangbaren Fernsehens, die Deutsche Telekom AG für den Be-reich Internet und die Firma Arena für den Bereich der TV-Live-Übertragung (befristet bis 2009) teuer erkauft. Den Bundesligavereinen steht hieraus ein Rekordverwertungsbetrag von rund 1,26 Milliarden Euro zur Verfügung, was einer Summe von 420 Millionen Euro pro Spielzeit entspricht .
In Anbetracht dieser Summen ist nicht mehr von Fußballvereinen, sondern vielmehr von Fußballunternehmen auszugehen. Fraglich ist jedoch, ob auch den Vereinen die Umwandlung von Idealvereinen in Unternehmen durch die Einführung von Führungsstrukturen und Steuerungsinstrumenten geglückt ist. Die regelmäßigen Berichte in der Medien- und Literaturlandschaft zur finanziellen Lage des Berufsfußballs lassen eher auf das Gegenteil schließen Vielmehr stellen die niedrige Eigenkapitalausstattung und der hohe Verschuldungsgrad der meisten deutschen Profiklubs ein existenzge-fährdendes Problem dar. Doch wie können die finanziellen Aufwendungen der Fußballunternehmen und dabei insbesondere die Investitionstätigkeiten einerseits wirtschaftlich sinnvoll und andererseits sportlich erfolgreich ge-staltet werden?
Die vorliegende Arbeit versucht, die Frage durch eine Literaturanalyse verschiedener Forschungsarbeiten zum Investitionscontrolling in Fußball-unternehmen im Hinblick auf ihre Hauptinvestitionstätigkeit im sportlichen Bereich (Spielerinvestitionen) sowie im infrastrukturellen Bereich (Stadion-investitionen) zu beantworten. Andere Investitionstätigkeiten sollen dabei aus Gründen der Übersichtlichkeit unberücksichtigt bleiben. Ziel der Arbeit ist eine kritische Würdigung der vorhandenen Studien sowie das Aufdecken von Forschungslücken zum Investitionscontrolling des sportlichen und in-frastrukturellen Bereichs in Fußballunternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangslage: Die Fußball-Bundesliga als Wirtschaftszweig
3. Investitionscontrolling
3.1. Investitionsbegriff
3.2. Controlling
3.2.1. Controllingbegriff
3.2.2. Strategisches und operatives Controlling
3.3. Investitionscontrolling
3.3.1. Aufgaben des Investitionscontrollings
3.3.2. Ziele des Investitionscontrollings
3.3.3. Instrumente des Investitionscontrollings
3.3.3.1 Statische Verfahren der Investitionsrechnung
3.3.3.1.1. Kostenvergleichsrechnung
3.3.3.1.2. Gewinnvergleichsrechnung
3.3.3.1.3. Rentabilitätsvergleichsrechnung
3.3.3.1.4. Statische Amortisationsrechnung
3.3.3.1.5. Nutzwertanalyse
3.3.3.2. Dynamische Verfahren der Investitionsrechnung
3.3.3.2.1. Kapitalwertmethode
3.3.3.2.2. Interne Zinsfuß-Methode
3.3.3.2.3. Dynamische Amortisationsrechnung
3.3.3.2.4. Vollständiger Finanzplan (VOFI)
3.3.3.3. Verfahren unter Unsicherheit
3.3.3.3.1. Sensitivitätsanalyse
3.3.3.3.2. Risikoanalyse
3.3.3.3.3. Entscheidungsbaumverfahren
3.3.3.3.4. Realoptionsmethode
4. Fußballunternehmen
4.1. Rechtliche Rahmenbedingungen
4.2. Institutionelle Rahmenbedingungen
4.3. Zielsetzungen und Zielsystem von Fußballunternehmen
4.4. Management von Fußballunternehmen
4.4.1. Steuerung und Controlling von Fußballunternehmen
4.4.2. Risikomanagement zur Koordination zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg
4.4.3. Investitionsfelder von Fußballunternehmen (Überblick)
5. Investitionscontrolling bei Spielerinvestitionen
5.1. Ausgangslage und Problemstellung
5.2. Historie der Forschung
5.3. Methoden zum Controlling von Spielerinvestitionen
5.3.1. Controlling von Spielerinvestitionen durch statische Verfahren
5.3.2. Kapitalwertbasiertes Investitionscontrolling
5.3.3. Investitionscontrolling durch Vollständige Finanzpläne
5.3.4. Sensitivitätsanalysegestütztes Investitionscontrolling
5.3.5. Realoptionsbasiertes Investitionscontrolling
5.3.6. Investitionscontrolling durch Humanvermögensrechnung
5.3.7. Statistisch-analytische Verfahren zum Investitionscontrolling
5.3.7.1. Market-Approach
5.3.7.2. Regressionsanalytische Modelle
5.3.7.3. Scoring-Modelle
5.4. Fazit
6. Investitionscontrolling im Anlagenbereich
6.1. Ausgangslage und Problemstellung
6.2. Historie der Forschung
6.3. Controlling von Stadioninvestitionen
6.3.1. Statische Verfahren des Investitionscontrollings
6.3.2. Kapitalwertbasiertes Investitionscontrolling
6.3.3. Sensitivitätsanalysegestütztes Investitionscontrolling
6.3.4. Finanzierungsformbasiertes Investitionscontrolling
6.3.4.1. Public-Private-Partnership (PPP)
6.3.4.2. Asset-Backet-Securitization (ABS)
6.3.4.3. Leasingmodelle
6.4. Fazit
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Investitionscontrolling in Fußballunternehmen, um Methoden zur wirtschaftlich sinnvollen Planung und Steuerung von Investitionen zu evaluieren. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie Investitionen – insbesondere in den Bereichen Spielervermögen und Infrastruktur – trotz der inherenten Unsicherheit und Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg ökonomisch fundiert bewertet werden können.
- Wirtschaftliche Bedeutung und Rahmenbedingungen der Fußball-Bundesliga
- Grundlagen des Investitionscontrollings (Methoden und Instrumente)
- Investitionscontrolling bei Spielerinvestitionen (Analyse aktueller Studien)
- Investitionscontrolling bei Stadioninvestitionen (Finanzierungsformen und Risiken)
- Synthese und Ausblick zur Anwendung professioneller Controlling-Verfahren im Profifußball
Auszug aus dem Buch
3.3.3.2.1. Kapitalwertmethode
Das Kapitalwertverfahren (net present value) bezieht die bis zum Ende der Nutzungsdauer (voraussichtliches Vertragsende t = n) erwarteten und zu rechenbaren Zahlungen (ct) durch Diskontierung mit dem Kalkulationszinsfuß (i) auf den Entscheidungszeitpunkt (t0) zurück. Formal lässt sich der Kapitalwert einer solchen Zahlungsreihe wie folgt bestimmen:
Ist der Kapitalwert einer Investition positiv, vermehrt die Durchführung des Investitionsprojektes den Unternehmenswert und ist als positiv einzustufen. Bei der Auswahl unter mehreren Investitionsprojekten ist dasjenige, mit dem höchsten (positiven) Kapitalwert auszuwählen. Maßgeblicher Einflussfaktor für die Höhe des zu ermittelnden Kapitalwertes ist die Wahl des Kalkulationszinsfußes. Je höher das Risiko der Investition eingestuft wird, desto höher sollte auch der Kalkulationszins gewählt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Kommerzialisierung im Profifußball und der resultierenden Notwendigkeit für professionelle Controlling-Strukturen.
2. Ausgangslage: Die Fußball-Bundesliga als Wirtschaftszweig: Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und des gestiegenen Kapitalbedarfs durch den Wandel von Vereinen zu Fußballunternehmen.
3. Investitionscontrolling: Definition und Abgrenzung von Investition und Controlling sowie Vorstellung grundlegender statischer und dynamischer Investitionsrechnungsverfahren.
4. Fußballunternehmen: Untersuchung der rechtlichen und organisatorischen Besonderheiten von Bundesligavereinen sowie der Zielsetzung und Steuerungsmöglichkeiten durch Risikomanagement.
5. Investitionscontrolling bei Spielerinvestitionen: Kritische Literaturstudie zur Bewertung von Humankapital, insbesondere unter Anwendung dynamischer Verfahren wie Vollständigen Finanzplänen und statistischen Modellen.
6. Investitionscontrolling im Anlagenbereich: Betrachtung von Stadioninvestitionen, insbesondere unter Berücksichtigung verschiedener Finanzierungsmodelle wie Public-Private-Partnership oder Asset-Backet-Securitization.
7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Aufzeigen von Forschungslücken bezüglich der methodischen Kombination zur Bewältigung der Unsicherheit des sportlichen Erfolgs.
Schlüsselwörter
Investitionscontrolling, Fußballunternehmen, Bundesliga, Spielerinvestitionen, Stadioninvestitionen, Investitionsrechnung, Kapitalwertmethode, Vollständige Finanzpläne, Risikomanagement, Humankapital, Regressionsanalyse, Scoring-Modelle, Professionalisierung, Finanzierungsformen, Wirtschaftlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Publikation analysiert den aktuellen Stand der Forschung zum Investitionscontrolling in deutschen Fußballunternehmen, wobei insbesondere die Bereiche Spielerkader und Stadioninfrastruktur im Fokus stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Professionalisierung des Managements im Profifußball, die Bewertung von Humankapital (Spieler) und Sachanlagen (Stadien) mittels verschiedener betriebswirtschaftlicher Investitionsrechnungen sowie die Einbindung dieser Methoden in ein effektives Risikomanagement.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist eine kritische Würdigung vorhandener Studien zur Investitionsbewertung im Fußball und das Aufdecken von Forschungslücken, um dem Management eine Basis für wirtschaftlich sinnvollere Entscheidungen zu liefern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturstudie (Stand der Forschung), in der verschiedene quantitative Methoden wie die Kapitalwertmethode, Vollständige Finanzpläne (VOFI), Regressionsanalysen und Scoring-Modelle analysiert und kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Herausforderungen bei Spielerinvestitionen und Stadioninfrastruktur, wobei untersucht wird, welche Instrumente zur Überwindung der Unsicherheiten des sportlichen Erfolgs am besten geeignet sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Investitionscontrolling, Spielerinvestitionen, Stadioninvestitionen, Kapitalwert, Vollständige Finanzpläne, Regressionsanalyse, Scoring-Modelle und Fußball-Bundesliga.
Warum ist das klassische Controlling im Profifußball problematisch?
Der unplanbare "Glücksfaktor" des sportlichen Erfolgs macht klassische, auf sicheren Erwartungswerten basierende Modelle oft unzureichend, da sich die Einnahmen direkt mit der sportlichen Leistung verändern.
Welche Bedeutung hat das "Bosman-Urteil" für diese Untersuchung?
Das Urteil hat den Transfermarkt maßgeblich verändert, indem es Ablösefreiheit nach Vertragsende einführte, was die Bedeutung der Rentabilitätsplanung für Spielerinvestitionen für Fußballunternehmen deutlich erhöht hat.
Was ist das Fazit der Arbeit zu Stadioninvestitionen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Stadioninvestitionen heute meist nur durch komplexe vertragliche Zusammenschlüsse mehrerer Kapitalgeber realisierbar sind und das Investitionscontrolling stark von der gewählten Finanzierungsform abhängt.
Welcher methodische Ansatz wird für die Zukunft empfohlen?
Es wird eine mehrstufige Kombination empfohlen: Erstbewertung mittels Kapitalwert- oder Finanzplanmodellen für verschiedene Szenarien, gefolgt von einer Verfeinerung durch statistisch-analytische Scoring-Modelle, um flexiblere und marktgerechtere Entscheidungen zu ermöglichen.
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- Dipl.-Kfm. Patrick Kassing (Author), 2006, Investitionscontrolling in Fußballunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167239