In der folgenden Arbeit werden zwei für den Roman aussagekräftige Personen - unter Berücksichtigung ihrer religiösen und moralischen Ansichten - charakterisiert. Dies dient dazu herauszuarbeiten, inwiefern das moralische und religiöse Setting der einzelnen Personen für den Roman von Bedeutung ist oder nicht. Genauer gesagt geht es darum, ob die Personen gänzlich andere religiöse Ansichten vertreten könnten, ohne dass dies den Handlungsverlauf des Romans beeinträchtigen würde.
Natürlich ist in dem begrenzten Umfang dieser Arbeit keine vollständige Analyse jeder einzelnen, für die Handlung wichtigen, Person möglich, daher werden exemplarisch die jeweils aussagekräftigste Haupt- und Nebenfigur herangezogen, um eine Charakteristik zu erstellen.
Desweiteren wird am Rande der Personencharakteristik bei Josef Maria Hüttenberger ebenfalls auf den Ort, an dem sich in Kapitel XXIV befindet, einzugehen sein, um dadurch einen Blick darauf zu werfen, wie der Ort von den Autoren inszeniert wird und welche Wirkung das wiederum auf den Leser hat. Dieser Ort korrespondiert hierbei durchaus, wie im Laufe der Analyse deutlich zu Tage treten wird, mit der moralischen und religiösen Gesinnung, des sich dort befindenden Josef Maria Hüttenberger.
Gliederung
1. Einleitung
2. Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman Der zerrissene Rosenkranz von Fröhling & Reuß
2.1. Charakterisierung von Josef Maria Hüttenberger
2.1.1. Zu seiner Person
2.1.2. Exerzitienhaus <Zu den Schmerzen Mariens>
2.2. Charakterisierung von Dr. Philipp Laubmann
2.2.1. Zu seiner Person
2.2.2. Das moralische Verhalten Philipp Laubmanns
2.2.3. Hätte nur ein Moraltheologe bei der Aufklärung des Falls helfen können?
2.3. Vergleich der Charakteristiken Hüttenbergers und Laubmanns
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die religiösen und moralischen Charakteristika der Haupt- und Nebenfiguren im Kriminalroman "Der zerrissene Rosenkranz" von Stefan Fröhling und Andreas Reuß. Ziel ist es, herauszuarbeiten, inwiefern das religiöse Umfeld und die moralische Einstellung der Protagonisten für die Handlung und die Lösung des Kriminalfalls von Bedeutung sind.
- Charakteranalyse von Josef Maria Hüttenberger als Vertreter eines erzkonservativen Glaubensbildes.
- Untersuchung der Rolle von Dr. Philipp Laubmann und dessen ambivalenter Moralität bei der Fallaufklärung.
- Analyse des Schauplatzes "Exerzitienhaus <Zu den Schmerzen Mariens>" als Spiegelbild religiöser Gesinnung.
- Kritische Reflexion über die Notwendigkeit moraltheologischer Fachkenntnisse für die polizeiliche Ermittlungsarbeit.
- Gegenüberstellung der gegensätzlichen Weltanschauungen von Hüttenberger und Laubmann.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Zu seiner Person
Josef Maria Hüttenberger wird gleich bei seiner ersten Erwähnung in Kapitel V als anders und merkwürdig dargestellt. Es scheint keine Diskussion zu geben „bei der Hüttenbergers Meinung nicht von vorneherein unverrückbar festgelegt gewesen wäre“2. Auch wird ihm von Laubmann „Mangel an Kritikfähigkeit, an Problembewusstsein und echtem Differenzierungsvermögen“ (ZR, S. 53) bescheinigt. Ebenfalls beschreibt er ihn als „erzkonservativ“ (ZR, S. 53), wobei er versucht der Kirchenobrigkeit nach dem Mund zu reden.
Selbst die Menschen, die er sich aussucht, um mit ihnen zu diskutieren, sind „Opfer“ (ZR, S. 54), die keine Chance haben ihre wirkliche Meinung vorzubringen. Laubmann geht sogar so weit zu sagen, dass Hüttenberger immer nach dem gleichen Muster ein „Gespräch“ führt. Gespräch wird hier in Anführungszeichen gesetzt, da man bei den meisten Auseinandersetzungen mit Hüttenberger kaum von einem echten auf Gegenseitigkeit beruhenden Gespräch ausgehen kann. Josef Maria scheint „extrem konservative Bemerkungen“ (ebd.) zu streuen wie Köder und wartet dann darauf, dass jemand darauf eingeht, um diesem die Grundsätze der katholischen Kirche zu erläutern und harte Strafen zu fordern für im Moment gar nicht vorhandene Täter. Laubmann beschreibt das als die reinste „Inquisition“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den thematischen Fokus auf die katholische Kirche im Roman "Der zerrissene Rosenkranz" und definiert das Ziel, exemplarische Charaktere moralisch-religiös zu analysieren.
2. Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman Der zerrissene Rosenkranz von Fröhling & Reuß: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Figuren Hüttenberger und Laubmann sowie deren Umfeld, um ihre moralischen Ansichten und deren Relevanz für den Kriminalfall zu bestimmen.
3. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die gegensätzlichen Figuren wichtige Spannungsfelder innerhalb des katholischen Denkens aufzeigen, wobei die moralische Vorbildfunktion des Moraltheologen bei der Kriminalfallaufklärung relativiert wird.
Schlüsselwörter
Moraltheologie, Katholische Kirche, Kriminalroman, Josef Maria Hüttenberger, Philipp Laubmann, Charakteranalyse, Buße, Zölibat, Religion, Ermittlungsarbeit, Fanatismus, Schuld, Exerzitienhaus, Der zerrissene Rosenkranz, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Charakteranalyse der Protagonisten im Roman "Der zerrissene Rosenkranz" unter besonderer Berücksichtigung ihrer religiösen und moralischen Einstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Konzepte von Buße und Moral, das Spannungsfeld zwischen klerikaler Tradition und Moderne sowie die Rolle der Religion innerhalb der Kriminalhandlung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, ob die religiöse und moralische Gesinnung der Figuren für den Handlungsverlauf des Romans konstitutiv ist oder ob auch anders geartete Personen die Ermittlungen hätten führen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, indem sie Zitate und Beschreibungen aus dem Roman heranzieht, um die Charaktereigenschaften und das moralische Handeln der Figuren systematisch zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung von Hüttenberger und Laubmann, die Analyse des Exerzitienhauses als Symbolraum und einen direkten Vergleich beider Figuren hinsichtlich ihrer Argumentationsweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Moraltheologie, Kriminalistik, religiöser Konservatismus, Schuldverständnis und literarische Charakteranalyse charakterisieren.
Wie wird das moralische Verhalten von Dr. Philipp Laubmann beurteilt?
Laubmann wird als ambivalent beschrieben; obwohl er Moraltheologe ist, stellt er bei der Aufklärung des Falls seinen detektivischen Spürsinn über moralische Bedenken, was er selbst als "Nachlässigkeit in moralischen Dingen" bezeichnet.
Was zeichnet die Figur des Josef Maria Hüttenberger aus?
Hüttenberger wird als erzkonservativer "Fanatiker" charakterisiert, der sich selbst durch ständige, oft stellvertretende Bußhandlungen und ein starres, regelbasiertes religiöses Verständnis definiert.
Welche Bedeutung hat das Exerzitienhaus im Roman?
Das Gebäude dient als Spiegelbild von Hüttenbergers düsterer Gesinnung; es wird als "gottlos" und "unheimlich" beschrieben und unterstreicht die Entfremdung der dort agierenden Traditionalisten von der offiziellen Kirche.
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- Michael Rößlein (Author), 2010, Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman "Der zerrissene Rosenkranz" von Fröhling & Reuß , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167246