Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman "Der zerrissene Rosenkranz" von Fröhling & Reuß


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman 3. Der zerrissene Rosenkranz von Fröhling & Reuß
2.1. Charakterisierung von Josef Maria Hüttenberger
2.1.1. Zu seiner Person
2.1.2. Exerzitienhaus <Zu den Schmerzen Mariens>
2.2. Charakterisierung von Dr. Philipp Laubmann
2.2.1. Zu seiner Person
2.2.2. Das moralische Verhalten Philipp Laubmanns
2.2.3. Hätte nur ein Moraltheologe bei der Aufklärung
2.2.4. des Falls helfen können?
2.3. Vergleich der Charakteristiken Hüttenbergers und
2.4. Laubmanns

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

5. Siglenverzeichnis

1. Einleitung

Im Roman Der zerrissene Rosenkranz von Stefan Fröhling und Andreas Reuß geht es vornehmlich um die Religion, genauer gesagt um die katholische Kirche. Hierfür bietet sich das Erzbistum Bamberg mit seiner katholischen Fakultät geradezu an. Auch die beiden Autoren stammen aus Bamberg, daher lag es wohl auf der Hand über ihre Heimatstadt einen Roman zu schreiben. In einem Interview sagt Fröhling: „Was liegt näher, als Kriminalgeschichten mit einem Moraltheologen zu erzählen? In seiner Disziplin geht es elementar um Gut und Böse. Und genau darum geht es im Krimi.“[1] So haben es die beiden Autoren letztlich auch umgesetzt, sowohl der größte Teil der Handlung spielt im kirchlichen Umfeld, als auch die geführten Gespräche drehen sich um religiöse Praktiken oder andere Dinge aus der Tradition der Kirche. Der „ehrenamtlich“ Ermittelnde ist Moraltheologe, er geht den beiden Kommissaren, die mit den kirchlichen Praktiken nicht allzu sehr vertraut sind, zur Hand. Er ist es auch, der letztlich den Fall lösen kann. Auch die vier Verdächtigen stehen alle durch ihre Arbeit in Verbindung mit der katholischen Fakultät und somit der katholischen Kirche an sich. Es werden diverse Themen, wie der Zölibat angesprochen, die schon lange für Diskussionen innerhalb der Kirche sorgen. Dabei vertreten einzelne Parteien innerhalb des Romans verschiedene Standpunkte, was zwangsläufig zu Spannungen und Auseinandersetzungen führen muss. Der Leser darf gespannt sein.

In der folgenden Arbeit werden zwei für den Roman aussagekräftige Personen - unter Berücksichtigung ihrer religiösen und moralischen Ansichten - charakterisiert. Dies dient dazu herauszuarbeiten, inwiefern das moralische und religiöse Setting der einzelnen Personen für den Roman von Bedeutung ist oder nicht. Genauer gesagt geht es darum, ob die Personen gänzlich andere religiöse Ansichten vertreten könnten, ohne dass dies den Handlungsverlauf des Romans beeinträchtigen würde.

Natürlich ist in dem begrenzten Umfang dieser Arbeit keine vollständige Analyse jeder einzelnen, für die Handlung wichtigen, Person möglich, daher werden exemplarisch die jeweils aussagekräftigste Haupt- und Nebenfigur herangezogen, um eine Charakteristik zu erstellen.

Desweiteren wird am Rande der Personencharakteristik bei Josef Maria Hüttenberger ebenfalls auf den Ort, an dem sich in Kapitel XXIV befindet, einzugehen sein, um dadurch einen Blick darauf zu werfen, wie der Ort von den Autoren inszeniert wird und welche Wirkung das wiederum auf den Leser hat. Dieser Ort korrespondiert hierbei durchaus, wie im Laufe der Analyse deutlich zu Tage treten wird, mit der moralischen und religiösen Gesinnung, des sich dort befindenden Josef Maria Hüttenberger.

2. Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman Der zerrissene Rosenkranz von Fröhling & Reuß

2.1. Charakterisierung von Josef Maria Hüttenberger

2.1.1. Zu seiner Person

Josef Maria Hüttenberger wird gleich bei seiner ersten Erwähnung in Kapitel V als anders und merkwürdig dargestellt. Es scheint keine Diskussion zu geben „bei der Hüttenbergers Meinung nicht von vorneherein unverrückbar festgelegt gewesen wäre“[2]. Auch wird ihm von Laubmann „Mangel an Kritikfähigkeit, an Problembewusstsein und echtem Differenzierungsvermögen“ (ZR, S. 53) bescheinigt. Ebenfalls beschreibt er ihn als „erzkonservativ“ (ZR, S. 53), wobei er versucht der Kirchenobrigkeit nach dem Mund zu reden.

Selbst die Menschen, die er sich aussucht, um mit ihnen zu diskutieren, sind „Opfer“ (ZR, S. 54), die keine Chance haben ihre wirkliche Meinung vorzubringen. Laubmann geht sogar so weit zu sagen, dass Hüttenberger immer nach dem gleichen Muster ein „Gespräch“ führt. Gespräch wird hier in Anführungszeichen gesetzt, da man bei den meisten Auseinandersetzungen mit Hüttenberger kaum von einem echten auf Gegenseitigkeit beruhenden Gespräch ausgehen kann. Josef Maria scheint „extrem konservative Bemerkungen“ (ebd.) zu streuen wie Köder und wartet dann darauf, dass jemand darauf eingeht, um diesem die Grundsätze der katholischen Kirche zu erläutern und harte Strafen zu fordern für im Moment gar nicht vorhandene Täter. Laubmann beschreibt das als die reinste „Inquisition“ (ebd.). Genau in dieses Bild von Hüttenberger passen auch die Drohbriefe, die von „Höllenstrafen“ (ZR, S. 62) sprechen, wenn Professor Konrad seine „Liebesbeziehung nicht sofort beende[t], weil [ihm] das als Kleriker nicht erlaubt sei“ (ebd.). Laubmann traut ihm das zu, da Hüttenberger ein „verzweifelter Mensch“ (ZR, S. 64) ist, der seine „gestrengen Ansichten“ (ebd.) durchaus auch mit „Rücksichtslosigkeit“ (ebd.) durchsetzen würde. Vor allem bei einem so gravierenden Verstoß eines Priesters gegen den Zölibat. Doch Hüttenberger ist dennoch aufrichtig genug zuzugeben, dass er der nun nicht mehr anonyme Briefeschreiber gewesen ist, als Philipp Laubmann ihn zu sich nach Hause zum Essen einlädt, um ihn auszuhorchen.

Als Hüttenberger in Kapitel VIII zum Abendessen erscheint, wird dieser von Laubmann auch als ein „Martyriumsaspirant“ (ZR, S. 85) bezeichnet, zwar nicht ihm direkt, sondern dem Leser gegenüber, bevor Hüttenberger eintrifft. Darauf wird im Verlauf der Arbeit noch genauer einzugehen sein.

Als Philipp seine vorzeigbaren theologischen Werke vor die eventuell bei Hüttenberger zu Diskussionen herausfordernden Bücher stellt, nimmt Laubmann damit Rücksicht auf die „geistige Enge seines Besuchers“ (ZR, S. 87). Hier wird deutlich, dass Laubmann weiß, dass Hüttenberger gar nicht anders könnte, als darüber mit ihm zu diskutieren. Doch Laubmann möchte ihn in diesem Fall des Drohbriefschreibens überführen, daher kann er derartige Ablenkungen nicht gebrauchen. In dieser Szene ist auch das erste Mal von Hüttenberger als „Fanatiker“ (ZR, S. 88) die Rede, was durchaus eine nicht unerhebliche Steigerung dazu ist, dass er vorher nur als erzkonservativ bezeichnet wurde. Wieso dieser als Fanatiker bezeichnet wird, zeigt sich in einem der folgenden Kapitel, in der auch auf das Martyrium des Josef Maria eingegangen wird. „Das Leid ist oft am anregendsten“ (ZR, S. 91), sagt Hüttenberger noch beim Essen, doch während sich Laubmann mit dem Leid von Franziska Ruhland beschäftigt, spielt dieser wohl eher auf sein eigenes Leid an. Er scheint sich am wohlsten zu fühlen, wenn er selbst für Sünden büßt, die er gar nicht selbst begangen hat.

In Kapitel XV entfaltet sich die Sicht Josef Maria Hüttenbergers auf die Sünde der Welt. Er befindet sich gerade auf einem Bußmarsch von Bamberg aus zum Exerzitienhaus <Zu den Schmerzen Mariens>. Auf diesem Weg bekommt der Leser einen Eindruck, was in diesem Menschen vorgehen muss. Hüttenberger ist sehr wohl klar, dass er selbst keine Sünde begangen hat, aber er muss für die Sünden anderer Buße tun, da es sonst niemand macht. „Solche Leute wie Konrad […] verstießen durch ihren Lebenswandel ständig gegen ihre Gelübde, um damit den wahren Büßern wie ihm, Josef Maria Hüttenberger, um so mehr Pein aufzuladen.“ (ZR, S. 164) An dieser Aussage Hüttenbergers lässt sich erkennen, dass er ein zutiefst „gequälter Mensch [ist], der sich zu allem Überfluss selber die Schuld daran gab und überzeugt war , nur durch sich selbst auferlegte Bußhandlungen Friede in sich zu finden“ (ebd.). Das heißt, nur durch diese „sich selbst auferlegte[n] Bußhandlungen“ (ebd.) kann Hüttenberger wieder für einige Zeit zur Ruhe kommen. Die hohe Frequenz seiner Buße lässt allerdings den Rückschluss zu, dass dies immer nur eine Lösung für kurze Zeit darstellt. Selbst als er vom vielen Laufen Blasen an den Füßen hat und diese im Wasser kühlen muss, akzeptiert er es nicht, dass das angenehm temperierte Wasser seinen Füßen gut tut, sondern er steigert sich „geistig in eine Bußsituation hinein“ (ZR, S. 162). Er kann dieses angenehme und wohltuende Gefühl an seinen Füßen nicht ertragen, da er sich doch gerade auf einem Bußmarsch befindet und dort sind solch angenehme Dinge fehl am Platze. Hüttenberger befindet sich hier sozusagen in einem ewigen Kreislauf, die Verfehlungen der Menschen nehmen zu und umso mehr diese ansteigen, muss er sich selbst Bußhandlungen auferlegen, um in sich selbst Friede zu finden. Aus diesem Grund „verrannte [er] sich regelmäßig in die längsten Serien von Litaneien, in Rosenkränze und sogenannte Ewige Anbetungen. Er bedachte nicht, dass Beten etwas anderes, viel Menschlicheres sein musste.“ (ZR, S. 164f.) Diese Aussage würde implizieren, dass – nach der Ansicht Hüttenbergers - je mehr Gebete jemand in einer bestimmten Zeit abhandeln kann, desto mehr Sünden können auch vergeben werden. Es geht Hüttenberger also nicht um persönlichen Kontakt zu Gott, der auf selbsterdachten Gebeten und Hilferufen basiert, sondern einzig und allein auf möglichst viele Gebete, um eine möglichst hohe Bußleistung zu erzielen. Aus diesem Grund verbringt er zu einem anderen Zeitpunkt zwölf Stunden in der Kirche St. Veit bei einer Sühnenacht, in der er wiederum für nicht von ihm selbst begangene Sünden Buße tut.

2.1.2. Exerzitienhaus <Zu den Schmerzen Mariens>

Das Exerzitienhaus ist im Zusammenhang mit dem religiösen Verhalten Hüttenbergers ebenfalls einer Betrachtung wert, da die Darstellung dessen durchaus mit dem gezeichneten Bild des Charakters Hüttenbergers korreliert.

Der Leser erfährt zunächst nicht, welches Ziel die Wanderung von Josef Maria in Kapitel XV hat, erst als dieser bei Philipps Cousine angerufen hat und ihr mitteilt, wo er sich befindet, machen sich Glaser und Laubmann auf den Weg, um Hüttenberger einen Besuch abzustatten. In diesem Zuge erfährt der Leser, wie das Gebäude auf den Kriminalhauptkommissar und den Moraltheologen wirkt. Das Gelände auf dem sich das Haus befindet ist in einem „abgelegenen Seitental“ (ZR, S. 243), es scheint auf größere Besucherzahlen ausgelegt zu sein, obwohl so eine Art von Exerzitienhaus von offizieller Kirchenseite nicht gerne gesehen wird. Dennoch scheint es Bedarf nach solchen Einrichtungen zu geben, da sich auf dem Parkplatz nicht wenige Autos zu befinden. Zudem verbreitet „die Anlage […] trotz des Sonnenscheins eine triste Stimmung, dass einem das Tal eher wie ein Tal der Tränen vorkam. Philipp Laubmann verspürte an diesem Ort ein starkes Gefühl der Gottverlassenheit.“ (ebd.) An einem Ort, an dem eine Kirche steht und sogar das Gebäude eine Art Kreuz bildet, verspürt Laubmann keinerlei Nähe zu Gott. Aus diesem Grund kann der Leser sich in etwa vorstellen, dass das Gebäude schon von außen keinen sehr einladenden Eindruck machen kann. Auch der Weg zum Haus hin wird mit negativ besetzten Adjektiven beschrieben: „unnatürlich“, „steil“, „ausgewaschen“, „grobschlächtig“ und „angsteinflößend“ (ZR, S. 243f.). Die letzten beiden Adjektive beziehen sich auf die Figuren am Wegesrand, nichtdestotrotz werden diese von jemandem, der sich auf dem Weg zum Exerzitienhaus befindet, wahrgenommen. Es „schaudert Laubmann ein wenig“ (ebd.) als er die Kerubim erblickt, durch die jeder Besucher hindurch schreiten muss, die das Haus besuchen wollen. Auch innerhalb des Hauses ist alles als „ziemlich düster“ (ZR, S. 245) beschrieben. Alles in allem fühlt sich Hüttenberger gerade in diesem - als unheimlich und gottlos beschriebenen - Haus sehr wohl. Die Exerzitien, die in diesem Hause stattfinden, und auch die Anwesenheit von Gleichgesinnten, stärken ihn. Auf die Frage Glasers hin, wie eine solche Einrichtung im Schatten der Kirche existieren könne, meint Laubmann, dass es ursprünglich von einer Initiative gegründet wurde, „die einen tiefen christlichen Aufbruch verkörpert hat“ (ZR, S. 252). Doch dann haben „umtriebene Traditionalisten das Ruder in dieser Gruppierung übernommen“ (ebd.) und durch Spendengelder dieses Gebäude errichtet. „War früher mal ein lauschiges Fleckchen Erde hier. Jetzt ist alles kaputt“ (ebd.), sagt Laubmann auf dem Rückweg zum Auto, was seine Meinung zum Ausdruck bringt, dass dieses Gebäude sich nicht im Kreise der Kirche befinden dürfe und dass sich die Menschen, die es betreiben, „außerhalb der Kirche“ (ebd.) befinden.

[...]


[1] Heinzelmann, Herbert: http://www.magazin66.de/2008/11/der-morder-spricht-frankisch-krimis-mit-regionalbezug/ , aufgerufen am 11.07.2010 um 16.45h.

[2] Fröhling, Stefan / Reuß, Andreas: Der zerrissene Rosenkranz. Philipp Laubmanns erster Fall, Frankfurt a.M. 2005, S. 52f. (=ZR).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman "Der zerrissene Rosenkranz" von Fröhling & Reuß
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Kriminima Moralia
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V167246
ISBN (eBook)
9783640837267
ISBN (Buch)
9783640837687
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rosenkranz, Reuß, Fröhling, Laubmann, Moraltheologe, Bamberg, Hüttenberger, Mord, katholisch, Kirche, Moral, Gut, Böse, Ethik, ethisch
Arbeit zitieren
Michael Rößlein (Autor), 2010, Vergleich von Personencharakteristiken aus dem Roman "Der zerrissene Rosenkranz" von Fröhling & Reuß , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167246

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