Der vorliegende Beitrag widmet sich dem in der Bildungswissenschaft wahrzunehmendem Trend der Selbstlernkonzepte, welcher mit einer gesellschaftlichen Tendenz der Individualisierung verbunden ist (lebensbegleitendes und privilegiertes Lernen sowie Selbstökonomisierung).
Darüber hinaus werden damit zusammenhängende Entwicklungen universitärer Strukturen thematisiert (Wandel der Bildungsinstitutionen, eLearning und wissenschaftstheoretischer Paradigmenwechsel).
Es folgt eine lerntheoretische Annäherung an die Selbsttätigkeit des Lernens (personenbezogene Begründungen).
Abschließend werden didaktische Konsequenzen skizziert (kontaminierte vs. unterstützende Lernarrangements und Lernberatung).
Inhaltsverzeichnis
1. Konjunktur der Selbstlernkonzepte
2. Gesellschaftliche Individualisierungstendenzen im Bildungskontext
2.a. Individualisierungsprozesse in der Lerngesellschaft
2.b. Selbstökonomisierung der Gebildeten
2.c. Bildungsfreiheiten & -verantwortung
2.d. Lebensbegleitendes Lernen
2.e. Privilegiertes Lernen
3. Historische Entwicklung des Selbstlern-Prozesses
3.a. Karriere des Selbst
3.b. Vom persönlichen Lehrverhältnis zur arbeitsteiligen Lehre
3.c. eLearning & Hochschuldidaktik
3.d. Wissenschaftstheoretischer Paradigmenwechsel
4. Selbsttätigkeit & Lern- und Motivationstheoretische Annäherung
4.a. Behavioristische Motivationstheorie
4.b. Leistungsmotivation
4.c. Konstruktivistisches Motivationskonzept
4.d. Humanistische Motivationstheorien
4.e. Kritische Psychologie
4.f. Interessentheorie
5. Didaktische Konsequenzen
5.a. Selbstlern-Kompetenz ausbilden
5.b. Funktionswandel der Profession
5.c. Unterstützende Lernarrangements
5.d. Systematische Lernberatung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Konjunktur von Selbstlernkonzepten vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Individualisierungstendenzen und analysiert deren Auswirkungen auf die Hochschullehre. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Forderung nach mehr Selbstbestimmung und selbstgesteuertem Lernen mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Selbstökonomisierung und neuen Anforderungen an Bildungsinstitutionen korrespondiert.
- Konjunktur und Definition von Selbstlernkonzepten
- Gesellschaftliche Individualisierungsprozesse und Wissensgesellschaft
- Historische und lerntheoretische Fundierung der Selbsttätigkeit
- Didaktische Implikationen für die moderne Hochschullehre
Auszug aus dem Buch
1. Konjunktur der Selbstlernkonzepte
Lernkonzepte, die „die Selbsttätigkeit der Lernenden beschwören“ (Faulstich/Ludwig 2005, S.6), „beherrschen seit einigen Jahren die bildungspolitischen Debatten“ (Faulstich et al. 2002, S.2).
In einschlägigen Publikationen findet eine Stilisierung des ´Selbst` statt, die „an Emphase kaum zu übertreffen“ (Forneck/Springer 2005, S.96) sein dürfte: so ist vom „Selbstlernpostulat“ und von einer „Verheißung der neuen, […] individualisierten […] Bildungskultur“ (Forneck 2005/a, S.8) die Rede. Die unterschiedlichen Ansätze des Selbstlernens sind nicht neu, jedoch „die Aufmerksamkeit und das ökonomische Interesse daran“ (Siebert 2001, S.27).
So erleben Selbstlernkonzepte seit einigen Jahren eine „lebhafte Konjunktur“ (Faulstich et al. 2002, s. Abstract) und werden als ein „Mainstream“ (Bayer 2002, S.171f.) des Bildungswesens propagiert.
Die verwendeten Begriffe in Kombination mit „selbst“ & „Lernen“ sind vielfältig: meist handelt es sich um selbstbestimmtes, -initiiertes, -gesteuertes, -kontrolliertes, -organisiertes, -referenzielles oder -reguliertes Lernen (vgl. Schreiber 2007, S.9). Dabei besteht die Gefahr der inflationären Verwendung und ihrer Vernutzung zu einer „Modeerscheinung“ (vgl. Siebert 2001, S.22).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konjunktur der Selbstlernkonzepte: Dieses Kapitel thematisiert die aktuelle bildungspolitische Aufmerksamkeit für Selbstlernkonzepte und die damit verbundene begriffliche Vielfalt sowie die Gefahr einer inflationären Verwendung.
2. Gesellschaftliche Individualisierungstendenzen im Bildungskontext: Hier wird der Zusammenhang zwischen Selbstlernen, gesellschaftlicher Modernisierung und ökonomischen Anforderungen analysiert.
3. Historische Entwicklung des Selbstlern-Prozesses: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung von traditionellen Lehrformen hin zur modernen, arbeitsteiligen Massenuniversität und dem Einsatz von eLearning nach.
4. Selbsttätigkeit & Lern- und Motivationstheoretische Annäherung: Es erfolgt eine lernpsychologische Fundierung, die verschiedene Motivationstheorien auf ihre Bedeutung für das Selbstlernen prüft.
5. Didaktische Konsequenzen: Das Kapitel leitet daraus Anforderungen an die moderne Hochschuldidaktik ab, insbesondere bezüglich der Lernberatung und unterstützender Lernarrangements.
Schlüsselwörter
Selbstlernen, Individualisierung, Selbststeuerung, Hochschullehre, Motivationstheorie, Lernberatung, Konstruktivismus, Bildung, Lerngesellschaft, Selbstbestimmung, Lernarrangements, eLearning, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zunehmende Bedeutung von Selbstlernkonzepten im Kontext gesellschaftlicher Individualisierung und deren konkrete Umsetzung in der modernen Hochschullehre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die gesellschaftliche Transformation (Wissensgesellschaft), lerntheoretische Motivationstheorien sowie die didaktische Neugestaltung von Lernumgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Trend zum selbstgesteuerten Lernen wissenschaftlich einzuordnen und aufzuzeigen, wie Institutionen und Lehrende supportive Rahmenbedingungen für Studierende schaffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bildungswissenschaftlicher, psychologischer und soziologischer Diskurse zum Thema Selbstlernen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine gesellschaftliche Analyse, einen historischen Rückblick, eine psychologische Fundierung der Selbsttätigkeit sowie die Ableitung didaktischer Konsequenzen für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbststeuerung, Individualisierung, Motivation, Lernberatung und didaktische Transformation definiert.
Was bedeutet der Begriff „kontaminierte Lernarrangements“ in diesem Kontext?
Damit sind Lernumgebungen gemeint, die durch starre Hierarchien, Selektionsdruck und reine Zeitökonomie die intrinsische Lernmotivation der Studierenden eher behindern als fördern.
Welche neue Rolle kommt den Lehrenden bei zunehmendem Selbstlernen zu?
Die Rolle wandelt sich vom reinen „Unterweiser“ hin zum Lernberater, Arrangeur von Lernsituationen und Unterstützer, der Studierende bei der eigenständigen Bewältigung von Lernprozessen begleitet.
- Quote paper
- Holger Schlegel (Author), 2010, Selbstlern- und Individualisierungstendenzen bei Studierenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167256