Gewalt im Fernsehen und ihr Einfluss auf die Aggressivität von Jugendlichen


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,0

Daniel Ahnert (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Definitionen
2.2. Definition von Gewalt
2.1. Definition von Aggression

3. Ursachen für die Gewalt

4. Alterstypische Unterschiede

5. Geschlechtstypische Unterschiede

6. Formen und Arten der Aggression

7. Gewalt in den Medien

8. Präventionen

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Kein Spiel, kein Film, oder keine andere Darstellung zeigt das Problem der Gewalt so konzentriert und komplex wie das dieser Videokamera in Nothercare von 1993.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Videokamera in Nothercare von 1993[1]

Niemand der Umliegenden Passanten hätte ahnen können oder müssen, was die beiden Jungen mit dem Kleinkind vorhaben. Niemand wusste, dass der zwei Jährige von den beiden 10 Jährigen wenige Stunden später misshandelt und getötet werden würde. Die beiden Jungen haben das schreiende Kleinkind vier Kilometer durch die Innenstadt von Liverpool getrieben, ohne dass jemand von den Hunderten, die ihren Weg kreuzten und ihnen begegneten, sie überholten oder ihnen auswichen, aufmerksam geworden oder gar eingeschritten hätte. Fassungslos stand im Februar 1993 England und der Rest der Welt da. Es gab weder ein Motiv, einen Grund oder gar einen Sinn zu erkennen. Doch schon bald hatte man eine Erklärung zur Hand. Ein Horror-Video machte die beiden Jungen zu Mördern. Als Inspiration für den Mord soll der Film „Child Play III“ gedient haben, in dem eine vom Teufel besessene Puppe erst ihren Schöpfer tötet und dann selbst in einer langwierigen Prozedur zerstückelt wird. Der Mord an dem 2 Jährigen und die genannte Filmsequenz weisen zahlreiche Ähnlichkeiten auf. Schnell wurde dafür eine Erklärung gefunden. Es wurde alles auf die Gewalt verherrlichenden Filme geschoben. In der heutigen Gesellschaft ist dies ja kein Einzelfall. Ich möchte damit auf die verschieden Amokläufe in den letzten Jahren hinweisen. Für jede dieser Taten wurden die sogenannten Killerspiele wie z.B. Counter Strike verantwortlich gemacht. Doch ist dies denn möglich? Um dies zu verstehen zu können, benötigt man einiges an Vorwissen: Definitionen, Formen, Ausprägungen, die ich nun etwas näher betrachten möchte. Beginnen möchte ich mit den Definitionen.

2. Definitionen

2.2. Definition von Gewalt

Gewalt ist eine Verhaltensweise von Personen gegen andere Personen oder Gegenstände, um ihnen psychischen, physischen oder sozialen Schaden zu zufügen. Es ist eine Reaktion auf evtl. ungerechte Behandlung oder gar erlittene Gewalt.[2] „Gewalttätiges Verhalten erhäl t einen subjektiven Sinn, es vermittelt Dominanz, die sonst nicht erlebt werden kann, sie dokumentiert Überlegenheit, suggeriert als solches ein Gefühl von Durchsetzung seiner selbst“.[3] Gewalt dient als Ausdruck von Bedürfnissen nach Körperlichkeit, nach Bewegung und Beweglichkeit. Sie ist ein Zeichen für soziale Isolation oder für fehlende Bindungen in der Familie oder in anderen sozialen Instanzen. Zusammenfassend lässt sich sagen: „Gewalthandlungen

- führen zu schweren Schädigungen mit erheblichen Konsequenzen
- verstoßen gegen juristisch fixierte Normen und sind verboten
- haben instrumentellen Charakter
- erfolgen oftmals berechnend und kalt“.[4]

2.1. Definition von Aggression

„Unter [dem Begriff] Aggressionen versteht man ein manifestes Verhalten, dessen Ziel die körperliche oder bloß symbolische Schädigung oder Verletzung einer anderen Person, eines Tieres oder einer Sache ist.“[5] Aggression wird zum Teil auf einen angeborenen Aggressionstrieb, zum Teil auf Versagungen oder auch auf soziale Umweltfaktoren zurückgeführt. Die überdauernde Bereitschaft zu aggressiven Verhaltensweisen wird als Aggressivität bezeichnet. Nach Nolting sind Aggressionen Gefühle, welche aggressives Verhalten erklären können. Sie befinden sich im Körper und können den Körper in verschiedenen Formen verlassen. Es sind psychische Energien, die verbraucht werden können.[6] Doch auch andere Geisteswissenschaftler äußerten sich über den Begriff der Aggression. Selg sagte z.B. „ Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder einen Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize[7] Mitscherlich hat dazu eine ähnliche Meinung: „ Als Aggressivität gilt…alles, was durch Aktivität –zunächst durch Muskelaktivität – eine innere Spannung aufzulösen sucht“[8]

3. Ursachen für die Gewalt

Die meisten Menschen sind der Meinung, dass gewalttätiges Handeln zum Teil aus den negativen Erfahrungen, zum anderen Teil aus der persönlichen Neigung der Menschen hervorgeht[9]. Diese negativen Erfahrungen äußern sich vor allem durch unfreundliches Verhalten von Mitmenschen, Überforderungen, Einengungen, mangelnde Selbstverwirklichung oder schlechte materielle Lebensbedingungen. In einer Umfrage von Langenfeld & Langenfeld-Nagel (1990) sind fast 80 % der Erklärungen negativ d.h. sie sind auf das unfreundliches Verhalten zurückzuführen und somit der Aggressions- und Frustrationstheorie zuzurechnen.[10] Doch es gibt noch zwei interessante Vergleichstheorien, die Triebtheorie nach Freud und die Lerntheorie nach Bandura. Nach Freud sieht dies jedoch wieder anders aus. Er ist der Meinung, dass die Aggressionen dazu dienen um Gesund zu bleiben und einen eigenen inneren Ausgleich zu schaffen. Die Ursachen sieht er darin, dass jeder Mensch bestimmte Triebe in sich hat, welche irgendwann drohen auszubrechen. Freud spricht dabei von zwei Trieben, die von Natur aus im Menschen vorhanden sind. Der Todestrieb und der Eros. Das Ziel des Todestriebes ist die Zerstörung des Organismus bis hin zum Tod. Damit der Mensch diesen Trieb überleben kann, muss es einen Eros geben, der dagegenwirkt und die Lebenserhaltung zum Ziel hat. Diese Triebe kann man durch einige Mittel wie z.B. Therapien abbauen. Um sicherzugehen das solche Triebe gar nicht erst ausgelebt werden sollte man den betroffenen viel Loben und Motivieren, desweiteren sollte ein Ausgleich für ihn geschaffen werden, wie z.B. Sport. Meiner Meinung nach die am meisten verbreitete Theorie ist die Aggressions- und Frustrationstheorie. Sie beschreibt das Verhalten seinen Ärger mal richtig Luft zu machen oder sich kurzzeitig besser zu fühlen durch das Abreagieren von z.B. Stress. Meist tritt sie bei Personen auf, welche einen hohen Stressfaktor haben bzw. welche viele Ungerechtigkeiten im Umfeld wie z.B. Misshandlungen oder Bedrohungen erleiden mussten. Nach Bandura ist Aggression nichts weiter als eine logische Konsequenz des erlernten Verhaltens.[11] Durch negative Vorbilder ist demnach die Wahrscheinlichkeit höher ebenfalls ein negativer Mensch zu werden. Demnach hatten die beiden Jungen aus Nothercare vermutlich ein stark negatives Umfeld, welches sie zu der grausamen Tat gebracht hat. Die Lerntheorie ist dennoch für alle Menschen sehr wichtig, da jeder durch die Nachahmung lernt. Der größte Teil des Kulturerwerbes wird so weiter gegeben. Die Mutter kocht, die Tochter schaut zu und lernt. Die Ursachen der Aggression sind oftmals also die falschen Vorbilder. Um die Aggressionen nach Bandura abzubauen muss man bessere Vorbilder schaffen, Gewünschtes Verhalten loben und unerwünschtes Verhalten ignorieren oder bestrafen. Doch ist es schwierig jemanden ein besseres Vorbild zu vermitteln, wenn dieser sich seine Vorbilder aus den Medien sucht. Die beiden Jungen haben sich ihre Vorbilder eindeutig aus den Medien gesucht. Sie wollten so sein wie der Protagonist im Film.

4. Alterstypische Unterschiede

Erwachsene sind meistens eher weniger beeinflussbar als Kinder, da die kognitiven Fähigkeiten von Erwachsenen für eine realistische Verarbeitung meistens weiter entwickelt sind.[12] Sie suchen sich in der Regel ihre Vorbilder nicht aus irgendwelchen Filmen oder spielen, sondern suchen sich reale erfolgreiche Menschen aus. Gefährlich kann es auch bei vorgeschädigten Personen sein. Sie sind meist schon vor dem Fernsehen aggressiv disponiert. Sehen diese Kinder dann in einem Film eine Gewalthandlung, welche sie aus der Realität ohnehin schon kennen, finden sie diese richtig. Um es nun einmal kurz zu fassen: Aggressivität und Gewaltkonsum betreffen in der Regel nur die Minderheit von Personen, welche für den Einfluss von Gewalt empfänglich sind. Es ist also ebenso wichtig etwas über die Medien zu wissen, als auch über die welche sie konsumieren. Daher ist es auch wichtig die verschiedenen Altersstufen zu betrachten, denn dabei wird erst deutlich ab wann man von gezielten Aggressionen sprechen kann. Im Allgemeinen kann man nicht genau sagen, wann das aggressive Verhalten bei Kindern beginnt. Das schreien und um sich schlagen eines Säuglings kann man wohl kaum dazu zählen, da er seine Affekte nur in dieser Weise ausdrücken kann. Er tut dies auch ohne jegliches schädigungsverhalten der Eltern.

Doch aus diesem Verhalten können sich ganz schnell aggressive Verhaltensweisen formen, denn wenn aus dem schreien ein anschreien wird, dann kann man schon von Aggression sprechen. Nach Selg (1997)[13] wir der Übergang vom voraggressiven Verhalten zum Aggressiven verhalten etwa wie folgt beschrieben:

Als erstes beginnt das Kind mit der Phase der aggressionsaffinen Emotionen, d.h. die Phase der Unmutsaffekte und Unmutsäußerungen, welche sich gegen irgendwelche willkürlichen Sachen, wie z.B. das Ankleiden, richten. Körperliche Aggressionen kommen vorrangig ab dem 6. Monat hinzu. Diese Aggressionen äußern sich in verschiedenen Verhaltensweisen wie z.B. hauen, stoßen oder zerren hinzu. Diese Verhaltensweisen richten sich dann schon gegen gezielte Objekte wie z.B. das Spielzeug, jedoch noch nicht gegen einzelne Personen. Aggressionen gegen Personen folgen im zweiten Lebensjahr. Sobald etwas nicht sofort erlangt wird, richteten sich die Aggressionen mittels körperlicher Aktivitäten allmählich gegen Spielkameraden oder gar gegen die Eltern. Wenn das Kind bewusst anderen Personen wehtun möchte, um sich z.B. durchsetzen zu wollen, dann kann man erst von aggressiven verhalten sprechen. Dieses Verhalten findet meistens im Übergang vom zweiten in das dritte Lebensjahr statt. Im zweiten und dritten Lebensjahr ist die Häufigkeit aggressionsnaher und aggressiver Verhaltensweisen auffallend. Dies lässt sich mit den Bedürfnissen des Kindes erklären. Es wachsen seine Bedürfnisse schneller als seine Handlungsmöglichkeiten. Durch diesen Prozess wird das Kind schnell frustriert durch die Grenzen die ihm die Umwelt setzt und seine eigenen Handlungsmöglichkeiten. Dies ist statistisch gesehen vollkommen normal, man nennt dieses Phänomen einen Trotzanfall. Es ist somit keine Verhaltensstörung. Anders jedoch ist es wenn man bei einem Kind, solch ein Verhalten fortlaufend findet. In der Regel verschwinden diese Trotzanfälle bis zum fünften Lebensjahr.[14] Ist dies der Fall so spricht man von mangelnder Erziehung. Denn der zu erwartende Rückgang der Trotzanfälle beruht auf den wachsenden Fähigkeiten zur sprachlichen Kommunikation, zur Problembewältigung und zur Selbstregulation. Diese ganzen Äußerungen zeigen wie sehr die Aggressionsentwicklung mit dem Sprachlichen können verknüpft ist. Denn erst mit einen bestimmten Sprachvermögen kann das beschimpfen stattfinden. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Aggressionsformen differenzierter, vielfältiger und planvoller im Alter werden. Doch im späten Alter sprich im Erwachsenenalter, scheint aggressives Verhalten gegenüber dem Jugendalter insgesamt abzunehmen[15], dabei wird nicht die Gewalt in der Familie selbst mit berücksichtigt. Am häufigsten findet man das Aggressive in der frühen Jugend.[16] Doch wer ist mit aggressiv eigentlich gemeint?

5. Geschlechtstypische Unterschiede

Wenn man von Aggressiven Menschen spricht, denkt man meist immer erst an männliche Personen, denn es zeichnet sich eine hohe Rate an körperlichen Aggressionen bei Männern bzw. Jungen ab.

Dies zeigen die Nachrichten, Gewaltstatistiken, sowie ein Blick in den Kindergarten oder auf den Schulhof. Auffällig ist auch, dass in dem gemachten Bild der Videokamera, zwei Jungen die Tat verrichten und nicht etwa zwei Mädchen. Desweiteren ist stark zu beobachten das männliche Personen oft ein größeres Aggressionspotenzial aufweisen, ohne das sie vorher provoziert wurden.[17]

Provoziert man jedoch eine Person, so ist es egal ob es sich um einen Mann oder um eine Frau handelt, ist die Aggressivität gleich. Im direkten Vergleich schneiden die Männer nur unwesentlich schlechter ab, als die Frauen. Körperliche Aggressionen finden bei männlichen Personen jedoch öfter statt. Dies muss man aber auch wieder splitten. Den im häuslichen Bereich werden die Frauen öfter mal handgreiflich. Dies kann, meines Erachtens auf die Kindeserziehung zurück geführt werden. Bei den verbalen Aggressionen liegen beide Geschlechter gleich auf.[18] Generell kann man das männliche Geschlecht nicht als das Aggressivere bezeichnen, wenn man das ganze Spektrum der Aggression berücksichtigt.

[...]


[1] Mike Friedrichsen 1995, S.7

[2] Vgl. Schorb , Theunert 1982, S.323

[3] Heil, Perik & Wendt 1993, S.28

[4] Vgl. Bierhoff & Wagner 1998, S.48

[5] Vgl.Eberle, Gerhard 1989, S. 13

[6] Vgl. Nolting 2005, S. 13ff

[7] Vgl. Selg. 1992, S. 190ff

[8] Vgl. Mitscherlich 1969

[9] Vgl. Nolting 2005, S.31ff

[10] Vgl. Nolting 2005, S. 31

[11] Vgl. Nolting 2005, S.40f

[12] Vgl. Coie 1998, S. 793

[13] Vgl. Nolting 2005, S.148

[14] Vgl. Hofacker 2004, S. 221

[15] Vgl. Coie & Dodge, 1998 S. 793

[16] Vgl. Petermann, Döpfer & Schmidt 2001

[17] Vgl. Bettencourt, 1996, S. 119, 422-447

[18] Vgl. Nolting, 2005, S. 124 ff

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gewalt im Fernsehen und ihr Einfluss auf die Aggressivität von Jugendlichen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V167270
ISBN (eBook)
9783640840946
ISBN (Buch)
9783640839582
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, fernsehen, jugendliche
Arbeit zitieren
Daniel Ahnert (Autor), 2008, Gewalt im Fernsehen und ihr Einfluss auf die Aggressivität von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167270

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