Theoretische ökonomische Probleme der Umwandlung der DDR in eine Marktwirtschaft

Retrospektive: Was konnte man vor einundzwanzig Jahren wissen?


Ausarbeitung, 1990

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überlegenheit des marktwirtschaftlich-kapitalistischen Syxtems

3. Theoretische Begründung der Überlegenheit

4. Probleme und Funktionsdefizite beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft
4.1. Private Planungsautonomie
4.2. Dezentralisierung
4.3. Autonome Geld-/Kreditmittelversorgung
4.4. Stetiges Verhalten und Ausbildung stabiler rationaler Erwartungen
4.5. Hinreichendes Qualifikationsniveau

5. Folgen der Funktionsdefizite

6. Folgerung und Handlungsempfehlung

7. Ausblick – aus heutiger Sicht

8. Literatur- und Fußnotenverzeichnis

1. Einleitung

Mittlerweile sind Inflexibilität und Schwerfälligkeit des zentralplanwirtschaftlichen Produktionslenkungssystems offensichtlich.[i]

Dies liegt offenkundig weniger an einer technischen Unausgereiftheit der Planung, als vielmehr an den systembedingten unplanbaren Effekten einer solchen Planung[ii], als da wären: „Sortimentslücken, unvollendete Produktion, Lohnfondsüberschreitungen, schrumpfende Akkumulationsraten, Schwarzinvestitionen, ein geradezu chronisches Missverhältnis von Angebot und Nachfrage, um nur einige Beispiele zu nennen“[iii].

Nach Effizienzkriterien lassen sich die Abstimmung der Produktion, der Allokation und Distribution nicht hinreichend bewerkstelligen.

Daraus ergibt sich:

2. Überlegenheit des marktwirtschaftlich-kapitalistischen Systems

Das reale marktwirtschaftlich-kapitalistische System ist dem realen zentralplangesteuerten „sozialistischen“ System unter Effizienzgesichtspunkten deutlich überlegen. Dies wird auch bei einem Vergleich des Lebensstandards der Systemalternativen deutlich: „Im Endergebnis liegt der Lebensstandard in der DDR heute (1989) bei etwa einem Drittel des unsrigen. Das ist also das Ergebnis der besten aller Planwirtschaften“[iv].

3. Theoretische Begründung der Überlegenheit

In der Theorie des marktwirtschaftlichen Systems stellt die Koordination von Angebot und Nachfrage über den Marktmechanismus (bzw. über den Preis) „im Idealfall ... eine Maximalversorgung der Bevölkerung“[v] her, da „die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital jeweils ihre beste Verwendung frei suchen dürfen; Kapital sucht die höchstmögliche Verzinsung, d.h. fließt vor allem in die rentabelsten Projekte, Arbeit sucht die höchste Entlohnung, d.h. wird in die Branchen abwandern, die den höchsten Lohn ... zahlen können“[vi].

4. Probleme und Funktionsdefizite beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft

Die fünf zentralen Voraussetzungen eines effizienten marktwirtschaftlichen Systems lassen sich zugleich als die Probleme und Funktionsdefizite beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft verstehen:

- Private Planungsautonomie
- Dezentralisierung
- Autonome Geld-/Kreditmittelversorgung
- Stetiges Verhalten und Ausbildung stabiler rationaler Erwartungen
- Hinreichendes Qualifikationsniveau

4.1. Private Planungsautonomie

Hierunter fallen die Freiheit der Faktorbeschaffung und der Marktteilnahme, die freie Preisfestsetzung und –aushandlung und die Vertragsfreiheit.

Als Problemfelder seien hier nur genannt die fehlende Markttransparenz und die gewohnte „kollektive“ Handlungsrationalität.

4.2 Dezentralisierung

Errichtung eines marktförmigen, dezentralisierten und arbeitsteiligen Produktions-,

Allokations- und Distributionssystems.

Als Problemfelder lassen sich hier nennen: die regional-, branchen- und kapazitäts-

abhängige Umstrukturierung der zentralisierten Monostrukturen, die korrespondierende Ausdifferenzierungsproblematik (Irrtumskosten) und schließlich das Fehlen geeigneter, marktpreisorientierter Indizes im gesamtwirt-

schaftlichen Datenkranz.

4.3. Autonome Geld-/Kreditmittelversorgung

Als Aufgabe stellt sich hier die Errichtung eines dezentralen, kreditschöpfen-

den Geschäftsbankensystems und die Bildung von Kapitalgesellschaften.

Als Problemfelder lassen sich nennen: das fehlende Girosystem, das Fehlen geeigneter Indizes für die Kreditwürdigkeitsprüfung und die mangelnde Verfügbarkeit langfristiger Mittel zur Investitionsgüterfinanzierung.

4.4. Stetiges Verhalten und Ausbildung stabiler rationaler Erwartungen

Dazu gehört z.B. eine „berechenbare“ Konsumneigung und ein gleich-

förmiges (nichtpanisches) Such- und Wahlverhalten.

Das Problem ergibt sich aus der Ungewissheitssituation während des Umstrukturierungs- und Anpassungsprozesses.

4.5. Hinreichendes Qualifizierungsniveau

Dazu gehören die Faktoren: Niveau, Adaptionsverhalten und Flexibilität des Qualifikationssystems.

Problemfelder sind hier z.B.: Anpassung des bestehenden Bildungssystems und

die Finanzierung von Qualifikationsmaßnahmen.

5. Folgen der Funktionsdefizite

Funktionsdefizite, die in den o.g. Bereichen auftreten, führen aufgrund bestehenden Wett-

bewerbsdrucks „von außen“ zu Ungleichgewichtssituationen auf Teilmärkten, die z.B. im Falle des Arbeitsmarkes nicht nur vorübergehende Störungen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts verursachen werden.

[...]


[i] Hardes/Krol/Rahmeyer/Schmid: Volkswirtschaftslehre – problemorientiert, Tübingen 1993, S. 59 ff.

[ii] Vgl. auch L. von Mises: Die Wirtschaftsrechnung in sozialistischen Gemeinwesen, in: Archiv für Sozialwissenschaften, Jahrgang 1920

[iii] R. Henrich: Der vormundschaftliche Staat. Reinbek b. Hamburg 1989

[iv] Wirtschaftswoche Nr. 48 vom 24.11.1989, S. 174

[v] Henrichsmeyer/Gans/Evers: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Stuttgart 1982, S. 300

[vi] S. Bannas: Reich – dafür unglücklich? Regensburg 1990, S. 53

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Theoretische ökonomische Probleme der Umwandlung der DDR in eine Marktwirtschaft
Untertitel
Retrospektive: Was konnte man vor einundzwanzig Jahren wissen?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Markt und Konsum)
Veranstaltung
Bewerbung um eine Promotionsstelle - schriftlicher Teil: Hausarbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
1990
Seiten
7
Katalognummer
V167275
ISBN (eBook)
9783640837304
ISBN (Buch)
9783640837625
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Umwandlung in eine Marktwirtschaft, Transformationsprozess, Damaliges Wissen aus heutiger Sicht, Retrospektive, Volkswirtschaftslehre, Politische Ökonomie, Probleme des Systemwandels
Arbeit zitieren
Diplom-Ökonom Michael Heinen-Anders (Autor:in), 1990, Theoretische ökonomische Probleme der Umwandlung der DDR in eine Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167275

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