Textszenario zu einem Wintergedicht

Kompetenzorientierter Unterrichtsentwurf im Fach Deutsch


Unterrichtsentwurf, 2010

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1) Der Winter naht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2) Kompetenzen und Standards

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Niveau A(D., S., N.)

Die Schüler können sich den Inhalt eines Gedichtes weitgehend eigenständig erschließen, indem sie eine von 5 produktiven Aufgaben zum Text bearbeiten und sich mit anderen über ihre Ergebnisse austauschen.

Niveau B(D., B., T.)

Die Schüler können sich den Inhalt eines Gedichtes mit etwas Unterstützung er-schließen, indem sie eine von 5 produktiven Aufgaben zum Text bearbeiten und sich mit anderen über ihre Ergebnisse austauschen.

Niveau C(C., H., A.)

Die Schüler können sich den Inhalt eines Gedichtes stark gelenkt erschließen, indem sie eine von 5 produktiven Aufgaben zum Text bearbeiten und sich mit anderen über ihre Ergebnisse austauschen.

3) Fachlich-inhaltlicher Schwerpunkt

Schüler der 7. und 8. Klasse haben im Allgemeinen mit Lyrik nicht viel am Sinn. Lyrische Texte gehören nicht zu ihrer Lebenswelt und weichen erheblich von den Texten ab, sie in ihrer Freizeit lesen. Die Sprache wirkt besonders auf sprachlich nicht versierte Schüler fremd und zum Teil abstoßend. Erfahrungen mit dieser Textart beschränken sich meist auf die Unterrichtszeit. Dementsprechend haben Schüler Schwierigkeiten, ein Gedicht zu verstehen oder zu genießen.

Trotzdem sollen sie an Gedichte herangeführt werden, um ihr ästhetisches Empfinden, ihren Wortschatz und ihr Gefühl für Klang und Rhythmus zu erweitern. Die Erfahrung, dass Sprache auch im übertragenen Sinn gebraucht werden kann, wird ihnen im Alltag helfen, Ironie, Redensarten, Sprüche und Metaphern, aber auch Liedtexte besser zu verstehen.

Schüler sollen bis zum Abschluss der 10. Klasse lernen, was Endreime (Paarreim, Kreuzreim, umarmender Reim), Strophen (Absatz) und Verse (Zeilen) sind. Sie sollten wissen, was ein lyrisches Ich (Sprecher des Gedichts) ist und können mit dem Versmaß / Metrum (Jambus, Daktylus, Trochäus, Anapäst) vertraut gemacht werden. Wichtig ist, dass sie lernen, die Intention eines Gedichts zu erschließen, sie müssen bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine vollständige Interpretation schreiben können. Ferner sollten sie einige rhetorische Figuren (Vergleich (Er ist so stark wie ein Löwe), Metapher (Vergleich ohne ‚wie’: Gespensterbaum), Personifikation (Vermenschlichung: Der Herbst streut Blätter aus.), Anapher (Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an mehreren Versanfängen: Er schaute … / Er schaute…), Alliteration (Wiederholung eines oder mehrerer Wörter in einem Vers: Trüber Tag und trübe Stunde), Symbol (Wahrzeichen, Sinnbild, Gegenstand, der für einen Sachverhalt steht: Herz für die Liebe, Taube für den Frieden), Ellipse (verkürzter Satz: Je schneller, desto besser.) kennenlernen und verstehen, dass Wörter in übertragener Bedeu-tung gebraucht werden können.

Es gibt zwei gängige Verfahren zum Unterrichten von Gedichten: den Analyseunter-richt und den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht. Die Einheit greift den Ansatz des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts auf. Dieser geht davon aus, dass zuerst Lesemotivation entwickelt werden muss und dass dies nur möglich ist, „wenn sich die Schüler mit allen Sinnen, so weit wie möglich eigenbestimmt und grundsätzlich auch eigenproduktiv mit den Texten verbinden können.“[1]Dies ist über handlungs- und produktionsorientierte Verfahren möglich, wobei Schüler zunächst aktiv und produzierend an Texte herangehen. Erst auf dieser Grundlage wird nach Haas motiviertes analysierendes Lesen möglich.[2]Durch den produktiven Umgang mit Lyrik sollen sich die Schüler intensiver mit dem Text beschäftigen und im Idealfall einen emotionalen Zugang zum Gedicht finden. Die verschiedenen Ergebnisse der Schüler führen nach Haas ganz automatisch zu Gesprächen über Inhalt und Aussage, Form und Gehalt.[3]

Im Rahmen der Einheit werden verschiedene Wintergedichte behandelt. In dieser Stunde geht es um das Gedicht „Winternacht“ von Joseph von Eichendorff, das zur Epoche der Romantik gehört und die Betrachtung einer Winterlandschaft durch das lyrische Ich darstellt, wobei besonders ein Baum im Vordergrund steht.

In der ersten Strophe betrachtet das lyrische Ich die verschneite Umgebung (V. 1). Schließlich fällt der Blick auf einen Baum, der kahl und einsam auf einem Feld steht (V. 3f.). Durch das Adjektiv „verlassen“ (V. 3) und Wendungen wie „nichts was mich freuet“ (V. 2) und „hat längst sein Laub verstreuet“ (V. 4) wird eine gewisse Trostlo-sigkeit vermittelt.

In der zweiten Strophe „rüttelt“ (V. 6) der Wind am Baum. Die Intensität dieses Vorgangs wird durch die Personifikation des Windes und die Alliteration der Verben „rüttelt, rührt, redet“ verstärkt. Der ebenfalls personifizierte Baum beginnt dadurch „wie im Traume“ (V. 8) zu reden. In der letzten Strophe träumt der Baum vom Frühling (V. 9), einer Zeit, in der er im neuen Blütenkleid zu „Gottes Lob“ rauschen wird (V. 11f.).

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit je vier Versen, enthält Kreuzreime und ist durchgängig im Jambus geschrieben. Es ist formal regelmäßig aufgebaut und die Sprache ist recht einfach. Die rhetorischen Figuren beschränken sich auf die Personifikationen von Wind und Baum (V. 6, V. 9), einen Vergleich (V. 9), eine Metapher (V 11) und eine Alliteration (V. 6, 7 und 8). Der regelmäßige Aufbau und der Jambus verleihen dem Gedicht den Eindruck von Ruhe.

Das Gedicht spricht mehrere Sinnesorgane an: In der ersten Strophe überwiegen visuelle Elemente und in den letzten beiden akustische, was die inhaltliche Aussage intensiviert. Der Autor untermalt seine Aussage durch klangliche Gestaltungsmittel: Die Alliteration der Verben „rüttelt“, „rührt“ und „redet“ klingt dumpf, was zu der Schilderung des Winterwindes passt. In der letzten Strophe erhellt sich der Klang durch die Wörter „künft’ger, Grün, Blütenkleid“, was zum inhaltlichen Warten auf den Frühling passt.

Das Gedicht gibt das subjektive Empfinden des lyrischen Ichs in Bezug auf die Natur wieder. Die Landschaft kann als Spiegel der Seele des Menschen betrachtet werden. In der ersten Strophe spiegelt der verlassene Baum die düstere Stimmung des lyrischen Ichs wieder, das im Winter nichts erfreuen kann. Die positiven Anklänge der letzten Strophe beziehen sich auf den kommenden Frühling, ein Gedanke, der dem lyrischen Ich Trost in der kalten Jahreszeit zu spenden scheint.

Die enge Verbundenheit zwischen Mensch und Natur ist typisch romantisch. Die Romantiker begeisterten sich für die Schönheit und Wildheit der Natur. Typisch romantisch ist auch das Wegträumen aus einer bestimmten Situation. Ferner spielte die Darstellung von Sehnsüchten und Gefühlen in dieser Epoche eine wichtige Rolle.

Der letzte Vers verleiht dem Text eine religiöse Note, da es heißt, dass der Baum im Frühling „zu Gottes Lob“ (V. 12) rauschen wird. Dies steigert die gespannte Erwar-tungshaltung und das Hoffen auf den Frühling.

Didaktische Reduktion

Kurz vor der Einheit zu den Wintergedichten haben die Schüler bereits in einer kurzen Einheit zu Herbstgedichten Erfahrungen mit dieser Textsorte gesammelt. Im Rahmen dieser Einheit haben sie die Begriffe Strophe, Reim, Vers, Metapher, Vergleich, Per-sonifikation, Alliteration und Anapher kennengelernt. Die Schüler zeigten besondere Schwierigkeiten bei der Metapher und der Personifikation.

In dieser Stunde sollen nicht lückenlos alle rhetorischen Figuren erkannt werden. Die 4. Aufgabe befasst sich mit der Personifikation, um den Schülern diese stilistische Figur näher zu bringen. Bei der 1. Aufgabe sollen die Schüler 2 Wörter/Wortgruppen finden, die nicht wörtlich gemeint sind. Sie können die Personifikationen und die Metapher nen-nen. Das Erkennen der anderen stilistischen Merkmale wird im Rahmen des Textsze-narios nicht verlangt.

4) Didaktische Überlegungen

4.1) Auswahl des Unterrichtsgegenstands

In der Unterrichtseinheit werden verschiedene Wintergedichte behandelt. Die Behandlung von Wintergedichten passt zur Jahreszeit und knüpft an der Lebenswelt der Schüler an, weil sie jedes Jahr eigene Erfahrungen im Winter sammeln. Die Textauswahl ist auch aus schulinterner Sicht sinnvoll, weil am 13.12.2010 der alljährliche Rezitatorenwettstreit stattfindet, an dem zwei Schüler der Klasse ein Wintergedicht vortragen sollen.

4.2) Lernvoraussetzungen der Schüler

Die Lerngruppe besteht aus 26 Schülern, die ein recht gutes Klassenverhältnis haben. L. und F. sind seit dem Schuljahr neu in der Klasse und haben sich schnell in die Gruppe eingefügt.

Die Klasse weist ein heterogenes, eher schwaches Leistungsniveau auf. Zu den besseren Schülern gehören J., S., K., D. und N. Sie sind meistens motiviert und interessiert und beteiligen sich rege am Unterricht. S. und D. sind phasenweise motiviert und K., C., H., P. und A. gehören zu den leistungsschwachen Schülern.

Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen für den Unterricht: Kleinschrittigkeit bei der Erarbeitung, gemeinsame Besprechung der Aufgabenstellung und ggf. unterschiedliche Bearbeitungszeit, Arbeitsbögen oder Zusatzaufgaben für die leistungsstarken Schüler. Nachdem Gruppenarbeitsphasen in der ersten Zeit fast nicht möglich waren, sollen die Schüler vermehrt an Gruppenarbeit mit wechselnden Partnern gewöhnt werden.

[...]


[1]Haas, 2003: 728.

[2]Vgl. Haas, 2003: 729.

[3]Vgl. Haas, 2004: 67.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Textszenario zu einem Wintergedicht
Untertitel
Kompetenzorientierter Unterrichtsentwurf im Fach Deutsch
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V167280
ISBN (eBook)
9783640891788
ISBN (Buch)
9783640892211
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Stunde ist sehr gut gelaufen und bewertet worden. Den Schülern hat die Methode des Textszenarios großen Spaß gemacht.
Schlagworte
Unterrichtsbesuch, Unterrichtsentwurf, kompetenzorientierter Unterrichtsentwurf, Deutsch, Gedichte, Wintergedichte, Textszenario, Differenzierung, Individualisierung, Schule, Unterricht, Klasse 8, Referendariat, Minibuch, produktive Aufgaben, produktiv, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht
Arbeit zitieren
Angelina Kalden (Autor), 2010, Textszenario zu einem Wintergedicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167280

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Titel: Textszenario zu einem Wintergedicht



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