Adelheid von Burgund ist bekannt als die zweite Ehefrau von Otto I. dem Großen. Doch zeigen die Quellen, dass sie weniger die Frau an seiner Seite und mehr diejenige war, die dem ostfränkischen Kaiser zu seiner Krone verhalf.
„Den edlen König Otto hat sie in Rom zum Kaiser erhoben“.
Die ottonische Herrschaftsepoche des 10. Jahrhunderts stellt einen zentralen Einschnitt in der Geschichte des ostfränkisch-deutschen Reiches dar. Unter Otto dem Ersten, dem Großen, und seiner Gemahlin Adelheid von Burgund wurden nicht nur politische Strukturen gefestigt, sondern auch Formen der Repräsentation und sakralen Legitimation entwickelt, die weitreichende Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Königtum und Kaisertum hatten.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Der Weg zur Kaiserkrone 962
- II.I. Die sakrale Legitimation der Herrschaft
- II.II. Adelheids Herkunft und politische Bedeutung ihrer Ehe mit Otto I.
- II.III. Ihre Rolle als Regentin nach Ottos Tod
- III. Repräsentation durch Schrift und Bild
- III.I. Münzprägung
- III.II. Darstellung in den Chroniken
- III.III. Urkundenwesen und Titulaturen
- IV. Schlussbemerkung
- V. Anhang
- Literaturverzeichnis
- Quellenverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der zentralen Forschungsfrage auseinander, wie Adelheid von Burgund und Otto I. der Große ihre Herrschaft in symbolischer und repräsentativer Hinsicht inszenierten, und welche Rolle Adelheid dabei für das königliche beziehungsweise kaiserliche Selbstverständnis des ottonischen Reiches spielte. Es werden dabei mehrere Unterfragen systematisch beantwortet, um die Komplexität dieser historischen Epoche zu erfassen.
- Die Inszenierung der Herrschaft von Otto I. und Adelheid durch symbolische und repräsentative Strategien.
- Adelheids dynastische Herkunft und ihre Bedeutung für die Legitimation und den Herrschaftsausbau Ottos I.
- Die sakrale Legitimation der ottonischen Herrschaft und der Prozess der Kaiserkrönung im Jahr 962.
- Adelheids Handlungsspielräume und ihre aktive Beteiligung in der Politik, insbesondere als Regentin.
- Die Repräsentation der Herrschaft in verschiedenen Medien wie Münzprägung, Chroniken und Urkundenwesen.
- Die kritische Bewertung und der Vergleich zeitgenössischer Quellen zur Darstellung des Herrscherpaares.
Auszug aus dem Buch
II.II. Adelheids Herkunft und politische Bedeutung ihrer Ehe mit Otto I.
Adelheid von Burgund wurde 931 als Tochter von König Rudolf II. von Burgund und seiner Frau Berta geboren. In erster Ehe war sie mit Lothar dem König von Frankreich liiert und in zweiter mit Otto I. dem Großen.
Adelheid gewann nach ihrer Heirat mit Otto dem Großen als Mitkaiserin politischen Einfluss und trat diplomatisch hervor. Nach Ottos Tod beteiligte sie sich an der Herrschaftsausübung, wurde jedoch zeitweise von Theophanu verdrängt. Nach deren Tod übernahm Adelheid erneut die Regentschaft für Otto III., unterstützt von Erzbischof Willigis von Mainz. Sie blieb bis zu ihrem Tod eine prägende Gestalt der ottonischen Herrschaft.
Ihr Vater Rudolf II. von Hochburgund starb 937, als sie sechs Jahre alt war. Nach seinem Tod entstanden Probleme in der Nachfolgefrage. Adelheids Bruder Konrad war noch minderjährig. Noch im selben Jahr floh Konrad an den ottonischen Königshof. Woraufhin Hugo von Vienne die Witwe Berta zur Hochzeit zwang und Adelheid mit seinem Sohn Lothar verlobte. 947 folgte die Heirat zwischen Adelheid und Lothar. Zu diesem Zeitpunkt war Lothar II. bereits alleiniger König von Reichsitalien.
Adelheid von Burgund erscheint in den Darstellungen als eine politisch einflussreiche und zugleich standhafte Königin. Durch ihre Herkunft war sie dynastisch legitimiert, zudem sicherte sie durch ihre Ehen mit Lothar von Italien und auch später mit Otto I. ihre Stellung als Königin und Kaiserin. Aber nicht nur ihre Position, sondern auch ihr Charakter zeigen sich als widerstandsfähig, als sie eine Zwangsheirat mit Adalbert verweigert. Lieber ertrug sie eine Gefangenschaft unter Berengar. Die Überlieferung durch die Nonne Hrotsvith von Gandersheim ist hier besonders aufschlussreich. Sie betont Adelheids eigenständige Flucht, wodurch Adelheid mit ihren erst 20 Jahren als handlungsstarke und unabhängige Herrscherin inszeniert wird. Hrotsviths Bericht kann dabei sowohl als Quelle weiblicher Selbstbehauptung im 10. Jahrhundert als auch als Teil einer literarischen Strategie der Ottonenpropaganda verstanden werden.
Zeitgenossen beschrieben Adelheid als schön, anmutig und elegant, und auch Hrotsvith lobte sowohl ihre äußeren als auch ihre inneren Werte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der ottonischen Herrschaftsepoche im 10. Jahrhundert ein und beleuchtet die Rollen von Otto I. und Adelheid von Burgund bei der Konsolidierung und Repräsentation des Reiches, unter Berücksichtigung verschiedener historiografischer Perspektiven und der Forschungsfrage.
II. Der Weg zur Kaiserkrone 962: Dieser Abschnitt beschreibt die komplexen politischen und dynastischen Entwicklungen, die Ottos I. Weg zur Kaiserkrone prägten, und betont die entscheidende Rolle seiner Heirat mit Adelheid für die Legitimation und den Ausbau seiner Herrschaft.
II.I. Die sakrale Legitimation der Herrschaft: Hier wird analysiert, wie Otto I. seine Herrschaft durch sakrale Rituale und Symbole legitimierte, darunter die Wahl des Krönungsortes Aachen und die Integration priesterlicher Elemente in seinen Herrscherornat, wobei auch Adelheids Beitrag zur Legitimation hervorgehoben wird.
II.II. Adelheids Herkunft und politische Bedeutung ihrer Ehe mit Otto I.: Das Kapitel behandelt Adelheids familiären Hintergrund und ihre strategische Bedeutung für Otto I.s Herrschaftsausbau in Italien, ihre Gefangenschaft und ihre Rolle als politisch einflussreiche und standhafte Königin.
II.III. Ihre Rolle als Regentin nach Ottos Tod: Dieser Teil beleuchtet Adelheids wichtige Funktion als Regentin nach dem Tod Ottos I., insbesondere während der Minderjährigkeit Ottos III., und ihre Anerkennung als „Mutter der Königreiche“.
III. Repräsentation durch Schrift und Bild: Dieses Kapitel untersucht die vielfältigen Medien, durch die Otto I. und Adelheid ihre Macht und religiöse Autorität nach außen repräsentierten und legitimierten.
III.I. Münzprägung: Hier werden die Otto-Adelheid-Pfennige als zentrales Instrument der kaiserlichen Selbstdarstellung analysiert, die die gemeinsame Autorität des Herrscherpaares, auch während der Vormundschaftsregierung, symbolisierten.
III.II. Darstellung in den Chroniken: Das Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Darstellungen von Otto I. und Adelheid in zeitgenössischen Chroniken, die sowohl ihre sakrale Legitimation als auch Adelheids persönliche Stärke und politische Klugheit betonen.
III.III. Urkundenwesen und Titulaturen: Dieser Abschnitt erörtert die Bedeutung von Urkunden und spezifischen Titulaturen, wie der `consors`-Formel, für die Legitimation und aktive politische Teilhabe Adelheids an der ottonischen Herrschaft.
IV. Schlussbemerkung: Die abschließenden Bemerkungen fassen die Ergebnisse zusammen, betonen das Zusammenspiel dynastischer, sakraler und repräsentativer Strategien in der ottonischen Herrschaftsinszenierung und bieten Ausblicke für weiterführende Forschungsfragen.
V. Anhang: Der Anhang enthält das umfassende Literatur- und Quellenverzeichnis sowie ein Verzeichnis der Abbildungen, die in der Arbeit verwendet wurden.
Schlüsselwörter
Otto I. der Große, Adelheid von Burgund, Ottonisches Kaisertum, Herrschaftsrepräsentation, Sakrale Legitimation, Mittelalter, 10. Jahrhundert, Kaiserkrönung, Regentin, Münzprägung, Chroniken, Urkundenwesen, Dynastie, Reichsitalien, Frauenherrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit der Inszenierung der Herrschaft von Otto I. dem Großen und Adelheid von Burgund im 10. Jahrhundert, wobei insbesondere die symbolischen und repräsentativen Strategien sowie Adelheids Rolle für das ottonische Reichsverständnis beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die dynastische Legitimation, die sakrale Repräsentation der Herrschaft, die aktive politische Rolle von Kaiserin Adelheid, die Darstellung der Herrschaft in Medien wie Münzen und Chroniken sowie die Analyse der Handlungsspielräume von Frauen in dieser historischen Periode.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie Adelheid von Burgund und Otto I. der Große ihre Herrschaft in symbolischer und repräsentativer Hinsicht inszenierten und welchen Einfluss Adelheid dabei auf das königliche beziehungsweise kaiserliche Selbstverständnis des ottonischen Reiches hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse von Primärquellen und historiografischer Fachliteratur, um die Herrschaftsinszenierung des ottonischen Paares sowie Adelheids spezifische Rolle systematisch zu erfassen und zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Hauptabschnitte: Der Weg zur Kaiserkrone 962 (mit Unterkapiteln zur sakralen Legitimation, Adelheids Herkunft und ihrer Rolle als Regentin) und die Repräsentation durch Schrift und Bild (mit Unterkapiteln zu Münzprägung, Chroniken und Urkundenwesen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter, die die Arbeit charakterisieren, sind: Otto I. der Große, Adelheid von Burgund, Ottonisches Kaisertum, Herrschaftsrepräsentation, Sakrale Legitimation, Mittelalter, 10. Jahrhundert, Kaiserkrönung, Regentin, Münzprägung, Chroniken und Urkundenwesen.
Wie trug Adelheids Herkunft zur Legitimation Ottos I. bei?
Adelheid war als Tochter König Rudolfs II. von Burgund und Witwe des italischen Königs Lothar II. dynastisch hochrangig. Ihre Ehen und die damit verbundenen Netzwerke verschafften Otto I. Zugang zum italischen Königtum und stärkten seine Herrschaftslegitimation im Süden.
Welche Rolle spielten die sogenannten Otto-Adelheid-Pfennige?
Die Otto-Adelheid-Pfennige waren eine bedeutende Münzsorte, die unter Otto III. geprägt wurde. Sie trugen die Namen des Kaisers und seiner Großmutter nebeneinander, was Adelheids eigenständige Autorität und ihre Rolle in der Vormundschaftsregierung symbolisch verdeutlichte.
Was ist unter der "consors-Formel" in Bezug auf Adelheid zu verstehen?
Die "consors-Formel" (z.B. `consors imperii` – Gefährtin des Kaisertums) ist eine Titulatur, die Adelheid nach ihrer Kaiserkrönung in Urkunden erhielt. Sie verweist auf ihre erhöhte Stellung und aktive politische Teilhabe als gleichberechtigte Partnerin Ottos I. in der Herrschaft, was für Königinnen ihrer Zeit eher unüblich war.
- Arbeit zitieren
- Katharina Hauptvogel (Autor:in), 2025, Repräsentation und Herrschaft. Adelheid von Burgund und Otto der Große als königliches Paar im ottonischen Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1673305