Die Arten der Mehrdeutigkeit

Am Beispiel des Französischen


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Verschiedene Betrachtungsweisen der Mehrdeutigkeit

3. Polysemie, Homonymie und Vagheit
3.1 Polysemie
3.2 Homonymie
3.3 Vagheit

4. Weitere Arten der Mehrdeutigkeit
4.1 Sekundäre Homonymie und Polysemie
4.2 Regelbasierte Mehrdeutigkeit und Diskurstraditionen

5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Bibliographie

1. Einleitung

Die Mehrdeutigkeit sprachlicher Zeichen begegnet uns, bemerkt oder unbemerkt, jeden Tag in unserem Leben. Sei es in beim Gespräch mit dem Nachbarn, beim Lesen der Zeitung, eigentlich bei allen kommuni­kativen Prozessen. Die Mehrdeutigkeit des Nomens fraise ist in der Aussage J'aime manger des fraises auf den ersten Blick nicht erkenn­bar, denn sobald ein Wort im Kontext auftaucht, gibt es meist nur eine mögliche Bedeutung, in diesem Fall Erdbeeren essen. Fraise kann aber nicht nur Erdbeere sondern auch Bohrer heißen, jedoch ist die Idee, dass jemand gern Bohrer isst, eher abwegig und unkonventionell. Eine Ausnahme bilden Wortspiele, weil darin Wörter absichtlich in einen ungewöhnliche Kontexte gesetzt werden und sich so ihrer Mehr­deutigkeit bedienen können.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Arten der Mehrdeutigkeit. Zuerst soll kurz veranschaulicht werden, welche Zweige der Semantik sich mit der Mehrdeutigkeit beschäftigen. Weiterhin sollen die drei Grundtypen der Mehrdeutigkeit, Polysemie, Homonymie und Vagheit, definiert und voneinander abgrenzt werden. Außerdem soll besonderes Augenmerk auf die Verbindungen zwischen polysemen Wörtern gelegt werden. Darauf aufbauend sollen anschließend weitere Arten der Mehrdeutigkeit untersucht werden. Zum Schluss sollen die Betrachtungen zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.

2. Verschiedene Betrachtungsweisen der Mehrdeutigkeit

Als Erstes sei zu erwähnen, dass nicht alle Linguisten von der Existenz mehrerer Bedeutungen eines Wortes überzeugt sind. Hier soll ein kurz­er und deshalb unvollständiger Überblick über einige Konzepte der Mehrdeutigkeit gegeben werden.

Der Begriff Polysemie (= mehrere Bedeutungen eines Wortes, welche eine inhaltliche Beziehung zueinander haben) wurde von Michel Bréal im Jahre 1897 eingeführt (cf. Nerlich 2003: 4). Für ihn scheint es, als ob das Wort ,,[...] se multiplier et de produire des exemplaires nouveaux, semblables de formes, mais différents de valeur“ (Bréal 1897: 154f., zitiert nach Blank 2001: 104). Somit ist Polysemie für Bréal das parallele Existieren mehrerer Bedeutungen, verursacht durch Sprachwandel. Dies ist eine Betrachtung aus diachronischer Sicht, da die alte und die neue Bedeutung nebeneinander bestehen.

Synchronisch, das heißt im realen Sprachgebrauch, gibt es laut Nerlich keine Polysemie, denn in jeder Äußerung steht ein Wort immer in einem bestimmten Kontext und somit gibt es nur eine passende Bedeutung, die Sinn ergibt. Wiederum bilden Wortspiele eine Ausnahme (cf. 2003: 60). Aus diesem Grund wird Polysemie aus synchronischer Sicht auch als „artefact of linguistic analysis“ (Nerlich 2003: 4) betrachtet, denn das Wort muss losgelöst vom Kontext betrachtet werden, um eine Mehrdeutigkeit zu erkennen.

In der kognitiven Linguistik wird ein Wort als Kategorie betrachtet, welche im Falle der Polysemie mit mehreren Bedeutungen über kognitive Prinzipien, wie zum Beispiel einer Metapher, miteinander verbunden sind. In der erweiterten Prototypentheorie wird die Bedeutung eines Ausdrucks als Realisierung eines repräsentativen Prototyps gesehen, und so wäre Amsel und nicht unbedingt Pinguin ein prototypischer Vertreter eines Vogels. Diese Theorie gibt sich zwar „polysemiefreundlich“, jedoch werden dabei die „verschiedenen Bedeutungen eines Wortes als prototypische Effekte einer kognitiven Kategorie missinterpretiert“ (Blank 2001: 103). Dadurch kann nicht zwischen Polysemie, Homonymie und Vagheit unterschieden werden.

In der lexikalischen Semantik, in welcher sowohl inhaltliche als auch grammatikalische Aspekte einzelner Wörter und Ausdrücke untersucht werden, (cf. Schwarze 2001: 1) ist Polysemie zwar anerkannt, aber,,[...] it has always been difficult to distinguish polysemy from homonymy (...) [and] lexical ambiguity [...]“ (Nerlich 2003: 4). Diese Arbeit bezieht sich nur auf die lexikalische Semantik und in den meisten Fällen auf die Lösungsvorschläge der Differenzierung zwischen Polysemie, Homonymie und Vagheit von Andreas Blank.

3. Polysemie, Homonymie und Vagheit

3.1 Polysemie

Der diachronischen Herangehensweise Michel Bréals nach, ist Polyse­mie die „synchronische Konsequenz von Bedeutungswandel“ (Blank 2001: 104-106) in der Sprachentwicklung, fortan bestehen die alte und neue Bedeutung einer Lexie nebeneinander. Blank wertet diese Definition als zu eng gefasst und verwendet Kriterien, die eine synchronische Definition ohne etymologisches Hintergrundwissen ermöglichen. Hierzu leitet er aus diachronischen Prozessen die entsprechenden synchroni­schen Relationen ab, als da wären (cf. 2001: 105-106):

1. Metaphorische Polysemie. Übertragung eines an sich fremden, im entscheidenden Punkt aber ähnlichen Begriffes auf einen an­deren, wie zum Beispiel: le dos - der Rücken, Prinzip der Rück­seite von etwas, übertragen auf Bergrücken.
2. Kohyponymische Polysemie. Mindestens zwei Lexien gehören einer gemeinsame Unterklasse eines Oberbegriffes an (hier: Na­getiere) und werden mit nur einem Begriff verallgemeinert, zum Beispiel: rat bedeutet Ratte und auch Maus.
3. Taxonomische Polysemie. Diese schließt verschiedene Arten des Bedeutungswandels ein, die synchron nicht mehr voneinan­der abgegrenzt werden können. Generalisierung: Wandel vom speziellen zum generellen Begriff, zum Beispiel piegeon, was im Mittelfranzösischen noch zum Verzehr gezüchtete Tauben bedeutete und heute Tauben aller Art meint. Spezialisierung: Wandel vom generellen zum speziellen Begriff, zum Beispiel blé, was sich von der Bedeutung Getreide zu Wei­zen gewandelt hat. Absorption ins Determinatum: Die komplexe Lexie gabelle de sel, besteht aus dem Determinatum gabelle, welches vom Deter- minans (de) sel näher bestimmt wird. Durch die häufige Nutzung

[...]

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Details

Titel
Die Arten der Mehrdeutigkeit
Untertitel
Am Beispiel des Französischen
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Seminar Systemlinguistik
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V167343
ISBN (eBook)
9783640838165
ISBN (Buch)
9783640838615
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrdeutigkeit, Systemlinguistik, Französisch, Polysemie, Homonymie, Vagheit
Arbeit zitieren
B.A. Christina Münzner (Autor), 2009, Die Arten der Mehrdeutigkeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167343

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