Fußball als nationalsozialistisches Propagandamittel


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Rolle des Sports in der Gesellschaft und für die Nationalsozialisten

3. Die Einverleibung des Fußballs für nationalsozialistische Interessen

4. Fußball als Instrument des Propagandaapparates
4.1 Definition Propaganda
4.2 Innerdeutsche Propaganda
4.2.1 Transport nationalsozialistischer Ideologie in den Alltag der Menschen
4.2.2 Verbreitung antisemitischer Inhalte durch Fußballberichte und Kommentare
4.2.3 Die mediale Fußball-Propaganda am Beispiel Der Kicker (1) und Das große Spiel (2)
4.3 Internationale Propaganda
4.3.1 Schaffung eines freundlichen Deutschlandbildes im Ausland
4.3.2 Demonstration von Stärke und veränderter europäischer Machtverhältnisse
4.3.3 Fußball als Instrument politischer Grenzneuziehung und Bündnispolitik
4.3.4. Ideologisierte Fußballberichte für das Ausland in der Illustrierten Signal

5. Der FC-Schalke 04 – Der ideale Verein nationalsozialistischer Propaganda

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 war die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) in allen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen bestrebt, sowohl eine Akzeptanz der radikalen Ideologie innerhalb Deutschlands zu schaffen als auch im Ausland ein friedliches und überlegenes Deutschlandbild zu schaffen. Dazu wurde eigens ein Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda geschaffen um diese Vorhaben durch konkrete Maßnahmen zu realisieren. Bis heute sind diese aufeinander abgestimmten und flächendeckenden Maßnahmen unvergleichbar hinsichtlich ihres Erfolges und ihrer Wirkung im In- und Ausland. Diese aus heutiger Sicht nur schwer begreifliche massenmanipulative Wirkung konnte vor allem auch durch die Entwicklung und Förderung bestimmter Rundfunkmedien erzielt werden, bei der eine große Menschenzahl mit geringem Aufwand erreicht und beeinflusst werden konnte. Besonderes Augenmerk erhielten hierbei auch die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, welche 1916 an Deutschland vergeben wurden und die Nationalsozialisten „erbten“. Da der Fußball sich in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur Hitlers zur populärsten Sportart wandelte, soll hier Untersucht werden, wie und durch welche Maßnahmen der Fußball in dieser Zeit zu propagandistischen Zwecken instrumentalisiert wurde.

Um die Relevanz des Fußballs als Propagandamittel zu ermitteln soll deshalb zu Beginn die Rolle des Sports in der Gesellschaft und für die Nationalsozialisten erörtert werden, anschließend erklärt werden warum der Fußball derart Instrumentalisiert werden konnte, wie er es letztendlich wurde. Anschließend soll kurz der Begriff Propaganda definiert werden um dann konkreter auf die zuerst innerdeutschen und dann auf die internationalen Maßnahmen eingehen zu können. Hierbei wird vor allem durch konkrete Beispiele argumentiert, da abgeschlossene Geschichte und die konkreten Mittel der Propaganda sich meist in einzelnen Aktionen auf die damaligen konkreten situativen Umstände äußern. Auf Grund der Relevanz der Medien werden deshalb auch einzelne Medien als Transportmittel der Propaganda näher beleuchtet. Abschließend wird am Beispiel des FC Gelsenkirchen-Schalke 04 ein Fußballverein näher auf die Einbindung für propagandistische Zwecke untersucht.

Die glaubwürdigsten Quellen des hier daliegenden Forschungsstands liefern dabei die ausführlichen Studien von Nils Havemann und einzelne Beiträge in Herzog Markwarts Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus. Viele andere Quellen liefern zwar wichtige ergänzende Hinweise, sehen die Einbindung des Fußballs aber oft monokausal, während nach aktuellem Forschungsstand hauptsächlich das Zusammenspiel einzelner individueller Interessen, gesellschaftlicher Notwendigkeiten, ökonomischer Vorteile und nationalsozialistischer Propaganda ausschlaggebend für die tatsächlich ereignete Geschichte gesehen wird.

2. Die Rolle des Sports in der Gesellschaft und für die Nationalsozialisten

Die Entwicklung einer Sportkultur in Deutschland findet – mit Ausnahme des älteren Turnens – bereits in den 1880er Jahren statt, konnte sich aber wegen des ersten Weltkrieges erst in den 1920er Jahren als Massenphänomen entwickeln. Schnell konnte der Sport auf Grund des trostlosen harten Lebens der vergangen Kriegsjahre des ersten Weltkrieges modische Trends setzen und sich in der Gesellschaft etablieren. Der Fußball entwickelte sich in dieser Zeit als führender Sport bezüglicher seiner Popularität als Breitensport sowie als Zuschauersport (vgl. Fischer/Lindner 1999, 14). Ab dem Jahr 1924 war der Sport für die Gesellschaft derart wichtig, dass er auch zunehmend zum Politikum hochstilisiert wurde (vgl. Fischer/Lindner 1999, 13-14). Auch die Nationalsozialisten, die den Sport als „Vorschule der Nation“ verstanden, deklarierten die Leibeserziehung ab 1930 als Lebensfrage des deutschen Volkes. Auf Grund des medialen und propagandistischen Potentials versuchten die Nationalsozialisten den „englischen Sport“ durch Maßnahmen wie Artikel im Völkischen Beobachter die neuen Sportarten als urdeutsche Tugend auszurufen (vgl. Reichel 2006, 330-332). Gleichzeitig setzte eine starke Sportförderung ein.

Die sportliche Förderung ersetzte teilweise sogar eine fehlende Sozialpolitik und wurde von der Bevölkerung dankend angenommen (vgl. Reichel 2006, 334). Die wohl bekannteste Form nationalsozialistischer Sportförderung ist die der Kraft durch Freude (KdF), welche einen so großen Teil der Bevölkerung umfasste, dass von organisierter „Volkssportbewegung“ gesprochen werden kann (vgl. Reichel 2006, 337).

Historisch bedingt war das Turnen noch am weitesten in der Gesellschaft verbreitet, kongruierte aber nur sehr schlecht mit den nationalsozialistischen Gedanken des unmittelbaren Kampfes zweier Kontrahenten. Der erfolgreiche und technisch höchst geförderte Kraftfahrsport sowie das Boxen repräsentierten zudem das Amateurprinzip der Nationalsozialisten sehr schlecht, wobei der Sport möglichst für jeden Bürger finanziell zugänglich und praktizierbar sein soll. Die Zugänglichkeit für Jedermann stand natürlich im Hintergrund der Wehrertüchtigung des Volkes. So wurde auf Empfehlung des ab 1933 einberufenen Ministerialdirektors im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung der Fußball zur soldatischen Ausbildung maßgeblich gefördert (vgl. Fischer/Lindner 1999, 24-28). Denn der Fußball war in Deutschland als „Kampfsport“ praktiziert und erforderte zudem mannschaftsorientiertes Handeln. Diese „soldatisch-sportliche Haltung und Gesinnung“ sollte auch im Volk dazu führen den „Wehrgedanken national zu verankern“ (Ueberhorst 1976, 38). So verbreitete sich der Gedanke bei den Nationalsozialisten, „Länderspiele als Vorstufe eines Krieges zweier Nationen zu sehen und den sportlichen Sieg als Beleg für die Überlegenheit des eigenen Volkes zu interpretieren“ (Fischer/Lindner 1999, 27).

3. Die Einverleibung des Fußballs für nationalsozialistische Interessen

Um zentralistisch über alle Institutionen regieren zu können, wurde 1933 mit der ersten Gleichschaltung das Führerprinzip eingeführt. Für den bis dahin sehr föderal organisierten deutschen Fußball ergab sich daraus eine Machtkonzentration unter einem einzigen Dachverband, dem Fachamt Fußball (de facto der ehemalige DFB). Dieser war im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL) unter Leitung des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten integriert. Der DRL wurde 1938 zum Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL), einer von der NSDAP betreuten Organisation. Die Zusammenlegung der einst sieben eigenständig organisierten Landesverbände führte zur seit der Weimarer Republik u.a. von Felix Linnemann (Vorsitzender des DFB) angestrebten Zentralisierung des deutschen Fußballs (vgl. Havemann 2005, 114 – 118). Hierbei muss allerdings gesagt werden, dass die DFB-Funktionäre eine Zentralisierung mit Führerprinzip weniger aus ideologischen Gründen befürworteten, sondern vielmehr an Mehrung von Vermögenswerten und Machtposition Interesse zeigten (vgl. Markwart 2008, 13-14). Auch wenn einzelne Personen freilich Anhänger des Nationalsozialismus waren, waren diese im Fußball nicht häufiger vertreten als in anderen Bereichen. Zudem spekulierten die Funktionäre darauf auch nach der Gleichschaltung noch weitgehend eigenständig entscheiden zu dürfen.

Diese erste Gleichschaltung 1933 war also der Grundstein für einen ökonomischen und gesellschaftlichen Aufschwung des Fußballs der das Fachamt Fußball bzw. den DFB sehr schnell zur unabdingbaren Größe in der NS-Politik machte. So schrieb 1937 von Tschammer und Osten:

„Der Inhalt des gesamten Sportbetriebes beträgt im Jahresumsatz 1,1 Milliarden Reichsmark. Das sind gewaltige Volksvermögenswerte, mit denen hausväterlich und gewissenhaft umzugehen jeder Nationalsozialist verpflichtet gewesen wäre.“ (Havemann 2005, 114 – 118)

Da durch den finanziellen Erfolg weiter in Nachwuchsförderung und Spieler investiert werden konnte, sowie der zentralen Steuerung anstatt ständiger Machtstreitigkeiten unter den einzelnen Verbänden, erreichte die deutsche Nationalmannschaft auch international Erfolge, wodurch es zu einer zunehmenden Instrumentalisierung des Fußballs zu propagandistischen Zwecken kam.

4. Fußball als Instrument des Propagandaapparates

4.1 Definition Propaganda

Der Begriff Propaganda [die, lateinisch] hat seinen Ursprung in den Bemühungen der Ausbreitung des katholischen Glaubens. Heute wird unter Propaganda die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Wort, Bild, Schrift, Musik, Symbol und Aktion, hauptsächlich in politischer Absicht und unter Ausnutzung sozialpsychologischer Erkenntnisse verstanden (vgl. Wissen.de 2010, Propaganda). Allerdings muss der Begriff immer bezüglich einer bestimmten Epoche definiert werden, da auch Öffentlichkeitsarbeit als Anwendung meinungsprägender Kommunikationstaktiken auf theoretisch-wissenschaftlicher Basis gesehen werden kann (vgl. Daniel/Siemann 1994, 7). Allerdings grenzt sich Propaganda generell von der tagespolitischen Massenbeeinflussung (Agitation) ab und zielt auf die längerfristige Manipulation von Meinungen und Einstellungen. Da sich die Beeinflussungsmaßnahmen häufig sozialpsychologischer Erkenntnisse bedienen, läuft Propaganda oft auch auf subtiler Ebene ab die auf unterbewusste Rezeption zielt.

Im Nationalsozialismus unterlag die Propaganda dem 1933 gegründeten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels. Hierbei wurde die Propaganda vor allem durch die neu aufkommenden Massenkommunikationsmittel des Rundfunks sowie Kino und durch Zeitungen/Zeitschriften verbreitet. Weitere Propaganda fand in zahlreichen kulturellen Institutionen (Schulen, Sportvereinen) sowie durch Integration in den Alltag (Hakenkreuzfahnen, NS-Lieder etc.) statt. Generell wurde Dritten Reich eine Meinungsbeeinflussung in allen denkbaren Sektionen vorgenommen, da sich der Staat dadurch legitimiert sah, zu jedem Zeitpunkt und in jeder Hinsicht ausführendes Organ der Volksmeinung zu sein (Daniel 1994, 72).

[...]

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Details

Titel
Fußball als nationalsozialistisches Propagandamittel
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Politische und kulturelle Aspekte öffentlicher Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V167379
ISBN (eBook)
9783640838240
ISBN (Buch)
9783640837885
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fussball, NS, Nationalsozialismus, Propaganda, NS-Politik, Propagandamittel, Schalke, Schalke 04, Manipulation, Sport, Der Kicker, große Spiel, antisemitismus
Arbeit zitieren
Stefan Schatt (Autor:in), 2010, Fußball als nationalsozialistisches Propagandamittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167379

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