Islamfeindlichkeit in Deutschland

Das Auftreten in den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten und der Umgang mit ihr


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichtlicher Hintergrund und Entwicklung

2. Allgemeines zum Islambild in Deutschland

3. Beispiele von Islamfeindlichkeit
3.1. Islamfeindlichkeit in der Schule
3.2. Islamfeindlichkeit in der Politik

Fazit

Literatur:

Einleitung

Aus „gegebenem“ Anlass habe ich mich dazu entschlossen, dass vorliegende Thema in dieser Hausarbeit zu behandeln. Die Islamfeindlichkeit bzw. Islamophobie in Deutschland hat sich in den letzten Jahren, ja sogar Jahrzenten, langsam aber stetig etablieren können.

Jede gesellschaftliche Ebene, jeder Kulturkreis und jede Schicht scheinen in diesem Sinne von ihr „betroffen“ zu sein. Ich meine hiermit natürlich kein Opferverhältnis im wörtli- chen Sinne, dennoch findet sich Islamfeindlichkeit in all diesen Kreisen wieder und ist somit in aller Munde. Ironischerweise könnte man von einer aktuellen „Popularität“ des Islams sprechen. Die Debatte dieses Themas entfachte zahlreiche Publikationen wissenschaftlicher, politischer und alltäglicher Seite, welche die Mannigfaltigkeit dieses Themas noch einmal unterstreichen.

Auch haben mich einige persönliche Beweggründe zu diesem Thema gebracht. Da ich als muslim und eingebürgerter deutscher (mit türkischem Migrationshintergrund) am eigenen Leibe nicht wenige Islamophobien erleben „durfte“, entschied ich mich dieses Thema auch von wissenschaftlicher Seite zu behandeln.

Nachfolgend werde ich ein Resümee ausgewählter Beiträge ziehen, mit der Islamfeindlichkeit - in erster Linie - in der deutschen Gesellschaft als Inhalt. Abschließend soll ein Fazit das Ende dieser Hausarbeit bilden und meine eigene Position in dieser Debatte verdeutlichen. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass mir aus Platzgründen eine umfassendere Analyse verwehrt bleibt, ich jedoch versuchen werde an anderer Stelle einige meiner Thesen wieder- aufzugreifen (ein Beitrag für das Heft „Informationen zur politischen Bildung“ bzw. für das Heft „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische Bildung ist in Ver- handlung).

Zugunsten einer besseren Lesbarkeit wird im Folgenden nur eine geschlechtliche Form in der Pluralform personenbezogener Substantive verwendet, die neutral verstanden wird. Wenn von Muslimen die Rede ist, bedeutet dies, dass sowohl Frauen als auch Männer gemeint sind.

1. Geschichtlicher Hintergrund und Entwicklung

Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei, welches am 31.10.1961 geschlossen wurde, führte unweigerlich zu einer der größten Veränderungen in der deutschen Gesellschaft. Entgegen der vertraglichen Konditionen - unter anderem die Aufenthaltsdauer von maximal zwei Jahren, Verlängerung ausgeschlossen - begann die türki- sche Einwanderung nach Deutschland. Dieser Einwanderung von türkischen und anderen, sogenannten „Gastarbeitern“, folgte eine Änderung der Gesellschaft in eine heterogene, reli- giös und ethnisch pluralisierte. Im Zuge dessen änderten sich ebenfalls Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Da diese Änderungen auch die Wissenschaft nicht unberührt ließen, werden im deutschen Sprachraum seit mehr als dreißig Jahren eben jene Einstellungen und Verhaltensweisen aus dem Blickwinkel der Vor- urteilsforschung wissenschaftlich untersucht.1 Hierbei ist ein sprachlicher Wandel festzustel- len, genauer gesagt eine Differenzierung der öffentlichen Auseinandersetzungen im Bezug auf Aktivitäten mit islamischer Verknüpfung. Als Beispiele dienen Debatten um Kopftücher, Extremisten islamischer Prägung und viele mehr. Ich spreche von der Einführung des konkre- ten Begriffs Islamophobie, respektive auch seltener Islamfeindlichkeit.

Eine kurze Erläuterung: „Der Begriff islamophobia wurde erstmals in Großbritannien verwendet, um nach der iranischen Revolution und speziell im Anschluss an die Fatwa gegen Salman Rushdie 1989 zwischen generell fremdenfeindlichen Einstellungen und der wachsenden Feindseligkeit gegenüber Muslimen zu unterscheiden. In der amerikanischen und europäischen Forschung hat sich der Terminus islamophobia beziehungsweise Islamophobie für die Beschreibung von Vorurteilen und diskriminierenden Verhaltensweisen gegenüber muslimischen Personen etabliert“.2 Der Begriff suggeriert fälschlicherweise allgemeine bzw. generelle Ängste vor dem Islam und seinen - tatsächlichen oder mutmaßlichen - Angehörigen, dies ist jedoch nicht die korrekte Wiedergabe des Begriffs.

Viele repräsentative Umfragen bestätigen nicht erst seit gestern, dass in der deutschen Bevölkerung starke Vorurteile und Vorbehalte gegenüber dem Islam bzw. Muslimen herr- schen.3 Diese haben in den letzten Jahren tendenziell zugenommen, da viele Menschen den Islam offensichtlich mit Fundamentalismus, Frauenunterdrückung und Gewaltneigung in Verbindung setzen (hierzu später mehr). Selbstverständlich sind zeitgleich Muslime von Dis- kriminierungen und Ausgrenzungen betroffen, die sich aus dem genannten negativen Image des Islam ergeben.4

Im ersten Absatz erwähne ich den Begriff öffentliche Auseinandersetzungen, hierauf möchte ich etwas näher eingehen:

Die öffentlichen Auseinandersetzungen die sich in der deutschen Gesellschaft wieder- finden, sind im Endeffekt nichts anderes als die „[…]wechselseitigen Anerkennungsforderun- gen im Rahmen eines voranschreitenden Integrationsprozesses […]“.5 Die deutsche Gesell- schaft ist eine veränderte Gesellschaft, verändert durch Menschen mit Migrationshintergrund die ursprünglich nicht auf unbestimmte Zeit diese Gesellschaft prägen sollten. Man kann nur überdeutlich sagen, dass die Minderheit und Mehrheit jetzt zusammen vor der Aufgabe ste- hen, diese veränderte Gesellschaft neu zu gestalten, zu verbessern, zu prägen.

Hier sehe ich, kurz gefasst, die größten Aspekte der Integrationsproblematik in Deutsch- land: Um eine erfolgreiche Integration zu gewährleisten, bzw. den Versuch zu unternehmen, ist auf beiden Seiten der Gesellschaft (von der Minderheit und der Mehrheit) eine Verände- rung zu erwarten! Es ist nur natürlich, dass Veränderungen Widerstände hervorrufen, denn veränderte (Rahmen-)Bedingungen erfordern außerordentlich hohe Anpassungs- bzw. Assi- milierungsleistungen. Widerstände finden sich im Zuge eines Integrationsprozesses oft in Fremdenfeindlichkeit wieder, denn sie ist Ausdruck der Ideologie einer Ungleichwertigkeit und muss auch als solche gewertet werden.6 Und genau dieser Punkt muss von der Minderheit und der Mehrheit akzeptiert und als Kernproblem gemeinsam in Angriff genommen werden!

Anfangs spielten die religiösen Überzeugungen der Einwanderer und das Ausleben ihrer Religion keine große Rolle für die deutsche Gesellschaft. Doch nach mehreren Jahren und dem Beginn der vermehrten Zuwanderungen, bzw. Niederlassungen der Einwanderer, ent- fachte eine Integrationsdebatte auf beiden Seiten, die einer kulturell-religiösen Spannungslinie gleich kam. Die deutsche Gesellschaft war nun mit einer kulturell anders geprägten Gruppe konfrontiert, die anfing ihre Religiosität in den deutschen Alltag einzubringen. Es folgte das Betonen der Differenz und eine Abwertung bzw. eine Ablehnung des Anderen, des Fremden. Es wurde von der deutschen Gesellschaft - nicht ganz zu Unrecht, denn es war nicht geplant dass die Einwanderergruppe langfristig Umsiedeln/bleiben würde - versäumt integrationsför- dernde Maßnahmen für die Einwanderer bereitzustellen. War die religiöse Differenz bis dato nicht von Belang, kam es nun zu einer Ausweitung der Vorurteile (bzw. vereinzelt gezielten Islamfeindlichkeit) gegenüber Muslimen.

Hier finden sich vor allem die Themen um das Kopftuch, den Schweinefleisch-Verzehr und den Bau von Moscheen wieder. Terrorismus bzw. Bedrohung durch Terror islamischer Prägung spielt nur eine untergeordnete Rolle, wobei sich Experten jedoch einig sind, dass die Berichterstattung der Medien (in den letzten 10 Jahren) über islamistischen Terror die Wahrnehmung von Unterschieden zusätzlich verstärkt hat.7

2. Allgemeines zum Islambild in Deutschland

Es ist mittlerweile eine Tatsache, dass der Islam - und die Glaubensgemeinschaft in Deutsch- land um ihn - hierzulande in einem sehr schlechten Licht stehen. Die Gründe und Auswir- kungen dieser Abneigung sind zwar unterschiedlicher Natur, dennoch lässt sich eine stetige Zunahme starker Vorbehalte in den letzten Jahren registrieren.8 Sichtbar ist dies unter ande- rem daran, dass die eben erwähnten Kernthemen seit Jahren in den Medien präsent sind und regelmäßig eine Debatte auslösen - meist] mit unterschiedlichem Anlass, oft mit kongruentem Inhalt. Die hierzu veranlassten Forschungen und Umfragen weisen eine tendenziell erschre- ckende Übereinstimmung auf: „Laut einer im Mai 2006 veröffentlichten Allensbach-Umfrage stimmten 83 Prozent der Befragten der Aussage zu, der Islam sei fanatisch, 62 Prozent be- trachteten ihn als rückwärtsgewandt, 71 Prozent als intolerant und 60 Prozent als undemokra- tisch. Sogar 91 Prozent der Befragten gaben an, dass sie beim Stichwort Islam an die Benach- teiligung von Frauen dächten. Als Ergebnis ihrer Untersuchung halten Elisabeth Noelle und Thomas Petersen fest: ‚Die Vorstellungen der Deutschen über den Islam waren bereits in den vergangenen Jahren negativ, doch haben sie sich in der jüngsten Zeit noch einmal spürbar verdüstert.’ (FAZ, 17.6.06)“.9

An dieser Stelle scheint mir eine angemessene Ursachenforschung sehr schwierig, da die Motive höchst komplex sind. Dennoch möchte ich einige, in der Forschung anerkannte und immer wiederkehrende Hauptmotive, anführen und kommentieren.

Öffentliche Spannung bzw. Konfrontationsangst: Die vorbelastete Historie Deutschlands macht es der Bevölkerung und den Medien in Deutschland schwer, stellenweise angemesse- ne10 Kritik an Problemen zu üben, die etwas mit Einwanderern, Migranten bzw. Muslimen zu tun haben. Hinzu kommt, dass sich stellenweise Muslime in eine Opferrolle hineinbegeben, obwohl dies nicht nötig ist.11 Diese Spannungen folgern für mich die Konsequenz, dass sich der gebildete Druck nicht offen abladen lässt und angestaute Konflikte entweder in mobili- sierten Massen abgeladen werden, oder Anklang in extremen politischen Gruppierungen fin- den (was ebenfalls früher oder später zu einer Massenmobilisierung führt).12 Des Weiteren sind immer wieder Spannungen in den folgenden Motiven zu registrieren. Ü berfremdungsgef ü hle: Die Überfremdungsgefühle die in der deutschen Bevölkerung bestehen, unterliegen einer eigenen, längeren Dynamik. Diese Dynamik lässt sich auf die Prä-senz islamischer Symbole und Handlungen in der deutschen Gesellschaft zurückführen. Ich möchte mich auf zwei konkrete Beispiele beschränken.

Angefangen bei der Kleiderordnung, insbesondere dem Kopftuch (hierauf nehme ich noch einige Male Bezug). Während es jungen Muslima als Symbol ihrer Selbstbestimmung bzw. Befreiung dient, scheint es für die deutsche Bevölkerung als Zeichen der Außensteue- rung, Isolation und Islamisierung nichts anderes auszustrahlen. Dieses höchst brisante und vieldiskutierte Thema sorgte mehrfach für Aufsehen unter dem Stichwort Nachteile junger Muslima auf dem Arbeitsmarkt und führte sogar zu bundesweit bekannten „Kopftuch- Debatten“.13 Das Kopftuch als islamisches Zeugnis wird in einen nicht-islamischen Kontext getragen und vereint also zwei grundlegende Elemente, die es zu einem sehr umstrittenen Thema machen: Das Kopftuch ist überaus politisch und zugleich absolut privat.14

Ebenfalls sorgt der Bau von Moscheen bzw. die bloße Präsenz von Moscheen in der Bevölkerung für Unbehagen. In Bremen staunte die Öffentlichkeit beispielsweise nicht schlecht, als eine Studie über religiöse Einrichtungen 20 Moscheen bzw. gleichwertige isla- mische Anknüpfpunkte/Einrichtungen ausfindig machte.15 Regelmäßige Protestaktionen bei Moscheebauten sind seit dem Schweizer Minarettstreit16 auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. Diese beiden Beispiele konnten die entstehenden Spannungen aufzeigen. Der eigentli- che Kern der Überfremdung ist jedoch die Wirkung von diesen religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit. Der öffentliche Gebetsruf des Muezzins, die islamische Kleidung und Archi- tektur sind für die Muslime der lebendige Ausdruck, dass die eigene islamische Ästhetik in den deutschen Städten angekommen ist, während für die deutsche Bevölkerung die Herrschaft über das Schöne, Gute und Wahre allmählich verloren geht. Dasselbe Gefühl findet sich auch auf muslimischer Seite, sodass hier ein konkretes Aggressionspotenzial vorherrscht.

[...]


1 Vgl. SCHNEIDERS 2009, S. 145.

2 Ebenda, Hervorhebungen im Original.

3 Vgl. LEIBOLD/KÜHNEL 2003, S. 100-119.

4 Vgl. TEZCAN 2000, S. 401-448.

5 SCHNEIDERS 2009, S.146. Diese Forderungen zeigen, dass der Islam - entgegen vieler Vorurteile - in der Moderne angekommen ist. Siehe dazu FRESE 2004, S.444: „Die Forderung nach Respekt und Anerkennung ist jedoch eine ausgesprochen moderne!“, wobei Frese weiterführend auf TAYLOR 1997 hinweist.

6 Vgl. HEITMEYER 2002, S. 15-34.

7 Vgl. KÜHNEL/LEIBOLD 2007, sowie SCHNEIDERS 2009, S. 146.

8 Vgl. SCHNEIDERS 2009, S. 167.

9 Ebenda, S. 168.

10 Ich spreche von sogenannter harter Kritik. Damit meine ich, dass die deutsche Gesellschaft (wie im allgemei- nen jede Gesellschaft) meiner Meinung nach das Recht wahrnehmen muss, Dinge die es erfordern, scharf zu kritisieren! Auch unter der Gefahr nationalsozialistisch, populistisch, oder sonst wie dargestellt zu werden. Wo- bei bei Deutschland zu sagen ist, dass es sich die Öffentlichkeit selbst sehr schwer macht, da sie scheinbar Angst hat diesem Ruf nicht standhalten zu können. Auf Dauer wird dies, meines Erachtens nach, zu einem Konflikt größerer Dimension führen.

11 Siehe mehrere Beiträge in SCHNEIDERS 2010.

12 Siehe dazu den Fall der ermordeten Berlinerin Hatun Sürücü, bei dem das Motiv „Ehrenmord“ vorlag (2005).

13 Siehe dazu den bundesweit ersten Fall einer Einstellungsverweigerung im Schuldienst durch das Bundesland Baden-Württemberg, bei dem es zu einer Gerichtsverhandlung aller Instanzen kam: Fereshta Ludin (1998-2003; BVerfG 2003), oder einer Bremer Lehramtsstudentin der ein Praktikumsplatz an einer Schule aufgrund ihres Kopftuches verweigert wurde (2004/2005; hierzu FRESE 2005).

14 Vgl. FRESE 2005, S. 24.

15 Vgl. FRESE/HANNEMANN 1995.

16 Mehrere Minarett-Bauvorhaben lösten letzten Endes einen Volksentscheid aus. Der Streit gipfelte darin, dass die eidgenössische Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» am 29. November 2009 in einer Volksab- stimmung angenommen wurde. Siehe dazu mehr unter www.minarette.ch, zuletzt abgerufen am 03.02.2011 um 18.17 Uhr.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Islamfeindlichkeit in Deutschland
Untertitel
Das Auftreten in den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten und der Umgang mit ihr
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Einführung in den Islam
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V167403
ISBN (eBook)
9783640838288
ISBN (Buch)
9783640838509
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamophobie, Islamfeindlichkeit, Deutschland, Islam, Muslime
Arbeit zitieren
Mo Yanik (Autor), 2011, Islamfeindlichkeit in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167403

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