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Merkmale Politischer Religion in der „Freien Deutschen Jugend“

Title: Merkmale Politischer Religion in der „Freien Deutschen Jugend“

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 28 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dipl.-Pol. Stephanie Walter (Author)

Politics - History of Political Systems
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Im 20. Jahrhundert haben zwei deutsche Diktaturen von sehr unterschiedlichem Wesen ihre Macht gemäß ihrer Zielvorstellungen ausgeübt. Die nationalsozialistische Diktatur vernichtete Millionen von Menschen und scheute auch nicht davor zurück, Kinder und Jugendliche zur Machterhaltung des Regimes in den Krieg zu schicken. Eine physische Vernichtung in dieser kaum fassbaren Größenordnung hat es in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nicht gegeben. Doch auch hier wurden Menschen ermordet, eingesperrt, vor allem aber psychisch durch ein ausgefeiltes Bespitzelungssystem zersetzt. Beide Systeme waren jedoch bemüht, dieses Vorgehen zu vertuschen, zu rechtfertigen und sich in einem möglichst positiven Licht darzustellen, um ihre Anhänger zu halten und neue zu gewinnen. Sie bedienten sich dabei verschiedener Instrumente, um die Gesellschaft in ihrem Sinne umzuformen. Zusammengefasst in verschiedene Organisationen sollten die Menschen unter ihre totale Kontrolle gelangen und mit einer Vielzahl von Mitteln beeinflusst werden. Hierzu gehörten unter anderem Aufmärsche und Lieder, deren Einsatz eng mit der Vermittlung der weltanschaulichen Botschaften verknüpft war und an eine Religion erinnernde Züge trug, obwohl gleichzeitig die Eliminierung religiöser Tendenzen angestrebt wurde. Dieser nur scheinbare Widerspruch kann mit der Theorie, der politischen Religion aufgelöst und erklärt werden. Auf dieser Grundlage können die Gemeinsamkeiten, die für beide Regimes trotz ihrer Verschiedenheit festzustellen sind, in verschiedenen Bereichen analysiert werden. Im Rahmen dieser Arbeit soll das am Beispiel der Jugendorganisationen beider Systeme gezeigt werden, die in Hitlerjugend (HJ)1 und Freier Deutscher Jugend (FDJ) ihren Nachwuchs heranziehen wollten.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept der Politischen Religion

3. Die FDJ bis 1961

3.1 Organisation

4. Poltisch-religiöse Elemente in der FDJ

4.1 Führerkult

4.2 Liedgut

4.3 Emblem

4.4 Fahne

4.5 Jugendstunden und Jugendweihe

4.6 Fackelzüge

4.7 Massentreffen und Fahrten

5. Ergebnis

5.1 Ausblick

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Freie Deutsche Jugend (FDJ) in der DDR zwischen 1949 und 1961 unter dem Gesichtspunkt politisch-religiöser Merkmale. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Jugendorganisation durch die gezielte Anwendung religionsähnlicher Rituale, Symbole und Ideologien zur Herrschaftssicherung und politischen Sozialisation der jungen Generation beitrug.

  • Analyse der FDJ als Instrument der SED-Ideologie
  • Untersuchung von Elementen wie Führerkult und politischem Liedgut
  • Evaluierung der Bedeutung von Symbolen und kollektiven Ritualen
  • Vergleich der Jugendweihe mit traditionellen religiösen Riten

Auszug aus dem Buch

4.2 Liedgut

Der klassische Jugendchor bestimmte in den 50er und 60er Jahren die Musikkultur der FDJ. Beim Zentralrat der FDJ gab es einen eigenen Jugendchor. Für gemeinsamen Singen gab die FDJ selbst Liederbücher wie „Leben Singen Kämpfen“ heraus, die im Abstand von mehreren Jahren überarbeitet wurden. Die Gestaltung wurde vom Zentralrat der FDJ entscheidend kontrolliert, die konkrete Ausarbeitung wurde Fachleuten und verlässlichen Genossen übertragen. Maßgebliche Kriterien für die Auswahl der Lieder waren die politische Erziehung und Manipulation, einziges künstlerisches Kriterium die Eignung zum Gruppengesang. Schäfer spricht daher von „verordnetem“ Liedgut.

Da nicht nachgeprüft werden kann, welche Lieder aus den Liederbüchern tatsächlich gesungen wurden und welche darüber hinaus, kann nur die durch die Staatsführung und ihre Jugendverbandsfunktionäre verfolgte politische Intention abgelesen werden, nicht aber, wie diese in der Realität umgesetzt wurde.

Bei den Liederbüchern aus der Anfangszeit der DDR fällt Liedgut der Jugendmusikbewegung auf. Von den 147 Liedern waren 1949 in „Leben Singen Kämpfen“ zwölf Lieder auch im Zupfgeigenhansl enthalten, etwa genau so viele gingen auf die Jugendmusikbewegung zurück oder waren Kunst- und Volkslieder, die auch in der Jugendmusikbewegung der Weimarer Zeit gesungen wurden. Schäfer sieht die zentralen Ideen wie Führerprinzip und Gemeinschaftsgedanke, also die Idee gemeinschaftsbildender Kraft der Musik, als vorrangig aus der bürgerlichen Jugendmusikbewegung übernommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den theoretischen Hintergrund der Arbeit, die sich auf den Marxismus-Leninismus als politische Religion bezieht und die FDJ im Zeitraum von 1949 bis 1961 untersucht.

2. Das Konzept der Politischen Religion: In diesem Kapitel wird der wissenschaftliche Begriff der Politischen Religion anhand der Theorien von Voegelin und Linz definiert und als immanentes Glaubenssystem vorgestellt.

3. Die FDJ bis 1961: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der FDJ als staatlich gelenkte Massenorganisation der SED nach.

4. Poltisch-religiöse Elemente in der FDJ: Das Hauptkapitel analysiert konkrete Ausdrucksformen wie Führerkult, Liedgut, Symbole und Rituale, die der FDJ eine politisch-religiöse Prägung verliehen.

5. Ergebnis: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und bestätigt den Einsatz von Mitteln der Politischen Religion zur Indoktrination der DDR-Jugend.

Schlüsselwörter

FDJ, DDR, Politische Religion, SED, Jugendweihe, Führerkult, politische Sozialisation, Indoktrination, Massenorganisation, Stalin, Ideologie, Liedgut, Symbolik, Totalitarismus, Jugend.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die FDJ in der DDR als eine Organisation, die durch Merkmale einer „politischen Religion“ zur Festigung des sozialistischen Herrschaftssystems beitrug.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Jahre 1949 bis 1961 und behandelt Themen wie den Führerkult, die Bedeutung von Liedern, Symbolen, Fahnen und kollektiven Ritualen wie der Jugendweihe.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, nachzuweisen, dass die FDJ als Ersatzreligion fungierte, um Jugendliche ideologisch an Staat und Partei zu binden und traditionelle religiöse Bindungen zu verdrängen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-politische Analyse, die theoretische Konzepte der Totalitarismusforschung auf den konkreten Jugendverband FDJ anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Instrumente der Indoktrination, vom intensiven Stalinkult bis hin zur Nutzung von Musik und Massenveranstaltungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören FDJ, Politische Religion, Indoktrination, Sozialisation, SED-Ideologie und Jugendweihe.

Warum spielt der Stalinkult eine so große Rolle im Kontext der FDJ?

Der Stalinkult diente dazu, die absolute ideologische Verbundenheit zur Sowjetunion zu demonstrieren und die Unfehlbarkeit der Führung als gottähnliches Vorbild zu etablieren.

Welche Funktion hatte die Jugendweihe innerhalb des DDR-Systems?

Die Jugendweihe sollte als staatliches Ersatzritual konfessionelle Konfirmationen verdrängen und die Jugendlichen auf das Gelöbnis gegenüber der SED-Doktrin verpflichten.

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Details

Title
Merkmale Politischer Religion in der „Freien Deutschen Jugend“
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Course
Kirche und Staat in der Bundesrepublik Deutschland
Grade
1,7
Author
Dipl.-Pol. Stephanie Walter (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V167418
ISBN (eBook)
9783640838301
ISBN (Book)
9783640837809
Language
German
Tags
Politsche Religion FDJ Freie Deutsche Jugend Jugend Jugendorganisation Diktatur DDR
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Pol. Stephanie Walter (Author), 2006, Merkmale Politischer Religion in der „Freien Deutschen Jugend“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167418
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