Volkswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung


Seminararbeit, 2010
43 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Formelverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die Bedeutung volkswirtschaftlicher Kennzahlen für die Wirtschaft
2.1 Historische Betrachtung
2.2 Heutige Bedeutung der Indikatoren
2.3 Konjunkturtheorien in der Volkswirtschaft
2.4 Problematiken volkswirtschaftlicher Kennzahlen
2.4.1 Vergleichbarkeit
2.4.2 Berechnung

3. Kennzahlen
3.1 Allgemein bekannte Kennzahlen
3.1.1 Bruttoinlandsprodukt
3.1.1.1 Allgemeines und Berechnung
3.1.1.2 Bruttoinlandsprodukte im Vergleich
3.1.1.3 Problematiken des Bruttoinlandsprodukts
3.1.2 Arbeitslosigkeit
3.1.2.1 Die Arbeitslosenquote
3.1.2.2 Verstecke Arbeitslosigkeit
3.1.2.3 Ursachen und Formen der Arbeitslosigkeit
3.1.3 Inflation und Verbraucherpreisindex
3.1.3.1 Inflationstheorien
3.1.3.2 Messung der Inflation - Verbraucherpreisindex
3.1.3.3 Inflation und Arbeitslosigkeit - Die Phillips-Kurve
3.2 Wichtige Kennzahlen zur Lage der Unternehmen
3.2.1 Ifo-Geschäftsklimaindex
3.2.1.1 Berechnung des Ifo-Geschäftsklimaindex
3.2.1.2 Vor- und Nachteile des Ifo-Geschäftsklimaindex
3.2.2 Tankan - Bericht
3.2.2.1 Berechnung des Tankan - Bericht
3.2.2.1 Vor- und Nachteile des Tankan - Bericht
3.2.3 Purchasing Managers Index (PMI)
3.2.3.1 Berechnung des Purchasing Managers Index
3.2.3.2 Vor- und Nachteile des Purchasing Managers Index
3.3. Staatsverschuldung
3.3.1 Staatsverschuldung als Mittel zum antizyklischen Handeln
3.3.2 Kritikpunkte der keynesianischen Wirtschaftspolitik
3.3.3 Aktuelle keynesianische Wirtschaftspolitik in Deutschland
3.4 Alternative Ansätze
3.4.1 Big Mac Index
3.4.2 Umwelt und Wohlergehen als Indikator

4. Bewertung

Anhang

Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Formelverzeichnis

Formel 1: Berechnung der Arbeitslosenquote

Formel 2: Inflationsbedingungen

Formel 3: Nichtmonetäre Inflationstheorie

Formel 4: Ifo-Geschäftsklimaindex

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Havard Barometer

Abbildung 2: Der Kondratiev Zyklus

Abbildung 3: Anteil der „non observed economy“ am BIP

Abbildung 4: BIP 2008

Abbildung 5: BIP pro Kopf 2007

Abbildung 6: Aktuelle BIP Entwicklung

Abbildung 7: Arbeitslosigkeit in Großbritannien

Abbildung 8: Ausgewählte Aktivitätsraten für Großbritannien

Abbildung 9: Klassische Arbeitslosigkeit

Abbildung 10: Keynesianische Arbeitslosigkeit

Abbildung 11: Inflationstheorie

Abbildung 12: VPI Deutschland 2008 - 2009

Abbildung 13: Die Phillips-Kurve

Abbildung 14: Ifo Konjunkturtest

Abbildung 15: Korrelation von Ifo-Geschäftsklima und BIP

Abbildung 16: Tankan Umfrage

Abbildung 17: Purchasing Manager Index

Abbildung 18: Big Mac Index

Abbildung 19: Ländervergleich Happy Planet Index

1. Einleitung

Die Konjunkturentwicklung ist eines der wichtigsten Interessensgebiete volkswirtschaftlicher Beobachtung. Nicht nur fachspezifische Wissenschaftler, Lehrkräfte sowie Professoren interessieren sich für dieses Thema, sondern ebenfalls Kaufleute, Geschäftsführer, Manager und oftmals auch der einfache Bürger. Der Grund dafür ist in der Bedeutung der Konjunktur zu suchen. Für jede dieser Personen hat sie einen, direkten oder indirekten, Einfluss auf das Leben. Der einfache Arbeiter hat vielleicht Interesse daran wie, die Auftragslage seines Arbeitgebers ist, um festzustellen wie sicher sein Arbeitsplatz ist oder ob es nicht besser wäre, sich nach einem neuen Job umzusehen. Für den Manager oder den Inhaber eines Unternehmens kann es um die gesamte Existenz der Firma gehen, wenn eine Rezession droht und das Unternehmen sich nicht darauf vorbereitet beziehungsweise, richtig absichert. All dies sind Faktoren, welche die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als Beobachtungswert erscheinen lassen. Um diese Beobachtungen quantifizierbar und qualifizierbar zu machen, bedarf es der Analysierung der wirtschaftlichen Entwicklungen und deren Sichtbarmachung in Zahlen. Grob kann man diese erstellten Indikatoren in Mengen- und Preisindikatoren oder in Früh-, Gegenwarts- und Spätindikatoren einteilen. Betrachtet man aber diese Untergruppen, so stellt man fest, dass es eine unüberschaubare Anzahl von potentiellen Kennzahlen gibt, die es zu analysieren gilt. Angefangen bei den Mengenindikatoren, wie der Arbeitslosenquote und der Industrieproduktion über Preisindikatoren, wie der Inflationsrate bis hin zu den zeitlichen Kennzahlen, wie des japanischen Tankan Index oder des ifo-Geschäftsklimaindex, gibt es auch alternative Ansätze, die über das alleinige Betrachten wirtschaftlicher Fakten hinausgehen. Hierbei kann zum Beispiel die Umwelt als weitere Faktor betrachtet werden, wie beim Happy Planet Index (HPI). Aber auch bei den normalen Indikatoren kann auf verschiedenste Weise versucht werden, die Konjunkturentwicklung darzustellen. So wird zum Beispiel beim Housing Markt Index in den USA die Verkäufe von Immobilien als Indikation für die Entwicklung herangezogen, während das BIP den Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellt wurden, angibt. Aufgrund dieser Fülle an potentiell analysierbaren volkswirtschaftlichen Kennzahlen, wird in dieser Seminararbeit aufgrund Umfangsbeschränkungen auf eine Darstellung aller verzichtet. Es wird vielmehr versucht, einen Überblick über die historische Betrachtung, die heutige Bedeutung und eine Analyse der nach der Meinung der Autoren wichtigsten Indikatoren zu geben. Zudem wird noch ein Bild über die wichtigsten Indikatoren in den drei von vier größten Volkwirtschaften Japan, USA und Deutschland gegeben, um die Wichtigkeit einer globalisierten Welt widerzuspiegeln. Im Anschluss wird eine kurze Bewertung dieser volkswirtschaftlichen Kennzahlen gegeben.

2. Die Bedeutung volkswirtschaftlicher Kennzahlen für die Wirtschaft

2.1 Historische Betrachtungen von Konjunkturindikatoren

Die Nachfrage nach Indikatoren, welche zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen auf Basis vergangener Zahlenreihen und Konjunkturzyklen voraussagen und darstellen, wurde erstmals im 17. Jahrhundert dokumentiert. Schon damals wollten Kaufleute wissen, wie sich ihre Geschäfte in Zukunft entwickeln. Man hatte damals einen Ausdruck für die Konjunktur: das „Auf und Ab der Geschäfte“ (Oppenländer, 1995).

In den Jahren 1877 bis 1887 versuchte der französische Statistiker De Foville, das Zusammenspiel von verschiedenen Einzelindikatoren zu veranschaulichen. Er untersuchte die Jahreswerte anhand von 32 Zeitreihen und gab sie in ein farbiges Tableau ein. Die Grundlage war die Veränderung des sozialen Wohlergehens. Es handelte sich um ein sehr einfaches Verfahren (Bahr, 2000). In den Jahren von 1881 bis 1890 stellte der italienische Forscher Benini 51 Indikatoren graphisch dar. Die Grundlage seiner Arbeit waren 90 ausgewählte Zeitreihen. Von 1882 bis 1911 veröffentlichte Sorer für Österreich einen fortschrittlicheren Ansatz. Er hat auf der Basis von 39 Einzelreihen drei Gruppen von Indikatoren gebildet. Die Einteilung der Gruppen geschah auf Basis ihres Zusammenhangs (Bahr, 2000). Der erste bekannte Konjunkturindikator war das Harvard-Barometer im Jahre 1919. Er wurde als erster Konjunkturindikator in regelmäßigen Abständen in der eigens dafür geschaffenen Zeitschrift Review of Economic Statistics veröffentlicht (Bandholz, 2004). Das Barometer bestand aus drei Einzelindizes und wurde in A-, B- und C-Barometer eingeteilt. Die Kurven waren eingeteilt in der Entwicklung der leader - Aktienkurse, coincider - wirtschaftliche Umsätze und lagger - Zinssätze für die kurzfristige Geschäftstätigkeit (Gabisch, 2008). Eine Grafik ist im Anhang unter Abbildung 1 ersichtlich. Die Forscher Bullock, Crum und insbesondere Person entwickelten diesen Indikator. Person analysierte fünfzig monatliche Zeitreihen für den Zeitraum 1903 bis 1914. Er entdeckte bei zwanzig Zeitreihen im Bezug zu den zeitlichen konjunkturellen Schwankungen gewisse Regelmäßigkeiten (Bandholz, 2004). Bis Mitte der Zwanziger Jahre handelte es sich um ein zuverlässiges Analyseinstrument, welches aber an der Nichtvorhersage der Weltwirtschaftskrise 1929 scheiterte. Das Harvard-Barometer hatte noch bis Mitte September 1929 einen wirtschaftlichen Aufschwung angezeigt (Bahr, 2000).

Nach dem Ende der Großen Depression, ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise 1929, erlebten die Vereinigten Staaten 1937/38 eine neue Depression. Dieses wiederkehrende Ereignis veran]lasste hinsichtlich der Konjunkturindikatorforschung ein ökonomisches Umdenken. Das National Bureau of Economic Research (NBER), mit Ökonomen wie Burns, Mitchell, Moore und Zarnovitz, wurde damit beauftragt , anhand von dem Index of Leading Indicators zu zeigen, wann die Rezession vorbei sein könnte. Es wurden von Burns und Mitchell 487 Zeitreihen analysiert. Ähnlich wie bei dem Havard-Barometer wurde nach empirischen Regelmäßigkeiten gesucht, mit dem Ziel, Prognosen über den zukünftigen Konjunkturverlauf anstellen zu können (Bandholz, 2004). Desweiteren wurde 1938 vom NBER ein

Gesamtindikator veröffentlicht, welcher damals aus zwölf Einzelindikatoren bestand. Dieser Frühindikator wurde bis heute mehrmals überarbeitet und 1993 das letze Mal geändert. Bis zum heutigen Tage hat dieser, vom amerikanischen Handelsministerium monatlich veröffentlichte Gesamtindikator, eine große Bedeutung hinsichtlich der Beobachtung der Konjunktur in den Vereinigten Staaten (Bahr, 2000).

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann man schließlich damit, neue Indikatoren zu finden, mit denen man verlässliche Prognosen aufstellen konnte. Im Jahre 1957 wurde von der Japanischen Nationalbank der Tankan - Bericht veröffentlicht, welcher bis heute der wichtigste Frühindikator Japans ist (Oppenländer, 1995). Im Zeitraum Mitte der Sechziger bis Mitte der Siebziger Jahre wurden viele neue Indikatoren geschaffen, z. B. der wichtigste Deutsche Indikator der Ifo-Geschäftsklimaindex (1965), das Japanische Warnsignalsystem (1968) oder der Sachverständigenrat-Gesamtindikator (1970). Der Auslöser dieser Nachfrage nach Konjunkturindikatoren ist auf die meist keynesianisch geprägte Wirtschaftspolitik Mitte der sechziger Jahre zurückzuführen. Anlässlich des Stabilitätsgesetztes und der Vorstellung, dass man eine antizyklische Konjunkturpolitik betreiben müsse, war es wichtig, Indikatoren zu haben, mit denen man frühzeitig politische Maßnahmen ergreifen konnte, um möglichen Rezessionen frühzeitig entgegenzuwirken. Das Interesse für diese konjunkturellen Gesamtindikatoren verlor aber Mitte der Siebziger Jahre an Interesse, da man die Rezession als Folge des Ölpreisschocks 1973/1974 nicht erklären konnte. Der Grund für das geringe Interesse war nicht auf eine Ungenauigkeit in der Prognose zurückzuführen, sondern vielmehr auf ein mangelndes Vertrauen in die Politik, Konjunkturschwankungen mit Hilfe von wirtschaftspolitischen Maßnahmen stabilisierend entgegenzuwirken (Bahr, 2000).

Das Interesse an Konjunkturindikatoren Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre stieg wieder an. Man sprach auch von einer Art Renaissance in der Konjunkturindikatoren Forschung (Bahr, 2000). Der Impuls kam aber diesmal nicht von der Wissenschaft, sondern von großen deutschen Tageszeitungen. Das Ziel war, die Flut der vorhandenen Informationen in die Form eines Indikators zu verdichten und leicht verständlich für die Leser darzustellen. Die Indikatoren waren z. B. der F.A.Z.-Konjunkturindikator (1989), Handelsblatt-Frühindikator (1992), Wirtschaftswoche-Konjunkturbarometer (1992) und der ZEW Service Sentiment Indicator (1998) (Bahr, 2000).

2.2 Heutige Bedeutung von Konjunkturindikatoren

Die Bedeutung von Konjunkturindikatoren wächst stetig. Alleine in den USA gibt es heute ca. 50 Indikatoren, von denen mindestens vier wöchentlich, 43 monatlich und drei vierteljährlich veröffentlicht werden. Zum Beispiel wird jeden Monat von Analysten, Investoren, Unternehmern und Verbrauchern sehnsüchtig auf die neuen Arbeitsmarktdaten der USA gewartet, um neue Daten zu bekommen, die die Lage der wichtigsten Volkswirtschaft anzeigt (Baumohl, 2007). Zudem ist eine Volkwirtschaft, wie die USA, auch immer abhängiger von der weltweiten

wirtschaftlichen Entwicklung und daher auch von Wirtschaftsindikatoren. Die Folgen sind die Globalisierung, weltweiter Handel, Abbau von Handelsschranken, Modernisierung der Finanzmärkte, Internet, Telekommunikation, Computer- und Softwaretechnologien. Die Verzahnung der amerikanischen Volkwirtschaft ist so groß, dass z. B. die Hälfte der Gewinne der S&P 500 Unternehmen außerhalb der USA gemacht werden und etwa jeder fünfte Arbeitnehmer etwas mit dem Außenhandel zu tun hat (Baumohl, 2007). Desweiteren haben Indikatoren, besonders Frühindikatoren, die Auswirkung, dass die Börse sehr sensibel auf mögliche Veränderungen der Indikatoren reagiert, wenn sie unerwartete Ergebnisse liefern (Markt-Daten, 2009). Konjunkturindikatoren geben wichtige Informationen über den möglichen Verlauf der Konjunktur in der Zukunft an und zeigen mögliche Wendepunkte, z. B. von einer Boom-Phase zu einer Abschwungphase. Diese Daten sind für die Wirtschaft und für die Unternehmen sehr wichtig, da sie Entscheidungen über mögliche Investitionen oder den Abbau von Kapazitäten, aufgrund der konjunkturellen Entwicklung, entscheiden müssen (Kunkel, 2003). Die Nachfrage eines jeweiliges Indikators ist je nach konjunktureller Phase unterschiedlich, z. B. ist in einer Rezession, ein Indikator, der Angaben über die Inflation gibt, nicht so interessant, wie dieser in einer Boom-Phase, da die Arbeitlosenquote hoch ist und es genügend ungenutzte Produktionskapazität gibt (Baumohl, 2007). Die Unternehmen orientieren sich daher an den Frühindikatoren wie z. B. der Ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland, den Takan-Bericht in Japan oder der Purchasing Managers Index in den USA. Die Frühindikatoren haben den Vorteil gegenüber der amtlichen Statistik, mögliche Wendepunkte im zukünftigen Konjunkturverlauf vorhersagen zu können (Kunkel, 2003). Ein wichtiges Kriterium für einen Indikator und dessen Genauigkeit ist das zugrundeliegende Datenmaterial. Für viele Wirtschafsindikatoren und besonders für die Frühindikatoren sind Daten, die auf repräsentativen Umfragen basieren, sehr wichtig und somit eine Voraussetzung für die Genauigkeit. Weitere Vorteile und Grundvoraussetzungen für einen Frühindikator sind die zeitnahe Befragung, Auswertung und Veröffentlichung der Daten (Baumohl, 2006).

2.3 Konjunkturtheorien in der Volkswirtschaft

Um mit den bekannten volkswirtschaftlichen Indikatoren die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vorherzusagen, ist es wichtig, die theoretischen Aspekte der Weltwirtschaft zu kennen. Hierbei kann man den Wirtschaftskreislauf als Basis ansehen, da sich die Indikatoren, wie zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt, häufig auf diesen beziehen, beziehungsweise dessen Änderung anzeigen. Da man auf den globalen Märkten ständig Veränderungen im Wachstum von Märken und bei der Auslastung von Produktionsfaktoren beobachten kann, welche zudem wiederkehrend eintreffen, spricht man hierbei von Konjunkturzyklen (Sperber, 2007). In der Realität treten mehrere Phasen auf: Aufschwung, Boom, Rezession und Depression (Woll, 2007). In der ersten Phase, dem Aufschwung, steigen die Auftragsbestände der Unternehmen. Die Produktion nimmt zu, und es werden neue Investitionen getätigt. Desweitern wächst das Vertrauen auf den Aktienmärkten und die Beschäftigung nimmt zu. Dem folgt eine Phase der Hochkonjunktur, auch Boom genannt. Die Produktionskapazität ist ausgelastet, es herrscht Vollbeschäftigung, Preise und Zinsen steigen. Am Ende dieser Phase ist kein Wachstum mehr möglich, da die Märkte gesättigt sind. In der dritten Phase, dem Abschwung, beziehungsweise der Rezession, nehmen die wirtschaftlichen Aktivitäten ab. Dies zeigt sich in einem langsamer wachsenden Bruttoinlandsprodukt und sinkender Beschäftigung. Im schlimmsten Fall kommt es noch zu einer Phase der Depression, in der sich die Wirtschaftslage über einen längeren Zeitraum nicht erholt, das Preisniveau sinkt und die Beschäftigung geht dramatisch zurück. Nach dem Börsencrash von 1929 und der folgenden Depression konnte man dies sehr genau beobachten: In Deutschland zum Beispiel betrug die Arbeitslosenquote im Jahr 1932 horrende 29,9% (Sturm, 2003). Obwohl die Wirtschaft regelmäßig die verschiedenen Zyklen durchläuft, ist es schwierig, den Zeitabstand vorherzusehen. Josef. A. Schumpeter unterschied daher drei Zyklen: den Kitchin-Zyklus, den Juglar-Zyklus und den Kondratiev-Zyklus (Wildmann, 2007). Der Kitchin-Zyklus, benannt nach Joseph Kitchin, beschreibt einen kurzfristiken Zyklus, genauer gesagt nur 40 Monate. Ein mittelfristiger Konjunkturzyklus ist der sogenannte Juglar-Zyklus, welcher einen Zeitraum von 6 bis 11 Jahren abdeckt und auf den französischen Wirtschaftstheoretiker Clément Juglar zurückgeht. Der wohl längste Zyklus dauert circa 50 Jahre und geht zurück auf die Forschungsarbeit von Nikolai Kondratiev, einem russischen Ökonom. Dieser beschrieb, dass wirtschaftliches Wachstum in langen Wellen, welche hauptsächlich durch Innovation verursacht werden, auftritt und jede dieser Wellen in Hochkonjunktur, Rezession, Depression und Aufschwung unterteilt werden kann (Dicken, 2003). Man geht davon aus, dass wir uns aktuell im „fünften Kondratiev“ (siehe Abbildung 2) befinden. Dieser geht zurück auf die Innovationen, welche durch den rasanten Fortschritt in der Informations- und Computertechnologie verursacht werden. Um nun volkswirtschaftliche Kennzahlen effizient nutzen zu können, mag es aber sicherlich einfacher sein, sich auf kürzere Zeiträume zu beschränken, anstatt ein halbes Jahrhundert zu betrachten. Wie bereits erwähnt, fallen zwar in einen Kondratiev Zyklus die vier üblichen Konjunkturzyklen, aber da diese auf einen zu langen Zeitraum bezogen sind, wäre es z.B. der Politik nicht möglich auf Konjunkturschwankungen zu reagieren.

2.4 Problematiken volkswirtschaftlicher Kennzahlen

2.4.1. Vergleichbarkeit

Nimmt man nun volkswirtschaftliche Indikatoren, um die wirtschaftliche Lage eines Landes beurteilen zu können, so vergleicht man üblicherweise die vorliegenden Daten mit anderen Ländern oder Regionen. Um dies tun zu können, ist es aber fundamental, dass die zugrunde liegenden Daten identisch erhoben und ausgewertet wurden. Dies ist ein erstes Problem, denn oft werden diese unterschiedlich erhoben. So schreibt z.B. Xianchun (2008), dass es in vielen Ländern, darunter auch China und den USA, Abweichungen zum „System zur Berechnung der

Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ (SNA) der Vereinten Nationen gibt. Ein Punkt ist zum Beispiel die unterschiedliche Betrachtung der „non-observed economy“ (NOE). Hierunter fällt unter anderem die sogenannte Schattenwirtschaft, in welcher Schwarzarbeit das tonangebende Thema ist (Ahmad, 2004). Unter anderem fällt dieser schwer zu messende Anteil an der wirtschaftlichen Aktivität deutlich unterschiedlich aus (siehe Abbildung 2). Ein weiteres Problem ist auch die Behandlung des „Informellen Sektors“. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um nichtregistrierte Mikrounternehmen, überwiegend aus Entwicklungsländer, die weder sozial abgesichert sind, noch reguliert werden (ILO, 2002). Im Gegensatz dazu ist ein vergleichbares Unternehmen in einer Industrienation statistisch und regulatorisch eingebunden und wird damit bei der Berechnung der wirtschaftlichen Leistung auch beachtet.

2.4.2 Berechnung

Ein großes Problem, welches auch später die Vergleichbarkeit erschwert, ist die unterschiedliche Erfassung und Berechnung von Kennzahlen. Ebenso können Berechnungsmethoden die Ergebnisse verfälschen. Als Beispiel kann man hier anführen, dass die Arbeitslosigkeit mit unterschiedlichen Methoden berechnet werden kann. Desweiteren definieren die einzelnen Behörden und statistischen Ämter Arbeitslosigkeit verschieden, und es kann somit zu einer Verzerrung der tatsächlichen Arbeitslosenquote kommen. Auch wird häufig kritisiert, dass bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts der Hausarbeit und der Kindererziehung keine Beachtung geschenkt wird. Da dies aber auch Leistungen sind, die erbracht werden, kann zu Recht die Frage gestellt werden, ob eine Außerachtlassung gerechtfertigt ist. Auf die eben genannten Probleme wird im Zuge der genaueren Betrachtung der Indikatoren Arbeitslosigkeit und des Bruttoinlandsproduktes noch genauer eingegangen.

3. Kennzahlen

3.1 Allgemein bekannte Kennzahlen

3.1.1 Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im englischen Gross Domestic Product (GDP) ist ein wichtiges Maß für die wirtschaftliche Leistung eines Landes oder einer Region. Änderungen im BIP geben Auskunft darüber, in welchem Konjunkturzyklus sich eine Volkswirtschaft momentan befindet. Grob gesagt misst das BIP den Wert aller Waren und Dienstleistungen, die im Inland hergestellt wurden, abzüglich Güter, welche im weiteren Produktionsprozess verarbeitet werden (Vorleistungen).

3.1.1.1 Allgemeines und Berechnung

In der Praxis gibt es drei verschiedene Möglichkeiten das BIP zu berechnen (vgl. DESTATIS, o.J.a): Die erste Berechnungsmethode ist die Entstehungsrechnung. Diese subtrahiert vom Produktionswert die Vorleistungen, um zur sogenannten Bruttowertschöpfung zu gelangen. Um nun zum BIP zu gelangen, werden Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen addiert. Die zweite Möglichkeit ist die Verwendungsrechnung. Hierbei geht man von den Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates aus, addiert die Bruttoinvestitionen und den Saldo aus den Ex- und Importen. Eine dritte Möglichkeit ist die Berechnung über die Verteilungsseite. Diese ist aber zumindest in Deutschland aufgrund fehlender Unternehmen- und Vermögenseinkommensdaten nicht möglich (DESTATIS, o.J.a). Bei dieser Methode rechnet man das Unternehmens- und Vermögenseinkommen plus das Arbeitnehmerentgelt der Inländer, um zum Volkseinkommen zu gelangen. Addiert man nun Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen an den Staat und Abschreibungen, so erhält man das Bruttonationaleinkommen (BNE). Zieht man den Saldo der Primäreinkommen aus der übrigen Welt ab, ergibt dies das BIP. Zusätzlich muss man bei der Berechnung auch darauf achten, ob es sich um das reale oder das nominale BIP handelt (Sperber, 2007, S. 52ff). Hierbei bewertet man die Waren und Dienstleistungen jeweils mit unterschiedlichen Preisen. Beim nominalem BIP mit den Preisen des aktuellen Jahres, beim realen mit Preisen des Vorjahres. Demzufolge ist das reale BIP preisbereinigt. Um aufgrund unterschiedlicher Preisbasen trotzdem eine Vergleichbarkeit herzustellen, berechnet das Statistische Bundesamt sogenannte Kettenindizes.

3.1.1.2 Bruttoinlandsprodukte im Vergleich

Um die wirtschaftliche Stärke eines Landes zu analysieren, könnte man sich die Höhe des BIP genauer ansehen. Abbildung 4 zeigt hierzu die 20 größten Wirtschaftsnationen für 2008 nach dem BIP. Es fällt aber nun auf, dass wirtschaftlich erfolgreiche Länder wie die Schweiz nicht vorkommen, dafür aber zum Beispiel das der Schweiz wirtschaftlich unterlegene Polen. Dies liegt daran, dass die Einwohnerzahlen verschiedener Länder sich deutlich unterscheiden können, und die Schweiz mit 7,7 Millionen Einwohnern (Bundesamt für Statistik - Schweiz, 2009) deutlich weniger Einwohner als Polen mit 38,1 Millionen (Central Statistic Office, 2008) ausweist. Um dieses Problem zu umgehen, kann man nun einfach das BIP pro Kopf ( ), im englischen GDP per capita, berechnen. Nimmt man nun das schweizerische und vergleicht es mit dem polnischen, so stellt man fest, dass es im Jahr 2008 in der Schweiz mit 43.195,52 Internationalen Dollar (kaufkraftbereinigt) mehr als doppelt so hoch war wie in Polen, wo das 17.536,70 Internationale Dollar betrug (IMF, 2009). Abbildung 5 zeigt die wichtigsten im Jahre 2007. Man kann hier gut erkennen, dass das Land mit dem höchsten , Luxembourg, bei einem Vergleich mit dem BIP in seiner kompletten Summe keine Rolle gespielt hätte. Eine weitere Möglichkeit, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten zu vergleichen, findet man, indem man die Wachstumsraten des BIP betrachtet. Da Wirtschaftswachstum als fundamental wichtig erachtet wird, fand dieses mit dem Ziel von „stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstum" auch seinen Weg in die Gesetzgebung (§1, StabG). In der EU wird z.B. ein Wirtschaftswachstum von 3% angestrebt (Kellermann et al.,2009). Aber auch wenn ein Wachstum des BIP wünschenswert ist, ist es nicht selbstverständlich. Durch die komplexen Strukturen der globalen Wirtschaft kann es, wie momentan sehr gut zu beobachten ist, kurzfristig zu einem starken Einbruch der Wirtschaft kommen und damit das BIP drastisch schrumpfen lassen. Die Abbildung 6 zeigt die aktuelle Entwicklung von 2008 bis 2011 für die Industrieländer. Deutlich ist hierbei zu erkennen wie abrupt sich die wirtschaftliche Lage von 2008 auf 2009, ausgelöst durch die Internationale Finanzkrise, verschlechtert hat.

3.1.1.3 Problematiken des BIP

Kritiker bemängeln oft, dass die Berechnung des BIP wichtige Faktoren außer Acht lässt und somit nicht als geeigneter Indikator für die wirtschaftliche Bedeutung einer Volkswirtschaft in Betracht gezogen werden kann. Ein Problem kann die unterschiedliche Betrachtung der Schattenwirtschaft sein. Diese spielt eine nicht zu unterschätzenden Rolle im täglichen Wirtschaftsgeschehen und beträgt in Deutschland laut Auffassung des Institutes für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) zurzeit fast 15% (IAW, 2009). Da die Zahlen für die Schattenwirtschaft nur schätzungsweise zu ermitteln sind, kann dies zu Verzerrung im BIP führen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vernachlässigung ganzer Tätigkeitsbereiche. Hierunter fallen unter anderem die Hausarbeit und Kinderbetreuung. Dies sind Arbeiten, die in den meisten Ländern immer noch von Frauen durchgeführt werden. In einer Studie von 2001, basierend auf Arbeitsmarktdaten von 1997, schätzen Sousa-Poza, Schmid und Widmer den Wert von Hausarbeit und Kinderbetreuung in der Schweiz auf 27% bis 39%, beziehungsweise 5% bin 8% des BIP ein (Sousa-Poza et al., 2001). Ein weiteres Problem ist, dass weder Umweltschäden noch die Lebensqualität in das BIP einfließen. Ein Land kann zwar ein sehr hohes BIP und ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum haben, aber trotzdem einen sinkenden Lebensstandard aufweisen. Dies kann z.B. in den Boomregionen Asiens beobachtet werden, wo durch eine immer weiter fortschreitende Industrialisierung ohne Rücksicht auf die Natur, die Lebensqualität aufgrund dramatischer Umweltverschmutzung stark sinkt. Aber auch ein relativ niedriges BIP kann zu einer Zufriedenheit der Bevölkerung führen. In einer Studie hat die OECD (2006) festgestellt, dass z.B. in Mexico die Zufriedenheit deutlich höher ist als in Japan.

3.1.2 Arbeitslosigkeit

Ein weiterer, weltweit in der Gesellschaft und Politik verbreiteter Indikator, der die wirtschaftlichen Probleme eines Landes aufzeigen kann, ist die Anzahl der Arbeitslosen in einer Volkswirtschaft. Diese zeigt die „relative Unterauslastung des Arbeitskräfteangebots“ (Bundesagentur für Arbeit, 2009). Aber nicht nur Volkswirte und Politiker interessieren sich für dieses Thema. Aufgrund der Folgen, die jedem Arbeitnehmer bei einem Arbeitsplatzverlust drohen, ist ein großes Interesse der Bevölkerung an den Entwicklungen am Arbeitsmarkt gegeben. Dieses Interesse führt nicht allzu selten dazu, dass Verantwortliche in der Politik versuchen, die Anzahl derer ohne Job möglichst klein zu halten bzw. klein zu rechnen, falls die tatsächliche Zahl über Ihren Vorstellungen liegt. Für die Wichtigkeit dieser Kennzahl spricht auch der Faktor, dass in Wahlkämpfen gerne die Reduzierung der Arbeitslosigkeit als wichtiges Wahlziel genannt wird, wohlwissend, dass dies Wählerstimmen einbringt, aber in der Realität sehr schwer umzusetzen ist. Im Folgenden wird hauptsächlich auf die Messung und auf die Gründe für Arbeitslosigkeit eingegangen

3.1.2.1 Die Arbeitslosenquote

Will man die Anzahl der Arbeitslosen in einer Volkswirtschaft messen, so setzt man im Grunde nur die Anzahl der Arbeitslosen ins Verhältnis zur Zahl der Erwerbstätigen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 1: Berechnung der Arbeitslosenquote

Das Grundproblem hierbei ist nun, die Anzahl der Arbeitslosen korrekt zu messen. Es gibt mehrere Ansätze, die jeweils auf verschiedenen Zählmethoden beruhen. Eine bei Behörden und Regierungen beliebte Methode ist, nur die registrierten Arbeitslosen zu zählen. Die Bundesagentur für Arbeit beruft sich z.B. auf den § 16 Abs. SGB III, in dem als Arbeitslose nur Personen zählen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet sind (Bundesagentur für Arbeit, 2004). Laut der Agentur für Arbeit zählen hierbei unter anderem Schüler, Studenten und Schulabgänger sowieso arbeitsunfähige Personen nicht dazu. Auch in anderen Ländern wird eine verzerrende Größenermittlung genommen. So wird z.B. in Großbritannien die Arbeitslosigkeit mit der „Claiment Count Method“ berechnet. Diese Methode beruht auf der Anzahl der Personen, die für Arbeitslosengeld, seit 1996 „Jobseeker’s Allowance (JSA)“, qualifiziert sind bzw. es in Anspruch nehmen (Office for National Statistics, 2009). Dies sind im Allgemeinen Personen, die arbeitsfähig, aktiv arbeitssuchend und noch nicht im Rentenalter sind. Dass diese Zahl durch ihre Prämissen deutlich unterhalb der tatsächlichen Zahl der Arbeitslosen liegt, kann in Abbildung 7 gesehen werden. Die zweite, ebenfalls mit deutlich höheren Arbeitslosenzahlen in der Abbildung ersichtliche Methode, ist die „Labour Force Survey (LFS)“. Bei dieser wird stichprobenartig eine Anzahl von Haushalten vierteljährlich in Bezug auf die Beschäftigung der Haushaltszugehörigen befragt. Bei dieser, nach den Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) durchgeführten Befragung, zählen alle Personen, die ohne Arbeit sind, arbeiten wollen, in den letzen vier Wochen vor dem Interview nach Arbeit gesucht haben und in den nächsten zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen können, als arbeitslos (Office for National Statisics, 2009). Ebenso zählen Personen, die bereits einen Arbeitsplatz gefunden haben und in den nächsten zwei Wochen mit der Arbeit beginnen als arbeitslos. Diese Statistik zeigt durch Ihre Prämissen besser die Zahl der Arbeitslosen, als die Methode, die nur die registrierten Arbeitslosen zählt. Ein Grund hierfür ist, dass z.B. Personen, deren Partner ein hohes Einkommen haben, vom Erhalt von JSA ausgeschlossen sind. Desweiteren sind Personen, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, von der Zählung bei den Methoden die sich auf registrierte Arbeitslose beziehen, ausgeschlossen. Dies ist auch in Deutschland der Fall (vgl. § 16 Abs. 2 SGB III).

3.1.2.2. Versteckte Arbeitslosigkeit

Ein großes Problem bei der Erfassung der tatsächlichen Anzahl der Arbeitslosen ist die sogenannte „Versteckte Arbeitslosigkeit“. Dieser Effekt kann häufig in Regionen mit strukturellen Problemen, wie Wales oder dem Nordosten Englands, beobachtet werden. Durch den starken Rückgang der Kohle- und Stahlindustrie in den Jahren 1970 bis 1990 kam es dort zu erheblichen Problemen mit steigender Arbeitslosigkeit und deren Folgen. Wenn man nun aber die Arbeitslosenzahl verschiedener Regionen vergleicht, so sieht man keine großen Differenzen. So fand z.B. Fothergill (2001) heraus, dass im Jahre 2000 die Arbeitslosigkeit nach der „Claiment Count Method“ in Großbritannien selbst in den von der Deindustrialisierung schwer getroffene Gebieten wie Südwales nur 5 bis 9% betrug. Im Weiteren schreibt Fothergill, dass der Grund dafür in dem Umgang mit den, oft durch die schwere Arbeit zumindest teilweise arbeitsunfähigen Industriearbeitern zu finden ist. Diesen wurde nach ihrem Entlassen statt Arbeitslosengeld Krankengeld bezahlt oder sie wurden frühpensioniert. Dadurch fielen diese ehemals erwerbstätigen Personen aus der Statistik. Dass dies einer versteckten Arbeitslosigkeit gleichkommt, kann man gut erkennen, wenn man statt den Arbeitslosenzahlen die Aktivitätsraten betrachtet. In Abbildung 8 sieht man hier deutlich die regionalen Unterschiede zwischen dem wirtschaftlich starken Südosten Englands und strukturschwachen Regionen, wie z.B. Wales, wo die niedrigere Aktivitätsrate zu einem großen Anteil auf die gesundheitsbedingte Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist.

3.1.2.3 Ursachen und Formen der Arbeitslosigkeit

Als Ursache für das Auftreten von Arbeitslosigkeit kommen mehrere Gründe in Betracht. Unter anderem kommen die strukturelle, bzw. klassische Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne, die konjunkturelle, bzw. keynesianische, die friktionelle und die saisonale vor (Sperber, 2007). Die strukturelle Arbeitslosigkeit beruht darauf, dass sich das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage nicht an dem Punkt, an dem Vollbeschäftigung auftritt, treffen (siehe Abbildung 9). Die Ursache hierfür liegt in den unterschiedlichen Lohnvorstellungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die keynesianische Arbeitslosigkeit tritt hingegen auf, wenn aufgrund von konjunkturellen Bedingungen das Arbeitsangebot, bedingt durch eine fehlende Güternachfrage, unterhalb der Nachfrage liegt und somit eine Unterauslastung des Faktors Arbeit vorliegt (siehe Abbildung 10).

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Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Volkswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,0
Autoren
Jahr
2010
Seiten
43
Katalognummer
V167435
ISBN (eBook)
9783640839322
ISBN (Buch)
9783640838899
Dateigröße
1103 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
volkswirtschaftliche, kennzahlen, analyse, entwicklung
Arbeit zitieren
Philipp Lampel (Autor)Matthias Kerner (Autor), 2010, Volkswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167435

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Titel: Volkswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung


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