Von der 68er Bewegung zur RAF

Eine Analyse möglicher Beweggründe


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Historischer Abriss der 68er Bewegung

2. Der radikale Schritt zur legitimierten Gewalt
2.1. Gründung und Organisation der RAF
2.2. Ziele der RAF

3. Von den Worten zu den Waffen- Eine Analyse möglicher Beweggründe
3.1. Warum radikalisierte sich die Protestbewegung bis hin zur Terrorausübung?
3.2 Inwieweit trug die Politik der BRD zur Radikalisierung bei?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Niederlage Nazi- Deutschlands 1945, teilte sich die Erde in zwei politische Lager. Der kommunistische Osten und der kapitalistische Westen installierten ihre jeweiligen Systeme auf deutschen Boden, welche sich durch den Bau der Berliner Mauer klar und deutlich abgrenzen sollten. Das man ein Volk nicht ohne weiteres einsperren oder voneinander trennen kann, bewiesen die mannigfaltigen Protestbewegungen in der DDR und der BRD, die zum Fall der Berliner Mauer 1989 führten. Der Höhepunkt jedoch, der öffentlich wirksamsten Bewegungen der BRD, entfaltete sich 1968, woher auch der Name der Bewegung stammt. Jene Zeit war geprägt von Studentenunruhen, die sich gegen die Notstandsgesetze, Nutzung von Kernenergie, den Vietnamkrieg, die Wiederbewaffnung der Bundeswehr oder den Kapitalismus im allgemeinen auflehnten. Die Proteste waren überwiegend friedlich geprägt, was sich aber mit der Repression des Staates gegenüber den Protestierenden in den Jahren nach 1968 deutlich änderte. Die zunehmende Radikalisierung der meist links orientierten Studenten mäanderten in Gewaltaktionen und Überfallen, bis hin zur Gewaltausübung durch die Rote Armee Fraktion (RAF), die als Symbol für Terror im Staat, die BRD über zwei Jahrzehnte geißelte. Doch wie kam es zu einer derartigen Radikalisierung? Was waren die Ursachen, die zur Gründung der RAF führten und inwieweit hatte die politische Führung der BRD ihren Anteil daran? Die vorliegende Hausarbeit thematisiert genau jene Fragen und soll die Phasen der Radikalisierung kenntlich machen. Eine kurze Ausführung zum Gegenstand der 68er Bewegung gibt Aufschluss über die damalige Gewaltmotivation, die am Beispiel einiger führender Köpfe der partiell überfließenden Bewegung zur RAF verdeutlicht werden. Ein zusammenfassender Abriss über die Gründung und Organisation der RAF soll als weiterführendes Modell der 68er Bewegung angesprochen werden, wobei ich den Übergang näher beleuchten möchte. Die Frage inwieweit sich der Großteil der friedlich Protestierenden zur RAF bekannte und in welchen Punkten sie sich distanzierten, wird in meiner Hausarbeit ebenso mit aufgegriffen. Jedoch ist der Umfang, für eine komplette Definition des Themas zu groß, um ihn vollständig erfassen zu können und so genügt ein restriktiver Ansatz zum Verständnis darüber, welche Parameter für eine Ausuferung der Proteste gängig waren, die zum Schritt der freien Gewaltausübung führten.

1. Historischer Abriss der 68er Bewegung

Das Jahr 1968 oder einfach nur „Achtundsechzig“, steht stellvertretend für eine Protestbewegung von jungen Menschen in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Wie in anderen europäischen Ländern kam es zu öffentlichen Demonstrationen und Protesten, die sich vornehmlich gegen die Politik und die Lebensweise des „Establishments“, den Vietnamkrieg oder die Verabschiedung der Notstandsgesetze richteten. Die Protestbewegungen auf deutschen Boden, spielten eine herausragende Rolle, da hier die NS- Vergangenheit der Eltern, Lehrer oder Politiker kritisch hinterfragt sowie eine vermeintliche Fortführung faschistischer Strukturen aufgedeckt wurde. Die Notstandsgesetze wurden in diesem Zusammenhang mit den Ermächtigungsgesetzen von 1933 verglichen, da beide einen erheblichen Eingriff des Staates in das Privatleben der Bürger verlangten. Der damalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger sollte jenen Protest am eigenen Leibe spüren, da er bei einen CDU- Parteitag von dem SDS- Mitglied Beate Klarsfeld öffentlich geohrfeigt wurde, aufgrund seiner früheren Tätigkeiten als Abteilungsleiter im Reichspropagandaministerium.1 Der Höhepunkt der 68er Bewegung war der Besuch des persischen Schahs Reza Pahlavi und seiner Gattin im Juni 1967 in Berlin. Etwa zweitausend Studenten demonstrierten gegen jenen Besuch, wobei die Polizei und die eigens rekrutierten „Jubelperser“ brutal gegen die Demonstrierenden vorgegangen sind. Die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch den Polizisten Karl- Heinz Kurras war, so Andreas Elter, ein „Meilenstein in der Radikalisierung eines Teils der Studentenbewegung [...]“.2 Viele renommierte Historiker, so auch Wolfgang Kraushaar, setzen hier die Zäsur zwischen friedlichen Protest und der Vorbereitung für den bewaffneten Kampf. Hinzu kommt, dass am 11.04.1968 der „politische Führer“ der Studentenbewegung und APO- Vorsitzender Rudi Dutschke auf offener Straße angeschossen wird, das Attentat aber knapp überlebte.3 Der Radikalisierungsmoment ist von dem Zeitraum aus historisch zu beobachten. Das „ewige Feinbild“, die Springerpresse, mit all ihren Organen im Bereich der Printmedien, galt in den reaktionären Kreisen als der „geistige Attentäter“4, da sie sich weniger diplomatisch im Umgang mit den Protestierenden äußerten.

2. Der radikale Schritt zur legitimierten Gewalt

2.1. Gründung und Organisation derRAF

Um nach der Ursache der Radikalisierung fahnden zu können, muss man die Umstände in Betracht ziehen, die zur Gründung der RAF geführt haben. Jene resultierten aus den Wirren der Auflösung der 68er Bewegung und den Begebenheiten, die sich in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre in der BRD zutrugen. Durch den Zerfall des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) 1968, entstanden etliche Splittergruppierungen wie die „Tupamaros West- Berlin“, der „Zentralrat der Umherschweifenden Haschrebellen“, „Schwarze Ratten“ sowie die Mitglieder des ehemaligen links- extremistischen Flügels des SDS „Subversive Aktion“, um nur einige zu nennen. Andreas Elter spricht in seinem 2008 erschienenen Werk „Propaganda der Tat: die RAF und die Medien“, vom Aufkeimen links-terroristischer Organisationen, welche er als das Zerfallsprodukt der sich auflösenden Studentenbewegung sieht.5 Die Behauptung stimmt insoweit, da sich autoritäre Personen wie der arbeitslose Andreas Baader, seine Geliebte Gudrun Ensslin und später die „konkret“- Journalistin Ulrike Meinhof hervortaten, um ihren „Kampf gegen den Imperialismus“ fortzusetzen. Die erste, politisch motivierte Tate manifestieren die Kaufhausbrände in Frankfurt bei Kaufhof und Schneider in der Nacht vom 2. auf den 3. April 1968, durch Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein6 Der empirischen Geschichtsforschung liegt aber noch kein Beleg zugrunde, dass man bei dieser Tat bereits von einen Anschlag der RAF reden kann. Ein genaues Gründungsdatum taucht weder in den von Meinhof verfassten Kampfschriften, noch in einen Bekennerschreiben der RAF auf.7 Die eigentliche Geburtsstunde pointiert die dilettantische Befreiungsaktion Baaders durch Irene Goergens, Gudrun Ensslin und Ingrid Schubert am 14. Mai 1970, wobei sich Ulrike Meinhof kurzerhand den bewaffneten Kampf anschloss. Meinhof recherchierte zujener Zeit als Journalistin die radikalen Täterprofile der auffälligen Akteure der Protestbewegungen und durfte an diesen Tag ein Interview, mit Baader in der JVA Berlin-Tegel führen. Von jenen Tag an kursiert die Befreiungsaktion in den Medien als die Geburtsstunde der „Baader-Meinhof-Bande“ bzw. der „Baader-Meinhof-Grappe“, woraufhin man sich kurze Zeit später den Namen „Rote Armee Fraktion“ verlieh. In den folgenden Wochen schlossen sich weitere Mitglieder an, u.a. Jan-Carl Raspe, Brigitte Mohnhaupt und Holger Meins. Die RAF fasste im Sommer 1970 bereits 20 Mitglieder, die sich als Führungskader der ersten Generation der RAF etablierten. Um die Organisation untereinander zu verbessern und sich auf den bewaffneten Straßenkampf vorzubereiten, entschloss man sich, an einen paramilitärischen Training der El Fatah in Jordanien teilzunehmen. Mit den erworbenen Kenntnissen wurde die personale Struktur innerhalb der Gruppe geformt und die RAF im Aufbau ihrer terroristischen Logistik optimiert um sich mit Überfällen Geld, Wohnungen, Ausweise oder Waffen zu sichern. Als Leitfaden hierfür, diente für jedes Mitglied Carlos Marighellas Handbuch für den Stadtguerillero, bis die RAF im April 1971 ihr eigenes Strategiepapier entwickelte und unter den Namen „Das Konzept Stadtguerilla“ veröffentlichte. Die endgültige Abkehr vom friedlichen Protest war mit dem Thesenpapier besiegelt, da e]s die Anwendung von Waffengewalt bei einer eventuellen Festnahme eines Mitgliedes einbezieht. Auf diesen Grundsatz hin, fielen etliche Menschen der RAF (auch in den eigenen Reihen) zum Opfer. Ihre politische Maxime, der Übergang der BRD vom Kapitalismus zum Sozialismus, manifestierte die RAF in ihrer Schrift „Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“. Daraufhin folgten zahlreiche Sprengstoffattentate und Anschläge auf verhasste Einrichtungen, die nicht mit dem Gedankengut der RAF korrelierten.8 Folgende Objekte waren Ziele der ersten Generation der RAF, die durch Anschläge zerstört worden (chronologisch aufgeführt): 1. 11.05.1972 V. US-Korps im IG-Farben-Haus in Frankfurt/Main (13 Verletzte, 1 Toter); 2. 12.05.1972 Polizeidienststelle in Augsburg (5 Polizisten schwer verletzt); 3. 12.05.1972 Parkplatz auf dem LKA München (mehrere Verletzte); 4. 15.05.1972 detonierende Autobombe des Richters Buddenberg (Frau überlebt schwer verletzt); 5. 19.05.1972 Detonation einer Bombe im Axel-Springer-Haus (trotz vorherige Warnrufe17 Verletzte) und 6. Europa Hauptquartier der US- Armee in Heidelberg (3 Tote und 5 Verletzte). Insgesamt gab es sechs Anschläge im Mai 1972, wobei vier Menschen starben und über vierzig Menschen verletzt wurden.9 Das Gewaltpotential der RAF war somit ernst zu nehmen und rief auch beim damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Herausforderung zum Handeln hervor.

[...]


1 Vgl. hierzu Wolfgang Kraushaar: 1986 als Mythos, Chiffre und Zäsur. Hamburg 2002, S.8.

2 Andreas Elter: Propaganda der Tat: die RAF und die Medien. Frankfurt/Main 2008, S.92.

3 Vgl. hierzu Wolfgang Kraushaar: Achtundsechzig: eine Bilanz. Berlin 2008, S. 153.

4 Elter: Propaganda, S. 102.

5 Elter: Propaganda, S. 124.

6 Ebd. S.96.

7 Vgl. hierzu Mario Petri: Terrorismus und Staat: Versuch einer Definition des Terrorismusphänomens und Analyse zur Existenz einer strategischen Konzeption staatlicher Gegenmaßnahmen am Beispiel der Roten Armee Fraktion in der Bundesrepublik Deutschland. München 2007, S. 125f.

8 Petri: Terrorismus, S.126.

9 Vgl. hierzu Butz Peters: RAF: Terrorismus in Deutschland. München 1993, S. 470-473.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Von der 68er Bewegung zur RAF
Untertitel
Eine Analyse möglicher Beweggründe
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V167457
ISBN (eBook)
9783640838387
ISBN (Buch)
9783640838462
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
68er, RAF, DDR, BRD, Terrorismus, Studentenbewegung, Politik, Neuste Geschichte, Europa
Arbeit zitieren
Stephan Gottschalt (Autor), 2009, Von der 68er Bewegung zur RAF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167457

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