Die Entwicklung der spanischen Kunst in der Renaissance


Seminararbeit, 1999
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Zur Entstehung der Renaissance
1.1 Der Begriff „Renaissance“
1.2 Geschichtlicher Hintergrund
1.3 Ausländische Einflüsse

2. Zum Problem des Renaissancebegriffes
2.1 Die Vielfalt der Renaissance
2.2 Die Besonderheiten der Kunst der Renaissance in Spanien

3. Kunst und Religion

4. Die Kunst der spanischen Renaissance
4.1 Stilrichtungen der spanischen Renaissance
4.1.1 Isabella-Stil
4.1.2 Der Platereskstil
4.1.3 Der puristische oder klassische Stil
4.2 Die Architektur
4.3 Die Skulptur
4.4 Die Malerei

5. Schluß

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Auf den folgenden Seiten soll die Entwicklung der Kunstepoche der Renaissance in Spanien vorgestellt und analysiert werden. Nach der Klärung des Begriffes der Renaissance sowie einem kurzen historischen Abriß dieser Zeit soll anhand von ausgewählten Künstlern die Entwicklung dieser Epoche unter besonderer Berücksichtigung ausländischer und religiöser Einflüsse untersucht werden. Durch Darstellung der in Spanien entstandenen Stile sowie Künstler und Kunstwerke aus den Bereichen der Architektur, Skulptur und Malerei soll ein Eindruck der Vielfalt der Kunst der spanischen Renaissance vermittelt werden.

An dieser Stelle soll erwähnt sein, daß die ausführliche Darstellung aller spanischen Renaissancekünstler und Kunstwerke den Rahmen meiner Arbeit gesprengt hätte.

1. Zur Entstehung der Renaissance

1.1 Der Begriff „Renaissance“

Als die Epoche der „Renaissance“ (franz.: Wiedergeburt, Wiederaufleben oder Wiederaufblühen; von lat. r enascere - wiedergeboren werden) wurde im 19. Jahrhundert von dem schweizer Kunsthistoriker Jacob Burckhardt in seinem Werk „Die Kunst der Renaissance in Italien“ (1860) die Zeit zwischen 1350 und 1600 bezeichnet. In der Kunstwissenschaft steht der Begriff für die Bezeichnung der Epoche der europäischen Kunstgeschichte zwischen Gotik und Manierismus bzw. dem nachfolgenden Barock. Unter Führung italienischer Kunst und Kultur leitete die kunstgeschichtliche Epoche der Renaissance vom Mittelalter in die Neuzeit. Der Stil der Renaissance zeichnet sich einerseits durch eine Wiederbelebung der Formensprache der Kunst der griechischen und römischen Antike, die gesammelt, beschrieben und kritisch betrachtet wurde, und andererseits durch ein intensives Studium der Natur aus.

Die Kunst der Renaissance ist von der Suche nach Neuerungen geprägt, die unter anderem in wissenschaftlichen Experimenten und Forschungen ihren Ausdruck fanden, welche viele Künstler durchführten. Die dabei entdeckten Gesetzmäßigkeiten wurden in zahlreichen theoretischen Werken festgehalten. Eine der bedeutendsten Entdeckungen war die der Zentralperspektive, mit deren Hilfe ein illusionistischer dreidimensionaler Bildraum geschaffen wird, indem man das Bild als Fenster zur sich vergrößernden natürlichen Welt versteht.

Das Grundprinzip der Zentralperspektive ist die Konvergenz der Tiefenlinien des Raumes auf einen am Horizont gelegenen Fluchtpunkt hin. Damit wird annähernd die Deformation wiedergegeben, die der Blick durch die Krümmung des Auges erfährt. Sie ist die einzige Methode, die ein naturgetreues Abbild eines Raumes ermöglicht.

1.2 Geschichtlicher Hintergrund

Die Renaissance in Spanien ist zeitlich ungefähr von 1420 bis1555 einzuordnen, wobei Kunsthistoriker eine Frührenaissance von 1420 bis 1500, eine Hochrenaissance von 1520 bis 1530 und eine Spätrenaissance von 1520 bis 1600 nennen.

Die Zeit der Renaissance in Spanien war von vielen bedeutsamen Veränderungen und Entdeckungen unter anderem auf gesellschaftlichem, geographischem, technischem und naturwissenschaftlichem Gebiet geprägt. Beispielhaft seien genannt die Wahl spanischer Prälaten auf den päpstlichen Thron, die Vereinigung der Königreiche auf der Halbinsel, die Eroberung Neapels und Mailands durch die spanische Krone, bedeutende Feldzüge der spanischen Armee, die Kolonisierung der amerikanischen Besitzungen und die Entwicklung einer herausragenden Stellung Spaniens in der Weltpolitik.

Spanien unterhielt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts intensive Beziehungen zu Italien, im wirtschaftlichen Bereich über seine Häfen (besonders Genua), aber auch politisch. Das Königreich Neapel stand unter der Herrschaft des Königshauses von Aragón, dessen Monarchen gleichzeitig Könige von Neapel waren. Seitdem ist der Einfluß Spaniens auf der italienischen Halbinsel nicht mehr wegzudenken; hervorzuheben sind die Feldzüge des Gonzalo de Córdoba während der spanischen Besitztümer in Italien und unter der Regierung von Philipp II., der intensive Beziehungen zu anderen italienischen Staaten und dem Papsttum hatte. Daraus entwickelte sich das große Bündnis gegen die Türken und es kam zur denkwürdigen Seeschlacht von Lepanto.

Die sich aus den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen ergebende Stellung Spaniens ermöglichte eine rasche Verbreitung der Renaissance.

1.3 Ausländische Einflüsse

Durch den oben geschilderten wirtschaftlichen und politischen Einfluß Spaniens auf Italien kam es zu einem regen Austausch spanischer und italienischer Künstler, wodurch der spanischen Kunst neue technische, dekorative und stilistische Impulse verliehen wurden. Insbesondere von Italien nach Spanien gebrachte Kunstwerke führten dazu, daß die verschiedenen Stilrichtungen der italienischen Renaissance auch in Spanien zur Geltung kamen. Größtenteils waren dies Skulpturen und Grabmale, architektonische Abhandlungen sowie dekorative Gegenstände und Möbel.

Das Grabmal des „großen Kardinals von Spanien“ Pedro González de Mendoza in der Kathedrale von Toledo, das 1504 begonnen wurde, war das erste Beispiel für eine Triumphbogenkonstruktion über einem antiken Sarkophag. In den folgenden Jahren verstärkten sich die Importe von Werken aus Carrara-Marmor, der in Genua bearbeitet wurde. So schuf der Florentiner Domenico Fancelli 1509 in Genua das für die Kathedrale von Sevilla bestimmte Mendoza-Grabmal. Im Jahre 1517 vollendete er das Grab für die katholischen Könige Ferdinand und Isabella in der mit der Kathedrale von Granada verbundenen Königskapelle, begann dann das Grabmal Philipps des Schönen und das von Johanna der Wahnsinnigen, welche er jedoch nicht beenden konnte, da er zwei Jahre darauf starb. Die Weiterführung der Arbeit übernahm Bartolomé OrdóÔez.

Ein weiterer Florentiner, Pietro Torrigiano, ließ sich 1520 in Sevilla nieder und schuf in Terrakotta Werke wie den Heiligen Hieronymus, der gleichzeitig den männlichen Akt und den expressiven Naturalismus vorführte.

So konnte sich im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts der italienische Einfluß auf die sich in Spanien entwickelnde Renaissance manifestieren. Hervorgehoben sei an dieser Stelle, daß sich neben der sich neu entwickelnden und für Spanien typischen Form der Renaissance in diesem Land weiterhin gotische Stilelemente und Ausdrucksformen halten konnten: „Das lange Überleben der Gotik erklärt sich aus dem Widerstand, den der Spanier stets allen Neuerungen geleistet hat“[1].

Skulptur gab es ausschließlich als religiöse Darstellung; sie widmete sich der Ausführung von Altarretabeln mit einer Vielzahl von Szenen, deren Prinzip aus Flandern stammte. Die Programme blieben also dieselben wie in der Gotik.

Im Gegensatz zur italienischen Renaissance ging es in der spanischen Kunst nicht darum, die Schönheit der Form zu finden, sondern um die Bedeutung des Werkes, sowohl im Thema als auch im Ausdruck. Diese Auffassung wurde von Künstlern aus dem Norden, vor allem von Franzosen unterstützt, die sich im Kunststil Spaniens leichter wiederfinden konnten, da sie dort die Gebräuche ihres Heimatlandes wiederfanden.

So zum Beispiel Felipe de Vigarny, der sich 1498 in Burgos niederließ und dort einen narrativen Stil im französischen Geist praktizierte, oder Gabriel Joly, der seit 1515 in Zaragoza lebte und Werke im Stil des italienischen Manierismus anfertigte.

Allerdings waren es ortsansässige, von einem Aufenthalt in Italien beeinflußte Maler, die im ersten Drittel des Jahrhunderts die am stärksten vom Stil der italienischen Renaissance beeinflußten Werke schufen. Bartolomé OrdóÔez aus Burgos fertigte 1515 die Ausschmückung des Chores der Kathedrale von Barcelona im florentinischen Stil der ersten Werke von Jacopo Sansovino an.

Ebenso Diego de Siloé, der seine Lehrjahre in Italien verbrachte und 1519 wieder nach Spanien zurückkam, und dort in dem Werk Heiliger Sebastian einen florentinisch ausgerichteten Stil demonstrierte, in dem der Einfluß Michelangelos deutlich wird.

2. Zum Problem des Renaissancebegriffes

2.1 Die Vielfalt der Renaissance

Die Entwicklung in Italien, wo die Renaissance etwa Anfang des 15. Jh. einsetzte und 1520/30 endete, vollzog sich sehr viel rascher als im restlichen Europa, in das der Renaissancestil mit Verzögerung vordrang und nie das Maß klassischer Monumentalität annahm. Die Entwicklung der Renaissance, insbesondere der einzelnen künstlerischen Gebiete, war sowohl im zeitlichen Verlauf als auch in ihrem Grad der Entfaltung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Daraus ergibt sich, daß man nicht von einem feststehenden Begriff der Renaissance, der für eine bestimmte Periode gilt, sprechen kann, sondern vielmehr von mehreren Renaissancestilen. Die Renaissance weist folglich in Europa ein variantenreiches Spektrum auf.

[...]


[1] Marcel Dieulafoy, Geschichte der Kunst in Spanien und Portugal, S. 221.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der spanischen Kunst in der Renaissance
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Spanisch)
Veranstaltung
Spanische Landeskunde
Note
1,7
Autor
Jahr
1999
Seiten
20
Katalognummer
V16750
ISBN (eBook)
9783638215008
ISBN (Buch)
9783656091417
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Kunst, Renaissance, Spanische, Landeskunde
Arbeit zitieren
Sina Friedreich (Autor), 1999, Die Entwicklung der spanischen Kunst in der Renaissance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16750

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