Definieren lässt sich „[e]ine Emotion oder ein Gefühl [als] eine Erscheinungsform eines geistigen Phänomens“. So lautet der erste Satz Richard Wollheims in seinem Buch „Emotionen. Eine Philosophie der Gefühle“. Er merkt dabei an, dass von dem Begriff „Gefühl“ in seinem Text nicht weiter Gebrauch gemacht wird, sondern nur der Begriff „Emotion“ Verwendung findet. Er begründet dies damit, dass dadurch die Begriffe „Empfindung“ und „Sinneswahrnehmung“ deutlicher abgegrenzt werden. Zum anderen werden die beiden Begriffe „Emotion“ und „Gefühl“ aber auch in der deutschen Alltagssprache synonym verwendet, was ebenfalls in den Texten von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath der Fall ist. Dies war mir zuerst unklar, denn meine Einstellung war es, bevor ich die Texte gelesen hatte, dass sich prinzipiell Unterscheidungsmerkmale zwischen Gefühl und Emotion finden lassen. Ich werde mich aber natürlich dem Verständnis der gleichen Bedeutung anschließen und in meiner Hausarbeit nur noch den Emotionsbegriff verwenden.
Die Philosophie setzt sich immer wieder intensiv mit dem Thema der Emotionen auseinander. Viele Philosophen haben Werke zu diesem Thema veröffentlicht und demzufolge enthält die Literatur auch die unterschiedlichsten Definitionen dieses Begriffs.
Ich möchte mich in meiner Hausarbeit zwei Begriffsverständnissen von Emotionen nähern und diese vergleichen. Einerseits dient mir der Text von Sabine A. Döring „Können Gefühle Gründe sein?“ als Grundlage, andererseits werde ich mich mit dem Text von Holmer Steinfath „Emotionen, Werte und Moral“ auseinandersetzen.
Zu Beginn möchte ich erst einmal kurz ein paar Sätze über die beiden Autoren Sabina A. Döring und Holmer Steinfath verlieren. Anschließend, um auf das eigentliche Thema einzugehen, soll geklärt werden, was Emotionen sind, was diese für die beiden Autoren darstellen. Folgend werden die jeweiligen Eigenschaftszuschreibungen analysiert und miteinander verglichen. Im fünften Abschnitt werden die Ansichten zur Angemessenheit von Emotionen thematisiert. Dabei findet wieder ein Vergleich von Dörings und Steinfaths Auffassungen statt. Und zum Schluss soll es noch um die Beziehung zwischen Werten und Emotionen gehen, die abermals unter beiden Gesichtspunkten betrachtet wird. Anhand der verschiedenen Ansätze, die die Philosophie bietet, besteht die Möglichkeit, dass es sich um zwei völlig verschiedene Begriffsverständnisse von Emotionen handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über die Autoren Sabine A. Döring und Holmer Steinfath und deren Wertegänge
2.1 Sabine A. Döring
2.2 Holmer Steinfath
3. Gefühle bzw. Emotionen und ihre charakteristischen Merkmale
3.1 Dörings Definition von Emotionen
3.2 Steinfath im Vergleich zu Döring
3.3 Die Bedeutung der Motivation von Emotionen für normative Handlungsgründe in der internalistischen Theorie nach Döring
4. Die Bedeutung der affektiven und kognitiven Eigenschaftszuschreibung bei Steinfath und Döring
4.1 Definitionen von Affektivität bzw. Affekt und Kognitivismus
4.2 Dörings Verständnis von Affektivität in Bezug zum Kognitivismus
4.3 Steinfaths Affektivitäts- und Kognitivitätsverständnis
4.4 Zusammenfassender Vergleich Schlussfolgerung
5. Angemessenheit von Emotionen im Vergleich von Steinfath und Döring
6. Das Beziehungsverhältnis zwischen Werten und Emotionen
6.1 Dörings Gedanke zum Beziehungsverständnis von Werten und Emotionen
6.2 Die Werte nach Steinfath
6.3 Die Beziehung zwischen Werten und Emotionen nach Steinfath
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit analysiert und vergleicht das philosophische Verständnis des Emotionsbegriffs in den Texten von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Differenzen in deren Eigenschaftszuschreibungen, dem Verhältnis von Emotionen zu Werten sowie den Ansätzen zur Angemessenheit von Gefühlen herauszuarbeiten.
- Vergleichende Analyse philosophischer Emotionstheorien
- Rolle von Affektivität und Kognitivismus bei Emotionen
- Internalistische vs. kognitivistische Begründungsansätze
- Die Bedeutung von Motivation für normative Handlungsgründe
- Das Beziehungsverhältnis zwischen Werten und Emotionen
Auszug aus dem Buch
4.2 Dörings Verständnis von Affektivität in Bezug zum Kognitivismus
Döring versteht unter der affektiven Wahrnehmung eine sinnliche Wahrnehmung. Diese kann als aktualer, und nicht lediglich als dispositional vorliegender, bewusster Zustand bezeichnet werden kann, der einen intentionalen Inhalt hat. Wird nun davon ausgegangen, dass zwischen dem Inhalt der Emotion und dem Inhalt der sinnlichen Wahrnehmung eine Analogie zu ziehen ist, entspricht das der Verteidigung einer kognitivistischen Theorie. Als Beispiele für solch eine Analogie kann die Furcht vor einem Rottweiler genannt werden, der vor einem sitzt und als wirklich aggressiv dreinblickend wahrgenommen wird.
Der Grundgedanke dieser kognitivistischen Theorie besagt also, dass eine Emotion ein Zustand mit Intention ist und eine Bewertung seines intentionalen Objekts beinhaltet. Damit ein mögliches intentionales Objekt einer Emotion verständlich ist, muss das Subjekt einen Gegenstand als Träger einer bestimmten Werteigenschaft ansehen. Ich verstehe darunter zum Beispiel, dass die Furcht vor dem Rottweiler nur dann verständlich ist, wenn der Rottweiler existiert und eine bestimmte Eigenschaft hat, wie zum Beispiel einen aggressiven Blick, der erklärt, warum ich gegenüber dem Rottweiler eine solche Furcht empfinde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die begriffliche Problematik von Emotionen ein und erläutert die Auswahl der Texte von Döring und Steinfath als Vergleichsgrundlage.
2. Über die Autoren Sabine A. Döring und Holmer Steinfath und deren Wertegänge: Dieses Kapitel gibt einen kurzen biographischen Abriss der beiden Professoren und ordnet ihre akademischen Schwerpunkte im Bereich der praktischen Philosophie ein.
3. Gefühle bzw. Emotionen und ihre charakteristischen Merkmale: Hier werden die Definitionen der Autoren vorgestellt und ihre Auffassungen von Emotionen als motivationale, bewusste Zustände gegenübergestellt.
4. Die Bedeutung der affektiven und kognitiven Eigenschaftszuschreibung bei Steinfath und Döring: Das Kapitel analysiert die Rolle von Affektivität und Kognitivität und diskutiert, inwiefern beide Autoren dem Grundgedanken des Kognitivismus zustimmen.
5. Angemessenheit von Emotionen im Vergleich von Steinfath und Döring: Es wird untersucht, unter welchen Voraussetzungen die Autoren Emotionen als gerechtfertigt oder angemessen einstufen.
6. Das Beziehungsverhältnis zwischen Werten und Emotionen: Dieses Kapitel widmet sich der zentralen Frage, ob und wie Emotionen in Werturteilen fundiert sind, und zeigt die deutlichsten Unterschiede zwischen Döring und Steinfath auf.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Ergebnisse des Vergleichs zusammen und bestätigt die Übereinstimmungen bei den Eigenschaftszuschreibungen sowie die Differenzen in der Bewertungskonstellation.
Schlüsselwörter
Emotionen, Philosophie, Sabine A. Döring, Holmer Steinfath, Affektivität, Kognitivismus, Werturteile, Handlungsgründe, Internalismus, Intentionalität, Wahrnehmung, Motivation, Angemessenheit, praktische Philosophie, Bewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die philosophischen Ansätze von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath zum Verständnis von Emotionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Emotionen, deren kognitive und affektive Eigenschaften, die Frage der Angemessenheit sowie das Verhältnis zwischen Emotionen und Werten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit sich die Begriffsverständnisse der Autoren ähneln oder unterscheiden und welche philosophischen Konzepte (wie der Kognitivismus) dabei jeweils zugrunde liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Textanalyse auf Basis der ausgewählten Fachliteratur der beiden Philosophen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Eigenschaftszuschreibungen, der motivationalen Kraft von Emotionen und der komplexen Beziehung zwischen Werten und emotionalen Zuständen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Emotionstheorien, Affektivität, Kognitivismus, Werturteile und die Begründung normativer Handlungen.
Wie unterscheidet sich Dörings Sichtweise von der Steinfaths in Bezug auf die Motivation?
Döring misst der motivationalen Seite von Emotionen im Rahmen ihrer internalistischen Theorie eine deutlich höhere Bedeutung bei als Steinfath.
Warum lehnt Döring eine Reduzierung von Emotionen auf Werturteile ab?
Sie sieht darin keinen Erkenntnisgewinn und argumentiert, dass Emotionen eine eigenständige kognitive Qualität besitzen, die über bloße Werturteile hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Anja Penndorf (Autor:in), 2010, Analyse des philosophischen Begriffs Emotion mit Hilfe eines Vergleiches der Texte von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167527